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Die Wahrheit · 1914-01-02 · Heft 1 (2.1.1914) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 1 (2.1.1914)
Date
1914-01-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 7. Die Wahrheit Nr. 1. und Dr. Jakob Schreyer, Ludwig Baumgarten, Benedikt v. Baronyi, Stephan Popper, Baron Bela Dirß-- tay, Wilhelm Freund, Dr. Armin Linkß und Mayer Lichtschein waren. Hofrat Baron Adolf Kohner richtete an den Präsioent.en und an die Vorsteher eine warme Begrüßungsansprache, in welcher er betonte, es sei notwendig, daß , jene Rahmen entsprechend 'erweitert werden, in denen die hervorragenden Persönlichkeiten -des Judentums an der Leitung der Gemeinde teilnehmen und daß bei dem heutigen schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen den Mitgliedern der Religionsgemeinde, deren Belastungsfähigkeit ohnehin auf das Minimum gesunken ist, nicht neue Lasten aufgebürdet werden. Präsident Ludwig Adler dankte tief ergriffen, sowohl in eigenem, wie im Namen der Vorsteher, für das in sie gesetzte Vertrauen und versprach, daß die Gemeindeverwaltung auch weiterhin mit ganzer Kraft bestrebt sein werde, die hehren Interessen des Judentums und besonders der Budapester Gemeinde zu fördern. Er skizzierte in schönen Worten die wichtigsten Aufgaben, welche die Gemeindeverwaltung in den nächsten Jahren zu lösen hat und gab der Versicherung Ausdruck, daß, wenn die Mitglieder der Repräsentanz und des Ausschusses die Vorsteher mit so viel Hingebung unterstützen werden, wie dies in den letzten Jahren geschehen ist, dann wird es ohne Schwierigkeit gelingen, die Aufgaben der nächsten Zukunft dermaßen zu lösen, daß die neuen Institutionen zur Stärkung des Religionslebens dienen werden. Sodann sprach der neugewählte Vorsteher Dr. Feleki einige Dankesworte. Dr. Feleki erhält die Finanzsektion, da er schon seit langen'Jahren Referent der Finanzsektion der Hauptstadt Budapest ist, kann man seinem Wirken Mit berechtigtem Interesse entgegensetzen. Professor Dr. Wilhelm Kocher Einer der hervorragendsten Repräsentanten der jndidischen Getehrtenwell Professor Dr. Wilhelm Bacher in Budapest, ist nm 25. Dezember im 63. Lebensjahre gestorben. Dem Heimgege.nqenen widmet Professor Dr. Beru- .'hard Heller im „Pester Lloyd" folgenden Nachruf: Vom weiten Kreise seiner Verehrer, den die Schranken der eigenen Heimat nicht begrenzten, wurde im Jahre 1910 Professor Wilhelm Bacher anläßlich seines 60. Geburtslage» im Vollbesitze seiner Schaffeilskraft gefeiert. Und heilte stehen wir an der Bahre dieses trefflichen Mannes, der als Gelehrter in und außerhalb Europas Ruhm und Ansehen der ungarischen Wissenschaft erhöht hat, als Mensch und Lehrer aber denen, die ihmnahten, ein zu edelstem Ehrgeiz anspornendes Vorbild war. Seine spätere B/edentniig fiiibet sich schon in mehreren (äjiii« zelheiten seiner Jugend vorgebildet. Fünfzehn Jahre zählte er, als seine erste Airnslübersetznng int Druck erschien. Auf seiner Reifeprüfung im Lyzeum zu Preßbnrg übersetzte er die griechischen Texte ins Lateinische, die lateinischen ins Griechische. Mit zwanzig Jahreg wurde er Doktor der Leipziger Universität. Im Jahre. 1876 ist ex als Nachfolger Leopold LöwH ' Rabbiner von Szeged. EinJahr später wurde er an die damals gegründete Laudes-Rabbinerschule in Budapest berufen, der er sein wertvolles Leben bis zum Zusammenbruch seiner körperlichen Kräfte weihte und die ihm so viel verdankt, wie nur je eine Anstalt einem Einzelnen. Ms, Gelehrter hat ex Goethes Ausspruch verwirklicht: „Oriech und Hkzidenh'finst nicht mehr zu trennen". Er ging von d.en biblischen Wissenschaften aus, 'blieb ihnen auch bis zum letzten Hanch seines Lebens treu, drang dabei in all.e Winkel der gesamten jüdischen Literatur; überblickte die weite . Berührungsfläche, d,es arabischen und jüdischen Schrifttums, voxzügljch, ch^stpraDvissestschafttichey,' dann aper auch ' Hw philosophischen SHöPfnngen; behandelt als Kandidat dstr Philosophie den persischen Dichter Nizami, veröffentlichte