Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 46 (28.11.1913)
- Date
- 1913-11-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3063674-3063720--08793-3075989- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 7. Nr. 46 Die Wahrheit der, einheimischen Arbeiter nach den Jndnstriezentren einzndämmen. Den nalionaien Politiker endlich bewegt die Sorge, daß das Land nicht durch Zuzug von fremdnationalen Saisonarbeitern entnationalisiert wird. Kein Wunder, daß sich in. den. letzten Jahren die ernste Presse und Literatur Deutschlands, Englands und anderer Länden inrensiv mit dem B e h a iif it u g s- ' pro blem a n s, d em L a n d t. befassen.; ' Für die nationale. Kolonisation in Palästina kommt zu den eben erwähnten Beweggründen noch ein ausschlaggebender hinzu: Die ersehnte Mas sentolonisation städtischer Elemente in Palästina und deren Umwandlung in Landarbeiter 'kann natnrgenräß in erster Linie e i n e K o l o n i s a t i o n von Besitzlosen sein. Der Jüdische Nationalfonds sucht bekanntlich die Arbeiter- Kolonisationsfrage auf verschiedenen Wegen einer Lösung zuznführen: durch Erwerb des Bodens als veräußerlichen Nationalbesitz, Schaffung und Förderung von Siedlnngs- und Pflanzungsgenossenschaften, Lehrfarmen rc. In den letzten Jahren hat er -sein besonderes Interesse der Arbeiter-Wohnnngsfrage zugeweudet. .Zunächst errichtete er Einfamilienhäuser aus dem Wvlfssohnfonds mnd HalperinfoUds; Ledigenheime aus seinen laufenden Einnahmen. Eine besondere -großzügige Aktion ist jedoch erforderlich geworden, seitdem die -Verfolgungen im Jemen tattseude von Juden zur Auswanderung nach Palästina zwingen. Die Aktion -war von Erfolg begleitet, indem Zionisten und Nichtzionisten -dem Nationalfonds Hansspendeu von je Frcs. 1000.—. znführten, bisher einschließlich der Teilzahlungen zirka Frcs. 280.000. Dieser Erfolg im Zniammenhang mit den bisherigen Erfahrungen veränlaßte die N. F.-Verwaltnng, sich mit der Errichtung von Arbeiterheimstätten dauernd zn beschäftigen und die Werbearbeit^ hierfür in das ständige Tätigkeitsprogramm des N. F. anfznnehmen. Denn diese Häuser entsprechen einem dringenden Bedürfnis sowohl der Einwanderer ans dem Jemen, wie aus den Ländern Osteuropas, die, durch Not und Liebe getrieben, in die alle Heimat zurückkehren, um sie durch harte Pionierarbeit fürdas Volk wiederzngewinuen. In den C h a-n n k k a t a g e n, da wir der Makkabäer gedenken, die mit deist Schwerte in der Hand für die Freiheit des jüdischen Landes und des jüdischen Bauern kämpften, sollten sich alle Inden ihrewPsticht gegenüber den Makkabäern der A r bei t Gewußt werden! Der jüdische Arbeiter, der die verwahrloste,. unkultivierte Scholle 'mit Pflug und Hacke zum Nationalbesitztum ulacht, hat ein Recht darauf, als Erbpächter auf Nätionalfondsboden Eigentümer von Haus und Garten zn werden, nnd so eine Existenzbasis für seine Familie zu erhalten. Es ist zil ^warten, daß die im vorigen Jahre erfolgreich begonnene Aktion:- für die Arbeiter- und Iemenitenhäuser durch eine . Verbindung;! mitdem Chanukkafest zn einem dauernden Ailfschwüngdieses!'bedeutsamen Arbeitsgebietes des National- 'fpuds in Palästinavheitragen wird. Das MaDfrimn eines Idealisten. - . ( E i n e vR e m i n i s z e n z.! Bon Ben Jehuda -I,> (Fortsetzung.) ' Der Präses^ dieser Gemeinde ist der reiche Reb Sender Pfeffermann, ein echt'Hlffischer Autokrat, ein schlauer, finsterer, herz- - loser Mensch, der dieMbwechsluug liebt und dem jeweiligen Rabbiner das Leben auf alle mögliche Weise sauer und bitter macht. Um diesen Posten braucht Dir - nicht bange zu sein, denn er ist immer ^zn.haben, da/längermfs ein Jahr dort kein Rabbiner Bestand hat. Du wirft Dich-mberzengen, daß dieser Posten fast jedes Jahr in „Ko nkursMomm t." - Habe also Geduld, es. werden in kürzester. Zeit genug Rabbinerposteu zur Besetzung .gelangen und Dü kannst Dich dann um' den einen oder den anderen bewerben. Der Posten in Z. geht Dir nie verloren. —" Abrahamsohn aber schenkte dem wohlmeinendeil Rate seines Freundes wenig Beachtung» denn er wollte um jeden Preis sich .eine selbständige Existenz gründen, um nicht seinen wenig bemittelten. Schwiegereltern unbequem zn werden:. Ueberdies dachte er, daß ekn Mann seinesgleichen — der seine Pfiichteu gewissen' Haft