Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 6 (13.2.1914)
- Date
- 1914-02-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 6. minus", dessen 2. Vers im Urtexte, Kap. 22, lautet: und dessen 32. Vers als letzter tautet: Außer diesem einzigen G ebelstücke findet sich im ganzen Buche kein Psalm ohne Noten joder nach- Kapitel oder Verszahl angeführt, so daß es pngeMein schwer Mt, diejenigen Stellen, welche tatsächlich den Psalmen entlehnt sind, herauszulösen. Dieses offizielle Gesangsbuch beginnt nun nach dem liturgischen Kalender mit der Adventzeit, und zwar mit den vier Sonntagen vor Weihnachten. Die Sonntage werden mit dem Ausdrucke „Dominica", d. h. „Dies Domini", „Tag des Herrn", bezeichnet. Meine Untersuchung hat sich, nun einstweilen daraus beschränkt, sest- Zustellen, ob und welche Stellen der Psalmen 'diesen Gradualien des Adventes zugrunde gelegt sind. Bei dieser Arbeit kam ich, mir selber vor wie ein Bergmann, der, mit allgemeinen bergmännischen Kenntnissen ausgerüstet, die Erdschichten, von einem höheren Ahnungsgesjühl getrieben,, m, einem fremden ^Erdreich! Zrästt und unermüdlich nach einem edlen Erze schürft. So wie jener sich; aus Herzensgründe freut, wenn es ihm gelingt, auf das gesuchte Erz zu; stoßen und dasselbe ans Tageslicht zu fördern, uM es dann von den Schlacken gereinigt, dem großen Publikum zeigen zu können, so fteute ich mich, wenn es Mir gelang, in dem katholischen Graduale einen Psalmvers zu entdecken und seine Identität mit einem bestimmten Verse des hebräischen Originals, somit seine Echtheit, festzustellen. Bei diesen Vorarbeiten, bei dieser allgemeinen Rekognoszierung des Terrains auf fremdem Boden machte ich nun durch Vergleichung des Tertes des Graduales mit der Vulgata folgende Wahrnehmungen: 1. Schon der Ausdruck Graduale ist nur eine Ueberfetzung des hebräischen Ausdruckes Schir hamaalos, das Heißt zu deutsch.: Aufsteiglieder, Wanderlieder oder Pilgerlieder, weil diese Gesänge von Hen Pilgern bei ihren Wallfahrten nach! Jerusalem zu den drei hohen Festtagen (Ostern, Pfingsten und Laubhütten) gesungen wurden. Diese Ueberschristen tragen Kapitel 120—134, lauter kleine, nette Psalmen, welche Mit den sogenannten Borchi nafschi, Psalm 104, einen Bestandteil des sabb.atlichen Abendgebetes während der Wintermonate bilden und Mir somit von meiner Jugend sehr bekannt sind. Diese Ueberschristen übersetzt nun die Vulgata durchaus mit „canticum graduum", „Mendelssohn mit Stufengesang" und im Einklänge damit die Kralitzer Bibel „Pisen stupnu", Luther aber mit dem Ausdruck .„Lied im höheren Chor", weil er dem hebräischen sprachlichen Begriffe „Aufstieg" nicht einen lokalen, sondern vielmehr einen musikalischen Gedanken zugrunde legte. Der für das ganze katholische Gebetbuch gewählte Ausdruck „Graduale" ist also nach der Uebersetzung der Vulgata dem hebräischen „Pilgerliede" entlehnt. (Fortsetzung folgt). Die 40. Generalverjammluug des israel. Temprlvereines Wreden- Margarelheu in Wien fand Sonntag den 8. Februar d. I. im Sitzungssaale des Vereines 5. Bez- Sieben-brunneugasse 1a in besonders festlicher Weise in Anwesenheit zahlreicher Mitglieder und Gäste gleichzeitig als 40jährige Jubiläumsfeier des Vereines statt. Unter den Anwesenden sah man: Ehrw. Rabb. Prof. H. Reich; die