Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 42 (31.10.1913)
- Date
- 1913-10-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3063674-3063716--08747-3075939- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Wahrheit Seite 9. Nr. 42! W-irn. (Militär-Gottesdienst anläßlich der R e k r n t e n - B e e i d i g u n g.) lieber Ersuchen des k. u. k. Korpsckommandos findet SamStag, den 4. November 1913 präzise 8 Uhr vorinttiags, im Leopoldstädter Tempel, II., Tempelgajse 3, ein feierlicher ^Gottesdienst anläßlich der- Beeidigung der iieneingerückten Rekruten mosaischen Glaubens statt. Der Hauptgottesdienst; beginnt um halb 9 Uhr -vormittags. > , Meu. Am ersten Tage Snkkoth erinnerte Oberrabbiner Doktor 'G ü d e m a n n in seiner Predigt an die Bedeutung des Tages als den IM. Gedenktag der Völkerschlacht bei Leipzig, wo am Schemini Azereth vor IM Jahren die Schlacht, die über Bestehen oder Vergehen des 'Deutschen Reiches entschied, stattfand. Sein Barer und er selbst hatten einige Veteranen gekannt, die in dieser Schlacht mitgekämpft hatten und chie das Ehrenkrenz an ihrer Brust trugen. Im Leipziger Tempel sind -einige Namen ans einer Ehrentafel angeführt, defien Träger sich durch ihren Mut das Recht erworben haben, der Nachwelt genannt zu werden. *®r. Güdemann bemerkt weiters nr senrer inlerefianten Rede, daß sein seliger Vater als Kind in seiner Heimat jene denkwürdigen Tage erlebt rund seinen Kindern oft davon erzählt habe. Wien. (III d e r L a n b h ü tt e d e s V e r e i n e s „E l II h e i t.") So kommen unsere altjüdischen Feste auch im Getriebe der Großstadt zu besonderer Geltung. Davon konnten sich die zahlreichen Festgäste in der .„Snkka" der „Einheit", H., Malzgasse 12, am 15. und 16. d. M., an den zwei ersten Festabenden, die zunächst für die jüdischen Schützliugetdes Pestalozzi- Bereines unter dem Vorsteher-Stellvertreter Herrn Lemberg e r veranstaltet wurden, überzeugen. Schon von der Straße ans konnte man die im gerällmigen Hofraume errichtete große prachtvoll dekorierte und elektrisch beleuchtete „Snkka" sehen, um deren Errichtung und Instandsetzung die Herren H o f b a n e r zmi. und Fischer sich besonders verdienr gemacht haben. Die schön mit weißem Linnen gedeckten Riesentische, die hebräischen Sprüche -an den Wänden, dazwischen stilvolle jüdische Bilder, die Deckendekoration und der Dust der Tannenzweige und vielen Früchte an der Decke, all das bezauberte jung und alt. Das klangvolle Kiddusch-Gebet des Herrn Oberkantor M ü l l e r drang durch das Reisig tu der mondhellen Nacht in alle geöffneten Fenster der Nachbarhäuser und als Professor A n l s ch e r l bei seinem Festvortrag der alten Zeiten gedachte und des göttlichen Schutzes, unter dem unsere Väter durch die Wüste wanderten und am Schluffe für Las Wohlergehen unseres Landesvaters Kaiser Franz Josef I., unseres 'Schirmherril, ein Gebet verrichtete, erhob sich alles voll freudiger Begeisterung. Am zweiten Festabend verrichtete der Präsident des österr.- ungar. Kantorenvereines Herr Oberkantor Bauer in gewohnter Meisterschaft die Kiddnsch-Audacht, die großen Eindruck machte, ebenso gefiel auch .Herrn Oberlehrer Kohu's Ansprache an die Jugend. Die „Einheit" bedachte jedesinal die Pestalozzi-Schützlinge mir einem guten Mahle, bei dem aut Schlüsse „Mesuman“ nicht fehlen durfte. Der Obmann der .„Einheit" Herr Bernhard Hosbaner mit den oben genannten Herren haben sich um das Arrangement besonders verdient gemacht, wie auch .Herr Lemberg er mit den Vorstandsmitgliedern des Vereines um seine Schützlinge. Durch alle acht Festtage bildete überdies die „Einheit"-Snkka -das Ziel vieler Besucher und Gäste, die ans allen Bezirken Wiens sich -hier einfanden, um auch von den schmackhaften Gerichten, über deren streng rituelle Zubereitung Se. Ehrw. Herr Rabbiner I. Fürst wacht, zu .verkosten. Wien. Die Einschreibungen in die B i b e l s ch n l e d e s T e m- -p e l v e r e i ne s für den XIX. Bezirk für Volks-, Bürger- und Mittelschüler finden Sonntag, d e n 2; November 1913, in der -Kanzlei des Tempelvereines-, XIX., Doliuergasse 3, starr. Wien. (I ü d i s ch e T o