Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 41 (17.10.1913)
- Date
- 1913-10-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 41. Die Wahrheit Seite 9. °P e r f a l l zu Judenstämmlingeu zu machen, bez. als „verjndet" hinzustellen. Die groteske Komik dieser Rasseuschnüffelei enthüllt -sich in ihrer gänzeii Schönheit durch die Entdeckung dieses selben genialen Rassenforschers, daß der Verfasser des Buches Hiob „schwerlich ein waschechter Hebräer" sein kann, da es „eine Perle der Weisheit und Gedankendichtung ist." Ein anderer Rassengelehrter. Herr Dr. Georg Lome r, hat in einem Artikel der „Deutschen Welt",..„Die Rasse.Loyolas", die Entdeckung gemacht, daß der Stifter des Jesuiten-Ordens 'kein reinblütiger Germane, sondern ein „unverkennbarer Mischling" sei : „Eigentlich als germanisch kann nur die gebogene Adlernase und die zarte Gesichtsfarbe gelten. Und neben den Germanen haben nicht mir die Basken, wie man annehmen kann, einen wesentlichen Anteil an der Gesamtkonstitution dieses Mannes gehabt, sondern wahrscheinlich auch die Mauren und Juden der spanischen Halbinsel." Nach dieser Beweisführung wäre also auch der Jesniten- Drden eine — jüdische Gründung. Und so etwas nennt sich heutzutage „anthropologische Wissenschaft". Wie erinnerlich, hat 'ein grimmiger dentschsozialer Judenfresser in einem Vortrage der antisemitischen Ortsgruppe zu Halle vor einigen Wochen — wohl als antisemitischen Beitrag zur Hundertjahrfeier der Erhebung Preußens — den damaligen Staats minister August von Hardenberg, als einen, mit jüdischem Gelde bestochenen, ganz unter dem Einfluß, seiner späteren Frau, der getauften jüdischen Schauspieleriil Charlotte Schönem a n n stehenden „Hochverräter an unserem Volke" bezeichnet. Allerdings ist Hardenberg der Urheber des Jndenedlkls vom 11. März 1812, das den Inden in Preußen die Staatsbürgerrechte verschaffte; er hat auch den strafwürdigen Ausspruch getan: „Ich kann kein Gesetz über Juden billigen, das mehr als vier Worte enthält : gleiche Rechte, gleiche Pflichten." Einer solchen „Erniedrigung" vor dem Judentum kann natürlich nur ein Mann fähig sein, in dessen Adern jüdisches Blut fließt. ' Noch pessimistischer sieht Herr Adolf B a r t e l s in die .Zukunft des deutschen Volkes, dessen „Oberschicht bereits voll- .ständig jüdisch oder doch verjudet" sei, so daß „es uns Deutschen doch schon ein bischen unheimlich werden" könnte. Bei Herrn Adolf Bartels ist diese angebliche Berjudnng des deutschen Volkes bereits in einem Grade zur sixen Idee geworden, daß er schreibt: „Beispielsweise glaubt man, wie ich als Kuriosum mitteilen will, in der Provinz ziemlich allgemein, daß sämtliche Berliner Geheimräte, wenn auch nicht alle getaufte Inden, doch immer jüdisch verheiratet oder sonstwie dem Juden liiert sind. Das ist natürlich Uebertreibung, aber daß auch im höheren Beamtentum wie an den Universitäten schon eine Berjudnng eingetreten ist, entspricht den Tatsachen. Jüdische Aerzte und . jüdische Rechtsanwälte ferner werden ja auch schon die Regel in Deutschland. Geht die Entwicklung so weiter wie bisher, so haben wir in einem Menschenaller sicher die jüdische Oberschicht. .Und wenn noch die Abnahme der Geburten bei uns Deutschen so weitergeht und von Osten immer mehr Polen als ländliche und Fabrikarbeiter importiert werden, dann wird die deutsche Mittelschicht von der jüdischen Ober- und polnischen Unterschicht so hübsch eingekeilt, zerrieben, vermanscht, daß ihr wohl der Atem vergehen soll. Dann heißt esf^ir>i8 G-ermaniae und nach diesem Ende gibt es keine Auferstehung. Ich denke, in zwei bis drei Menschenaltern könnten wir es recht gut so weit bringen."; Fichte hat einmal, woran Schopenhauer gelegentlich in seinen „Neuen Paralipomena" erinnert, von der „Niaiserie der( Deutschen" gesprochen, die darin bestehe, daß, wenn ihnen einer keck baren Unsinn vorschwatzt, sie, aus Furcht, ihr Verfländnis zu kompromottieren, bodenlosen Tiefsinn darin finden und. den Inhalt loben. Man braucht nur einen Blick auf unsere uationalistische Presse zu werfen, und