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Die Wahrheit · 1913-11-14 · Heft 44 (14.11.1913) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 44 (14.11.1913)
Date
1913-11-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit. Nr. 44. des Vereines alljährlich anwesend sind, findet Heuer Mittwoch, den 19. November, 6 Uhr abends, im V. Bezirke, Siebenbrunnengasse la, statt. Wien. (Iüdische Toynbeehalle, XX., Othmargaffe 46.) Beginn der Borträge: An Wochentagen 1/28 Uhr, Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen' Vortrags-Programm für die Zeit vom 15. bis 21. November 1913: Samstag, den 15., Konzert. Arrangement: Fräulein Schwarz. Sonntag, den 16., „Rabbiner Dr. Adolf Schmied!." (Worte des Gedenkens.) Prof. Dr. Moritz Rosen feld. Montag, den 17., Deutscher Literatur- Zyklus. H. Abend. Dienstag, den 18., Ans der jüdischen Geschichte. Prof. Dr. K. Kupfer. Mittwoch, den 19., Bilder aus dem Rechtsleben der Vergangenheit. Lehrer D. Huschak. Donnerstag, 20., Gesundheitspsiege der Schuljugend. Dr. Karl Grün seid.. Freitag, den 21., Bibelvortrag. Wie«. (Akademie im „Bery Ha am" — Iüd isches Volksheim.) Im Rahmen einer künstlerisch gelungenen Akademie unter dem Arrangement des Herrn Max Schwager fand die festliche Eröffnung der diesjährigen Leseabende im Beth-Haam im XVI. Bezirke vor einem überaus zahlreichen und distinguierten Auditorium von Damen und Herren am 8. November d. I. statt. Nach Begrüßung der Gäste durch den Präsidenten med. Dr. Martin Förster spielte Herr M. M e n z e r mit gewohnter Virtuosität den Eingang der Gäste aus dem „Tannhäuser", worauf Frau Stefanie Schnitzer mit tiefempfundenem Vortrage mehrere Gedichte aus Grunwalds „Beruria" deklamierte, die verständnisinnig akklamiert wurden. Rauschenden Beifall fauden die trefflichen Liedervorträge > des Fräulein Irma Löwen, wie die künstlerisch eminente Violinproduktion des Herrn Hugo Gottesmann, der Dworak's Humoreske und Wieniawski's Dudziarz vorzüglich zu Gehör brachte. Der große Applaus veranlaßte den jungen Künstler, die Weisen des Kol-Nidre zu spielen, zum vollen Danke der begeisterren Zuhörerschaft. Schuberts Militärmärsche fanden in Frau Rezine Schwager und Herrn M. M e n z e r ihre ausgezeichneten Interpreten am Klavier, und wurden durch stürmischen Beifall ausgezeichnet. Mit unbestritten künstlerischem Gelingen spielte Herr Hugo G o t t e s m a n u Händels Largo, mit Frau Schwager am Klavier und Herrn Menzer am Harmonium. Dann kam der Knnstgesang zur vollen Geltung durch Oberkautor Kaufmann, der seine Lieder, unter anderen das Haschkiwenu, geradezu hinreißend sang und Stürme vollverdienten Beifalls entfesselte. Eine wahre Augenweide boten die vier Geschwister Karli, Käthe, Edith und Kurt S ch w a g e r in ihrem exakt ausgeführten Tanzpotpourie ( Musik von Heinrich Hermann) und Leitung des Tanzmeisters Rudolf Hei mann und wurden die kleinen Tanzkünstler mit ihrem^Meister stürmisch bejubelt. Zum Schluffe bot Profeffor Nascher mit seinem humoristischen Bortrag eine Fülle seines unerschöpflichen Humors und entseffelte mit feinen geistreichen Apercues und der Art seines Vortrages gewohntermaßen den rauschendsten Applaus. Mit einem warmen Appell des Dr. Förster, diese humanitäre Institution zu fördern und mit herzlichem Danke, gerichtet an den Arrangeur Max Schwager und an die Mitwirkenden, schloß der anregende und wohlgelungene Abend. Wie«. l„M i s r a ch i" W i e n, H., Cirknsgasse 20. IH. 20.) Die vom „Misrachi" in der Vorwoche Nr. 45 augesagten Kurse haben bereits begonnen und werden noch Anmeldungen entgegengenommen. Wie«. Samstag, den 15. d. M., findet im türkischen Tempel die Barmizwahfeier der Zwillingssöhne Paul und Willy Saphir, Söhne des Inhabers der bekannten Klavierfirma, Herrn Joses S a p h i r, statt. Wien. Verein jüdischer Hochschüler „Mensa academica Judaica“ W i e n.) Bei der am 25. Oktober l. I. stattgefundenen Plenarversammlung wurden folgende Herren in den Ausschuß gewählt: M. U. C. Markus Salzberger, Präses; M. II. C. Siegmund Klein, I. Vizepräses; M. U. C. Moses Rabach, H. Vizepräses. Mit deu übrigen Fnnkrioueu wurden folgende Herren betraut: M. 11. C. Samuel Silberbusch, David Schajowicz, Leiser Drettler. Jsak Thaler, Lipa Schumer und Abraham Berger, caud Phil. Srul Kohu, caud jur. Moritz Ozmo, stud. med. Paul Schmer und Chaim Beutel und sind. ing. Samuel Reischer. Durch die stetig zunehmende Anzahl der in der Mensa speisenden jüdischen Studenten sah sich die Vereinsleitung veranlaßt, neue geräumigere Lokalitäten zu mieten, welche die Mensa am 29. Oktober l. I. im IX. Bez., Liechtensteiustraße 23, bezog. Dadurch wurde auch der Wunsch der Frequentanten erfüllt, nämlich die Verlegung der Mensa in ein. in nächster Nähe der Universität und der meisten Universitätsinstitute gelegenes Lokal. Der Verein hat aber durch die damit verbundene bedeurende Erhöhung des Mietzinses und Neuanschaffung von Mobilar neue große Verpflichtungen üveruommen und wendet sich daher au die jüdische Oeffentlichkeit mit der dringenden Bitte um Unterstützung in seiner humanen Tätigkeit. Geldsendungen wollen gefl. schon an die neue Adreffe -IX., Liechtensteiustraße 23 gerichtet werden., Klosterneuburg, Der älteste Bürger unserer Stadt, zugleich einer der Gründer des hiesigen Tempelvereines, Herr Jakob Reich (aus Ob.er-Kroubach bei Tyrnau) wurde am Dienstag nachmittags unter zahlreicher Beteiligung im Alter von 95 Jahren zu Grabe getragen. Derselbe hiuterläßt eine trauernde, tiefgebeugte Witwe, mit der er über 60 Jahre in glücklicher, harmonischer Ehe lebte, ferner drei Söhne und fünf Töchter, von denen eine die Gattin des Chefredakteurs Dr. L ö w e n t h a l.ist. Es -erschienen die Vorsteher der„Chewra-Kadischa" mit Herrn I. Weiner an der .Spitze, ebenso die Vertreter des Kultusvorstandes und Wiener Freunde und Verwandte in großer Zahl. Nach ergreifender Rezitation des Hazzur-Gebetes durch Kantor Wilh' Steiner widmete derselbe einen warmen Nachruf. Eg er. Bei der am 9. d. M. vorgenommenen Wahl des Knltusgemeinde-Vorstandes wurden nachstehende Herren gewählt: Eduard L öw y, Kultusvorsteher. Max Abeles, zu üesfenStellvertreter, Ferdinand-Koretz, Kaffier, Wilh. Buchs bäum. Rechnungsführer, Edm. und Beruh. Kohn, Tempel-Vorsteher, Leopold Heller und jur. Dr. Viktor Kraus, Beiräte. Das Martyrittm eines Idealisten. Eine Reminiszenz. Von Ben Jehuda. Im alten Ghetto pflegte man einen Menschen, dem es trotz seiner Kenntnisse, Fähigkeiten und trefflichen Eigenschaften nicht gelingen wollte, sich eine entsprechende Existenz zu gründen, mit einem Worte, einem Menschen, dem das Glück nie günstig sein wollte, einen „Schlemiel", Pechvogel zu nennen. Solch ein vom Unglück verfolgtes Wesen war Adolf Abrahamssohn, der in den Dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts in I. geboren wurde. Als Sohn sehr würdiger, äußerst frommer, wenig bemittelter Eltern, die ihm früzeitig ein streng religiöse Erziehung angedeihen ließen, lernte er schon im zartesten kindlichen Alter die Härte und Bitterkeit des Wortes Armut empsinden. Nichtsdestoweniger zeichnete er sich in der Schule durch Fleiß, Aufmerksamkeit und sittliches Betragen vorteilhaft ans, und überragte in jeder Beziehung alle seine Mitschüler in der Klasse. Infolgedessen erwarb er sich gar bald die Liebe seines Lehrers, der, ihn stets in der Schule lobte und als Musterschüler bezeichnete. Die Eltern Adolsis fühlten sich überglücklich, so oft der Herr Lehrer, der ihre wenig beneidenswerte materielle Lage kannte, sie tröstete und ihnen sagte, daß sie frohen Mutes der Zukunft entgegensehen dürfen, da ihr Kind zu deu schönsten Hoffnungen berechtigt sei. Nach Absolvierung der Volksschule und des Cheder —' in Letzterem wurde Bibel und Talmud unterrichtet — besuchte er die Jeschiba des Ortsrabbiners, in der er bald zu den vorzüglichen Jüngern (Bachurim) gezählt wurde. Nebst dem Studium des Talmuds befaßte er sich auch mit dem der profanen Wissenschaften. Nach einigen Jahren verließ er die Heimat, und bezog die talmudische Hochschule des berühmten Oberrabbiners in N., >wo er mehrere Jahre seine Studien fleißig fortsetzte und sich für. seinen künftigen Beruf vorbereitete. Nachdem er feine. Examen abgelegt und sich sowohl die „Hatarah“ -als die erforderlichen Zeugnisse der philosophischen Fakultät erworben hatte, kehrte er in die Heimat zurück und wurde von dem Ortsrabbiner, der sich als scharfsinniger Talmndist eines bedeutenden Rufes erfreute, zum Schwiegersohn erkoren. ‘ Als Mitgift wurden ihm einige hundert Gulden K.-M. und — nach altem Brauche •— drei Jahre freie Station im Hanse der Schwiegereltern zugesagt. Einige Zeit vor Ablauf dieses Trienniums sagte er zu seiner Frau: Ich will um keinen Preis deinen Eltern länger zur Last fallen, daher werde ich deu ersten besten Posten, der sich mir darbieten wird, mit Freuden akzeptieren. Eines schönen Tages las er in einer Zeitung folgendes Inserat: „In der israelitischen Knltnsgemeinde Z. soll demnächst der vakant gewordene Rabbinerposten wieder besetzt werden. Jährliches Gehalt 600 ff. K.-M. nebst freier Wohnung und üblichen Emolumenten. Qualifizierte Bewerber mögen ihre Gesuche nebst erforderlichen Dokumenten an den gefertigten Knltnsvorstand senden." Abrahamsohn schrieb sofort an einen ehemaligen Kollegen nach P., der ans einem Orte, unweit von Z. stammte, und ersuchte ihn dringend, ihm so bald als möglich nähere Auskünfte über die Verhältnisse in der Gemeinde Z. erteilen zu wollen, da er beabsichtige sich um die dortige Rabbinerstelle, die demnächst zur Besetzung gelangt, zu bewerben. Der Kollege zögerte keinen Augenblick und erteilte ihm folgende Auskunft: „Lieber Freund! Soeben erhielt ich Dein liebes Schreiben. Ich beeile mich Deinem Wunsche zn entsprechen und Dir reinen Wein einzuschenkeu. Wenn es Dir darum zu tun ist, in eine Stadt zu kommen, die von den Aerzten den Knrbedürftigen als ausgezeichneter Luftkurort wärmstens empfohlen wird, so kann ich Dir raten, Dich um den Rabbinerposten in Z. zu bewerben, da dort seit Menschengedenken noch, kein Rabbiner gestorben ist; wünschest Du aber'auch ein ruhiges friedliches Leben zu führen — woran ich, da ich Dich' als Mann.- friedlicher Natur kenne, nicht im entferntesten zweifle — muß ich Dir entschieden raten, dieses Postens wegen ja keine Feder einzntunken. (Fortsetzung folgt.)

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