Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 46 (28.11.1913)
- Date
- 1913-11-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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rtedaktioil iliid ridiinnistralion; Nvviaiiä^asse 2'f1 : ’tUebafiiou 6509/1V. Äbftitniftrattoit-1938II. ft. ,k. öftere. Bostsv^rkafta- . - 6<Sj»rf»ftoiuo Dir. 100.918. .Jn[Bvatc:. . »le Biennal gejbäiteue Itonvareille-Zeile W Heller. vbouuemeiilS- und Jnsertionr. Hetrüge find in Wien zahlbar ' nnb klagbar. SN. Krscheint jeden Areitag. potior „Das Siegel Dotteg ist Wahrheit.!“ Gniizlllhrlg . - .Kit,-' Halbläheia.K T.— t$iir Jl'nltiivl'euuite: ..... IC. 111 - Für Ausland: (Muiijliiüviil.8 Warf 6 Sinbel ober 1» ü/rc».. jlt. 46. Wien. 28. November HM3. Jnhttlt: DeutsÄniationale Bildimgsfeindlicdkeit. — Professor Dr. August Wünsche. — Antisemitismus m den Wiener Sp-tälern. — Ehrenpflicht dev Tempelvereine. — Professor der Theologie Dr. Hermann L. Strack über den Kiewer Prozeß. — Der traditionelle Gesang der orientalischen Inden und seine Beziehungen zum europäischen Synagogengesang. — Zur Lage der Juden in Zinmänieu. — Das Arbeiterproblem in , .Palästina. — Das Martyrium eines Idealisten. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. Die geehrten Kerren Abonnenten werden ersucht, den laufenden und event. restlichen AöonnementsLetrag umgehend einsenden zu wollen. D riiljchrmtioiiate Dildimgs fcindlichkeit. Die ehemaligen Kämpfer gegen Prinz Liechtensteins Bollsschnlverelendnngsprojekte, die Deutschnationalen, haben seither derartige Feinde der allgemeinen Volksbildung hervorgebracht, daß sie in diesem Belange bereits den Christlichsozialen den Rang abgelaufeu haben. Ja, die Christlichsozialen führen bereits ihre Volksschulvereleuduugsprojekte als gelehrige Schüler aus, wie hie letzten, vom Salzburger und oberösterreichischen Landtage beschlossenen Schulgesetze beweisen. Ein eifriger Meister, in der Schulvereleudung ist das bekannte Vorstandsmitglied in dem „Deutschnatiönaleu Verbände des österreichischen Abgeordnetenhauses", Herr Dr. Otto Steinwend er: Dieser ehemalige Mittelschulprofessor legte schon im Jahre 1910 der Wiener Lehrerschaft im „Sozialpädagogischen Vereine" folgende Reform vor: „1. In den Landschulen sind die schwächer entwickelten, ebenso die entfernt wohnenden Kinder vor der Vollendung des 7. Lebensjahres vom Schulbesuche zu befreien. Hierdurch wird die Zähl der schnlbesnchendeu Kinder um wenigstens 10 Prozent vermindert." „2. In den Landschulen ist der Unterricht unter Ausnützung des bisherigen Donnerstages h a lb tägig zu erteilen. Auf diese Weise werden die einklassigen in zweiklassige, die zweiklassige in vierklassige Schulen, ohne Vermehrung des Lehrpersonals verwandelt, an mehrklassigen Schulen werden Lehrkräfte erspart." „3. In den zwei obersten Jahrgängen wird im Sommer der Unterricht nur aü zw ei Halbtagen der Woche erteilt,- wogegen die individuellen Sommerbefreiungen entfallen oder nur für ganz spezielle Ausnähmsfälle erteilt werden." 4. An die so, qualifizierte Volksschule schließt sich ein obligatorischer Fortbildungsnnterricht von vorderhand mindestens zwei Jahrgängen an. In der Fortbildungsschule sind die ftiiher; erworbenen Kenntnisse zu befestigen und durch die Aufnahme von Realien zu erweitern." ,7 „6.. Die Lehrer haben sich die Befähigung zu landwirtschaftlichem und gewerblichem Fortbildnugsuuterricht zu verschaffen. Ztl diesenl Zwecke sind die Lehrpläne der Lehrerbildnngsanstalten nmznänd.ern und die Anstalt selbst auf das Land zn verlegen." „6. Für den Fortbilduugsunterricht sind insbesondere so lange nicht hinlänglich qualifizierte Lehrer zur Verfügung, stehen, auch Kräfte heranzuziehen, die dem Lehrftande nicht angehören." „7. Die Bürgerschule hat nur Schüler aufzuuehmen, die fünf Jahrgänge der Volksschule mit gutem Erfolge zurückgelegt haben; nicht entsprechende Schüler sind nicht zur Wiederholung einer Klasse zuzulasseu, sondern in die Volksschule zurückzüversetzen; bei geringer Schülerzahl sind Knaben und Mädchen in eine Klasse zusammeuzuzieheu, schlecht besuchte Bürgerschulen sind a u fz u l a s s e n und durch Volksschulen, zu ersetzen." Wer dieses Steinwendersche Schulprogramm aufmerlsam durchlieft, muß zugeben, daß dieser Volksvertreter seine Schul- und Lehrerfeindlichkeit ganz ungeniert enthüllt. Die Schnldaner soll unten verkürzt und oben schandbar zngestntzr werden; damit aber am Lande ja nicht zu viel gelernt werde, soll nur halbtägiger Unterricht stattfinden. Der Fortbildungsnnterricht, der sich dann anzuschließen habe, darf die erworbenen Kenntnisse nur befestigen. Die Realien, welche jetzt dazukommen sollen, können wohl nicht wissenschaftlich gelehrt werden, denn die paar Abendstunden bieten nicht genügend Zeit hiezu. Dr. Steinwender denkt sich da wohl nur einen primitiven Landwirtschafts- oder Gewerbennterricht darunter, wie seine Vorschläge 5 und & beweisen. Interessant ist dabei das interessante Geständnis, daß: Herr Steinweuder die Vornahme der Realien in der Volksschule nicht wünscht. Herr Dr. Steinwender ist ein großer Sparmeister ans Kosten der Leh rerschaft und in der Bürgerschule will er gegen schwächere Schüler noch streu ger als in der Mittelschule wüten, indem er nicht repetieren läßt, sondern in die Volksschule zurückschickt. Sind dann die Bürgerschulen schwach besucht, dann kann mau eben diese teuren und unerwünschten Bildungsanstalten auflassen. Als seinerzeit die Lehrerschaft in der Debatte diese famosen ■ Schulreformvorschläge gehörig charakterisierte und entrüstet ab-! lehnte, tat Dr. Steinweuder beleidigt und verließ grußlos die. Versammlung. Seither hat dieser Herr seine Schulprojekte in Kärnten zum Landesgesetze erhoben, andere Länder mit christlichsozialer Majorität in der Landesvertretuug haben sie akzeptiert und nun ist Herrn Dr. Steinwender selbst die österreichische Regierung und Schulverwaltung noch zu schulfrenndlich und er will seine Schulvereleudung womöglich dem ganzen Reiche aufzwiugen. Die allgemeine Volksschule soll überall zur Massen-