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Die Wahrheit · 1914-02-27 · Heft 8 (27.2.1914) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 8 (27.2.1914)
Date
1914-02-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8. Die Wahrheit Seite 7. Salymos; das Gleichnis und seine Poesie; den Talmud, seinen Geist und seine Ethik. Dadurch, daß er Dr. Leimdörfer ans der Fülle seiner Sachkenntnis heraus diese Stoffe behandeln ließ, wirkte Pastor Clemens Schulz in bestem Sinn für Toleranz/ Und nach keinem Vortrag seines gelehrten jüdischen Freundes ließ er sichs nehmen, den christlichen Zöglingen und Vereinsmitgliedern einznschärfen, daß sie Religion mit Humanität verbinden und die gehörten Theoreme im praktischen Leben verwirklichen sollten. Besonders interessant war es, als einmal der jüdische Rabbiner ans Wunsch anwesender christlicher Theologen in seinem Talmud-Vortrag aus den anfgeschlagenen Traktaten und Foliobänden in hebräischer Sprache die Zitate vorbrachte, die sich ans die messianischen Ideale der Menschenverbrüdernng durch Gotteserkenntnis und Liebeswerke bezogen. Da erhob sich Clemens Schulz und rief begeistert in das Auditorium „Werdet Ihr, meine Jungen nach dieser Belehrung jemals das Vorurteil in euch nähren, der Talmud sei minderwertig in seiner Ethik, weil es Leute gibt, die auch nicht eine Zeile in ihm zu lesen vermögen?" Ein spontanes Nein! folgte diesen Worten des von seinen Hörern wie ein Prophet verehrten Pastors. Auf jede wissenschaftliche Publikation Dr. Leimdörfers, zuletzt auf feine Arbeit: talmndische Ethik des Alphabets, auch auf manche seiner Predigten schrieb Pastor Schulz ermunternde Briefe an seinen Freund, der sie wohl einmal gesammelt heransgeben dürfte. Eines dieser Schreiben sei hier wiedergegeben, um den Freundessinn und den Stil von Clemens Schultz zu charakterisieren. Es lautet: Hochgeehrter lieber Freund! Ich bin noch immer nicht dazu gekommen, dem Zuge meines Herzens zu folgen und Ihnen so recht innig zu danken für den herrlichen Vortrag, den Sie uns am Donnerstag gehalten haben. Ja, es war ein Experiment, aber es ist voll nnd ganz gelungen. Sie haben es.verstanden, Freund, die einfachsten Männer und Flauen aus dem Volke zu interessieren und zu begeistern. Fast möchte ich Sie um Ihre Gabe, beneiden, aber meine Freude ist so groß und ehrlich, Ihre Zuneigung und damit Ihre Hilfe an meiner großen Arbeit nnd Mission zu haben. Nochmals vielen, vielen Dank. Wird Ihnen das Bewußtsein, fo vielen Menschen und ganz besonders auch mir eine so reine Freude bereitet zu haben, eine kleine Entschädigung sein für alle Ihre Mühe und Arbeit? Gott zum Gruß, hochverehrter Freund! Ihr dankbarer Clemens Schultz. Als der Rabbiner 1905 sein Amtsjnbiläum beging, war Pastor Schnltz der erste Gratulant und erschien im Tempel zur Rechten Dr. Leimdörfers in der Rabbiuerloge. Und es gab wohl kein Familienfest nnd keine Trauer im Haus des einen der beiden Freunde, wozu der andere sich nicht eingestellt hätte. Wie oft aber Konferenzen zwischen beiden stattfanden, wenn es galt, christlichen oder jüdischen Armen zu helfen, armen Studierenden Stipendien zu verschaffen, Tränen zu trocknen da nnd dort: das wird die Allgemeinheit nie erfahren. Was aber alle aus dem Frenndschastsbunde zwischen Clemens Schultz und Dr. Leimdörser entnehmen sollen, ist, daß man ein überzeugter Christ und ein überzeugter Jude sein kann und doch eins in jenem reinen, edlen Menschentum, das aller Religion Ziel und Zweck ist.. __ Verschiedene Nachrichten. Wien (A p P r o b a t i o n.) Die hebräische Fibel „Kol Jeliuda“ von M. Stengel, Verlagsbuchhandlung Jos. Schlesinger, Wien, hat mit Erlaß des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht vom 5. Dezember 1913, Z. 54145,! die Approbation erlangt. Wien. Fräulein Franzi Güdemann, die älteste Tochter des Herrn Oberrabbiner Dr. Moriz G ü d e m a n n, ist Dienstag, den 24. d. M. nach langem, schweren Leiden im 18. Hebensjahre gestorben. Den schwergeprüften Eltern wendet sich allgemeine Teilnahme zu. Wien. (C h e w r a Kadischa Wie n, I.) Das aß* jährliche Regniem für die im abgelaufenen Jahre verstorbenen Mitglieder der Chewra Kadischa findet diesmal am Mittwoch, den 4. März 1914 um 7 Uhr abends im Stadttempel, I., Seitenstettengasse, statt. Wien. (S a m m l n n g z n G n n st e u d e r F a m i l i e B e i l i s (HL L i st e.) Bei der Israelitischen Allianz zu Wien sind bis zum 24. Februar 1914 folgende Spenden eingegangen: Gebrüder Gntmann in Wien K 1000.