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Die Wahrheit · 1914-02-13 · Heft 6 (13.2.1914) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 6 (13.2.1914)
Date
1914-02-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6. Die Wahrhell [jSeite 5 Mid. Ing. Stricker beantragt das Vertreter-Kollegium die .Einsetzung einer Palästina-Kommisstou, deren Ätlfgabe zunächst darin zu bestehen hätte, die Tatigleit der nachstehenden, von der Knltnsgemeinde fnbventivnierten. Äustalien und Organisationen mit Aufmerksamkeit zu verfolgen 'und über etwaige notwendig erscheinende Reformen ünd Äenderrtngen im Snbventiottierttngsmodns Vorschläge an das Vertreter- Kollegium zu erstatten. Diese Anstalten' sind: ' Die Läm'el- Schnle, das hebräische Gymnasium in Jaffa, die Kunstgewerbefchnle „Bezalel", die WolfWertheim'sche Jerusalemitische Jndenftiftnng. Gegenüber diesem Anträge des Vertreter-Kollegiums beantragen die Herren Dr. Ehrlich und Ing. Stricker die Aufgabe der Kommission dahin festzusetzen, daß sie sich über die jüdischen Siedlungen in Palästina fortlaufend zu informieren, allen Entwicklnngsmöglichkeiten dieser Siedlung ihre stete Aufmerksamkeit znznwenden, über die Ergebniffe ihrer Erhebungen dem Knltnsvvrstande zeitweise zu berichten und Vorschläge zur erwähnten Siedlnng zu erstatten hätte. Bei der Abstimmung wird die Einsetzung einer Palästina-Kommission mit dem voll den beiden genannten Herren beantragten Wirkungskreise angenommen. Zn Mitgliedern dieser Kommission werden die Herren: Prof. Dr. Salomon. Ehrmann, Dr. Jakob Engel, Dr. Heinrich Schreiber. Dr Markus Spitzer, Ing. Robert Stricker, kais'. Rat Jonas Weil gewählt. Nach Erledigung von Steuer-Stiftnng«-und Personal-Angelegenheiten wird die Sitzung geschloßen. K i n d e r s p i t a l: Ans Grund eines Antrages der Kinderspitals-Kommission wird beschloßeu, unter gewissen Voraussetzungen dem bei der Wütbewerbs-Konknrrenz für das Kinderspital mit dem 1. Preise ausgezeichneten Architekten Friedrich Mahler mit den weiteren Ansführtlngen der Pläne für das Kinderspital ztl betrauen. Gegenüber dem der Wettbewerbungskvnknrrenz zugrundegelegenen Prograntm har mit Rücksicht ans die vorhandenen Mittel eine Reduktion einzutreten, insbesondere ist dermalen von der Errichtung des Jnfektionspavillons für diphterielind fcharlachkranke Kinder Abstand zu ttehmen. Zur Vorbereitung des Baues wird ein Exekntiv-Komitee eingesetzt. Bibliothek: Dem Bibliothekar Dr. Bernhard Wachstein wird anläßlich der Herausgabe des Kataloges der Halberstammschen Bibliothek (Salo Cohn-Schenknng) für eine hervorragender Arbeit die Anerkennung ausgesprochen. Dem Herrn Vertreter Salo Cohn, welcher bei diesem Anlasse der Knltnsgenteinde einen Betrag von K. 2000.— zur Verfügung, stellt, der Dank ausgesprochen. (Ans der Plenarsitzung des Knltnsvorstandes vom 8. Feber 1914 unter dem Vorsitze deS Herrn Präsidenten Dr. Alfred Ster n.) Palästina-Kommission: Der Präsident teilt mit, daß er den Plenarbeschlnß vom 1. Februar d. I. betreffend die Betrauung einer Palästina- Kommission mit den Siedlungsangekegenheiten dortselbst mangels statutarischer Voraussetzungen die Anerkennnng verweigern bezw. diesen Plenarbeschlnß Miere. Er begründet diese Verfügung damit, das; die in dem Anträge auf Etnsetznng eitler Palästina-Komntission dem Vorstände anferlegte sehr nmsassende Tätigkeit unter die im § 3 de« Statutes ausgezählten Aufgaben des Knltusvarstaudes bezw. der Kultusgemeindeznicht zu sttbsummieren fei, daß demnach die Einsetzung einer Kommission mit einem derartigen Wirkungskreise eine Statutenänderung involviere. Zn einer solchen waren jedoch in der Sitzung weder die gesetzlichen, noch die statutarischen Voraussetzungen gegeben, so daß seiner Meinung nach ein rechtsgiltiger Beschluß nicht vorliege. Vorsichtsweise verfüge er jedoch die Sistierung der Ausführung derselben als ben „Interessen der Knllnsgemeinde in hohem Grade abträglich" im Sinne § 25 des Statutes. Nach längerer Debatte, in welcher die Herren Dr. Ehrlich und Ingenieur Stricker der Auffassung des Präsidellten entschiedenst eutgegentreten, wird der Antrag des Herren Dr. Ehrlich ansUebei gang zur Tagesordnung abgelehnt und über Antrag des Herrn Vice-Prüsidenten Dr. Gustav Kohu die Erklärung des Herrn Präsidenten bezüglich des gefaßten Beschlusses zur Kenntnis genommen und gleichzeitig beschlossen den Gegenstand auf Einsetzung einer Palästina- Kommission im Sinne des Vertreterbeschlusses neuerlich ans die Tagesordnung des nächsten Plenums zu stellen. Eine plalmiftilche Advent Studie. Von. Jur. D. M. Epstein. Brünn. (Fortsetzung.; Mit der Uebersetzung in metrisch gereimter Form seit Jahren beschäftigt, habe ich daher der Bedeutung der Psalmen in den monotheistischen Liturgien Meine besondere Aufmerksamkeit zugewendet, da mich oft der Gedanke erfüllt, daß die Beleuchtung dieser bisher noch zu wenig gewürdigten welthistorischen Tatsache und deren Zuführung in das Bewußtsein der Volksmassen manches zur Sanierung unserer von der Rasfentheorie, von Nationalismus, Antisemitismus und Rilualmordwahnfinn durchseuchten Generation berulragen geeignet wäre. Von diesem Gedanken geleitet, habe ich bereits den größten Teil derjenigen Psalmen, welche einen Bestandteil der jüdischen Liturgie bilden, in einem Artikel „Psalmen in den monotheistischen Liturgien" im August 1912 in der Wiener „Wahrheit" veröffentlicht und dort auch das Urteil der Kirchenväter Athanasius und Augustinus sowie des Papstes Pius X. bezüglich des inneren Wertes der Psalmen beigefügt, wie sie in der Vorrede des neuesten Breviers vom Jahre 1912 abgedruckt sind. Inwieweit nun die Psalmen auch einen Bestandteil der katholischen Liturgie, namentlich der römisch-katholischen bilden, das war mir fremd geblieben mnd dürfte wohl auch zum größten Teile selbst den fachlichen katholischen Kreisen fremd geblieben sein. Nur die hie und da in den Tagesblättern veröffentlichten Programme der katholischen Kirchenmusiken vor den hohen christlichen Festtagen haben zuweilen meine Aufmerksamkeit erregt, so z. B. das oft wiederkehrende Graduale, 1. Beatus vir,. 2. Er tenebris, 3. Justus ut palma, 4. Tui funt coeli rc. Sie haben mich an den hebräischen Tert' erinnert : Die Eingangsworte dieser Gradualien wirkten wie Blitzstrahlen auf mein Gedächtnis, indem sie mich, so oft ich sie las, an die Originalien, die mir noch von meinen Knabenjahren her bekannt waren, erinnerten. Wenn ich nach Einsichtnahme des Tertes mich überzeugt hatte, daß seine Vermutung richtig ist, da freute ich mich mit der gemachten Entdeckung so, wie wenn man einen ehemaligen Schulkameraden oder einen Bekannten aus der Jugendzeit in der Fremde wieder findet und nach 50- oder 60jähriger Trennung wieder erkennt. Ich beschaffte mir nun in der letzten Zeit von einem Brünner Kleriker nicht nur das „Vreoiarium romanum", sondern auch das katholische Kirchengesangbüch, benannt „Graduale de tempore et de sanctis romanäe ecclestae", d. h. zu deutsch: Gesangbuch für die Wochen- und Feiertage der römischen Kirche. Während elfteres bloß das Gebetbuch der Kleriker für die häuslichen Andachten bildet, so bildet das Graduale das Gesangbuch filr den katholischen Gottesdienst unter Orgelbegleitung. Dieses Buch, herausgegeben von der Kongregation der römischen Riten, gedruckt Regensburg 1891, ist durchaus mit Musiknoten versehen. Nur in einem einzigen Gebeistück, bestimmt für die Osterwoche (seria de coena Domini), fand ich einen Tert ohne Noten, und zwar mit der Ueberschrift: Psalm '21, der mit dem Satze: „Deus deus meus, refpice in me; quare me derelinquisti" beginnt und mit dem' Satze endet: „Anuntiabunt coeli justitiam ejus populo qui nascetur, quem fecit Do-

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