Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 1 (2.1.1914)
- Date
- 1914-01-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheil Nr. 1. von Bedeutung als der künstlerische Erfolg desselben. Dies bewies er durch seine gottgefällige, tugendhafte Lebensführung. Wo es galt, für Bedürftige zu wirken, war der Dahiugeschiedene immer an erster Stelle. Er war ein warmer Förderer des Vereines ^aüMsed B^vjaruiiin" und verschiedener anderer humanitärer Vereine. Er hat im Kreise seiner hochachtbaren Gattin und seiner tüchtigen Söhne, welche ihn mit anhänglicher Liebe umgaben, ein freudenvolles, glückliches Familienleben geführt, was den trauernden Hinterbliebenen als Genugtuung und Trost dienen kann. Möge nun die gottergebene Führung während seines segensreichen Lebens seine letzte Begleiterin sein. Freunde und Schüler von ihm. zn welch letzteren auch ich gehöre werden ihm ein bleibendes Angedenken bewähren. "L °r * * * Die außerordentliche Beliebtheit, deren sich Oberkantor S ch o r r in den weitesten Kreisen erfreute, dokumentierte sich in der geradezu massenhaften Beteiligung am Leichenbegängnisse, das Freitag den 26. Dezember stattfand. Im Trauerhause waren fast sämtliche Wiener Kalitoren im Ornateerschienen, ferner die Kultnsvorsteher Dr. Markus Spitzer und S. Steiner, kais. Rat Dr. Lieben, Sekretär Dr. Adler Bethansvorsteher Theodor Kohn, Amtsleiter Freistadt, die Rabbiner Fürst, Goldstern, Dr. Rosenmann, Dr. Bach, Kramer, Lektor Dr. Rubin, derBethausvörstand des Tempelvereines „Belh Israel" mit dem Präsidenten Herrn Zolles an der Spitze, Abordnungen vieler Vereine erschienen und Tausende von- Menschen standen im Trevpenhaus, im Hausflur und auf der Straße, um dem Heimgegangenen die letzte Ehre zu erweisen. Der Präsident des Kantoren-Vereiues Oberkantor Bauer hielt all der Bahre des verblichenen unvergeßlichen Kollegen und Vizepräsidenten des Vereines einen tiefempfundenen Nachruf, worauf Oberkantor Morgenstern unter Mitwirkung sämtlicher Kantoren das „Joscliew Besesser“ anfiiaunte. Vom Trauerhause wurde die Leiche zur Synagoge „Beth Israel" IL Leopoldsgasfe überführt, wo in der Vorhalle namens des Synagogenvereines „Beth Israel", des Wohltätigkeilsvei eines „Maziniach Zeichner" und aller übrigen 'Vereine, denen der Eiujeelle angehörte, das rituelle Mechila- Gebet verrichtet wurde, da des Chanuka-Festes wegen andere Gebete in der Synagoge unzulässig waren. Nachdem der Sarg wieder in den Leichenwagen gehoben wurde, setzte sich der imposante Trauerzug nach dem Zentral-Friedhof in Bewegung, gefolgt von einer nicht endenwoüenden Wagenreihe Leidtragender. In der Ceremonienhalle trug Herr Obercantor Morgenstern mit Iränenerstickter Stimme unter Mitwirkung fast sämtlicher Kantoren im Ornate die üblichen, lttnrcftichen Gesänge vor und nachdem die letzten Töne verhallt waren, trat Herr Rabbiner Dr. Bach an die Bahre und hob in seiner Trauerrede die vielen guten Eigenschaften des Verblichenen hervor, ge- , dachte seiner vielen Verdienste in allen Vereinen, denen er angebörle, der hohen Gesangsknnft, mit der, er seine Zuhörer Zu Andacht und Gotteslob begeisterte und pries ihn als besten Gauen, Vater und echten Menschenfreund. Namens des Synagogenvereines „Beth Israel", und des