—, Dr. Alfred Stern, Präsident der israelitischen Knltusgemeinde in Wien X200.—, Viktor von Ephrnssie K 100.—, Ernst Hirsch K 100.—, Dr. Paul Hammerschlag K 50.—, Johann Kremenetzki K 30.—. Nebst den bereits in den früheren Listen ansgewieseneu Betragen zusammen K 10.305.—. Weitere Spenden werden im Bureau der Israelitischen Allianz zu Wien. II., Untere Donanstraße 33, täglich zwischen 9—1 Uhr vormittags (außer Samstag) oder durch die Postsparkassa (Scheckkonto Nr. 8153) dankend in Empfang genommen und einzeln bestätigt. Wien. Nach einem mit großem Beifalle abgehalteuen Probevortrag, wurde Herr Emannel Fränkl, Öberkantor in Tyrnau (Nagy Szambat), für den Synagogen-Verein, „Beth Israel" als Oberkantor einstimmig gewählt. Herr Fränkl ist im Besitze sehr schöner Stimmmittel und entzückte mit seinen Rezitativen und abgerundeten Vortrage, so daß derselbe als I. Probekandidat den Sieg errang. Der Chor stand unter Leitung des überaus tüchtig und musikalisch gebildeten Dirigenten Herrn Aron Toukonogi. Derselbe wird noch vor Peßach sein Amt antreten. Wien. (Verein z u r H e b u n g d e r G e w e r b e in Wien. I., Wipplingerstraße 25.) Sonntag, den 1. März, präzise 7 Uhr abends, finbet im Festsaale des Niederösterr. Gewerbevereines, I„ Eschenbachgasse 11, ein Vortragsabend statt. Tagesordnung: Lichtbilder - Vortrag: „Wiener Spaziergänge". Antochromaufnahmen von verschiedene» Wiener Typen und Straßenbildern vom k. k. Kommerzialrat Herrn Alfred M a y e r, Text von Edm. Sknrawy; am Vortragstisch Herr Carl S ch m i d h n b e r. Damen und Gäste willkommen! Nach Beginn des Vortrages findet ein Einlaß in den Saal nicht mehr statt. Wien. Am 23. Februar 1914 fand im Sitzungssaale der isralitischen Knltusgemeinde die ordentliche Generalversammlung des Vereines „Chonen Dalim" (Begünstigung der Armen) statt. Die hiebei vorgenommene Konstituierung des Vorstandes hat Folgendes ergeben: Herrn Bernhard Bachrach, Obmann, Hugo Kadiscb. Obmann-Stellvertreter, Michael Lichtenstern. Beirat, Dr. Adolf Herzfeld. Kontrollor, Doktor Ludwig Pisk, Beirat,. Josef Petersilka, Schriftführer, Salamon Fröschel, Kassier und David Pollitzer und Salo Lemberger, Revisoren. Wien. W o ch e n p r o g r a m m der jüdischen Toynbeehalle, XX., Othmargasse 48. Samstag, den 28. Feber. Musikanfführnng, Konzertmeisterin Fräulein Freystädt mit ihren Schülerinnen. Sonntag. 1. März. Beujamln Franklin, Direktor Emannel Wilhelm. Montag, 2. Mürz Literarischer Abend. Jugendbund. Dienstag, 3. März, das älteste menschliche Kunstgewerbe, Bruno Hohenberg. Mittwoch. 4. März, Bilder ans dem sozialen Leben, Carl Gelbert. Donnerstag, 5. März, Ueber Verhütung ansteckender Krankheiten, Dr. Stephan Bücher. Freitag. 6. Mürz, Bibelvortrag. Lehrer Leopold Weiß. Wien. Freitagabend-Vorträge im Bethamidrasck „Talmud-Thora". H., Malzgasse 16, auch Frauen zugänglich. Am 27. Februar: Herr Wolf Pappen heim: „Das Jlldeutum in der Gegenwart". Am 6. März: Schlußvortrag in dieser Saison: Herr Professor Moritz A n t s ch e r l: „Rabbiner Dr. Abraham Adolf Schmiedels Leben und Wirken". Beginn jedesmal um 7.45 abends. Wien. (Verein jüdischer Hoch sch üler „Mensa, academica Judaica“, IX., Liech tensteinstraße 23.) Der Vortragszyklus der Mensa wird durch einen Vortrag ihres Knratoriumsmitgliedes Herrn Schriftsteller Dr. Adolf

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