Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1914-01-02 · Heft 1 (2.1.1914) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 1 (2.1.1914)
Date
1914-01-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3062972-3063725-3063726--08837-3076037
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seire 8. Nr. 1. Die Wahrheit für den Begriff, für den Gedanken, für jede Wendung die zutreffende Fassung, dabei verschmähte er alle kleinen Künste und Mittel. In seiner Kunst, in seiner Forschung, in seinem Leben Wie in seiner Lehre kennzeichnen ihn gewissenhafte Sachlichlichten, ehrfurchtgebietende Wahrheitsliebe. Er selbst charakterisierte sich bei der Feier seines sechzigsten Geburtstages mit den Worten des Psalmes: „Mein Herz hat sich niemals überhoben, meine Augen waren nicht hoffärüg, mein Sinnen und Sehnen war nicht Allzuhohes, aus Unerreichbares gerichtet." So lautet das Selbstgeständnis Professors Bachers. Nichts Schimmerndes, nichts Blendendes, nichts Belaubendes. nichts Bestrickendes lag in feinem edlen Wesen. Doch man fühlte sich angezogen. und ihm einmal nahend, war man für immer im Bannkreis dieser eigenartigen hohen Persönlichkeit festgehalten. Von ihm galt das Dichterwort: „Dich erwähl ich zum Lehrer, zum Freunde . . Dein lebendiges Bilden Lehrt mich, Dein lehrendes Wort rühret lebendig.mein Herz." Nussach. Hat’flloh. Bon Oberkanior Simon Schechter, Czernowitz. Die weltliche Musik der Juden in Galizien mid der Bukowina ist uns durch die Arbeiten von G. Dalman, Ehrlich, Wolfsthal u. a. einigermaßen bekannt. Von religiöser Musik in österreichischen Orten hingegen, die doch den Hauptbestandteil der jüdischen Musik bildet, besitzen wir ganz und gar nichts. Es ist daher eine freudige Überraschung den Kantoren und den Forschern der Synagogenmusikliteratur mit dem Erscheinen des Werkes „Nussach Hat'filoh" zuteil geworden. Zum ersten Male werden von einem im Osten unseres Reiches amtierenden Kantor die Weisen unserer dortigen Brüder der Welt erschloßen, und es muß anerkannt iverden, daß sich Herr Schechter seiner Aufgabe in musterhafter Weise entledigte. Der Komponist hat sich sichtlich bestrebt, sein Werk auch jedem Modernen Kantor nützlich zu .machen lnnd der Sulzersche Einfluß auf das vorliegende Werk ist unverkennbar. So sind z. B. die erster Nummern 1 bis 22 durchaus modern gehalten und können mit bestem Erfolg in jeder modernen Gemeinde benützt werdsen. Anders die 9tr. 23 Wonaj moloch und noch einige die an und für sich sehr schön sind, jedoch für den Westen ungegeeignet wegen des östlichen Steigers. Es sind aber wie gesagt nur wenige Nummern, wohingegen alle ärgeren Wer 200 Piecen) Rezitative geradezu meistens von überwältigender Schönheit sind. Nicht genug zu loben ist die vollständige Durcharbeitung der Rezitative, denn die Gepflogenheit aller Synagogen, Mnsikkomponisten (ausgenommen Friedmann-B erlin in seinem„Schir lischlonwh" und Schreiber dieser Zeilen in seinen „Hach äsen", der vor kurzem erschienen ist) die meisten Rezitative bloß mit einigen Takten einzuleiten und das andere dem musikalischen und sprachlichen Empfinden und Verständnis des Vortragenden anheimzustellen, hat 'bekanntlich viel Unhell angerichtet. Die wenigen Mängel, denen leicht abgegeholsen werden kann, verschwinden ganz im Verhältnis zu den Vorzügen, die das Werk anfweist. Dieselben auch nur in 'kurzen Umrissen zu schildern, würde den Raum dieser Besprechung übersteigen. Was aber gesagt werden muß, ist, daß ein jeder Kantor, ob jung oder alt, darin viel Gutes und Nützliches finden wird, wo immer er fungieren mag und darum ist das Werk