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Die Wahrheit · 1914-03-06 · Heft 9 (6.3.1914) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 9 (6.3.1914)
Date
1914-03-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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bette 4. Die Wahrheit Nr. 4. bringe». Werden mm z. B. 5 Kandidaten gewählt und es bemühten sich 3 verschiedene Parteien, Vertreter dnrchznsetzen, so schreiben die Anhänger jeder einzelnen Partei 5 vereinbarte Namen aus die Wahlzettel, so daß 15 Wahlwerber in Konkurrenz treten. Gibt es nun beispielsweise 12000 abgegebene Stimmen und die Partei A hat davon 7000, die Partei B 4000 und die Partei C 1000 Stimmen abgegeben, so wird die Gesammtstimmenzahl durch di e um 1 v erut ehrteKaudidatenonzahl dividiert, also 12000:6= 2000, der gefundene Quotient stellt nun die für die Erlangung eines Mandates nötige Stimntenzahl vor. Int angezogenen Beispiele erhält nun die erste Partei (A) 1000 7000:2000—3 Mandate, und zwar erscheinen die e r st e n 3 ihrer Liste gewählt. Die 2. Partei (B) setzt nnn die ersten 2 Mandatare ihrer Liste durch, well 4000:2000—2 ist. Die 3. Partei (C) würde dabei natürlich dnrchfallen. Hat nun die Partei A keine Aussicht, durch das numerische Uebergewicht ihrer Anhänger die Partei. B ganz zu vernichten, dann emsällt wohl auch der krankhafte Eifer eine Wahl durch alle Mittel zu beemflnssen, und das übermäßige Wahlfieber ist nicht begründet. Es ist zu hoffen, daß das Berhültniswahlrecht nun auch für Wien auf dem Marsche ist, was für die allezeit freiheitlich und fortschrittlich gesinnten jüdischen Staatsbürger ein wahrer Glücksfall wäre, wenn sie im Belange des politischen Verständnisses ans der Höhe der Zeit stehen. Es ist keineswegs ausgeschlossen, daß für die kommenden tt. ö. Landtagswahleu noch eine solche gesetzliche Wahlordnung gemacht wird, denn wenn es die „Regierungsparteien" für nützlich halten, dann wird schnelle Arbeit geleistet, wie dies die rasche Gesetzwerdnng der Gemeindewahlordnung für die Vertretung in den „größeren" (?) tt. ö. Gemeinden erweist. R. L. Der hebräische Eigennamen Gottes. Von Prof. Dr. Kahan, Znaim. Den modernen Menschen mutet es sonderbar an, für Gott einen Eigennamen zu gebrauchen. Die modernen Sprachen haben auch keinen. Denn ein Gott braucht keinen Eigennamen, der ja nur dazu dient, ein Wesen von Seinesgleichen zu unterscheiden. Nur die hebräische Sprache hat bekanntlich neben den allgemeinen Bezeichnungen für Gott, El, Elohim, noch einen Eigennamen für Gott, den wir gewöhnlich Adonaj (Adonoi) lesen. Diese sonderbare Erscheinung können wir mir dann begreifen, wenn wir erfahren, daß der göttliche Eigennamen im Hebräischen das Wesen der einzigen, wahren Gottheit ausdrückt, wie sie das Volk Israel verstand. Was drückt also der Eigennamen Gottes im Hebräischen ans? Ehe wir aber diese Frage beantworten können, müssen wir uns vergewissern, wie dieser Name gelautet hat. Wir kennen von ihm nnr die Konsonante n JH WH, wie aber ihre Vokale gelautet haben, müssen wir erst ermitteln. Denn die Vokale, mit denen die Buchstaben JHWH jetzt versehen sind, gehören gar nicht zu ihnen, und dadurch ist ein heilloser Mißverstand entstanden. Die Sache kam nämlich so : Schon ungefähr 300 v. Ehr. trug das jüdische Volk Bedenken, den heiligen Gottesnameu anszusprechen. Nur im Tempel zu Jerusalem sprachen der Hohepriester am Versöhunngstage und die anderen Priestertäglich. wenn sie den Segen über das Volk sprachen (Tamid, 7, 2), den Gottesnamen mit seinen vier Buchstaben JHWH aus. Sonst aber ersetzte man ihn durch das Wort Adonai — Herr. Wo aber der Gottesname neben Adonai stand (in der Thora nur viermal), da ersetzte man ihn durch das Wort Elohim. Um nun dieses anzudeuten, versah man im ersteren Falle die Buchstaben JHWH mit den Vokalen von Adonai, im zweiten Falle aber mit denen von Elohim. So entstanden anscheinend die Worte Jehowa und Jehowi. Während es nnn keinem Menschen je eingefallen ist. von einem Gott Jehowi bei den Juden