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Die Wahrheit · 1914-01-09 · Heft 2 (9.1.1914) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 2 (9.1.1914)
Date
1914-01-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2. Die Wahrheit Seite 9. - Mach Hinweis Ms die Dm.abgelaufenen Jahre lim Gotteshause vollzogenen: ritualen Funktionen und Erwähnung diverser Anlässe, die mit feierlichen gottesdienstlichen Veranstaltungen verbunden werden, fährt der Präsident weiters fort: Die hochverehrte Gattin, des so frühzeitig heinigegangenen Mitgliedes, weiland Ignatz 'Wolf,. Frau Jda 'Wolf, stiftete eine Maskier im Betrage von 2000 Krott eit und so wird sein Name für alle Zeiten in dem Wodenkbuche unseres Tempels fortleben, wie nicht minder in unseren Herzen. An Widmungsspenden kämen uns im Laufe des Jahres zu: ' ' ' ‘ ' ' " ' ' ' Von Herrn Dr. Jakob Engel' 200 Kronen, von Herrn August Fisch el 200 Kronen, von Herrn .Wilhelm Meyer 100 Kronen, von Herrn Markus Mittler 50 Kronen, von Herrn Leopold W aller 300 Kronen; von einem Ungenannten 56 Kronen. Der verdienstvolle Leiter unserer Bethaussiliale im Hotel Monopol, Herr Markus L iss au, widmete uns ein prachtvolles kostbares Torabehänge, mit der Widmung, daß dieses in erster Linie in der Bethausfiliale Verwendung finde. Ihm, sowie . allen hochgeschätzten Spendern sagen wir aus tiefstem Herzen unseren besten und wärmsten Dank! Sehr geehrte Versammlung! Mit dem heutigen Tage treten wir in das vierzigste Jahr des legalen Bestandes unseres Vereines? Während dieses langen Zeitraumes haben wir uns stets als treue Mitglieder unserer Muttergemeinde gefühlt und uns allezeit der wahrhaft vorbildlichen, rühmenswerten Förderung unserer Mitglieder und Tempelbesncher zu erfreuen gehabt, deren hoe Opferwilligkeit, deren unentwegte Treue uns die Möglichkeit geboten, unsere heilige Mission in gottgefälliger Weise zu erfüllen. Wir bitten Sie um Ihr gütiges ferneres Wohlwollen und" schließen mit dem Wunsche, daß uns alle des Himmels Güte erhalte, damit wir im nächsten Jahre den Abschluß unseres vierzigjährigen Bestehens festlich begehen vermögen. Das walte Gott! Dcrci« „Wisrachi" Wien. Die am 21. d. im Turnsaale der ,,Talmud Thora" abgehaltene erste Generalversammlung hat einen geradezu glänzenden Verlauf genommen. Der Präsident, Herr Isidor Austerlitz, eröfsnete präzise 5 Uhr die Sitzung, begrüßt mit Genugtuung die sehr zahlreiche Versammlung, Damen und Herren, und gibt einen kurzen Abriß der Geschichte des Vereines während feines neunmonatlichen Bestandes. Hierauf erstattete der Kaffaverwalter Herr Julius' Lettner den Kafsabericht, der, wie wir mit Vergnügen bemerken, diesmal in hebräischer Sprache eingeleiter wurde. Der Bericht wurde einstimmig genehmigt und der Vorstand dechargiert. Herr Rabbiner Dr. Grunwald sprach hierauf über das Attentat des deutschen Hilfsvereines aus die palästinensischen Schulen und beantragte, eine Resolution, die nach einer kurzen Debatte an der sich Rabbiner Kramer, Obmann Austerlitz, .Goldschmied, Dr. Benzion (Monastir) beteiligten, in nachstehender Form einstimmig angenommen wurde: Die Generalversammlung des Misrachis Wien, am 21. Dezember 1913 beschließt einstimmig. 1. Den löblichen Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde um eiue tatkräftige Unterstützung des hebräischen Unterrichtswerkes in Palästina zu ersuchen. 