erfüllt, in seinen Wünschen und Ansprüchen sehr bescheidenist und jedes Geschick geduldig und gottergeben erträgt und überhaupt nie einen Streit provoziert — überall gut-fortkomme n kann. Er sandte daher.fein Kompetenzgesnch nebst den erforder-' lichen Dokumenten dem Vorstande der Knltnsgemeinde Z. ein, von dem er auch nachkurzer Zeit behnfs Abhaltung eines Probevortrages auf den nächsten Sabbateingeladen wurde. Der junge Rabbiner kamnach Z., hielt dort einen sehr gediegenen, gedankenvollen Vortrag, der allgemeinen Beifall gefunden. Am nächsten Tag fand eine Ansschnßsitznng statt, in der Dr. Abrahamssohn einstimmig zum Rabbiner und Religions-- lehrer der israelitischen Knltnsgemeinde Z. ernannt wurde. Nach Schluß der Sitzung verfügte sich der Präses R. Sender in höchst eigener Person zum neuen Rabbi, um ihn von diesem Gemeindebeschlnffe in Kenntnis zn fetzen. Bei dieser Gelegenheit teilte er ihm mit, daß der Vorstand, obwohl es bis jetzt in Z^ üblich war. den jeweiligen neuen Rabbiner erst nach Ablauf eines Probejahres ans weitere drei Jahre zn akzeptieren, diesmal als besonderes Zeichen der vollsten Zufriedenheit nnd Anerkennung von diesem Usus Abstand genommen und ihn sofort auf drei Jahre anfgenommen habe-. Tief gerührt dankte der Rabbi für das Vertrauen, das der Vorstand in ihn gesetzt, dessen würdig sich zn bezeigen,. seln Hauptstreven sein werde. Nun übergab ihm der Präses Pfefferinann den Vertrag zur Unterschrift. Abrahamsohn blickte, bevor er seine Unterschrift gab, das Aktenstück flüchtig durch und faßte zn dem Präses: Ich möchte mir erlauben, einen Punkt hier zn beanständen.-Es heißt hier unter anderem: „Der Rabbiner ist verpflichtet, allmonatlich am Sabbath der Nenmondsverknndigung eine Predigt zn halten"; das sei doch ein bischen zn hart, allmonatlich an einen bestimmten Sabbath eine Mnßpredigt zu halten, wie denn, wenn der Rabbi gerade an jenem Sabbath heiser, oder überhaupt sonst nicht gut disponiert wäre? müßte da der arme Rabbi, um nicht als vertragsbrüchig zn erscheinen, sich einen Zwang an tun nnd unter allen Umständen predigen? Der schlaue R. Sender antwortete lächelnd: „Mein lieber Herr Rabbiner; diesbezüglich brauchen Sie sich kein .graues Haar wachsen zn lassen, uns war es durchaus nicht um . die vierwöchentliche Predigt zn tun, denn ich meinerseits besuche ja -— die hohen Feiertage ausgenommen — äußerst selten den Tempel, da ich teils von meiner Fabrik, teils von den vielen Ehrenstellen, die ich auch außerhalb der Knltnsgemeinde bekleide, sehr in Anspruch genommen werde, und die anderen Herren, die fleißig die Synagoge besuchen, wünschen es sehnlichst, daß so wenig als möglich gesungen und gepredigt werde, damit sie noch recht zeitig ihren anderweitigen Beschäftigungen uachgehen können. — Wenn wir aber dennoch im Vertrage dem Rabbiner zur Pflicht gemacht, an jedem Sabbath der Nenmondsverkündigung eine Predigt zn halten, so geschah es ans dem Grunde, weil wir befürchteten, es könnte —■ was der Himmel verhüten möge -— den neuen Rabbiner anwandelu, a l l s a b b a t h l ich zu predigen — diesem Gelüste wollten wir in weiser Vorsicht einen Riegek vorschieben, und haben deshalb die allmonatliche Predigt im Vertrage'festgesetzt. Während wir durchaus nicht böse sein werden, wenn Sie zuweilen eine Predigt um einige. Wochen später halten werden." Der Rabbi dachte sich wohl seinen Teil, die Notlage jedoch, in der er sich befand, zwang ihn, znm bösen Spiele ggute Miene zu machen, er unterschrieb den Vertrag und versprach, zur bestimmten Zeit den Posten anzntreten. Noch am selben Tage trat er seine Rückreise an, nur seinen Angehörigen die frohe Nachricht von seiner Erueltnung znm Rabbiner der Gemeinde Z. übermitteln und die nötigen Vorkehrungen zur Uebersiedlung, die ihm bevorftaud, treffen zu können. Nach Verlaus von vier Wochen traf er in- Begleitung seiner Gemahlin znr festgesetzten Zeit in Z. ein, wo ihm vom Vorstände nnd der ganzen Gemeinde ein feierlicher Empfang bereitet wurde. Rabbiner Abrahamson war vom ersten Tage seines Amtsantrittes an eifrigst bemüht, seine ihm im Vertrage vorgezeichneten Pflichten äußerst gewissenhaft zn erfüllen, um sich die 'Liebe, Achtung und Zufriedenheit sämtlicher Gemeinde- Mitglieder erwerben zn können. Bor allem sorgte er dafür, dast