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Die Wahrheit · 1913-11-28 · Heft 46 (28.11.1913) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 46 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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feene 4. -.... ..... j- - Die Wahrheit. . .. Nr 46. a r m e u s ch u le degradiert'werden,'an welchem Plaue übrigens die österreichische Schulbureaukratie schon Klange zielgemäß arbeitet. -w. r Wären die Deutschnatioualen keine Judenfresser, schon die geschilderte bildungsfeindliche Tätigkeit allein wäre schon hinreichend, politisch sehende jüdische Staatsbürger zur schärfsten Gegnerschaft gegen diese Gesellschaft anfrüttelu. Wer die Jngendbildung schädigen und Herabdrücken will, ist sicherlich nicht freisinnig und fortschrittlich gesinnt uub darumein V o lksfe ind. Es ist zu hoffen und zu wünschen, daß sich bei künftigen Wahlen die meisten jüdischen Staatsbürger nicht mehr betören lasien werden, deutschnatioualen Wahlwerbern ihre Stimme zn geben, auch wenn dieselben noch so liebenswürdig scheinen und Versprechungen machen sollten. Auch alle Wahlbündnisse mit Judenfeinden müssen von zielbewußten jüdischen Wähler unbedingt verworfen werden. R. L. Professor Dr. August Wunsche. Ein Nach r n f von Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Professor Wünsche in Dresden gehörte zu jenen cbi?-mo:K ’i"rcn nichtjüdischen Männern der vorurteilslosen Gerechtigkeit und Menschenliebe, die es wohl verdienten, daß bei deren Scheiden Worte dankbaren Gedenkens in den jüdischen Blättern laut würden. Gleichwie im Zeitalter der' Renaissance und des Humanismus erblühte im vorigen Jahrhundert an den Universitäten Deutschlands sowie in christlichen Gelehrtenkreisen in fast ungeahnter Weise die jüdische Wissenschaft und gereichte nicht minder wie in den Zeiten des Erasmüs und Reuchliu fast immer dem Judentum selber zum Schutz und zum Segen. Drei christliche Gelehrte, zweifelsohne die Hervorragendsten Kenner des Judentums unter den Nichtjuden, erwiesen sich als treue Freunde desselben und, so verschieden auch ihre spezifischen Wissensgebiete waren, fanden sich immer zusammen, wo es galt, für das Judentum das Wort zu ergreifen. Der erste dieser Gelehrten ist Theodor Nöldeke, Professor in Straßburg, einer der bedeutendsten Sprachforscher der semitischer: Idiome, der trotz seiner merkwürdigerweise vorhandenen, allerdings still verhaltenen Aversion gegen die mohamedanifche Welt, dem Judentum und seiner Entwicklung volle Gerechtigkeit wiederfahren ließ. Der zweite christliche Gelehrte ist Dr. Hermann L. Strack, Professor an der Berliner Universität, ein genauer Kenner des Talmud, von dem er einzelne Teile meisterhaft zu übertragen verstand (M8ohnatraktat „Joma“, „Abodahr Sarah“, „Sabbat“, „Pirke-Aboth“) und dem wir eine überaus ausführliche „Einleitung in den Talmud" zn verdanken haben. Der Name dieses herrlichen Mannes, der oft für das Judentum in die Schranken trat und nie ermüdete, für die Reinheit des jüdischen Glaubens und den tiefen Gehalt des von ihm erforschten Talmud unerschrocken einzutreten, wird wohl in der Geschichte Israels unvergeßlich fortleben. Der dritte im-Bunde dieser Koryphäen ist der jüngst verstorbene Professor Dr. August Wünsche in Dresden. Im Gegensatz. zum „Talmudisten" Strack, war er im speziellen ein „Midraschist", u. zw. von solcher,Qualität, daß ihn viele jüdische Gelehrte darum beneiden durften. Mit solcher Intensität drang er in das Wesen der Midrasch-Literatur ein, daß oft durch seine Uebersetznngen die nicht selten unklaren Stellen enträtselt schienen. Den Uebersetzungen gingen .textkritische Studien und Vergleiche der verschiedenartigsten' Versionen und Drucke voran, eine Arbeit,'die nicht bloß die vollständige Beherrschung der hebräischen und aramäischen Sprache, sondern auch die innigste Vertrautheit mit dem Sprachgebrauchs und der Gedankenwelt der jüdischen „Ohaoharurm“ zur Voraussetzung hat. Von welcher Tendenz er' sich bei allen feinen Bearbeitungen der Midraschim leiten ließ, dürfte aus nachfolgenden Zeilen ersichtlich sein, die aus einem Briefe stammen, den Professor