Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 8 (27.2.1914)
- Date
- 1914-02-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 8. Die Wahrheit Leite 5. Morde chai aus dem Ge schlechte Jehudim st ä m int, .11 ach de m du einmal a u g e f a u g e u ha st v o r' i h m z u 'st u k e u, w i r st d u dich uicht meh r aufrichten können, sondern immer mehr vor ihm fallen". — Wer' dem Jude wehe tut, bleibt nicht n n g e st r a f t. Haman. das Vorbild der modernen Antifemitenhänptlinge, wollte die Juden, die unter der milden Regierung des'Königs Achaschwerosch ruhig und freundlich lebten, überall wohnen, Handel und Gewerbe ungestört treiben durften, vollständig vernichten, indem er dem König vorgab, daß dieses unter den Völkern des großen vielen Perserreiches zerstreut lebende Volk (Israel) einer sonderbaren, demoralisierenden Religionsgesetze wegen sowohl in religiöser als in politisch e r Beziehung einen sehr schädlichen Einfluß ans die nichtjüdische Bewohner dieses Stvates üben", und das'Resultat, das er durch diese lügenhafte Verleumdung erzielt hatte, — war seine Vernichtung. — Wer eine Grube für einen Andern gräbt, stürzt oft selber hinein". Das mögen sich wohl auch die modernen Amaleks merken. Als vor fünfzig Jahren (8. Mai 1863) im englischen Oberhanse die parlamentarischen Verhandlungen in der polnischen Angelegenheit dem Grafen Shaftesbnry Veranlassung boten, der Verhältnisse der Inden in Polen und Rußland zu gedenken, tat er einen denkwürdigen Ausspruch, der mir goldenen Lettern in der Geschichte der Inden verzeichnet zu werden verdient. Er sagte: I e der m a n n, der die R nhr i g k e i t, d i e I n t e l l i g e n z n n d d e n F e u e r e i f e r des j ü d is ch e n C h ä r a k t e r s i n d e r g a n z e n W e l t k en n t, weiß, daß d i e I u d e n e n t s ch l o s s e n e F r e n n d e si n d. Warum sympathisieren sie jetzt mit den Insurgenten? Weil gleichmäßig erlittene Verfolgungen und Bedrückungen eine Gemeinsamkeit des Gefühls mit den christlichen Landesbewohnern wachgernsen haben." Der Redner erging sich jetzt in Schilderungen des Druckes, welchen die Inden auch im eigentlichen Rußland zu erdulden haben, hinznfügend, das gegenwärtig sie den kämpfenden Polen sehr nützliche Dienste leisten. „Ueberhaupt glarrb' ich, hat noch Niemand seine Hand auf das jüdische Volk gesetzt, sei es, um ihm Weh oder wohl zu tun, ohne ein Leid für das eine oder eine Belohnung für das andere davon zu tragen". Es war daher eine vortreffliche, zweckentsprechende Anordnung unserer Weisen, daß am 14. Addar in den isr. Gotteshäusern der Abschnitt Tvajowaii Amolek verlesen wird, weil derselbe die Verheißung enthält, daß Gon der Herr die gefährlichen Pläne der nnerbittlichen und unversöhnlichen Feinde Israels, der Amoleks a l l e r Z e i t e n vereiteln, Israel bewachen und beschützen nnd seine Todfeinde empfindlich züchtigen werde. Wenn jetzt die Deutschen in der Monarchie, denen Gefahr droht von den Slaven in den Hintergrund gedrängt zu werden, klagen, daß „in der Stadt, die sie vor mehr als sechshundert Jahren aus Dörfern geschaffen, in dem Gemeindewesen, das ihrer Arbeit sein Emporblühen gedenkt und in dem sie noch heute die wichtigsten Kulturgüter behüten und wehren, sollen sie fürderhin nicht etwa als Bürger zweiter Ordn ii n g, sondern als ungern geduldete Fremde, als l ä st i g e K o l o n i st e n ein unbeachtetes, wenn nicht mißachtetes Dasein fristen", so scheinen sie zu vergessen, daß es deutsche Antisemitenhänplinge waren, die vor nicht langer Zeit in ähnlicher Weise mit den deutschen Juden, die sich um das Deutschtum in der Monarchie große Verdienste erworben hatten, verfahren sind. Wie einst Haman, „der Herr von Susan", haben in neuerer Zeit die antisemitischen Hanptagitatoren in den Städten X. I. Z. die Parole" ansgegeben: Ji'kose-w leabdom das Judentum kann nur vermittelst der Journalistik vernichtet werden. Nur so haben gar bald sich