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Die Wahrheit · 1914-01-16 · Heft 3 (16.1.1914) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 3 (16.1.1914)
Date
1914-01-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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eeite 6 'Itr. 8, Die Wahrheit Hilfsvereinsschulen belegt hatten, jetzt ausdrücklich ' Aufrecht erhalten. Nur einen Gegensatz irr der palästinensiscken Iuöenheit hat der Sprächenkämpf aüfgezeigt: den Gegensatz zwischen der arbeitenden Bevölkerung, zu ber -ie Kolonisten, die Arbeiter und die Wächter in den Kolonien und alle produktiven uNd gebildeten Elemente in den Städten gehören, einerseits und der zum Glück immer einflußloser werdenden Schicht der -an das stete Almosennehmen gewöhnten Chalukah- Elemente andererseits, die keine eigene Ueberzeugung haben und sich die Meinung jedes „'Wohltäters" zu Ligen machen. Solche Elemente wußten die Gegner ber freien Entwicklung der hebräischen Sprache für sich zu gewinnen. Ihre Meinung aber als Ueberzeugung der religiösen Bevölkerung auszugeben, ist absurd und bedeutet eine Brüskierung des religiösen Judentums. Die Lehrer und die Schüler glaubten, im Einvernehmen mit dem weitaus größten Teile der Bevölkerung das heilige Gut der hebräischen Sprache vor rücksichtslosem Eigensinn schützen zu müssen. In ihrer Handlungsweise nichts als „Streikhandlungen" zu sehen, entspricht dem Standpunkte eines Unteruehmers, der mit seinen Arbeitern in Lohnstreitig - ketten gerät, nicht aber dem einer gemeinnützigen jüdischen Organisation. Leitfaden;nr Uedersetzung hebräischer Lehrterte Besprochen von Prof. Dr. Kahan, Znaim. Im Aufträge des Vorstandes der israelitischen Knltus- -gemeinde Wien hat Herr Inspektor Julius Braun „Leitfaden zu r Ue b ersetz un g h e b r ä is cb er Leh rt exte" in drei Heften erscheinen lassen, deren Glossierung, bei aller Anerkennung der Borzüge der Arbeit und der znr Bewältigung der großen Materie aufgewaudteu Mühe mir mit .Rücksicht ans die Wichtigkeit ihrer Mission sehr geboten erscheint. Im allgemeinen muß die beigedruckte Uebersetznng vom pädagogischen Standpunkte ans von fraglichem Werte ' -erscheinen, im einzelnen aber möchte ich ans folgendes Hinweisen: Jakob gelobt: Wenn Gott mir mir sein wird . . . undderEwige m i r z n m Gott fein iu i r d (mir seinen Sckntz gewährt, wie es Gott Abraham verheizen. Gen. 17, 7). so soll dieser Stein ein Gotteshaus werden. So erklähl N a s ch i und R a s ch b a m. Brau n aber übersetzt (wo), nach Namban und Sfoino?): Wenn Gort mit mir sein wird ...so soll der E w i g e mein Gott sein — also Frömmigkeit ans Bedingung und Kündi- digung! Und richtig hat auch vor einigen Jahren ein - moderner Rabbiner aus dieser falschen Uebersetznng; den ungeheuren Schluß gezogen, daß die Thora — j ethisch minderwürtig sei! (Brülls Monatsblätter) - — Muß man da nicht den Lehrern znrnfen: Ihr Weisen f seid vorsichtig mit Euren Worten, mit Euren Uebersetznugen!? — Andererseits hat Braun ans falscher Angst vor Mißverl stäudnisfen |rbj? hu falsch übersetzt; Gott, höchstes - Wesen, wo es doch einfach höchster Gott heißt, nicht s etwa in dem Sinne, daß es noch andere, niedere Götter gibt, [ sondern im Sinne von Deuteronomium 10, 17: Der Ewige, j euer Gott, ist der Gott aller Götter und der Herr aller j Herren, er ist der Gott alles' dessen was von den törichten j Menschen als „Götter" verehrt wird! Das hätte in einer i Anmerkung gesagt werden können, ohne bie hebräischen l Worte zu verfälschen. V | .. JmOlenii'-GebetgibtBraun v'iivi.wieder:.wir b e!eun en k . (unfern Glauben). Diesen Schnitzer hat Man u h e i m e r 0 verbrochen, aber in die Schule.gehört er noch lange nicht, da muß'nur die Wahrheit gelehrt werden, mit) die Währ^ heit ist, daß v'-i-iv