Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 47 (5.12.1913)
- Date
- 1913-12-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Dle Wahrheit Sette 7. dir. 47. 'der Kultttsvorstand diesem Vereine sehr sympathisch gegenüber -stehe und die Wichtigkeit der Sabbatseier für die Erhaltung des Judentums vollauf anerkenne, jedoch durch die großen 'Ausgaben für Kulms und Unterricht, speziell aber für Armenfürsorge als auch Spital, Versorgungsanstalt, Witwenuud Waisennuterstützuug rc. dermaßen in Anspruch genommen -.ist. daß bei dem Umstände, daß er eine bedeutende Anzahl, darunter auch der streng religiösen Richtung angehörende 'Vereine subventionieren müsse, es mit den finanziellen Mitteln der Knltusgemeinde schwer in Einklang zu bringen ist, einem -einzelnen Vereine, und sei er noch so wichtig, größere Beiträge .znr Verfügung zu stellen. Nichtdestoweniger wäre er bereit, ein diesbezügliches Ansuchen des Vereines bestens zu befürworten (Lebhafter Beifall). Herr Rabbiner Dr. Max Grün wald schloß sich in warmen Worten den Ausführungen des Vortragenden an und 'legte den Anwesenden dringend ans Herz, das segensreiche Wirken dieses Vereines materiell sowohl als moralisch bestens .zu fördern. Jenes Publikum, das sonst nicht in die Lage kommt, Herrn Rabbiner Dr. Grunwald im Tempel zu hören- . nahm hier Anlaß, ihm rauschenden Beifall zu zollen. An der Debatte beteiligten sich noch die Herren Bernhard H o f b a n e r, Wolf P a p p e n h e i m, Inspektor Prof. K a n i tz und Redakteur Th. P o r g e s. Obmann Herr Moritz Felsenburg dankte dem Vortragenden für seine glänzenden Ans- -führnugen mib bat denselben, an der Verwirklichung dieser vielversprechenden Ideen im Vereine mit dem Vorstande mitzuarbeiten. Indem der Vorsitzende für das zahlreiche Erscheinen dem Publikum dankte, begrüßte er außer den obgenannteu Rednern Herrn Rabbiner Dr. Bardo v itz aus Mödling, Herren Rabbiner F l e s ch, K ra mer, Sch e nk, Frau Präsidentin Dr. G r ü n f e l d, Herrn Obmann Markus Bond i, die Herren Chewravorsteher Simon', und, Gold mann,, 'Prof.. Dr, H. Poll a k, Prof. A n t s ch e r l, Sekretär Dr. Adler, Amtsleiter W. F r e i st a d t und Amtsleiter R. Kraus, die Vereinsvorsteher Siegmund B o n d i, Dr. Reiniger, S. Glückselig, Jakob Stern sowie .Herrn Leopold Hirsch. Der Verein läßt diesen hochinteressanten Vortrag des .Herrn Prof. David Ko hn in Druck legen und ist derselbe auf Verlangen vom Vereinsbnrean Wien, H., Kleine Schiffgasie 10, kostenfrei zu haben. Uerein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis Am Donnerstag, den 27. November d. I. hat im Vereinslokale der Israelitischen Humauitätsvereine „B'nai B^rith^ die .2IY. ordentliche General-Versammlung des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, stattgefnnden. Der Vorsitzende, Kommerzialrat Eduard Wiener, er- -öffnete die Sitzung und begrüßte unter den zahlreichen Mitgliedern und Gästen, die sich eingefnnden hatten, den Vertreter des Israelitischen Knltttsvorstandes, Herrn kaiserlichen Rat Jonas Weil, den Präsidenten des „IsraelitischenHumanitäts-Vereines B'nai B'rith, „Wien", Herrn Dr. Rudolf Fürth, den Präsidenten des Unterstütznngsvereines für Israelitische Handwerker und Kleiugewerbetreibene, Herrn Richard Petschek; ferner Herrn S. Brod, als Präsidenten des Vereines zur Hebung der Gewerbe, Herr Karl Neustadt als Vertreter des Bankhauses Max Springer, sowie den Reichsrats-Abgeordneteu .Herrn Dr. Julius Ofner. Entschuldigt hatten ihr Fernbleiben die Herren: Dr^ Alfred Stern, Präsident der Israelitischen Knltusgemeinde, Oberrabbiner Dr. M. G ü d e m a n n, Rabbiner Dr, M. G r u n w a l d, Rabbiner Dr. David Feuchtwang, .Herr Direktor Wilhelm Kux, Herr Leopold Lourie und Herr Professor Dr. Leopold Königstein. In dem Jahresberichte, den der Obmann des Exekutivkomitees Dr. Bela Taussig, zur Verlesung brachte, wird auf die mißlichen wirtschaftlichen