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Die Wahrheit · 1913-10-31 · Heft 42 (31.10.1913) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 42 (31.10.1913)
Date
1913-10-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 42. welcher Stätte so oft die Stimme sich erhob zum Schutze der Bedrückten und zur Verteidigung der Wahrheit und Gerechtigkeit, die Gewogenheit haben werden, mir bald das gewünschte Zeugnis zu gewähren, das ich namens meiner jüdischen Glaubensgenossen von Eurer Eminenz erbitte. Genehmigen Eure Eminenz die Versicherung meiner ehrfurchtsvollsten Ergebenheit Rothschild na. p. Anerkennung der vorgelegten Dokumente durch Kardinal Merry del Bal. Staatssekretariar Sr. Heiligkeit. 18. Oktober 1913. Eure Lordschaft! In Beantwortung Ihres Schreibens vom 7. Oktober bin ich in der Lage zu bestätigen, daß die in Maschinschrift mir zugegangene Kopie von Ganganellis Bericht an die Räte des Sanctum Officium inhaltlich authentisch ist. Ich kann Ihnen diese Versicherung auf Grund meiner Nachforschungen im Sanctum Officium geben, woselbst das Originaldokument verwahrt ist. Was den Auszug des Breves Innozenz IV. betrifft, kann über die Richtigkeit des Zitats von Raynald kein Zweifel obwalten; denn diese bestätigt sich auch in der Tatsache, daß Gauganelli in seinem Berichte das nämliche Zitat anführt. In der bestimmten Erwartung, daß diese Erklärung Ihren Zwecken dienlich sei, zeichne ich als Ihr ergebener R. Kard. Merry del Val m. p. An Se. Hochgeboren Lord Rothschild. * * Die Dokumente, welche Lord Rothschild seinem Briefe beischloß und welche der Kardinal-Staatssekretär in seiner Erwiderung authentifizierte, sind Kopien einer Enzyklika des Papstes Innozenz IV. aus dem Jahre 1247 und eines ausführlicheu Berichtes, den Kardinal Gauganelli, der spätere Papst Klemens XIV., im Jahre 1758 verfaßte und in welchem derselbe alle bekannten Fälle behaupteten Ritualmordes behandelte. Die Enzyklika erklärt ausdrücklich die gegen die Juden gerichtete Anschuldigung für falsch und weist darauf hin, daß der Glaube, daß eine solche Anschuldigung in den jüdischen Lehren gerechtfertigt sei, total unbegründet ist. Der Bericht des Kardinals Gauganelli wurde durch einen Prozeß veranlaßt, der dem des Beilis überaus glich und an dem, merkwürdig genug, die damaligen Kirchenbehörden von Kiew beteiligt waren. * sfc * Das Breve Innozenz' IV. B o m 5. Juli 1247. „An die Erzbischöfe und Bischöfe in Deutschland. Wir haben die jämmerliche Klage der Inden Deutschlands vernommen, daß einzelne geistliche und weltliche Fürsten und andere Adelige und Machthaber in Euren Städten und Diözesen, um ungerechterweise ihre Güter zu plündern und sich anzueignen, gottlose Anschläge gegen fie ersinnen und mannigfache und verschiedene Anlässe erdichten, ohne vernünftig zu bedenken, daß gewissermaßen aus ihrem Archive die Zeugnisse des christlichen Glaubens hervorgingen. Trotzdem die Heilige Schrift unter anderen Gesetzesvorschriften sagt: Du sollst nicht töten, und den Juden verbietet, am Passahfeste etwas Gestorbenes zu berühren, erheben ihre Gegner die falsche Beschuldigung, daß sie eben am Passahfeste das Herz eines gemordeten Kindes unter sich verteilen, indem sie glauben machen, daß das Gesetz selbst es vorschreibe, während es doch offenbar -dem Gesetze zuwider ist. Und wenn irgendwo ein Leichnam gefunden wird, legt man böswillig ihnen den Mord zur Last. Durch solche nnd andere zahlreiche Edichtungen wütet man gegen sie, und ohne Anklage, ohne Geständnis, ohne Ueberführung, entgegen den ihnen vom Apostolischen Stuhl gnädig gewährten Privilegien, beraubt man fie wider Gott nnd Gerechtigkeit aller ihrer Habe, bedrückt sie mit Hunger, Gefängnis und so vielen Martern und Qualen, unterwirft fie den verschiedenartigsten Strafen, verurteilt möglichst viele zu dem schimpflichsten Tode, so daß die Juden unter der Herrschaft obgenannter