man wird finden, daß sich die Zahl dieser Lobredner baren Unsinns im letzten Jahrhundert geradezu unheimlich vermehrt hat. Die Macht der Gattin des Gcmeiudepräles. (Eine R e nt iniszen z.) (Fortsetzung.) Mit Recht ruft daher der Prophet Jeremias dem Volke zn: Es rühme sich nicht der Kluge seiner Klugheit, es poche nicht der Starke auf seine körperliche Kraft und nicht der Reiche auf seine irdischen Reichtümer, denn alle diese Güter sind oft wertlos, nichtig und flüchtig, wenn die Gotteserkenntnis fehlt. Rühmen darf sich nur der — der sich überhaupt rühmet! will — dem es durch gründliches Thorastudinm gelang, Gott zu erkennen und zn wtssen, wie mau religiös, fromm und gottesfürchtig sein, einen gott- und meltschengefälligen Lebenswandel führen soll. - In neuerer Zeit hat io mancher der Superklugen diese Worte des Propheten falsch ausgefaßt und dahin gedeutet, daß der Prophet den Ruhmsüchtigen den Weg zeigen wollte, den sie einznschlagen haben, um ihre Ruhmsucht befriedigen zn können. „Es rühme sich nicht der Weise seiner Weisheit, wenn er nicht sattelfest ist, denn er könnte sich leicht blamieren, wenn er zufällig in einen Kreis von Gelehrten gerät; es poche nicht der Starke auf seine körperliche Kraft, denn wie leicht kann er von einem Athleten niedergernngeil werden; es rühme sich nicht der Reiche seiner eingebildeten Worte, deren er sehr leicht bei gewissen Strömungen, die sehr oft hervorgerufen werden, verlustig werden könnte. IQ im besos jishaliel. Nur derjenige kann seine Ruhmsucht befriedigen, ohne fürchten zu müssen, daß er blamiert werden könnte, der sich seiner großen Frömmigkeit, seines strengreligiösen Lebenswandels, seines Chassidismus rühmt. Wenn ein solcher Chassid klug und vorsichtig ist. kann er sein Leben lang als Heiliger, als höheres Wesen betrachtet und verehrt werden, ohne sich je zu kompromittieren, denn ins Herz kann nur Gott allein sehen. Die Mittel, die so ein moderner Chassid anzuwenden hat, um seine Frömmigkeit dokumentieren zu können, sind sehr einfach. Er muß die Angen verdrehen, beim Gebete lärmen und poltern, die unbedeutendsten Bräuche, deren Ursprung weder in der Bibel, noch im Talmud zn finden ist, mit einer minutiösen Pünklichkeit sondergleichen streng beobachten, die. Schäden der Zeit schonungslos geißeln, den Liberalismus verdammen und jede unschuldige Neuerung als eine das Judentum in seinen Grundfesten gewaltig erschütternde Destruktion entschieden verurteilen, und er ist ein gemachter Mann, der unter allen Umständen sein Ziel erreicht. Diese Superklugen, die in unserer Zeit tatsächlich Schule gemacht, haben jedoch übersehen, daß derartige Chasfidim durch ein solch unwürdiges, Vorgehen nur bewerfen, daß sie in der Geschichte des Judentums, wie überhaupt im jüdischen Schrifttum weniger bewandert sind, als in den neuchassidischen Schriften. Zur Begründung dieser Behauptung will ich bloß zwei Beispiele hier anführen: Vor nicht langer Zeit wurde in der achtbaren konservativen Gemeinde M. ein junger Rabbinatskandidat, der sich den Ruf eines Chassid erworben, zum Rabbiner ernannt. Bei seinem Amtsantritte wurde er von der ganzen Gemeinde mit Jubel empfangen. Als er jedoch in der Synagoge dem Gottesdienste beiwohnte, war er sehr enttäuscht und glaubte sich in einer reformierten Gemeinde zn befinden, da die Anwesenden ihre Andacht ganz ruhig, geräuschlos verrichteten, ohne daß — den Vorbeter ausgenommen, auch nur Einer seine Stimme hören ließ. Beim ersten Besuche, den der Vorsteher ihm machte, konnte er nicht umhin, seinem Unwillen Ausdruck zn verleihen. „Herr Vorsteher! Ich muß es offen gestehen, daß ich es sehr bereue, diesen Posten angenommen zn haben. Es wurde mir M. als eine fromme, streng religiöse Gemeinde geschildert, ans der der religiöse Geist noch nicht geschwunden sei, allein als ich znm ersten Male in die Synagoge kam, glaubte ich mich in einer Kirche zu befinden, in der man die Gebete in sogenannter stiller Andacht verrichtet, aber nicht laut sprechen und überhaupt keine körperliche Bewegung machen darf." „Ist es denn", sagte der