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Die Wahrheit · 1914-02-13 · Heft 6 (13.2.1914) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 6 (13.2.1914)
Date
1914-02-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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^edäktio» und Lldmintftralion: -Wien, II,, NovüragasfL 27 Telrvdon: Nedaktio» 5509/1V. AnaHängige' Heckschrift für jüötfche ti'iUHliiüiiu;.Kl*. -; ’ ::äbmütiftratioit 4938 Il. £. öfterr. Moslsvartaüa- «checr-Koino Nr. 100.918. Iiltere^eir. 3'iii' NiitliiSt'! iiiiitt': <M.in*i.iOvi|i.K II» — " Inj'eratc: Dir viermal geivallen- NonvareiNe-Zeiie 25 Heller. Erscheint jeden Kr ei tag. Für Ausland: :?ldonneme»is- und Jiliertions- Itlvri».8 'JHurr berräge nnd in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Uottes isk. Wahrheit.!1" « »hu.,, ,b,v >" K»«. Uv 6 Wien. 13. Februar I1H4. Inhalt:' Wiener Wahlschivindel. — Die Rabbinerwahl im Fililshauser-Tempel. — Ans der Wiener Knltnsgeineinde. — Eine psalmistiicbe Advent- Studie. — Generalversaunnlnng des Tempelvereines in Hietzing. — Die 40. Generalverjaininlnug des israel. Teinpelvereines Wieden- Margärerheni — Verschiedene Nachrichten. — Aufruf. Der Wiener Mahlschwindel -Das Wahlrecht in die Bertretungskörper bildet eines der wichtigsten Errungenschaften öer Bürgerschaft in den verschiedenen mireleuropäischen Staaten. Es bildet den einzigen Weg, die konst mtionellen Verfassungn in Monarchischen Staaten zur Ausführung zu bringen. Die Bürgerschaft und die Staatsgewalt haben daher alle Ursache strenge und mißtrauisch darüber zu wachen, daß der wahre Willen der Wähler durch Wahlen rein zum Ausdrucke komme, damit die Wünsche und Bestrebungen des Volkes klar erkannt werden können. Nun taugen alle Arten der gegenwärtig vorkommmenöen Wohlordnungen und Wahlgesetze durchaus nicht für den angeöeuteten Zweck. So lange jedoch solche vielleicht untaugliche Wahlgesetze gelten, läßt sich dagegen nach Sumtes nicht ankämpfen, denn die vorhandenen Gesetze sollen und müssen befolgt werden. Seit nun christlich-soziale Partei in Wien und Nieöerösterreich allmächtig geworden ist, kam in Wien bei allen Arten von öffentlichen Wahlen eine solche Masse von ungesetzlichen Wahlmarmpulahionen vor, daß die gute Kaiserstaöt in dieser Richtung lange schon den Weltrekord leistet. Als im Jahre 1911 die Christlichsozialen in Folge ihrer nicht länger verborgen gebliebenen Bolksfeindlichkeit und Korruption, trotz ihrer mannigfach angewenöeten falschen Wahltechnik in Wien eine gräuliche Niederlage erlitten, suchten sie durch tendenziöse Wahlvorbereitung solches Unglück in Zukunft abzuwenöen. Durch stattgefunüene Reichsratswahlen inden Jahren 1912 und 1913 wurde bekannt: 1. daß unbestellbare Wählerlegitimationen notorischen Berufswahlschwindlern behufs schwunghafter Falschwahl zugemittelt wurden: 2. daß diese Wahlschwinöler für ihr ungesetzliches Treiben nicht nur von christlich-sozialen Mandataren, sondern auch von Beamten des Wahlkatasters bezahlt wurden. Trotzdem die letzterwähnte Tatsache nahezu 2 Jahre bekannt ist und die Staatsanwaltschaft zur Amtshandlung aufgerusen wurde, wurde bis heute noch kein Finger gerührt um die vorgekommenen Wahl-, schwindeleien und Amtsmitzbräuche zu sühnen. Es mag wohl keine apetittliche Arbeit sein, wenn man in politischen Versammlungen notorische Wahlsülschcr sprechen lassen muß, wie dies die armen Fortschrittlichen im 2. Bezirke letzthin tun mußten. Daß dies aber nötig wurde, daran st neben der Kühnheit der Christlichsozialen auch die bisherige Untätigkeit der Negierung schuld. In einer der letzten Geweinderatssitzungen Wiens rief ein christlich-sozialer Gemeinderat dem jüdischen Gemeinderat Stein die Worte zu: „Gehn Sie nach Tar nopol! Sie gehören in keine anständige Gemeinschaft!" Gemeinderat Stein wurde hierüber sonderbarer Weise sehr aufgeregt und ries: „Das ist eine Gemeinheit." Wie nun die Blätter melden, belangt der Gemeinderat von Tarnopol sowohl den christlichsozialen wie den jüdischen Wiener Gemeinderat gerichtlich. Obgleich die polnischen Wahlen auch berüchtigt sind, so hat Wien gegenwärtig doch keine Ursache hochmütig auf Tarnopol hinabzuschauen. Vielleicht ist öer Tag doch endlich schon angebrochen, an dem die österreichische Regierung erkennt, daß es nun Zeit sei, die höchst gefährliche christlichsoziale Partei von sich abzuschütteln. Gelegentlich der Annahme der gesetzlichen Erhöhung des steuerfreien Existenzminimums hat die Regierung ja bereits löbliche Ansätze dazu gezeigt^ Nicht nur die Wahlschwinöeleien müssen ausgeöeckt und wirkungslos gemacht werden, sondern wo es einigermaßen möglich ist, müssen ihnen bereits in den kommenden Gemeinderatswahlen empsndliche Niederlagen bereitet werden! R. L. Die Rabbinerwahl im Fiinfhanser Tempel Der unter gleichem Tilel erschienene, im Zeichen des prächtigen Humors stellende Artikel in der „Wahrheit" vom 6. Feber 1914 veranlaßt mich zu folgender, jeden Humors banr und umso ernster gemeinter Erklärung: Obzwar mein Name schonnngsvoll verschwiegen wird, weiß es ein Jeder, daß ich es war, der in der Vertranensmännersitznng eine zu mehrfachem Resenz führende Aenßernng getan habe. Jener prächtige Humorist meint nun darüber: „Nicht mit Unrecht har ein fernerer Redner auf die ralmndische Gelahrtheit Gewicht gelegt". Fürchtet sich der Artikelschreiber nicht, daß er ob diesen Worten mit Steinen beworfen werden

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