S o l d s ch r e i b e r gefunden, die in Tages-, Wochen- und Monatsblättern, wie in großen und kleinen, sogenannten wissenschaftlichen Werken, in Broschüren und Flugschriften die antisemitischen Lehren nnd Grundsätze verbreitet. Die Saat, die diese Herren ansgestreut, hat wohl für einige Skribenten nnd sonstige Helfershelfer reiche Früchte gezeitigt, Segen aber hat sie dem Volke im allgemeinen nicht gebracht, das zeugen die bitteren Klagen der Deutschen in Oesterreich, die mit den Brüdern Josefs ansrufen mögen. Awol aschemim anachnu: „Wir haben uns an unsere jüdische Brüder versündigt, daß wir ihre Seelenschmerzen gesehen, als sie an unser menschliches Herz appellierten, nur sie aber nicht hören wollten, darum hat es uns jetzt so hart getroffen." Ja es gibt einen gerechten Gott, darum bleibt die Vergeltung nicht aus. _ Aron zeidesdorf. Z u seinem 100 jährigen Todestag. - Anläßlich des 100. Todestages des im Jahre 1814 verstorhenen ehemaligen Vertreters der Wiener Jndenschaft Aron Leidesdorf s. A., der auf humanitärem Gebiete hervorragend wirkte und durch 40 Jahre als Verwalter des Krankenhauses der Wiener Inden unermüdlich tätig war, widmete dessen Urenkel, Präsident Dr. Alfred Srer n, eine von der Nichte des letzteren, Frau Dr. G o t d b e r g, mit großer Meisterschaft reproduziertes Bildnis des Verewigten für den Sitzungssaal des Spitales der israel. Knltusgemeinde. Die feierliche Uebergabe des Bildes an die Spitalsverwaltung, welcher außer dem Präsidenten Dr. Alfred Stern und feinen Familienangehörigen, der erste Vizepräsident Dr. Gustav Kohn, die Kultnsvorsteher Dr. Josef Breuer, Professor Dr. S. Ehr m a n n, Architekt Jacob G a r t n e r, Ernst Hirsch, Professor Dr. Josef Pollak, Adolf Schrämet Eduard Schwarz und Max Zinn er, die Beihansvorsteher Karl Freund, Theodor Kohn und Dr. Elias Münz, erster Sekretär .kais. Rat Dr. Lieben, Sekretär Dr. Adler, Sekretär-Stellvertreter F n ch s g e l b, Amtsleiter B r a n n, Sekretariatsbeamter Meißner, der Direktor des Spitales Dr. F l e i s ch m a n n, die Primarärzte Professor Dr. B r a nn und Dozent Dr. Breuer mit den Spitalsärzten, Spitalsverwalter Dr. Koran, die Mitglieder der Spitalskommission Frau Jda Diamant und Dr. Ignaz Winter , ferner Rabbiner Dr. Frankfurter. Dr. Jakob Kohn, die Redakteure Dr. I. S. Bloch nnd Dr. M. Löw y beiwohnten, fand am Mittwoch, den 25. d. M. 12 Uhr vormittags im Sitzungssaale des Spitales statt. Präsident Dr. Alfred Stern richtete an die Versammlung folgende Ansprache: Ich komme von dem hier nachbarlichen jüdischen Friedhofe her, woselbst ich im Vereine mit 10 frommen Männern das Kadisch und die übrigen an solchen Gedenktagen üblichen Gebete verrichtete. Und da las ich nun auf dem Sarkophage, der die Hülle des vor 100 Jahren dahingeschiedeuen edlen Mannes Aron Leidesdorf und feiner Gattin deckt, folgende Inschrift: Wie im Leben einst so im Tode vereint, ruhet selig hier das würdige Ehepaar, welches nennundvierzig (49) Jahre Hand in Hand die Bahn der Tugend wandelte, dessen ganzes Leben der Ausübung wohltätiger Handlungen und der Unterstützung der leidenden Menschheit gewidmet war. Herr Aron Leides dorf, wohlverdienter Vertreter der hiesigen Israeliten und durch 30 Jahre tätiger Vorsteher ihres Krankenhauses, starb im 68. Lebensjahre am 19. Feber 1814 nnd seine Ehegattin Frau Ludowik a, geb. Maier, starb am 24. Juni desselben Jahres im 67. Lebensjahre. Friede feiner und ihrer Asche! „Als der fromme Mann starb, vernahm man Wehklagen in den Gassen unserer Stadt, die Armen schrien mit tränenden Augen: Wo ist nun ein Uuterstützer, ein Helfer? Die Waisenkinder klagen ob des Vaters, die Witwen ob des dahingeschiedenen Helfers, die Kranken seufzen: wer soll nun unsere Gebrechen heilen? Trostlos spricht man einander zu: vergebens jede bittere Klage, umsonst jede Trauer, denn der Tod kommt wie ein reißender Strom, erfaßt alle, den Schlechten, wie auch den, der immer Gutes tat.