Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 2 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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%. 2. Die Wahrbett ScU->- I. wichtigen noch nicht. behMdelten Initiativanträgen, kommen Werden. Gespannt harrte ich der neuen Jdeeni die uns große Probleme bringen sollen. Anstalt dessen haben sie auch keinen einzigen Antrag eingebracht und keine einzige Anregung gemacht, die den Vorstand nichts schon zu Wiederholten Malen eingehend beschäftigt hatten. So dürfe man nicht vorgehen und er. habe es als feine Pflicht angesehen, darauf nachrücklichst hinzuweisen. Redner teile aber auch nicht die Befürchtungen des Budgetreferenten, dessen ausgezeichnetes Elaborat er anerkenne. Er sei durchaus kein Pessimist. Während heute fast alle öffentlichen Gemeinwesen tief verschuldet sind, ist es die Wiener Kultusgemeinde nicht. Unser Budget hat eine große Elastizität. -Er glaube au4 daß das bewährte jüdische Herz auch jetzt sich keinem Appelle verschließt und erinnert hierbei an das Verhalten unserer Glaubensgenossen anläßlich der Brandkatastrophe in Preßburg. Das Kinderspital, befürchte er, werde mit einem bedenklichen Geburtsfehler in die Welt gesetzt werden, wie ihn manche von Wohltätern begründete und dann auf die Kultusgemeinde übertragene Wohlfahrtseinrichtung bereits aufweist. Aus der Errichtung des Kinderspitales dürfen der Gemeinde keine ständigen, großen Lasten erwachsen und er gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Gründer und Wohltäter, beziehungsweise deren Nachkommen, auch dafür sorgen werden, daß das Kinderspital nicht nur gegründet werde, sondern sich auch erhalten könne. Kaiser!. Rat Jonas Weil stellt fest, daß die Frage der Lämelschule noch nicht geklärt ist und stellt deshalb denAntrag, daß der Vorstand insolange keine Zahlungen für die Lämelschule leiste, als die Angelegenheit nicht vollständig geklärt ist. Redner polemisiert dann gegen die Herren Dr. Ehrlich und Stricker und erklärt, daß die durch die Kurie der Höchstbesteuerten gewählten Vor- > steher ebensoviel für die Gemeinde arbeiten, wie die aus der allgemeinen Wahlkurie Hervorgegangenen. Das Ansehen der Gemeinde sei auch nicht gefallen, wie die Herren behaupten. Zum Schlüsse stellt er den Antrag, auf Erhöhung der Subvention für Kinderhorte von 6.000.— Kronen auf 10.000.— Kronen. Kultus-Vorsteher Architekt Jakob Gärtner bespricht sodann das Ergebnis der Konkurrenz für die Kinderfpitalspläne. Nachdem Kommerzialrat Leopold Simon nach eingehender Begründung einen Resolutionsantrag verliest, in welchem das Präsidium aufgefordert wird mit aller Beschleunigung die erforderlichen Schritte zu unternehmen, um die Errichtung eines neuen Amtsgebäudes in kürzester Zeit zu ermöglichen, erhielt Referent, Kultus-Vorsteher Dr. Gustav Kohn das Schlußwort. Er dankt allen, die an der Debatte teilnahmen für die sachliche Behandlung des Referates und macht die Bemerkung, daß die Herren Zionisten nicht recht daran taten, sich als Opposition von Haus aus zu erklären,. da ja ihre Anregungen geprüft, wenn auch nicht alle angenommen wurden. Bezüglich der Lämelschule weist er darauf hin, daß man von einem Eigentum der Kultusgemeinde nicht gut reden könne, denn die Gemeinde sei bloß die Verwalterin einer Stiftung, habe aber in Jerusalem niemals Immobilien besessen. Zum Schlüsse drückt er dem- Bureau den Dank für die Mühe der Beistellung des Materials aus. Die Antragsteller Dr. Ehrlich und