unseres Kollegen Simon . Schechter wärmstens zu empfehlen, und wir wünschen ihm zu diesem verdienstvollen Unterneh- .men viel Glück. A. Golden berg, Lundenburg. Nerschiedene Nachrichten Infolge des Setzerstreikes können verschiedene Berichte und unter diesen anch den Bericht über die Budgetdebatte im Kultusvorstande erst in der nächsten Nummer veröffentlicht werden. Wien. (G a st predigt). Herr Rabbiner Dr. Salomon Funk aus Boskowitz wird am Freitag, den 2. Jänner 1914 beim Abendgotlesdienste im Fünfhauser Gemeindetempel, XV., Tnrnergasse 22, eine Gastpredigt halten. (Israelitische K u l t n s g e m e i n d e) Dienstag. 6. Jänner 1914 10 Uhr vormittags findet eine öffentliche- Plenarsitzung des Cnltnsvorstandes statt. Tagesordnung: 1. Wahl des ersten Vicepräsidenten; 2., Wahl des zweitem Vicepräsidenten, 3. Wahl von acht Mitgliedern des Vertreterkolleginms, 4. Wahl der Mitglieder in die Kommissionen und Komitees. (Bortrag aus jüdischer G e s ch i ch t e L i - teratur itnb K ul t u r) Donnerstag, den 8. Jänner' 1914 V2 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Jngenienruud Architekten-Vereines ein Vortrag des Herrn' Schriftstellers Dr. Bernhard Münz Bibliothekar der israelititischen Knltnsgemeinde in Wien,' statt. Thema: „Der Anteil der' Juden an der jnngösterreichischen Literatur." Eintritt frei ohne Karten. Am vergangenen Sabbat-Chaunka waren es 40 Jahre,, seitdem der Rabbi Chacham der türkisch. Gemeinde Herr Michael Pap0 im Amte steht. Der außerordentlichen Bescheidenheit des Rabbis ist es znzuschreiben, daß sowol der Vorstand als auch die Mitglieder keine Kenntnis von diesem Jubiläum hatten. Freitag Abends beim Gottesdienste bestieg Chacham Papo die Kanzel und dankte dem Vorstande, der ganzen Gemeinde und den Funktionären derselben für das ihm wäyrend seiner Amtszeit geschenkte Wolwollen. Der Jubilar wurde vom Vorstande und den anwesenden Mitgliedern herzlichst begrüßt. Cchacham Papo erfreut sich allgemeiner Verehrung in und außerhalb der Gemeinde. Der Brigittenauer Frauen-Wohltätigkeitsverein veranstaltet am 10. Januar 1914 im Sophiensaal eine Wohl-, tätigkeitsakademie, zn welcher mit Rücksicht aus. den Humanitären Zweck in liebenswürdigster Weise folgende Knustkräfte ihre gütige Mitwirkung zugesagt haben: Frl. Gertrnde Förstel, k. k. Kammersängerin; Frl. Rosa Görn, Koloratursängerin; Frau Haust Niese-Jarno. Mitglied der vereinigten Jarno-Bühnen; Frl. Stella Stahl. Violinvirtnosin: Herr Fritz Kortner, Mitglied der Volksbühne; Herr Hubert Marischka,. Mitglied des k.!. priv. Theaters an der Wien und Herr Theodor Weiß, vom Deutschen Volkstheater. Am Klavier: Herr Ernst Hohenberg. Ballmnsik: Kapelle Johann Müller. Tanzarrangement: Herr Prof. Jacques Löw... Entreekarten äK 3.—, Logensitze a K 4, 5 und 6 Logen für 8>. 6 und 3 Personen sind erhältlich bei der Präsidentin Emilie Weiß, XX., Klosternenbnrgerstraße 13. (Telephon 15036)^ den Vorstandsdamen, im Konzertbnreau Albert Gnttmann I., Operngasse 1 sowie bei der Tageskassa der Sophiensäle III., Marxergaffe 13. Am 17. d. M. ist hier Herr Baruch K o h u. 'geboren in der altjndischen mährischen Gemeinde Kostel, im- 73. Jahrfeines segensreichen Lebens zur ewigen Ruhe, bestattet worden.^ Wenn auch, der Namen des Verblichenen vorwiegend in Mähren größte Verbreitung hatte, so beinhället doch derselbe ein reiches Leben an tief . inniger, 'stre.ng 'traditioneller Frömmigkeit, an überragenden menschlichen fügenden. Beruflich Großökonom,'scheute er Jahrzehnte nicht das große Opfer der Sabbatheilignng im vollen Umfange,, indem er'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.