Wünsche seinerzeit an mich gerichtet hatte. Sie lauten: „Sie haben gewiß meine neuesten Publikationen: A u s d en, Lehrhallen Israels zugeschickt erhalten. Zwei Bände sind erschienen, welche Beiträge zu der apokryp'hischen und pseudepigraphischen Literatur enthalten. Der dritte Band sollte die jüdische Eschatologie und Apokalyptik bringen, gerade - den Stoff, der seitens der christlichen Gelehrt en der R e m e d nr i mH ö ch st e n Grade b e d a r f." Gezeichnet war der Brief mit den Worten in der Kursivschrift: mm 2 .2112 bm mbt» . " Von dem Rabbiner J.onathan Ei 6 e s ch ntz. erzählt ,piue . historische - Anekdote, daß. zu. ihm einst aus ' öerbFreinöe ein Gelehrter kam, um mit ihm talmudisch zu disputieren. Nach dem langandauernden geistigen Tonrnier begleitete der Rabbiner den Gast hinaus und empfahl sich von ihm mit den Worten, daß es ihn freue, „mit einem Ni ch tj ud e n üb e r den T a l m u d sich u n t e r h a l t e n z u habe n." Als dieser, über das Erkanntwerden erstaunt, Jonathan Eibeschütz befragte, woraus er seine Feststellung abgeleitet habe, erklärte derselbe, daß ihm beim „Lernen" des Gastes das Fehlen des usuellen „Singens" ausgefallen sei. Ob Professor Wünsche seine talmndischen und midraschischen Studien in althergebrachter Weise betrieben ' habe, wissen wir nicht' unmöglich wäre es nicht, da er intimen persönlichen Verkehr mit vielen jüdischen Gelehrten pflegte. . Sicherlich aber wird ihm jener Lohn zuteil werden, den die von ihm geschätzten jüdischen Weisen verheißen haben, nämlich: -N2N abwb pbn - Anlifemilismns tu de» Wiener Spitälern. Im österreichischen Abgeordnetenhause interpellierte der AbgeordneteBrei ter den Minister des Innern betreffs der systematischen Verdrängung der jüdischen Aerzte aus den Wiener Spitälern. In mehreren Wiener Krankenhäusern, darunter im Elisabethspital, das eine v o n R oth.schäl d g est i f t e t e Abteilung hat, werden^seit Jahren keine jüdischen Aerzte angestellt, ans den anderen'Anstalten werden sie systematisch hinansgedrängt. Die Interpellation führt folgende'krasse. Fälle an: „Besonders charakteristisch ist dieser Entjudungsprozeßam ' Kaiser .Franz Josef-Hospital, an dessen Spitze Direktor. Doktor - ' Karl Friedinger steht. Auch diesem Spital ist eine jüdische Mi ll i onenstiftun g. die Kinderabteilnug des- Bernhard und der.Regina Pollack von Parnegg, angegliedert. In diesem Spital geht der Antisemitimns so weit, daß sich da zwei' durch einen Strohsack, getrennte Sp eisezimm er für die Aerzte befinden, ein arisches und ein j ü d i sch e s.. Im Kaiser Franz Josef-Spital existiert ein Tennis- . platz mit einer separaten Stnndeneinteilung für die jüdischen und nichtjüdischen Aerzte: es gibt eine „arische.Kegelbahn" und ein „jüdisches Billard". Die jüdischen Aerzte werden angewiesen, nach Galizien zu gehen, oder es wird, ihnen unverhüllt gesagtdaß man sie nicht gern anfuimmt, ja, es wird gedroht,' daß man einen Numerus clausus wird einführeu i müssen. Die jüdischen Seknndarärzte. werden systematisch umgangen, ' auch wenn sie noch so tüchtig sind. Als im Oktober-1913 die. Stelle . eines Assistenten auf der ersten medizinischen Abteilung (Vorstand Dr. Droszda) besetzt wurde, .und die ältesten jüdischen Sekundärärzte des Kaiser Franz Josef-Spitals einreichten, wurde der jüngste von allen Bittstellern, ein Nichtjnde, ernannt. . Auf die zweite medizinische Abteilung des Professor Türk wird seih Jahren kein jüdischer Sekundararzt geschickt. Der Assistent dieser Abteilung. Dr. Schuster, ging so weit, daß er einem arischen Arzt, der sich auf Waffenübung befand, telegraphierte: „K o ntitte so fp rt, sonst bekommen wir Juden." Der Minister, des Innern wird schließlich aufgefordert, diesen Zttstättden ein Ende zu machen. Ehrenpflicht der Teutpelnereine. In der am 19. d. stattgefundenen Vertrauensmänner- ' Versammlung, die der Präsident, Herr Dr. Alfred Stern, - in den Saallokalitäten der Jsräelltischen Kultnsgemeinde Wien,? Füufhaus, Turnergaffe 22,. behufs Besetzung des Rabbiner- - Postens ebenda einberufeu hat, wurde zunächst von mehreren

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