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Die Wahrheit · 1914-02-13 · Heft 6 (13.2.1914) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 6 (13.2.1914)
Date
1914-02-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 6. wird? Was ihm kein Unrecht zn sein dünkt, ist ja Vielen in der Gemeinde ein himmelschreiendes Unrecht! Nnn hat sich aber draußen im Deutschen Reich etwas ereignet, was nicht verfehlen wird, bei allen-,Einsichtige» meinen.-Worten ein außerordentliches Gewicht zu verleihen. Alle Rabbiner orthodoxer Richtung—man höre und staune — werden als Dalmudignoranten Hiugestellt! „Ans den Rabbinatsstnhlen Ler jüdischen Orthodoxie Deutschlands machen sich Rabbiner lbreit, die . . . vor einem schweren ..Stückchen Gemara", vor -einem schweren „Toi'asvth" wie hilflose Waisenkinder stehen: Darob großes Geschrei im orthodoxen Laaer (s. „Israelit" Vom 9. Feber 1914). Von den ueologen Rabbinern braucht das weiter nicht behanplel zu werden; aber von den orthodoxen Lamdauim—unerhört! Nun, uns ist die traurige Erscheinung von der Abnahme des Talmudwissens in Dentichland nichts Neues mehr. Aber hier in Oesterreich steht es ja, Gort sei Dank, doch etwas Vesser; ich frage aber ob es speziell hier in Wie n besser steht? In Wien, das ein Galizien, ein Ungarn zu seinem Hinterlande hat. Videant consules. Jetzt wo mau au die Wahl eines neuen Rabbiners tchreitet, heißt es einen Schimpf Don sich abwälzeu und dafür zu sorgen, daß die große, herrliche Gemeinde Wien nicht das entbehre, was nach jüdischem -Geiste zn ihrem vollen Ausbau nölhig ist. Dies zum ersten Passus jenes Artikelschreibers. Es folgt aber dem noch ein Passus, den ich leider bekämpfen muß, nicht darum, weil er einen Ausfall gegen mich enthält— den könnte ich schließlich verwinden—sondern weil er einer groben Unwahrheit den tändelnden Ton des Humors anhängt. Der Redner in der Verirauensmünnerversammlung, das ist : ich, soll sich ielhff als Generalpächter und Monopolist der Ta haben und niemand andern neben sich, selon oen r^oerraooiner nicht, gelten lassen wollen. Das, mein Herr, ist eine grobe Unwahrheit, wie es mir hundert ehrenwerte Herren, die in jener Versammlung zugegen waren, bezeugen werden. Von mir und meinen Qualitäten habe ich kein Wort fallen lassen! Wer wird denn auch so taktlos sein sich selbst gegen Andere „anfznfpieleu" und noch dazu bei solcher Gelegenheit! Mein Gedaukeugang war und ist ungefähr folgender: Im Punkte der rednerischen Leistnngen konnte man, wie auch der Artikelschreiber in geistvoller Weise anssührt, keinen nennenswerten Unterschied zwischen den fünf Kandidaten wahrnehmen. Die banalen- Ansführnngen von dem tadellosem Charakter der einzelnen Herren Rabbiner wollten bei der Versammlnng nicht recht verfangen. Um nnn einen S ch ri t t vorwärts zn tun, verwies ich auf eine bei einem Rabbiner sehr nothwendige Qualität, auf die Fähigkeit nämlich, den Talmud im modernen Geiste gründlich zn erforschen und nach außen würdig zn vertreten; daran, so sagte ich, fehle es bisher in der großen Wiener Gemeinde. Erst über Einwnrf Einiger der Anwesenden mußte ich den Herrn Oberrabbiner in meine Wahrnehmung mit einschließen, nicht imterlafseud. zu bemerken, daß ich die Herren ohne Ausnahme hochschätze, ihre wissenschaftlichen Leistungen sehr gut beiverten könne, was aber die Behauptung, daß es an gediegenen, modernen Talmndisten fehle, keinen Abbruch tue. Das ist die lautere Wahrheit, alles andere ist Erfindung. Wer mich kennt, weiß, welche Verehrung ich dem Oberrabbiner entgegenbringe und mit welcher Freude ich z. B. seine Apologie des Judentums auf literarischem Wege begrüßt habe. Ich kann mich auch rühmen, die Freundschaft der meisten im Orte ansaßigen Rabbiner zn besitzen, und so konnte es mir nicht einfallen, die Herren in der mir imputienen oder in einer andern Weise vor den Kopf zn stoßen. Ich habe mich stets von allem Parteigetriebe fern gehalten und glaube auch jetzt nur das getan zn haben, was im Interesse des Judentums und im Interesse der Wahrheit zn tun