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Die Wahrheit · 1914-02-06 · Heft 5 (6.2.1914) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 5 (6.2.1914)
Date
1914-02-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Tie Wahrheit. *r. 5. sozialen im 3. Wiener Wahlkörper verborgen srien. Durch die Erhöhung Ser Kersonak-EinkomnrenMueß vom Jahreseinkommen, von- 1800 K an bis 10.0Ä0 G um jährlich 20 h bis 6 K kämen nach der Wiener Gemeinöeratswahlorönung noch etwa 19.000 neue Wähler in den 3. Wahlkörper. Das schlechte Gewissen öer Christlichsozialen erblickte öarin eine eminente Gefahr für öie Wiener Rathauschristen unö sofort setzten si alle Hebel in Bewegung, um das soeben geschloffene Kompromiß wider zu Falle zro bringen. Es gelang ihnen sogar den Führer öer „öeutschnationalen Vereinigung" auf ihre Seite zu bringen und Herr Dr, Gustav Groß war es, öer ein sonderbares Kunststück eines Antrages zuwege brachte, öer zugleich öas Kompromiß anerkannte unö durch einen Zusatz wieder negierte, So sollte die Erhöhung des Existenzminimums das den „Regierungsparteien" vom Anfang an ein Gräuel war, öas Gelingen des Finanzplanes überhaupt und mit ihm öie Befriedigung der Staatsangestellten und Lehrer, ja die Existenz und öie Ehre des Parlaments in Frag gestellt werden, um öie Rathaüschristen zufrieden zu stellen. Doch öe-'.r Vogen war zu straff gespannt worden. Am 21. Jänner l. I. wurde das geschlossene . Kompromiß im Abgeorönetenhause mit erdrückender Majorität (268 gegen 84 Stimmen) angenommen. Die Deutschnationalen ließen sich von ihrem Obmanne zu Liefern Wortbruch nicht kommandieren. Sie hätten sonst auch einen Hauptbesitzstand ihrer Partei, öie Beamten unö Lehrerwähler für immer verloren. 62 christlichsoziale Stimmen votierten aber noch zum Schluffe für öen Wortbruch.. Es ist bezeichnen, daß diesmal öer Paragraph 14 nur mit Hilfe öer hochaöeligen Herrenhäusler unö des Regierungschefs abgewehrt werden ■* konnte. Die Christlichsozialen haben sich daher als noch reaktionärer entpuppt als Herrenhaus unö Regierung. Auch die Volksfreunölichkeit der Deutschnationalen kann nach dieser Affäre mit Recht arg bezweifelt werden. Vielleicht wird es endlich auch in Oesterreich Tag! Vielleicht begreifen es endlich die österreichischen Regierungsmänner, daß eine Regierung gegen das Volk ein sehr gefährliches Unternehmen geworden ist, daß Kirche unö Adel ohne öas Volk denn doch zu schwache Staatsstützen vorstellen, zumal in Oesterreich, wo diese mächtigen Vereinigungen nur dann Patriotismus hervorkehren, wenn sie diktieren dürfen. Man darf besonders in Wien begierig sein, öie nächsten Gmeinöerats-und Landtagswahlen avzuwarten. Es ist anzmiehmen dich der '21. Jänner 1914 das Wahlergebnis einigermaßen beeinflußen werde. R. L. Keopoldstirdter Gemrinderatswalsten. Anläßlich der bevorstehenden Gemeinderatswahlen versendet der Bezirksvorstcher des 2. Bezirkes, Ingenieur Leopold Blaset, folgenden Aufruf an die freiheitlichen Wähler: Seit heute morgen liegen in der Gemeindebezirkskanzlei des 2.