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Die Wahrheit · 1914-03-06 · Heft 9 (6.3.1914) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 9 (6.3.1914)
Date
1914-03-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9. Die Wahrheit. A her Welt sein. Ein ungeheurer Wust der modernen Bibelkxitif, von der sich mancher unserer Wortführer blenden ließ, wird mit unserer'Feststellnng in nichts znsannnenfallen. Bei her Lektüre der heiligen Schrift mache ich auch meine Schüler bei jeder hassenden Gelegenheit darauf aufmerksam. Ist' demnach die Uebersetzung von JBTWH mit „Ewiger" zu verwerfen? Ja. und nein! Denn im Grunde. ist int Judentum E w i g e r und . Schöpfer, gleichbedeutend. N u r der Schöpfer ist ewig, alles andere ist eben von Gott geschaffen' also nicht ewig. Beim Atheisten ist natürlich die Materie, der Stoff, ewig. Wenn ich also „der Ewige" sage, so ist es nur dann die richtige Uebersetznng von JHWH, wenn ich in Gedanken „Schöpfer" — hinzudenke! Darum wäre es besser, lieber gleich Schöpfer zu sagen, da.ist kein Mißverständnis möglich. Namentlich bei der Verbindung JHWH-Zebaoth ist nur Sch öpser am Platze, da von „ewig" kein Objekt abhängen kann. Es wäre vielleicht gut Und zweckmäßig, jHWH mit „ewiger Schöpfer" wiederzngeben, was für alle Fälle richtig und passend wäre. Heinrich Heine. Unten am Meere stand einmal, wo Wellen rauschen und Palmen sich neigen, sein Bild: Heinrich Heine. Wilhelm II versagte Heine das Gastrecht im Parke zu Korfu, wo Kaiserin Elisabeth ihrem Lieblingsdichter ein Monument ausgestellt hatte. Wie weggeweht ist der Zauber des poetischen Heinetempels „Achillaion" und die weißen Marmorstatuen vom Silberglatt des Mondes beleuchtet, flüstern sich die Mär zu, wie man den steinernen Dichter ins Exil verbannte, gleichsam als wollte man damit eine unangenehme Erinnerung verscheuchen. Ob dieser symbolische Akt als Norm maßgebend ist, mag dahin gestellt sein. Das Volk der Dichter und Denker wird doch wohl einen seiner genialsten Söhne nicht durch die Lupe philiströser Anschauung, sondern vom Piedestal, hoher deutscher Geisteskultur betrachten. Heinrich Heine! Welche eine Fülle von Schönheit, Anmut und bestrickender Lyrik liegt in diesem Namen und in den unsterblichen Werken, welche Generation um Generation mit Entzücken lesen wird. In geistvollem Sarkasmus geißelte der Dichter die Schwächen seiner Zeit, so daß die Zahl seiner Feinde Legion wlirde, wenn aber jemand sein Vaterland namenlos geliebt hat, so war es Heinrich Heine! Selbst auf seinem Schmerzenslager findet er noch Töne der Sehnsucht nach der fernen Heimat und seine Lyrik zaubert uns rosenduftende Gärten vor, in welchen die Nachtigall ihr Lied singt und glückliche Menschen lustwandeln. So tief aus großen Schmerzen schöpfend, zu großen Gedanken hochauflodernd, spricht der sterbenskranke Dichter zu einer atemlos lauschenden, schier andächtigen Menge. Als „document humain“ lese ich in einem Provinzblatte, dem „Vorarlberger Volksfreund", einen geharnischten Protest des Weimarer Professors Adolf Bartels, „Ein Wort in der Heinedenkmal-Angelegenheit" anläßlich der öffentlichen Einweihung desselben in Frankfurt a. M. Ich lasse den Inhalt wörtlich folgen, glaube aber nicht, daß der Fanatismus dieses eifernden Zeloten weiter reicht, als daß wir mit Schiller ansrnfen: „Mir ekelt vor diesem tinteuklecksenden Säkulum, wenn ich in meinem Plutarch lese, von großen Männern!" Ein Wort inderHeinedenkmalangelegenheit von Prof. Adolf Bartels-Weimar.