Fürsten, Machthaber nnd Adeligen vielleicht ein noch schrecklicheres Los haben als ihre Väter unter Pharao in Aegypten,. und gezwungen werden, elend die Orte zu verlassen, wo sie und ihre Vorfahren seit Menschengedenken gewohnt haben. In ihrer Furcht vor völliger Vernichtung haben sie. beschlossen, an die Vorsehung des Apostolischen Stuhles sich zu wenden. Da wir nicht wollen, daß die genannten Juden mit Unrecht verfolgt werden, deren Bekehrung der Herr erbarmungsvoll erwartet, da nach dem Zeugnisse des Propheten die Ueberreste derselben werden selig werden, verfügen wir, daß Ihr Euch ihnen gnädig und gütig zeiget, deshalb jedesmal, wenn Ihr findet, daß von den genannten Prälaten. Adeligen und Machthabern in betreff des Erwähnten gegen die Inden leichtfertig etwas unternommen wird, den gesetzmäßigen Zustand wieder hergestellt, nicht duldet, daß dieselben fernerhin wegen dieser und ähnlicher Anklagen von irgend jemand mit Unrecht belästigt werden und diejenigen, welche sie auf diese Weise belästigen, durch kirchliche Strafe, ohne Berufung zuzulassen, in Schranken haltet. Gegeben zu Lyon am 5. Juli im fünften (Pontisikats-)Jahre." * * * Der Vorstand und das Rabbinat der Wiener Knltusgemeinde haben gemeinschaftlich mit dem Vorstand der „Israel. Allianz zu Wien" au den Lord Rothschild in London folgendes Telegramm gerichtet: ..Lord Rothschild, London. Namens der österr. Judenschaft danken wir Euer Lordschaft für die durch den Briefwechsel. mit der heiligen Kurie in Rom provozierte authentische Bestätigung der päpstlichen Bullen, die bereits im finsteren Mittelalter der Wahrheit die Ehre gegeben und die Lügenhaftigkeit der Blutbeschuldigungen konstatierten. Wir hoffen, daß in unserer aufgeklärten Zeit um so eher die obersten Würdenträger aller Konfessiionen. welche Wahrhaftigkeit als Grundlage der Religion betrachten, ihre Stimme energisch gegen die infame Verlänmdung erheben werden. Vorstand und Rabbinat der israelitischen Kultnsgemeinde nnd Vorstand der Israelitischen Allianz zu Wien." Aus diese Kundgebung ift noch am selben Tage folgende telegrafische Antwort von Lord Rothschild eingetroffen: „Vorstand und Rabbinat der israelitischen Kultnsgemeinde und Vorstand der Israel. Allianz in Wien. Empfangen Sie meinen herzlichen Dank für Ihrgütiges Telegramm. Ich hoffe mit Ihnen, daß die Publikation den gewünschten Erfolg haben wird. Rothschild. Zur Konstitmernng der Kntlnsgemeinde Innsbruck. Am 1. Januar 1914 wird-di^-ffraelitifche Kultnsgemeinde in Innsbruck sich konstituieren. Im Lande der katholischen Glaubensfreiheit ward den Inden und Protestanten die staatliche Anerkennung verweigert. Die Siege des protestantischen Deutschland brachten bei den Protestanten vollen Umschwung der Non p088nmns-Anschauung; das protestantische Deutschland schickte ins Land Tirol viel Geld, es entstanden schöne protestantische Kirchen! Anders bei den Juden! Der Rabbiner von Hohenems wurde zum Landesrabbiner für Tirol und Vorarlberg ernannt und führt die Matrik für das ganze Land, während Innsbruck, Bozen und Meran Knltnskomitees für Schule, Gottesdienste und Friedhof hatten. Innsbruck und Meran entwickelten sich zu größeren Gemeinden und waren trotzdem abhängig von Hohenems, dessen Einwohner wegzogen oder ansstarben, so daß dort die Jsraelitenschule geschlossen wurde, kein Minjan im schönen Tempel zustande kam und der jüdische Koschersteischmetzger zugrunde ging. Schon im Mittelalter gab es Juden in Innsbruck, den Juden Dr. Dann Hauser und den Hausbesitzer Josle-Lewi Sulz er, der Ahne weil, des Wiener Oberkantors Salomon S u l z e r. Auf dem Dachboden seines Hauses, welches neben dem „goldenen Dachel" „Friedrichs mit der leeren Tasche" stand, wurde der Gottesdienst abgehalten. Alle vorherigen Bemühungen zur Gründung einer selbständigen Kultnsgemeinde scheiterten.

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