Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 8 (27.2.1914)
- Date
- 1914-02-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 8. aus der Geschichte geschwunden sind, den Gegenstand öffentlicher Besprechungen und Erörterungen, ohne daß es den Einen, wie den Andern gelungen sei den Schlüssel zur Lösung dieses Rätsels zn finden. Allein jeder Kenner der Thora weiß es. daß diese Frage bereits vor Jahrtausenden ihre Lösung in den h. Schriften gefunden hatte. Wenn man fest und unerschütterlich an Gottes gerechte Weltregiernng glaubt und die Bibel mit Verständnis liest, so gewinnt man die Überzeugung, daß die göttliche Verheißung: Ak gam sos „Auch dann, wenn Israel in dem Lande seiner Feinde wohnen wird, werde ich es nicht verschmähen, nicht der völligen Vernichtung preisgeben lassen nsw. stets in Erfüllung gegangen sei, daß keine Macht auf Erden imstande war, den Stamm Inda zu entwurzeln und daß die Peiniger und Folterer dieses Volkes nie n n g e st r a f t blieben. Als der Patriarch Abracham — der erste in seiner Zeit, der den Götzendienst wie den Götterkultus entschieden perhorrescierte und nur an den einig einzigen ewig seienden Gott fest und unerschütterlich glaubte — der den göttlichen Auftrag erhielt, die Heimat zu verlassen, in die große Welt hinansznziehen, um den Glauben an Adonai, denn einig einzigen weltregiereuden Gott zn verbreiten, gab ihm der Allmächtige folgende Versicherung: Ich werde dich zu einem großen Volke machen, dich segnen deinen Namen groß machen und sollst sein, ein Segen für die Menschen. Ich werde' segne n, die dich segnen und wer dir flucht, den werde ich verfluchen." Bald hernach schloß Gott mit ihmeinen Bund und da rief er ihm zu: „Wissen sollst du, daß nicht deine Nachkommen als Fremdlinge in einem Lande, das ihnen nicht gehört, verweilen werden, wo man sie vierhundert Jahre knechten, quälen und bedrücken wird. Aber auch das Volk, das sie sklavisch behandeln wird, werde ich zur Verantwortung ziehen und gebührend b e st r a f e n." Und ist auch diese Verheißung nicht auch tatsächlich in Erfüllung gegangen? Jahrhunderte lang seufzten die Nachkommen Abrahams unter dem Drucke der Pharaonen in Egypten. Als jedoch ihrer Erlösung herannahte, sandte Gott ihnen einen Retter, den großen unsterblichen Moses. Als dieser in Begleitung seines Bruders Ahron vor Pharao erschien und ihn im Namen Gottes aufforderte die Israeliten ans drei'Tage behufs Abhaltung eines religiösen Festes, in die Wüste freiziehen zu lassen, wurden beide Brüder von ihm mit Entrüstung abgewiesen. Erst als furchtbarer Katastrophen über Mizraim hereinbracheu, das Volk in Verzweiflung geriet und selbst die Höflinge dem Könige zuriesen: „Wie lange noch soll dieser uns znm Fallstrick sein. Laß die Leute ziehen, daß sie dem Ewigen ihrem Gotte dienen, merkst du denn noch nicht, daß Mizraim zn Grunde geht?" entschloß sich Pharao — und zwar bei der zehnten Plage — das Volk in die Wüste behufs Abhaltung eines religiösen Festes freiziehen zn lassen. Da sie aber nach drei Tagen nicht znrückkamen. setzte der erzürnte Pharao ihnen mit einem großen mächtige Heere nach, um sie alle zu vernichten. Inzwischen waren die Israeliten bereits beim Roten Meere angelangt und da geschah das große welterschütternde Wunder, daß das Meer sich teilte, so daß die Verfolgten noch rechtzeitig trockenen Fußes hinüber ziehen konnten, während ihre, ihnen nachsetzendeu wutentbrannten wahnschuaubenden Verfolger' in den Wellen des Meeres ihre Gräber fanden. Nun kam Israel nach Refidim um von dort nach Sinai zu gelangen. Allein in Refidim hatten sie Mangel an Wasser, infolgedessen entstand eine furchtbare Aufregung in der Gemeinde, die große Zerklüftungen hervorgerufen hatte. Dieser Moment benützte der rachgierige, haßerfüllte Amalek und überfiel plötzlich, ohne jede Kriegserklärung, Israel, um es vollständig vernichten zn können. Während Israel von keiner Seite eines Allgriffes gewärtig war, — wie in dem herrlichen, schwungvollen poesie- und phautasiereichen Lied 0s xosoba heißt: „Völker hörten es uud bebten, ein Zittern ergriff die Bewohner Peleschet, ha erschraken die Stammherrn Edoms, die