y n b e e h alle XX., Orhm ä r gaff e46.) -Sonntag, den 9. November 1913, um 7 Uhr abends, eröffnet die jüdische 'Toynbeehalle mit einem Vorträge des Herrn Gemeindecabbiners Doktor "Armin Abeles ihren Betrieb pro 1913—14. Zugleich mit dem Beginn der Bortragssaison werden wieder wie im Vorjahre unentgeltiche Unterrichtskurse (englische und französische Sprache. Stenographie und kaufmännische Fächer) eröffnet. Die Einschreibungen für die Unterrichtskurse -finden Sonntag, den 2. November, vormittags von 10—12 Uhr. Donnerstag. den 6. und Samstag, den 8. November, von 7 Uhr abends ab im Vereinslokale, XX., Othmargasse 46, statt. Anmeldungen von -Vorträgen und Mitwirkungen bet Konzerten wolle man an den Obmann, Dr. I. Samnely. I., Fischerstiege 6. gelangen lasten. Wien. Ein verdienstvoller Funktionär unseres Bethausvereines. .Herr Joses Goldberger, war anläßlich der Feier seiner silbernen -Hochzeit am Sonntag, deit 12. d. M. Gegenstand besonders herzlicher Ovationen und Beglückwünschungen durch die Vorstandsmitglieder unseres Prater Bethausvereines „Tefilat Jeschuruu", Ausstellungsstraße 53. Zum -'Andenken an diese.Jubelfeier und zur Erinnerung an seine rühmenswerte Wirksamkeit seit Gründung des Vereines, beschloß der Ausschuß, ein Bildnis des Gesamtvorstandes Herstellen zu lassen. Zur feierlichen Ueberreichnng des äußerst gelungenen Bildes wurde Sonntag, der 12. Oktober d. I. bestimmt und so vollzog sich an diesem Tage in unserem Gotteshause eine erhebende Feier. Es war eine imposante Versammlung, die unser Bethaus bis auf das letzte Plätzchen füllte. Um halb 4 Uhr nachmittags begann 'die Feier, eingeleitet mit dem „Ma to-wn“, welches in stimmungsvoller Weise vom Kantor Mathias B a l o g h unter Assistenz des Dirigenten David E i b e n s ch ü tz vorgetragen wurde. Dem Jubelpaare wurde dann ein „Mijcheberach" gehuldigt, den Kantor Balogh im klassischen Hebräisch ^verfaßt und feierlich zum Ausdruck brachte. Sodann ergriff der Obmann des Vereines, Herr Moritz A l t m a n n, das Wort zur Begrüßungsansprache. Anknüpfend an dieselbe hob er die ersprießliche Tätigkeit des Jubilars hervor. In vollster Anerkennung der stets geübten Pflichttreue ^überreichte der Obmann dem tiefgerührten Jubilar das künstlerisch ausgeführte Bild. — Nach Vortrag des „Adaun olaum“ hielt der Schriftführer, Herr Leopold A l r h o l z, die Festrede. Er feierte den Jubilar als Zierde des Vereines, richtete an denselben wie auch an dessen treue Gefährtin eilte warme, von Verehrung getragene Ansprache. — Hierauf wurde der vom Kantor vorzüglich einstudierte Psalm stimmungs- und weihevoll zn Gehör gebracht. Der Gründer und gewesene Obmann, Herr Heinrich B o n d y. beglückwünschte sodann in trefflicher Rede das Brautpaar. Mit den Wünschen für einen glücklichen Lebensabend übermittelte Obmann- Srellverrreter, Herr Julius N e n g e b a n e r, dem Jubilar ein Ehrengeschenk. — Mir einem prachtvoll aurgestatreten, in hebräischen Lettern, selbst verfaßten Glückwunsch überraschte Kantor Balogh das verehrte Jubelpaar. Mit rräuenerstickter Stimme, fast überwältigt von. innerer Bewegung, dankte Herr Goldberger in herzlichen Worten Allen für die ihm bewiesene Ehre. Nachdem noch der II. Obmann-Stelloerrceter, Herr Sibmnttd Stark das Minchagebet vorgeiragen hatte, fand die io schöne und würdige Feier mit dein Absingen des „Halleluja" ihren Abschluß. — Am Abend des Festtages fand im Cafe „Janrschtheater" eine Nachfeier statt, welche in anregender, noch enger befestigender Weise verlief. — In der letzten Vornandssitz ing wurde für unsere Bibelschule. II., Altsstelluugsstiaße 53. die Neuwahl von fünf Ausschußimtgliedern mir einjähriger Funkt onsdaner vorgenommen, siie ergab folgendes Resultat: Zum Ovmanne wurde gewühlt: Herr M. L. B o n d y, zum Schriftführer: Herr Hugo Pollatschek, als Kassier: Herr Joief G o l d b e r g e r^ zu Schulräten: Herr Julius N e ng e b a u e r und Herr Sigmund Stark. Wien. (Hausse r e r v e r s a m in l u n g.) Wieder droht den Hausierern die Gefahr, durch den in Verhandlung stehenden neuen Hansiergesetzenrwnrs v-rnichrer zn werden. Zur Stellungnahme beruft der „Erste österreichische R chtsschutz-Verein für Hausierer m Wien" für Dienstag, den 4. November L I.. um 7 Uhr abends int „Safe Stein", Öl., Große Sverlgasse 35, eine allgemeine Hausiererversammliing ein und ladet alle befugten Hausierer, sowie all- Fabrikanten und Kaufleure, welche mit dem Hausierhandel in Verbindung netzen, zur Teilnahme höflichst ein. Tagesordnung: „Das neue Hausiergeietz und die Lage der Hausierer." Referent: Herr S. A. Freund. Znstunmungsknudgebnngen sind zu richten und Auskünfte an das Sekretariat des obgenannten Vereines, Wien, II., Tuborstraße 66. Berlin. (Allgemeine Jüdische Kolonisations- Organisation. sA. I. K. O.j.) In München fand auf Einladung eines Kreises namhafter Mitglieder der dortigen israelitischen Kultnsgemeinde, dem u. A. die Herren Justizrat Ofner. Rabbiner Doktor Werner, Kgl. bayr. Hofmöbelfabrikant L. B a l l i it, Julius B a s ch, Justizrat E. Beer. Kommerzieu-Rar S. Dreh, Dr. M. L. Etting- Hauser, Ingenieur F. F e n ch t w a u g e r, Justizrat Franke nburger, Kommerzien-Rat S. Fra enkel, Rentier A. Landauer, Landrat M. N u ß b a n nt, Justizrat L. Siegel augehörten, am 18. Oktober in der „München-Loge" des U. O. B B. eine Versammlung statt, die dem hnutanitärett Werke der A. I. K. O. qelvidntet war. Als Referenten wareit die Vertreter der Leltuug der A. I. K. O., Großindustrieller Georg L a ch m a n u und Dr. Alfred N o s s t g aus Berlin etngetroffen. - Herr Justizrat Ofner, der die Versammlung leitete, hob in seiner Begrüßungsansprache die Tragweite des von der A. I. K. O. bereits verheißnngsvoll uitternommeueit Kvlouiiationswerkes hervor. Die Bedeutung der A. I. K. O. läge vornehmlich darin, daß sie, entgegen den bisherigen vereinzelten und zumeist nach philanthropischen Gesichtspunkten unreruommenen Kolonisationsversuchen, ein planvolles, auf wirtschaftlicher Grundlage und kansmännischen Prinzipien beruhendes, großzügiges AnsiedlnngSwerk schaffen wolle, das — unter Ausschluß nationaler, volitischer oder anderer Parteitendetizen — den notleidenden Inden Rußlands, Galiziens und Rumäniens im Orient auf eigener Scholle dauernde Daseins» bedingnngen sichern soll. Herr Georg L a ch m a n n -Berlin legte in seinem Referat überzeugend dar, warum die A. I. K. O. gerade den Orient — insbesondere Palästina, Syrien und und die Sntaihalbinsel — zum Felde ihrer Tätigkeit ausersehen mußte. Wirtschaftliche Momente, wie die Nähe des Orients an die Ursprungsländer der jüdischen Emigration, die Fruchtbarkeit und Aufnahmefähigkeit dieser Gebiete, andererseits aber die religiöse Pietät der jüdischen Auswanderermaffen für das Heilige Land waren hter maßgebend. Dr. Alfred N o ss rg Berlin berichtete über die umfassenden Arbeiten, dnrch die die A. I. K. O. die Orientkolonifation nach rationellen Prinzipien vorbereitet wurde. Eine ihrer wichtigsten Tätigkeiten bestand in der Organisiernng behördlich legalisierter Boden-Erwerbs-Genossenschasten ans den jüdischen Answaudererkreisen in Rußland. Andererseits sorgt dte A. I. K. O. durch ihr Finanzinstitnt, „The Orient Colonising Co." für Agrarkredit. In besonders warm empfnndeuelt und zit Herzen geheitden Worten appellierte dann Herr Rabbiner Dr. Werner an die Erschienenen. Er wies eindringlich darauf hin, daß seit den furchtbaren Ereignissen in Spanien im Jahre 1492 keine annähernd so harre Judennor geherrscht habe, wie gegenwärtig im Osten. „Sie wissen nicht am Abend, was am Morgen sein wird." Mit diesem Spruche kennzeichnete er die beklagenswerte Lage der östlichen Juden. Den Bestrebuitgen der A. I. K. O. komme deshalb eine exzeptionelle Bedeutung zu, weil sie ein großzügiges Abhilfs» werk darstellt, das den hilfsbedürftigen Massen die elementarsten Lebensbedingnngen verschafft, nämlich ein Stück Land, das ihnen durch ihrer Hände Arbeit?ihr täglich Brot verbürgt. Die begetsternden Worte, die auch der Vorsitzende, Herr Justizrat Ofner, in beredter Weise unterstützte, hatten denn auch den Erfolg, daß viele der Anwesenden sich als Mitglieder der A. I. K. O. eintrugen, sowie ihrem Kolonisationsfonds namhafte Summen znwandteu und Aktien der „Orient C o l o n i s i n g.