2. Alle Misrachvereine der Welt sind zum einmütigen geschlossenen Vorgehen zum Schutze des hebräischen Unterrichtswerkes auszufordern. Es wurde ferner beschlossen, eine Deputation an den Präsidenten der Kultnsgemeinde zu entsenden, um den in der Resolution ausgesprochenen Wunsch persönlich vorzNtragen und durch weitere Argumente zu unterstützen. Als Mitglieder dieser Deputation wurden gewählt die Vereinsmitglieder Rabbiner Dr. Grunwald und Kramer, Obmann, Austerlitz, k. k. Inspektor i. P., Isidor Fischer, Jakob Warkany, Goldschmied, und Leopold Neumann. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurden verschiedene Anregungen des misrachistisch zionistischen Gedankens gegeben. Die hierauf über einmütigen Wunsch der Versammlung per Akklamation vorgenommenen Wohlen der statutenmäßig ausscheidenden Mitglieder und der Revisoren ergab deren Wiederwahl wie auch die Neuwahl der Herren I. Pinkas, Elias Weiß und Samson Leemann. Herr Rabbiner Dr. Grünwald erbat sich hierauf das Wort, um der Vereinsleitung Dank zu sagen für das schöne Werk, das sie in unermüdlicher Tätigkeit geschaffen haben, namentlich gebührt Dank dem Obmann Herrn Isidor Austerlitz und Herrn Rabbiner Kramer, den Jnitatoren dieser Schöpfung, welche sich besonders verdienstlich gemacht haben durch Einrichtung unentgeltlicher Kurse für Bibel und hebräische Sprache. Wenn Misrachi sonst nichts geleistet hätte als die Schaffung dieser Kurse, welche schon heute von einer, großen Antzahl junger Leute mit Erfolg frequentiert werden, hätte sie schon dadurch allein .ihre Existenzberechtigung erwiesen. Hierauf dankte das neugewählte Mitglied des Vorstandes Samson Leemann, in beifällig ausgenommenen Worten für die Wahl, Präsident Austerlitz konstatiert zum Schluß mit Befriedigung den erhebenden Eindruck der Sitzung, dankt den Erschienenen und schloß nach fast dreistündiger Dauer die Versammlung. Unter anderem begrüßten die'Versammlung: Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang, der sein Fernbleiben entschuldigt.; . Die jüdische» Sch »len in Palästina. Kvnstaunnvpel. 28. Dezember. * Eine Periönlichleit, die in der türkischen Regierung einen hoben Rang einninniit. äußer: sich über den gegenwärtig in Palästina herrschenden Kamps für die Hebraisierung derber jüdischen S-chnlen folgendermaßen: „Wenn d:e Inden in Palästina ihre uarivnale Sprache nicht verteidigen werden, so werde'.: sie gezwungen sein, in ihren Schulen die türkische oder arabische Unterrichrs'peache einznsnhren. In keinem Falle aber ist eine Sprache am Platze, die weder die ihrige noch die unsere ist". Der Sprachenkamps tu Palästina erregt überhaupt in hiesigen diplomatischen Kreisen lebhaftes Interesse. Fast alle Vertreter der fremden Mächte fiuD der Ansicht, daß niemand die Juden Palästinas bindern dürfe, die Reckte ihrer nationalen Sprache zu wahren, besonders da die hebräische Sprache der arabischen Umgangssprache der eingeborenen nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas so nahe steht, wie etwa das Holländische dem Deutschen, also jedenfalls näher, als eine europäische Svracbe. Die Blättermeldung, daß mohammedanische Notabeln in Haifa gegen die Einsnhrnng des Hebräischen am dortigen Indischen Technikum prviesttert hätten, weil dies angeblich die Ausschließung der Mohamedaner ans dem Technikum zur Folge Härte, ist ganz offenbar nnzntressend, weil dieser Einwand ja in noch viel stärkerem Maße gegen die Einsnhrnng einer europäischen Unterrichtssprache gelten müßte. Diese Meldung kann also nur dazu bestimmt sein, die öffentliche Meinung gegen das Hebräische zu beeinflussen.

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