*) Am 18. Oktober 1909 hatte der Hamburger Senat dem Berliner Feuilletonisten Dr. Alfred Kerr (Kempner) mitteil'en lassen, daß er einen Platz für ein Heinedenkmal in Hamburg Abgedruckt aus der sehr empfehlenswerten akad. Wochenschrift „Deutsche Hochschulstimmen a. d. Ostmark, 6. Jcchrgang, 1. und 2. Heft, Wien 5. Wehrgasse 27, vierteljährlich 3 Kronen. bewilligen werde, „wenn von den vereinigten Berliner und Hamburger Komitees ein hervorragendes und geeignetes Kunstwerk ängeboten wird und seine Ausstellung gesichert erscheint". Damit war die Errichtung eines Heinedenkmales auf deutschem Boden, die früher von Heines Geburtsort Düsseldorf und anderen deutschen Städten abgelehnt wurde» wahrscheinlich geworden, wohlverstanden, eines Heine-Nationaldenkmales: Die Aufrufe zu diesem von Alfred Kerr angeregten Denkmal waren im Namerr des deutschen Volkes ergangen. (!!) Das Hamburger Denkmal, das zu schaffen dann der Schöpfer des Bismark-Roland am Hamburger Hafen, der Bildhauer Hugo Lederer» übernahm, ist zwar auch heute noch nicht aufgestellt» wohl aber ist am Samstag den 13. Dezember 1913 in Frankfurt a. M. ein öffentliches Heinedenkmal eingeweiht und von dem Oberbürgermeister Voigt für die Stadt übernommen worden. Ich habe im Jahre1906, als die Ausrufe für das Denkmal erschienen. ein Buch „Heinrich Heine. Auch ein Denkmal" (das unseren Lesern angelegentlich empfohlen sei. Anm. der Schriftleitung.) herausgegeben und bin dafür angesichts ganz Deutschlands von den Heinrich Heine-Freunden, Alfred Kerr an der Spitze aufs ärgste beschimpft worden. Damals sprach ich sehr erregt, heute will ich ganz ruhig sprechen: Das deutsche Volk hat sich durch Zulassung eines öffentlichen Heinedenkmales vor ganz Europa blamiert. Nicht ein Volk der Welt würde sich so etwas bieten lassen, wie das deutsche in diesem Falle. Oder glaubt man, daß die Engländer imstande wären, einem jüdischen Dichter ihrer Sprache ein. Denkmal zu setzen (odex es znzutassen) wenn düscr ihr Königshaus besudelt und als Journalist vom französischen Ministerium des Äußeren eine „Pension" bezogen hätte? Glaubt man, daß es die Franzosen täten, wenn ein jüdischer Dichter sie; wie Heine uns oft genug, mit Hunden verglichen und statt sein französisches Staatsbürgertum aufrecht zu erhalten, sich als getreuen Untertan des deutschen Kaisers hingestellt hätte? Ein Heinedenkmal aus deutschem Boden ist für uns eine Schande, außerdem aber auch eine arge Taktlosigkeit gegen unsere Fürsten, wie die nachstehend verzeichneten. auch von Heines Freunden nicht geleugneten Tatsachen unwiderleglich dartun: 1. Heinrich Heine hat schon als Student erklärt, daß alles, was deutsch ist, ihm zuwider sei und auf ihn wie Brechpulver wirke. Schon in der,, Harzreise" und dann noch öfter hat er für die Deutschen das Hundebild gebraucht, er hat die Deutschen gegen die Polen und andere Völker herabgesetzt und sie noch in seinen „Letzten Gedichten" als Esel verspottet. Die für seine deutsche Gesinnung ins Feld geführten größtenteils sentimentalen Gedichte sind, wie die Stelle „Räch Deutschland lechzt' ich nicht so sehr, wenn nicht die Mutter dorten wär'"» beweist nicht ernst zu nehmen. Das bekannte „Deutschland ist noch ein kleines Kind" ist seinem Gegner Wolfgang Menzel nachempfunden. 2. Heinrich Heine hat die nationalen Helden und Dichter der Befreiungskriege von seinen jungen Jahren an bis in sein Alter aufs widerwärtigste beschimpft. Schon in den „Briefen^aus Berlin" (1822) besudelt er Körners angeblich „fade, schale, flache; poesielose" Verse, indem er sie von Berliner Prostituierten singen läßt und in seinen „Geständnissen" (1833—54) nennt er Blücher einen „ordinären Knaster", Görres, Jahn und Ernst Moritz Arndt «eine drollige Gattung Bluthunde." 3. Heine hat den Germanisten Maßmann sein Leb'en lang verhöhnt, weil dieser verdientermaßen die Professur erhielt, die er sich selber wünschte, ohne im geringsten für sie geeignet zu sein. 4. Heine hat den König Ludwig 1. von Bayern zuerst als „Ludwig den Großen" gefeiert, weil er etwas von ihm erhoffte, und ihn dann in den „Lobgesängen auf König Ludwig" aufs gemeinste verspottet. 5. Heine ist 1831 ohne politische Veranlassung nach Paris gegangen, nicht etwa ein deutscher Flüchtling gewesen. Als er später die französische Staatsbürgerschaft erwerben wollte, hat die preußische Regierung erklärt, daß nichts gegen ihn vorliege; und noch 1843 und 1844 hat er unangefochten in Deutschland geweilt. Die von ihm von 1836 bis 1848 bezogene französische „Pension" von

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