Fürsten Moabs ergriff eiu Beben, es verzagten dte Bewohner Kanaans — kam unerschrocken, kühn und frech Amalek, um das freigewordene Volk schonungslos niederzuschmettern.. Über Auftrag Moses zog Josua mit einer Schaar, anvermählter kräftiger heldenmütiger Männer dem unversöhnlichen Feinde entgegen und erfocht mit der göttlichen Hilfe — die Moses erfleht hatte —^ ein überaus glänzenden Sieg über Amalek. Sodann sprach Gott zu Moses: „Schreibe dieses zum Gedächtnis in das Buch und schärfe es dem Josua ein, das dich Amalek, so oft es Israel angreifen wird, unschädlich machen werde. Moses bauete einen Altar und nannte ihn: Der Ewige ist; ine in Panier! und sprach ferner: Die Hand liegt auf dem; Throne des Ewigen zum Schwur, daß der Ewige v o n; Geschlecht zu Geschlecht Amalek bekämpfen werde." , Tatsächlich haben die erbitterten Feinde Israels ihre ruchlosen Taten immer schwer büßen müssen. Es erging ihnen! so wie den Bienen, „die die Menschen mit ihrem Stachel . verwunden nnd dabei selber zugrunde gehen." Als Bileam, : der vom moabitischen Könige Balak berufen wurde, Amalek erblickte, rief er ans: „Der erste unter den Völkern, die das frei gewordene Israel angegriffen, war Amalek. aber seine Zukunft ist Untergangs" Das heißt mit anderen Worten: wer Israel unverdienter Weise verfolgt und bedrückt, entgeht nie der göttlichen Strafe. Kaiser Hadrian sagte einmal zn R. Josua ben Chananja. Zn bewundern ist doch das Lamm (Israel), das sich in der Mitte v'on siebenzig Wölfen zu erhalteii versteht." Darauf antwortete der gelehrte Rabbi, nicht das Lamm, sondern der Hirte, der es leitet und führt, bewacht nnd beschützt, aus der Not lind Elend befreit und dessen Feinde empfindlich bestraft, ist zn bewundern, wie der Prophet Jesaias im Namen Gottes ausrief: „jede Waffe, die gegen dich gerichtet ist, wird wirkungslos bleiben, jede Zunge gewetzt wider dich, wirst du im Gerichte verurteilen". (Midr. Ester). Als einst Achaschwerosch in einer schlaflosen Nacht,.. das Buch der Denkwürdigkeiten bringen und aus demselben sich die wichtigsten Ereignisse seiner Regieruugszeit vorlesen ließ, da fand sich unter andern darin verzeichnet, daß Mordechai jene zwei Hosbedienten (Bagtan und Theresch), die sich an dem Könige vergreifen wollten, verraten und dadurch das Leben des Königs gerettet habe. Und welche Auszeichnung ist dem Mordechai zn teil geworden? frng der König, Darauf antworteten die Pagen des Königs, die ihn bedienten. Es ist überhaupt in dieser Angelegenheit gar nichts geschehen. — Da sprach der König: Wer ist im Hofe? — Hamau war eben gekommen in den äußeren Hof des königlichen Palastes, um den König zu sagen, daß man Mordechai an den Galgen hängen lassen werde, den er für ihn machen ließ. — Da sagten die Pagen des Königs zn ihm: Siehe, Haman steht im Hofe. Ec soll vor mir erscheinen, erwiderte der König. Haman kam. Da sprach der König: Was soll mit einem- Mann geschehen, den der Köllig besonders zn ehren wünscht? Nun dachte Haman in seinem Größenwahn, wem anders als , mir beabsichtigt, der König eine besondere hohe Ehre zn erweisen? Daher sprach er: „Für den Mann, den der König zu ehren wünscht, bringe man das Kleid des Königs, mit dem er bekleidet war nnd das Noß, worauf er geritten, als ihm die Krone aufgesetzt wurde, uud man gebe das Kleid und Roß in die Hand eines F ü r st e n und Befehlhabers des Königs, dieser bekleide damit den Mann, welchen der König zu ehren wünscht und lasse ihn auf dem Rosse, durch die Stadt reiten, nnd rufe vor ihm ans: So geschieht dem Manne, den der König zu ehren wünscht." Da sprach < der König zn Haman: „Eile, nimm das Kleid und das Roß, wie du gesagt hast, und tue so dem Jehuda Mordechai, her im Tore des Königs sitzt, lasse nicht das mindeste fehlen von - dem, was du ausgesprochen. Haman tat alles so wie der : König es ihm befohlen, ließ dem Mordechai durch die Stadt ziehen und rief vor ihm aus: „Also geschieht dem Manne, dem der König Ehr erteilt nsw. Haman eilte dann betrübt, niedergeschlagen nach Hanse und erzählte seiner Frau und! seinen Freunden von dem Unfall, den er erlitten; darM sprachen zu ihm seine Räte und seine Frau Ser.esch: