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Die Wahrheit · 1913-11-21 · Heft 45 (21.11.1913) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 45 (21.11.1913)
Date
1913-11-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 45 Die Wahrbett Seite 7. 'Diri Al Fischer, Deputationen der „ Später-Erblindeten-Anstält", der Blindenanstalt in der Josefstadt und mPurkersdors, des „N.-Oe. 'Blindenvereines", des Döblinger-Tempel- und Frauen-Vereines, des Zentral-Vereines für das österr. Blindenwesen, des israel, "Religionslehrerbundes, ehemalige Zöglinge der. genannten Anstalten n. a. — Nach einem von den Instituts-Zöglingen vorgetragenen Mendelssohn-Chor, eröffnete als -Vertreter des Komitees , der zu Ehren des Jubilars in Begründung begriffenen „Heller-Stiftung zur Errichtung eines Mädchen-Blinden- .Heims", Blindenlehrer Altmanu die Feier mit der Uebergabe der diesbezüglichen Widmungs-Urkunde. Die. Führer der Deputationen hoben in ihren Ansprachen die Verdienste hervor, die sich Direktor Heller Mn die wissenschaftliche nnd praktische Förderung der Blindenpädagogik und als Jugendschriftsteller erworben. Besonders schöne Worte hiefür fanden Dr. Feuch twang und Direktor Stoklaska. Die Absingnng eines Chores schloß die erhebende Feier ab. — Die genannte Stiftung wird am 31. Jänner 1914 aktiviert; Spenden erbittet das Komitee an den Geschäftsleiter der Stiftung, 'Blindenlehrer A l t m a n n, Wien, XIX., Heiligeustädterstraße 27. * -i- Das vorbereitende Komitee versendet folgenden Aufruf: Euer H o ch w o h l g e b o r e n! Wir laden Sie ein, an einem Werke mitzuschaffeu, dessen Erstehen in gleicher Weise die Ehrung 'eines hochverdienten 'Mannes, wie die Förderung seines, gemeinnützigen Wirkens bezweckt. Wir wollen einen selbstlosen Menschenfreund mit einem Jubiläumsangebinde überraschen, erfreuen und feiern, indem wir seinen armen Schützlingen eine Wohltat erweisen. Wir wissen es, daß kais. Rat Direktor S. Heller, der als wissenschaftlicher Forscher so bedeutende, so unermüdliche 'Lehrer, der Führer und Gönner der unglücklichen Lichtberaubten, daß dieser ganz von seiner Aufgabe erfüllte Mann, der in nächster Zeit zugleich mit s e i n e m 70. L e b e n s j a h r e auch das 40. I a h r der L e i t n. n g des i s r. B l i nd e ii i n st i t u t e s auf der Hohen Warte vollendet, nicht würdiger zu feiern, nicht herzlicher zn erfreuen ist, als anit einer energischen Förderung der großen Aufgaben, denen er sein arbeitsreiches Leben mit voller Hingebung gewidmet hat. Wir wissen, daß die Uebergabe eines der landläufigen Jnbiläumsgeschenke seinem Sinne nicht, angemessen wäre, wir wollen Ihn durch ein. Werk der Blind e u f ü r s o r g e feiern. durch eine „Kaiser!. Rat Direktor S. Heller-Stiftnng" deren Bestimmung und genauere Widmung wir feiner Einsicht -und feinen Wünschen Vorbehalten. In seinem Freundeskreis, an den wir uns mit diesem Aufrufe wenden, brauchen wir diesen bedeutenden Mann nicht erst mit großen Worten zu .Preisen. Wir sind überzeugt davon, daß Sie ihn voll würdigen, daß die bloße Erinnerung an einen -sich bietenden Anlaß, ihn zu ehren und zu erfreuen, Ihre Mitwirkung uns sichert. Erinnern , aber wollen wir daran, daß er über die Aufgabe des Blindenlehrers weit hinaus am Ausbau der Heilpädagogik mitgeschaffen hat, daß er alle Fürsorge der Forschung und der Praxis auch andern „nicht Vollsinnigen" angedeihen ließ. — Alle, die ihm mit angstvoll zitternder Elternliebe ein Menschenkind gebracht, dem durch irgend ein unerforschtes Gebrechen das volle Leben versagt schien, alle die wielen, die beim Besitze irdischer Güter in diesem ihrem Unglück -so arm waren, , alle, die er mit Hilfe und Trost seelisch bereichert hat, sie haben es ihm nicht vergessen, sie hangen an ihm mit 'freundschaftlicher Dankbarkeit. Wer als Kind oder in reiferen Jahren — als Blindgeborener oder Später-Erblindeter — bei seiner Lehre und seinem guten Herzen Hilfe suchte, ist sein Freund geblieben; wer als Blindenlehrer mit ihm schaffen durfte, den hat er sich auch als Mensch zum Freunde gemacht, wer sein Wirken kennt und schätzt, ist sein Freund geworden. Wir wissen, daß dieser Aufruf nicht versagen, daß die Fülle der Peiträge uns rasch znstießeu wird. Bauen Sie mit an dem schönen Jnbiläumswerk, zu dessen Errichtung wir uns vereinigt haben. Senden auch Sie uns als Leichen Ihrer Würdigung unseres Jubilars eine Spende für die „Kaiser!. Rat Direktor S. Heller-Stiftung". Das v orb er ei lende Komitee: Siegfried Altmann Blindenlehrer. Geschäftsstelle der „Heller»Stiftung" Wien, XIX., Heiligenstädterstraße 27. Fabrikant I. Schumann Prof. Jof. Labor k. u. k. Hofocganist. Dr. Jakob Engel Hof- und Gerichtsadvokat. Kassaverwaltung der „Heller-StifMng" Wien, VL, Mariahilferstraße 53. Prof. Jos. Herz Musikschulinhaber. Armin Brunner Schriftsteller und Redakteur der „Neuen Freien Presse". Dr. PH. 2 ilberstern k. k. Polizei-Oberbezirksarzt. N. Mnhlseld Sekretär d. isr. Bliuden-Jusiitutes Prof. S. Storch Musikschulinhaber. * * * Unserer Aktion haben sich Regierungsrat Dr. S. Fra nkfu r t e t Bize-Dir. d. k. k. Univ.-Bibl. Kais. Rat Dr. S. Lieben I. Sekretär der isr. Kultnsg. Wien. K. k. Univ.-Prof. Dr. L. Frankl Ritter von Hochwart Königl. Schulrat I. Matthies Direktor der kgl. Blinden-Anstalt Berlin-Steglitz. Mnsikschriflsteller Dr. R. H o h e n e m s e r fördernd angeschlossen K. k. Univ.-Prof. Dr. S. Klein. Schulrat Dir. Alois Schwarz. (Mährisch-Ostran.) K. k. Univ.-Prof. Dr. W. K n ö p f e l m a ch e r Lehrer N. Vogel Landesschnlrat Dr. Gust. K o hn I. Vize-Präs. d. isr. Kulrusg. Wien. (Berlin.) General-Direktor L. Rechnitzer. Gin kurzes Gespräch. Vor kurzem begegnete mir auf der Straße ein alter Bekannter, der in seiner Jugend die Jeschiba besuchte nnd später als reichbegüteter Mann das Vorsteheramt in seiner Heimatsgemeinde bekleidete, vor wenigen Jahren aber sich ins Privatleben zurückgezogen hat. Ich freute mich sehr, diesen klugen intelligenten, recht braven Mann, mit dem ich seit vielen Ihren sehr befreundet war, wieder einmal sprechen zu können. Im Lause des Gespräches stellte er an mich folgende Frage: „Woher mag es wohl kommen, daß der Rabbiner in der Großstadt weniger Macht und Einfluß besitzt als der Rosch hakohol, Gemeindepräses?" Die Antwort aus diese Frage ist leicht zn finden, entgignete ich ihm. Der Gemeindepräses, der in der Regel von seinen Kollegen im Vorstande zum Präsidenten gewäblt wird, bekleidet ein unbesoldetes Ehrenamt, hat keine Konkurrenten, sondern im Gegenteil, seine Kollegen räumen ihm viel Macht ein. so daß er ungestört schalten und walten kann. Das Rabbinat aber ist ein besoldetes Amt, der Rabbiner wird nicht von seinen Kollegen — denn in der Großstadt sind in der Regel mehrere, oft viele Rabbinen — sondern vom Vorstande der Gemeinde gewählt; wenn nun Einer eine besser dotierte Pfründe als der Andere erhält, so erweckt dies den Neid, und da nicht jeder die Kraft besitzt, diese böse Leidenschaft zu unterdrücken, so entstehen oft unter den Rabbinen selber Zerwürfnisse, die durchaus nicht geeignet sind, dem Rabbinerstande Ehre zu machen. Abtalion hat mit Recht ausgerufen: Chaehomim. hiseharo. bediwrechem. „O, Ihr Weisen, seid vorsichtig in Eueren Aeußerungen!" Uebrigens scheint dies ein altes Nebel zn sein, denn auch R. Kalonimos b. Kalonimos hat vor 600 Jahren schon in Rom, wo :es damals eine sehr große jüdische Gemeinde gab, geklagt: „Das Traurigste ist, daß in dieser großenStadt die Gelehrten untereinander zerklüftet sind, was der eine offen ansspricht, sucht der Andere zn verheimlichen usw. (Eben Bochen 51). Wenn also die Rabbinen sich selber mißachten, wie sollen sie an Ansehen und Achtung in der Gemeinde gewinnen? Kohelet hat gesagt: „Es gibt keinen Menschen ans Erden — mag er noch so fromm und gelehrt sein, der sich nicht irren mochte." Kein Mensch ist unfehlbar, Schegiot mi jowin sagt der Psalmist. Mendelssohn war nicht nur ein großer Philosoph, sondern auch ein gediegener Kenner des Talmuds und ein ausgezeichneter Hebraist.

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