wohl eine S ch n l ti b ef eint en -^ein-- gestehen" heißt, niemals aber „d e u G \ a u b e n b e k e ii « e nt Hier.heißt es aber nur — danken! . Das vorletzte G e b e t des Achtzehngebetes y"nn bai wandelt Brätln mit Mannheimer — in eine E r z ä h l u nß um: Alle Lebenden danken dir! Aber ist auch die Erzählung w a h r? ' Danken wirklich a ll e Lebenden dem wahren Gott? Wozu sollen wir also dem lieben Herrgott etwas erzählen, was unwahr ist? Was doch wenigstens Göu als Unwahrheit erkennt? Einem menschlichen Fürsten kann man wohl etwas unwahres vormacheu, daß ihm alle Welt begeistert huldigt, aber Gott?! Nun ist es aber keine falsche Erzählung, sondern nur eine falsche U eber s.e tz u n g, denn der Text ist ein Geb e r: alle Lebenden m o gen Dir danken und mögen Deinen Namen preisen — in Ewigkei t. denn so heißt hier das von Braun unüberzsetzte rbo! Es ist tief bedauerlich, daß, wenn man auf einen eingewurzelten Fehler aufmerksammacht, die Fachgenössen davon keine Nvuz nehmen und der Schlendrian weiter bestehen bleibt. Daß obige Uebersetznng falsch ist und daß nbo im Rabbinischen, also auch in den Gebeten „ewig" heißt^ habe ich schon längst in diesem Blatte anseinandergesetzt, aber in den Schulen der Residenz wird Weiler falsch übersetzt! Znm Ueberflnß will ich noch aNf folgende Stelle im Berachot 5 a verweisen: Den bösen Trieb soll-man.wenu alles andere versagt, damit besiegen, daß man ihn an den Todestag erinnert, wie es heißt nbo uani (Psalm 4, 5), dazu Raschr: Der Tag des Schweigens, das ist der Tag des Todes, der ein e w i g e s S ch w e i g e n ist. Also selbst in den Psalmen nehmen die Rabbiner nbo in der Bedeutung : vor ewig! M a n n h e i m e r hat dies augenscheinlich nicht : gewußt und daher in den-Gebeten, wo nbv am Ende des; Satzes steht, .-i7>v -Sei a h' sein lassen.'Dä aber, wo nbü mitlen im Satze steht, wie im Morgengebet: Du hast uns nahegebrachlDeinemgrvßeuNamen nbo in Wahrheit, da half ersich ans der Berlegenheit, ändern er nbv einfach wegließ! Das konnte sich der große Mannheimer erlauben, aber wir Epigonen? Wir müssen schon der Wahrheit aus den Grund zu kommen suchen und wenn sie einmal gefunden ist, sie auch sesthallen! — Dasselbe gilt öou mxax n. Ich habe ebenfalls in diesem Blatte festgestellt, daß es nur heißen kann „Schöpfer der Heerschaaren" oder „W e l t e n s ch ö p f e r", esj wird aber immer noch wiedergegeben mit „der Ewige Zebaoth,'" der Ewige der Heerscharen, was aber keinen Sinn gibt! ■' Im Hebräischen heißt „das Licht des Antlitzes (O':s-nu) soviel wie Freundlichkeit,^ ..Wohlwollen." Im Priestersegen heißt es daher: Der Ewige lasse sein Antlitz Dir leuchten. Im letzten Stück des Achtzehngebetes sprechen wir zu Gott: Segne uns alle mit „dem Lichte Deines Antlitzes," d. h. schenke uns Dein Wohlwollen. Braun übersetzt: Segne uns im Lichte deines Antlitzes" — was soll das heißen? Wir sprechen ferner im selben Gebete: Im Lichte ' deines Antlitzes (in deinem Wohlwollen) hast du uns verliehen die Lehre des Lebens, der Liebe zum W o h ltuu (nach Mincha 6, 8!) der Gerechtigkeit und desSegens, der Barmherzigkeit, des Lebens und des Friedens (alles abhängig von Die Lehre), so möge es ^Dir Wohlgefallen, Dein Volk Israel zu jeder Zeit mit Deinem Frieden zu segnen! Bräun hat folgendes daraus gemacht: Du hast uns gegeben die Lehre des Lebens und gnadenreiches!) L i e b e und W o h l e r g e h e n (!) und Segen n. s. w. Eine solche Verunglimpfung des schönen Gebetes ist geradezu unbegreiflich! ' ' . Ueber die Auswahl der., Gebete und der Bibelstücke ließe sich manches sagen. Wir wollen, nur das Auffallendste berühren. Das' leichte und schöne Gebet um Vergebung dfr Sünden ( nbv ) ist ausgelassen, dafür aber im irabls wau

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