Woltätigkeitsvereines „Mazmiach Jeschua" hielt deren Präses Herr Ignaz Zolles tränenden Auges folgenden Nachm: Am Grabe unseres verewigten Oberkantors Meyer Schorr einige Worte treuer und.dankbarer Erinnernng zu sprechen, bin ich vor eine Aufgabe gestellt, der ich unmöglich gerecht werden kann, denn die Gefühle, die mich in diesem Augenblicke bewegen, da ich an der Bahre unseres Oberkantors stehe, sind so übermächtig, daß ich nicht im Staude bin, das auszudrücken, was jetzt meilt Herz erfüllt. So sollen wir denn wirklich für alle Zeiten Abschied liehmen von diesem vortrefflichen Manne, der an edlen Tugenden, an immer lebendiger und tätiger Herzetlsgüte, an wahrer Frömmigkeit und Gottesfurcht, an aufopfernder Woltätigkeit, an warmer Liebe zu seiner Familie imb allen Mitmenschen, cm Pflichttreue und dem Eifer für jede gute Sache hinter.Niemandem zurückstand, dieser herrliche alls dem Herzen und in die Herzen dringende, von der lautersten Kunst getragene Gesang zum Lobe des Herrn, uns so oft zur höchsten Andacht ewporgehoben und nnsern Gottesdienst weihevoll geadelt hatk Niemals wird in unserem Gemüt die Erinnerung' an ihn verblassen und über jeden Gottesdienst in unserer Synagoge wird sein Geist schweben. Da er nnn liacb schwerem Leiden von uns geht, senden wir die Bitte znm Himmel empor, daß ihm der Allmächtige ein gnadenvöller Richter und seiner Familie ein Schützer und Tröster sein möge. Meyer Schorr ruhe saust! Es sprachen noch Herr Rabbiner Goldstein namens der Woltätigkeitsvereine. denen der Verblichene angehörte, und Herr Reizes im Nameli der Freunde. Znm Schlüsse rezitirteir im Namen des Kantorenvereines, der zweite Vicepräses Oberkantor Dünmann und Oberkantor Basier im Namen der Schüler das „Dl mole rachamim" in erhebender Weise und hierauf wurde unter wehmutsvollen Gesängen der gesamten Collegenschaar der Heimgegangene zur ewigen Ruhe gebettet. Ans der KndapeKer Knttns-- gemeinde. Am 20. Dezember hat die Generalversammlung der Pester israelitischen Kultusgemeinde stattgefunden und einen außerordentlich solennen Verlauf genommen; die in großer Zahl erschienenen Repräsentanten wollten bekunden, daß. dieselben mit der Leitung der Gemeindeangelegenheiten solidarisch sind, denn sämtliche Funktionäre wurden bei geheimer Abstimmung einstimmig gewählt. Das Wahlresultat war folgendes: Präsident Ludwig Adler; Vorsteher: Dr. Moritz. Stiller (Vizepräsident)^ Hosrat Sigmund 'L. Breitner, Dr. Vela Feleki, Dr. Wlhelm Grauer, Dr. Friedrich Halaß, Baron Moriz Leopold Herzog; Ausschußmitglieder Julius Adler, Siegfried Adler, Robert v. "Auer, die Hofräte Alexander Beimel und Dr. Ignaz Brüll, Magistratsrat Dr. Franz Deri, Samuel Deutsch, Gustav G, Ehrlich, Samuel Eisler, Dr. Salomon Eulenoerg, Alexander. Fleischmann, Wilhelm Freund, Doktor Bernhard Friedmann, Max Fröhlich, Dr. Isidor Glast sen., Samuel Horner,. Arnold Kohn, Dr. Adolf Leitner, Mayer Lichtschein, Dr. Armin Linkst, Stephan Popper, Dr. Emanuel Rozsavölgyi, Paul Sandor, Berthold M. Schlesinger', Dr. Joseph Vazsonyi, Alfred v. Wellisch. Nach VerkündLgung des Wahlergebnisses würde dev neugewählte Vorstand durch eine Deputation eingehoit, deren Mitglieder unter Führung des HofratesDr. Ignaz -Brüll, FML. Schweitzer, die Hofräte Jacques v. 'Simon