Stricker akkomodieren sich dem Anträge des kais. Rates Jonas Weil, wonach die Auszahlungen für die Lämelschule bis zur Klärung. der Angelegenheit zurückgestellt werden sollen. Dieser Antrag wird angenommen. Ebenso wird der Resolutionsantrag des Kommerzialrates Simon angenommen. lieber den Antrag Salo Cohn wegen Einführung einer dreijährigen Wahlperiode wird, da seine Annahme eine Statutenänderung involvieren würde, nicht abge- .stimmt und ist auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen zu setzen. Bei der hierauf vorgenommenen Abstimmung wurde das Budget mit der vom kaff. Rat Jonas Weil beantragten Erhöhung der Subvention für die Kinderhorte im Allgemeinen und im Detail angenommen. Nachdem?der Vorsitzende unter allgemeiner Zustimmung den Referenten, Herrn Dr. Leopold Ko hin, für das ausgezeichnete Referat und die besondere Muße,- die er hiebei aufgewendet hat/ den Dank des Vorstandes aussprach/ wurde die Sitzung um ein Viertel nach 10 .Uhr nachts geschlossen. In der Dienstag, den 6. Jänner, 10 Uhr vormittags unter dem Vorsitze der Präsidenlen Dr. Alfred Stern ab-- gehalteneu ösfentlichen Plellarsitznug fand die Konstituierung des Knltusvorstaudes statt. Vor Eingang in die Tagesordnung brachte Präsident Dr. Alfred Stern in bewegten Worten seinen Dank für die ihm seitens des Knltnsvorstandes erwiesene Teilnahme anläßlich des Ablebens seiner Schwester. Frau Gabriele Strauß, zum Ausdruck. Hierauf wurde zur Wahl der beiden Vizepräsidenten und der Mitglieder des Vertreterkollegiums geschritten. Gewühlt wurden: Zinn I. Vizepräsidenten Herr. Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, zum II. Vizepräsidenten Herr Hofrat Dr. Benjamin Rappaport. In das Vertrecerkollegiilm die Herren : Salo Cohn, Dr. Felix Katzau, kais. Rar Siegminid Kanders, Dr. Leopold Kohn, Wilhelm Knffner. Prof. Dr. Josef Pollak, Adolf Schramek, Dr. Markus Spitzer. Zum Schluffe erfolgten die Wahlen in die einzelnen Kommissionen und Komitees. Tempel-Kerem Mariahtts-Urnlmn. Der Generalversammlung des „Israel. Tempel-Vereines für die beiden Gemeindebezirke Maria hilf und Neubau in Wien, die Montag den 29. Dezember 1913 7 Uhr abends stattfand, muß diesmal eine bewndere Bedeutung beigemessen werden. 40 Jahre waren an diesem Tage seit der Gründung des Tempelvereines verflossen, der von kleinen Anfängen an. dank der Tüchtigkeit und Hingebung seines jeweiligen Vorstandes und der Lpferwilligstn seiner Mitglieder in aufsteigender Entwicklung immer vorwärts strebte und henke mit seiner .musterhaften administrativen Verwaltung und feinen anerkannten culntifUeu Emriäunngen an der Tere der Wiener Tempelvereine marfchierr. Aber noch in einer zweiten Beziehung war der Tag der Generalversaurmlung ein Jubiiäumstag. Wie ein Mitglied. Herr Dr. Carl Löwy dem Vereinsprüsidenten zn seiner eigenen Ueberraschnng mirrheilte, waren ans den Tag 25 Jahre ie:r dem Eintritt des Herrn Dr. Jacob Engel in beu Vereinsvorstand abgelanfen. und die spontanen herzlichen Glückwünsche, die der Redner im eigenen Namen, sowie im Namen der Mitglieder dem verdienstvollen und allseits verehrten Präsidentell darbrachte, werden sicherlich in den wertesten Kreisen der Gemeinde lebhaften Widerhall finden. In die festliche Stimmung der Versamiillnng, bei welcher gerade diesmal die allerdings durch die zu gleicher Zeit stattfiudende Budgerberatung verursachte Abwesenheit eines besonderen Delegieren des Culrusvorstandes auf mancher Seite eine gewisse Empfindlichkeit