-Bezirkes die Wählerliste zur Einsichtnahme für die Bevölkerung auf. Eine kurze Durchsicht ergibt bereits die Tatsache, daß Hunderte freiheitliche Wähler ohne jede Begründung, ohne daß sie aus ihrem shemaligen Wohnorte ausgezogen waren oder eine geringere oder höhere Steuer bez<chlen würden, also trotz ihres unanfechtbaren Wahlrechtes in der Wählerliste nicht enthalten find. Namentlich; tm drMen Wahlloser bereiten dte ChrisüMsozialen alles nK Erdenkliche vM um diesem letzten- . Besitzstand ihrer Partei, der auf äußerst, schwachen Füßen aüsgebaut ist, zu wahren, und man. kann - schon heute sagen, daß kein Mittel,, sei nes auch Noch! so unerlaubtzs Mversucht gelassen werden wird, um einen Sieg der 'Freiheitlichen zu verhindern. , Dessenungeachtet geht die fortschrittliche Partei mit froher Zuversicht an die Arbeit.Wenn es nicht wieder^ r wie - bei früheren. Wahlen ÄMkommt^ daß zahlreiche fort-! schrittliche Wähler erst zu! einem Zeitpunkte, in.deM.,We!i Reklamationsfrist beendet ist, wo also trotz allere Berechi-! tigung zum Wahlrechte die Aufnahme in die.Wähler-jj liste nicht mehr möglich erscheint, sich um die Wahrung! ihres Rechtes kümmern, sondern im Interesse der Caches bereits in den allernächsten Tagen in hie in der . Ge-! meindetanzlei des zweiten Bezirkes-erliegenden ListenEin-s sicht nehmen und, falls ihr Name in der Liste nicht? enthalten ist, ihr Wahlrecht reklamieren, dann wird trotz! aller Künste der Gegner der Sieg der freiheitlichen Sache^ beschieden sein. - Dills fortjchrittljche BezirksWahllbmitee der. Leopoldstadt, das feinen Sitz im Hotel Stefanie, 2. Bezirk; Taborstraße 12 hat, steht den-Herren Wählern in Wahl-- angelegenheiten zur Verfügung und führt — selbstverständlich kostenlos — alle Reklamationen durch. Die Ch.istlichfozialen wollen auch aus dem Buchdruckerstreite Kapital schlagen. Ohne jede Nötigung wurde die Reklamationsfrist gegen die Bestimmungen des Statuts für eine Zeit angeordnet, in welcher die Wähler noch nicht im Besitze der Wählerlisten sind. Schon daraus ist zu ersehen, daß es doppelte Pflicht jedes Wählers ist, sich um sein Wahlrecht zu kümmern: Wer ist Wähler im dritten Wahlkörper? 1. Jeder österreichische Staatsbürger, welcher das 24. Lebensjahr erreicht hat und -im Gememdegebiete seinen-ordentlichen Wohnsitze hat: a) Diejenigen, welch,e an Grundsteuer, Gebäudesteuer oder an allgemeiner Erwerbsteuer mindestens acht Kronen nebst Gemeindezuschlägen seit einem Jahre ,in der Gemeinde jährlich entrichten; b) diejenigen, welche an Personaleinkommensteuer mehr als 20 Kronen M wenigstens einem Jahre in der Gemeinde jährlich entrichten; c) die wirtlichen, mit Dekret hefinitio angestellten, pensionierten oder provisionierten Bediensteten des Allerhöchsten! Hofstaates, Staates, des Landes Niederösterreich, der Gemeinde Wien, der öffentlichen Fonds, der Handels- und Eewerbekammer in.Wien. Die Einwendungen gegen die Wählerlisten, sowie Aufnahmen in dieselben sind nur bis zum 11. Februar möglich. Die Herren Wähler werden also nochmals auf das dringendste gebeten, sofort ihr Wahlrecht zu reklamieren. Die Ratibinsrmtthl im Fnnshnnler Tempei. Man muß zugeben, eine solche Desorientierung war sochn lange nicht da. Die Aeußerungen öer zur Vorberatung berufenen Vertrauensmänner,, die sichnicht aus Fünfhaus allein rekrutieren, sind unendlich zersplittert, ja man kann sagen, soviel Bewerber auftraten, ebensoviele Fähnlein mit Grüppchen von Fürsprechern haben sich gebildet. Wollte man nach den Ansichten der Vertrauensleute entscheiden,. man wäre in Verlegenheit die Wahl zu treffen. Die Frage soll und kann auch hier an dieser Stelle nicht, gelöst wer- Len;sie ist aber wichtig und interessant genug, um, züsammenzustellen, was alles vorgebracht wurdeund inwieweit öie gehörten Anregungen und Empfehlun-

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