die Sinngedichte Sadrs; galt als erster Kenner der jüdisch-perstschen Literatur; erforschte die jüdische Dichtung Nemens; wies türkische Elemente in persischen Dialekten nach; untersuchte die mandäische Psatmenüliersetznug; ging talmndischen Sprichwörtern imPetrouins nach; entdeckte in 1001 Nacht Spuren des Plaurnsscheu Lustspiels, findet eine Parallele zu Tells Apfelschnß bei einem persischen Dichter; schöpfte ans Rudolf v. Jherings rechtswissenschaftlichen Werken Beitrüge zur Bibelerklärung. So steigt in uns eine leise Ahnung der überwältigenden Fülle auf, die in Professor Bachers Werken anfgespeichem liegt. Ungarisch, hebräisch, deutsch, französisch, englisch, italienisch erscheinen seine Aufsätze in fünfzig Zeitschriften. Er findet Muße am ..Peiter Lloyd", an der ..Neuen Freien Presse" am ,, Magazin für Literatur des Auslandes" milznarbeiten; versieht das Amt eines Rezensenten von unbestrittenem Ansehen bei der „Deiltschen Literatnrzeitnnq", bei der (protestantischen) ..Theologischen Literatnrzettnng", ist einer der Leiterder amerikanischen großen ..Jewisli Encyclopedia” Für Leser, die den hier gestreiften Gebieten fremd gegenüberstehen, können natürlich nicht einzelne Ergebnisse vorgeführt werden. Nur ein, zwei bedeutende Beispiele wollen wir andenten: Deutschland ist stolz auf seinen Bopp, der die vergleichende Sprachwissenschaft gründete; wir Ungarn tun uns etwas zugute auf unseren Nevai, der selbst Bopp znvorgekommen war. Und da weist nun Professor Bacher in einer Reihe von Werken nach, daß die Verwandtschaft zwischen Hebräisch, Aramäisch und Arabisch schon vor 700 bis 800 Jahren eine glänzende Sprachvergleichung in Fluß brachte. Ein anderes Gebier. Die Gedanken der jüdlschen Lehrer vom ersten vorchristlichen bis zum fünften Jahrhundert unserer Zeitrechnung sind znm gigantischen Ban des Talmuds npd des Midrasch vereinigt. Da hat es nun Professor Bacher unternommen und ansgeführt, den Anteil festzufetzen, beit jeder einzelne der alten Lehrer an diesem Riesenwerke hatte, wobei er dann die Astfstellnngeir Ren aus über den Gegensatz von Aggadiften und Hallachisten vollständig widerlegte. Man ersehnte noch die Bearbeitung des Stoffes, der sich au keine bestimmte Person anknüpfen ließ. Es ist zu hoffen, daß der Nachlaß des betrauerten Meisters diesen Wunsch teilweise erfüllen wird. Professor Bacher erinnert uns an Arany, der seine Mappe sticht leer kaffen', nicht „als Bettler" sterben wollte. Professor Bacher hat noch während seines letzten verhängnisvollen Siechtums ein großes Werk über Tradition und Tradenten korrigiert. " Die Bedeutung Professors Bachers für die ungarische Wjffenschaft. für das ungarische Schrifttum, " für Heu ungarischen Geist kann nicht hoch genug angeschlagen Werdern Er hat die jüdische wissenschaftliche Literatur m Ungarn begründet. ebenso wie mit Professor Banoczi ihr Organ ..Magyar Zfido Szemle'st Es ist auch sein "Verdienst, daß'che Jsraetllische Ungarische ' Literarische Gestllfchäst ins, Leben gernsen wurde; bis. zu seist e'm Tode stand er an der SPihx dieser Gesellschaft und leitete in ~ ihrem Aufträge die ungarische Uebersetzuug der Bichl. ... Doch wir gingen arg. fehl, wenn wir uns Professor Bacher in ein enges Spezialfach eiugesponnen dächten. Ex hatte ein offene» Auge, einen xegen Sinn für alles das; was das Leben und die.Kunst Würdiges, Wertvolles bietet. Im Nachschlagkalender der heute testenden Großen („Wer. ist'sst) lesen wir. Professors Bachers Lleblingsbeschäftlgnng wäre das Reifen. In Paris erzählte man mir, er kenne besser als'che Pariser allesPedentende in Versailles. Zadoe Aahy äußerte vor mir, Professor Bacher sei mit der französischen Literatur vertranter als die Franzosen. Diejenigen, die ihn in seinem würdigen Heim kannten, schützten ihn auch als Lebeuskünstler. Auch sonst war Professor Bacher nicht nur als Gelehrter,"sondern auch Künstler. ‘ Er schrieb innige Gedichte, schuf glückliche Uebersetzungen von Kunstwerken. Er findet

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