zu sprechen, ist es seit Lut her allgemein üblich, den Eigennamen Gottes Jehowa 31t lesen .und zu sprechen! Tatsache aber ist, daß es im Hebräischen ein Wort Jehowa nie gegeben hat. Jehowa ist schlechthin ein Monstrum, aber nicht der Gott der Inden! Wie aber hat der Eigenname Gottes wirklich geheißen? so lange der Tempel zu Iernialem bestanden hat, hörten ihn die Inden täglich von den Priestern richtig anssprechen, er war ihnen also' nicht unbekannt, obwohl sie ihn selber nicht anszusprechen wagten. Und in der Tat haben uns die Kirchenväter T h e 0 d 0 r e t und Epiphanias überliefert, daß der Eigenname Gottes Jahwe lautete. Was bedeutet aber Jahwe? Die übliche Uebersetzung ist seit Mendelssohn „der Ewige". Aber richtig ist sie nicht, weil Jahwe trotz der scheinbaren Stütze durch Exodus 3, 14,.15 nicht d er Ewige heißen kann. Jabwe ist eine Hiphil- Form von „hawa“, „sein", kann also nnr heißen: Er läßt sein, er ruft ins Dasein — der Schöpfer! Wenn man nicht etwa die unsinnige Uebersetzung von C orn i ll akzeptieren will: Der Fällende, der Zerstörer! 0 nein! Der Gott Israels ist kein Zerstörer, sondern Schöpfer der Welt! So hat wenigstens die heilige Schrift den Namen Jahwe verstanden. Gott-Schöpser hat Himmel und Erde gemacht (Gen. 2, 4). Nnr der Schöpfer der Welt kann Gott genannt werden (Jerem. 10, 11)! Auch die Rabbinen übersetzten Jahwe mit Schöpfer. In Aboth derabbi Nathan 16, Ende, heißt es: Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst, ich bin Jahwe (Lev. 19, 18). Was ist das für eine Begründung? Ich habe ihn ges ch affen! Ebenso ist jene bekannte Auffassung der Rabbinen, daß „Elohim“ ®ott in seiner Eigenschaft als Richter (Midas hadin), während „Jahwe“ Gott als barmherzigen Vater (Midas harachamim) bezeichnet, nur so zu erklären, daß ihnen Jahwe Schöpfer bedeutete. Noch stärker ist der Beweis durch die häufige Znsammenstellung Jahwe Zebaoth. Diese Zusammenstellung hat bis jetzt keine vernünftige Erklärung gefunden. Bald heißt es: der Herr Zebaoth. Nun heißt aber Jahwe niemals Herr und Zebaoth ist kein Eigenname! Bald heißt es wieder: der Herr der Heerscharen oder Jahwe der Heerscharen, was ja keinen Sinn hat. Völlig unsinnig ist Mannheimers Uebersetzung: Gott Zebaoth! Man denke sich folgende Stelle ans Jeremia 10 nach den obigen Uebersetznngen: Die Götzen sind nichtig, das Werk des Irrsinns . .. Nicht so der Anteil Jakobs! Denn der Schöpfer des Alls ist er und Israel nnr ein Stamm seines Besitzes. Jahwe Zebaoth ist sein Name! — Welcher Trumpf und welcher Triumph liegt denn in diesem Namen?! — Aber Zebaoth bedeutet, wie schon Cornill (Der israel. Prophetismus 47) richtig bemerkt, die Heerscharen des Himmels und der Erde, das Weltall. Und Jahwe Zebaoth heißt demnach nichts anderes als: Schöpfer des Alls, W e l t e n s ch ö p s e r! Das paßt wunderbar als Schlußwort in einer Polemik gegen die. heidnischen Götter! Ja, nnr der Schöpfer der Welt ist der wahre Gott, alle anderen sogenannten Götter sind Blendwerk oder Hirngespinnst! Danach verstehen wir auch den ersten Abschnitt nnseres Abendgebetes: Wir preisen Gott als Schöpfer und Beherrscher der Welt, der alle Vorgänge in der Natur regelt nnd rufen dann: Jahwe Zebaoth (Weltenschöpser) ist sein Name! — Zu dem Gebete Hannas (1 Sam. 1, 11), welches mit den Worten „Jahwe Zebaoth“ anfängt, heißt es in der sogenannten Baraita der 32 Normen: Warum wird hier Gott gerade mit diesem Namen angerufen? Hanna sprach zum Heiligen, gelobt sei er: O Herr der Welt! Du hast zwei W e 11 e n geschaffen, die oberen Scharen vermehren sich nicht, die unteren vermehren sich nsw. Hier ist also ganz deutlich Jahwe Zebaoth als Schöpfer der verschiedenen Heerscharen, kurz als Weltenschöpfer erklärt. Und in der ganzen heiligen Schrift gibt es keine einzige Stelle, wo diese Uebersetzung nicht passen würde. Nur denen kann es nicht passen, die in Jahwe oder Jehowa den Nationalgott der Inden sehen möchten, und der kann doch nicht der Schöpfer

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