nötig schien. Es kann mir auch der Mangel an Orientiertheit nicht vorgeworfen werden, denn so wie nur Einer der Versammlung glaube auch ich die Herren Rabbiner zit kennen. Es mag nnn freilich sein, daß der eine oder der andere der Herren Rabbiner im stillen Kämmerlein ein - 'unermüdlicher Erforscher des Talmud ist; das aber standmicht zur Diskussion, vielmehr waren Leistungen zu besprechen, die voll^nud ganz. in die Oeffentlichkeit getreten sind. Ein General, W von sich behauptet, erste! schneidig und tapfer verdieilt so lange keinen Glauben, bis er nicht am Schlachtengetümmel seine Fähigkeiten bewiesen hat. Auch das Leben ist heute ein großer Kampf und nur der stößt ans Verständnis, der im vollen Lichte des Tages seine Fähigkeiten darzulegen vermag. Pros. Dr. Samnel Krauß. Ans der Wiener Knltnsgemeinde. In der Wiener Knltnsgemeinde hat sich zunächst der seltene Fall ereignet, daß der Präsident sich veranlaßt sah, einem Plenarbeschlnß des Vorstandes die Gültigkeit zn versagen, weil irach seiner Anschann-ng die Durchführung des Beschlusses eine Aeiidernng des Statutes der Knltnsgemeinde involvieren würde und bei der Fassung des Beschlußes nicht jene statutarischen Bestiminnngeil beobachtet wurden, die für Statutenänderung vorgeschrieben sind. Die Sache, um die es sich handelte war folgende: Früheren Anregungen entsprechend. wurde in der Plenarsitzung vom 1. Februar, an welcher. Präsident. Dr. Stern infolge Unwohlseins nicht teilnahm, durch das Bertretercvlleginm die Wahl einer Palästinakommission mit begrenzten, Nominativ angeführten Ausgaben beantragt, während Oberingenienr Stricker einen Antrag auf Wahl, einer Palästina-Kommission zum Zwecke der Wirksamkeit in Siedlungsangelegenheiterl eiirbrachte. Infolge zufälliger Absenz einiger Vorstandsmitglieder bei der Abstimmung fand der letztere Antrag die Majorität und dieser Beschluß 'wurde seitens der zivnist'.fchen Partei sofort in alle Welt hinaus als Parteisieg telegraphiert. Als der Präsident Dr. Stern von dem Vorstandsbefchlnsse Kenntnis erhielt, sistierle er denselben und berief für den 8. Feber eine neue Sitzung ein, in welcher er seine Maßnahme damit motivierte, daß der Beschluß, falls er nicht blos ein leeres Wort bleiben soll, mit seiner Ordre auf Siedlungsbestrebungeu eine völlig außerhalb des statutarischen Wirkungskreises der Gemeinde liegende und große materielle Mittel erfordernde Ausgabe bilde. Er bedeute somit 'eine Aenderung der Statuten, die jedoch nicht mit den im Statute vorgesehenen Kantelen beschlossen wurde, und daher fühlte sich der Präsident verpsiichtet dem nicht statutenmäßig gefaßten Beschlüße, der als solcher eigentlich gar nicht existiert, die Anerkennung zit versagen. Der Präsident betonte wiederholt, daß ihm Palästina keineswegs ein gleichgiltiger. geografischer Begriff sei sondern ihm immer als eine heilige, lief ins Herz gegrabene jüdisch-religiöse Tradition gegolten habe, aber er müsse dafür Sorge tragen, daß die Stenergelder nur für die nalmeninässigen Gemeindezwecke und nicht für Kolonisationen verwendet werden. Nach einer sehr scharfen Debatte und heftigen Angriffen seitens der zionistischen Opposition nahm der Vorstand die Sistirnng des Beschlußes durch den Präsidenten zitr Kenntnis. Es ist unzweifelhaft, daß nunmehr die Opposition von allen Seiten den Vorwurf des Absolutismus gegen den Präsidenten erheben wird, aber mag vielleicht sein Vorgang bei der Sistierung formell nicht vollkommen einwandfrei sein, in der Sache selbst wird er die Zustimmung der weitesten Kreise der Gemeinde finden. Im Nachstehenden der uns vom Bureau der Knltnsgemeinde zngesandte Bericht über die beiden Sitzungen (Ans der Plenarsitzung des Kultnsvorstandes vom 1. Feber 1914, unter dein Vorsitze des I. Vize-Präsidenten Dr. Gustav Kohn. Präsident Dr. Alfred Stern war infolge Unpäßlichkeit verhindert, bei der Sitzung zn erscheinen). lieber eine seinerzeit von Herrn Dr. Grnnwald gegebene Anregung und einen Antrag des Herrn Dr. Ehrlich

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