Herren: Direktor Dr. S. Krenberger und Goldner für den Tempelverein 13. Bez., Jakob S- Straßberg für die Bezirkskommission des 6. Bez.; Schidrowitz für den Tempelverein 10. Bez.; I. Nußbaum und S. Schwarz für den Bethausverein 4. Bez.; Simon Spitzer für ' den Krankenverein 5. Bez- und Frau Karoline Hofmann für den final. Frauenverein 4. mvb 5. Bezirk und Dr. Löwy Redakteur der „Wahrheit". Don der Kultus'gemeinde war kein Delegierter des Vorstandes wegen der gleichzeitig dort stattgefundenen Plenarsitzung erschienen, dagegen traf ein herzliches Begrüß u ng ste legramm vom Präsidenten Dr. Alfred Stern namens des Vorstandes und ein Gratulationsschreiben vom Vorstande des DeMp elvereines Mariahilf-Neubau. Obmann Hofmann eröffnete 'Me Versammlung mit einem Rückblicke auf die abgelauseuen 40 Vereins-Jahre, bei deren Beginn er selbst und das Vorstandsmitglied Herr Israel Braun, noch derzeit aktive Mittglieder des Vereines sind. Redner schildert den Werdegang des Vereines von dem Beginn m einer kleinen Betstube, bis zur Erbauung und Vollendung des monumentalen Kaiser Franz Josef Regierungs Jubiläums-Tempels, dessen. Einweihung in Anwesenheit des k. k. Statthalters als Vertreter des 'Kaisers im Jahre 1910 stattfand. Redner brachte am Schlüsse ein Hoch auf den Monarchen aus, in welches die Versammlung begeistert einstimmte. Der vom Schriftführer Franz Frankl, verlesene Jahresbericht widmet einen warmen. Nachruf den Verstorbenen des abgelaufenen Jahres, Rabb. Dr- Adolf Schmidl, Tempelvereinspräses Hermann Beck des 8. Bez., Großindustriellen Adolf Löwy, Stifter des Tempels und den verstorbenen Vereinsmitgliedern. An besonderen Spenden erhielt der Verein: K. 1000—i von den Familien Hacker-Ascher anläßlich der Trauung ihrer Kinder. K. 500.— von Herrn Wilhelm Ritter v. Gutmann anläßlich des abgehaltenen, Requiems nach Herrn David Ritter von Gutmann und K. 150. von Herrn. Julius Klein anläßlich des Ablebens feiner Gattin Frau Adele Klein fei. And. An Votivspenden: Zwei kunstvoll gearbeitete Straßenlaternen für die Außenbeleuchtung des Tempels von Herrn und Frau Defider Wollner. Das nötige Holz zur Erbauung einer Sukko, welche nach den kostenlos gelieferten Plänen des Vereinsmitgl-iedes Herrn Architekten Siegfried Löwy im Tempelhofe erbaut wurde, spendete uns Herr Josef Fabry,. Chef der Firma D. Bloch. Ferner eine Rahmenverfchalung für die Chorgalerie, Hermann Weiß; die Kunstverglasung biezu ein Geschenk des Herrn Hermann Denes. Herr Vorsteher Jakob Herlinger spendete 2 wertvolle Rundsessel, Herr David Gei ringer eine Schulchain-Decke, für welche die Konfirmandinnen Steffi Löwy und Käte Weiß die Kunststickerei besorgten. Der Vorlesung des Jahresberichtes folgte die Festrede des Vereins-Rabbiners Prof. H. Reich, welcher das Verhältnis der Tempelvereine als Kind zur Mutter, der Kultusgemeinde, erläutert. Redner feiert dann in beredten Worten die Verdienste des Vereins-Obmannes Herrn Adolf Hofmannder es durch die laugen Jahre seiner Führung verstand, den Frieden im Vereine stets zu wahren und dessen Interessen und Ansehen zu fördern. Es sprachen die Herren S, Straßberg, Dir. Dr. S. Krenberger, Max Spitzer, S. Krauß, Schidrowitz, Steinhardt u. A. dann von Herrn Max Spitzer verlesene und von ihm begründete