Verhältnisse des abgelanfenen Berichtsjahres hingewiesen, die znr Folge hatten, daß zahlreiche Arbeiter und kaufmännische Angestellte ihres Erwerbes verlustig wurden. Die Besucherzahl der Arbeit- und Stellenwerber stieg daher im Berichtsjahre 1912/13 insgesammt auf 50303, als» im Durchschnitt pro Tag auf 169. Die Zahl der Neuanmeldungeu von Arbeitern betrug 7281, während die Aufträge der Arbeitgeber auf 4771 znrückgiengen. Da der Verein trotz der krisenhaften Verhältnisse die Vermittlungszahl von 3022 erzielte, sowurden 63.30/,, aller offenen Stellen besetzt. Seit seinem Bestände hat der Verein 41841, zumeist dauernde Vermittlungen dnrchgeführt. Nachdem der Schriftführer, Dr. Gustav Lang stein, die statistischen Tabellen der Laudesaugehörigkeit, sowie des Geschlechtes und Alters der angemeldeten Arbeitwerber verlesen und der Kassier, Eduard Schwarz, den Ausweis über die Kassagebahrnng vorgetragen hatte, wurden der Geschäftsbericht, sowie der Kassabericht einstimmig genehmigt. Der Vertreter der Israelitischen Kultnsgemeinde, Hetr kaiserl. Rat Jonas Weil, sprach hierauf dem Vorstande des Vereines den Dank des Knltnsvorstandes für seine in diesem Jahre besonders mühevolle Tätigkeit ans, die umsomehr die volle Anerkennung verdient, als die sehr ansehnliche Vermiltlungszahl trotz des allgemeinen Geschäftsrückganges erzielt wurde. Auf die Anfrage des Herrn kaiserl. Rates Weil, ob bei den Vermittlungen nicht qualifizierte Arbeitwerber besonders berücksichtigt werden, gaben der Obmann sowie der Vorsitzende an der Hand der statistischen Tabellen über die Berufe der Arbeitwerber zahlenmäßige Aufklärungen, die sowohl von dem Herrn Delegierten als auch von der Versammlung mit großer Befriedigung eutgegengenommen wurden. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden die statutengemäß ansscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren Dr. Gustav L a n g st e i n, Dr. Bela Taussig und Kommerzialrat Eduad Wiener über Antrag des Herrn Dr. Rudolf Fürth mit Akklamation wiedergewählt. Herr Reichsratsabgeordnerer Dr. Ofner, wies darauf hin, daß der unentgeltliche Arbeitsnachweis die einzige zweckentsprechende Vermittlungsstelle für jüdische Arbeitwerber sei und legte die Notwendigkeit dar, daß jüdische Arbeitgeber ihre Aufträge dem Vereine für unentgeltlichen Arbeitsnachweis bei jeder Gelegenheit zuwendeu. In diesem Sinne sprachen noch die Herren Jakob Straßberg und Architekt Friedrich S ch ö n, die dem Vereitle seit dessen Bestände regstes Interesse bekunden, sowie Herr kaiserl. Rat Feitler, welcher in verbindlicher Weise den Wunsch aussprach, die bisherigen Leiter des Vereines demselben auch weiterhin erhalten zu sehen. Schließlich richtete der Vorsitzende Kommerzialrat Wiener au die Versammltlng die dringliche Aufforderung, den Arbeitsttachweis bei seiner sozial so wichtigen Tätigkeit sowohl durch Anwerbung von Mitgliedern als auch durch möglichst häufige Zuweisung von Aufträgen in kräftigster Weise zu unterstützen. Das Martyrium eines Idealisten. Eine Reminiszenz. Von Ben Jehuda. (Forrsetzung.) ..Liebe Mama!" schreit er, „warum läßt du religiös verbotene Speisen ans den Tisch kommen, sie sind ja auch der Gesundheit schädlich." Ich grolle deswegen doch nicht dem Herrn Rabbiner, denn die Kinder werden von ihm sehr gut unterrichtet und äußerst liebevoll behandelt; sie freuen sich kindlich, wenn die Religionsstunde herannahet, gehen mit Lust und Liebe an die Arbeit und sind dem Lehrer ungemein treu anhänglich. Unter solchen Umständen muß man schon ein Opfer bringen und den Wünschen der lieben Kinder entsprechen." — In kurzer Zeit war diese Gemeinde wie nmgewandelt und der neue Rabbi gewann mit jedem Tage mehr und mehr an Achtung und Ansehen. Sämtliche Gemeindemitglieder kamen ihm mit der größten Achtung entgegen, ließen es ihm fühlen, daß sie in ihm den frommen, geistigen Vater und Berater der Ge-