Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1913-10-17 · Heft 41 (17.10.1913) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 41 (17.10.1913)
Date
1913-10-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063674-3063715--08733-3075924
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions (1 not found in this text)

Beite 8, Die Wahrheit Nr. 41, Chag hasukos taase lecho. Am Hüttenfeste sorge vor allem „für dich", Ischc», und nicht für lachende Erben, wenn du eben aus deiner Tenne nnd Keller einsammelst und Schätze auf Schätze häufst. ’Wesomachto „freue dich an diesem Feste, du, dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht und deine Magd — ferner der Lewi. der Fremde, die Waise und die Witwe, die in deinen Toren find." — Durch den Umstand, daß du dich ernstlich bestrebst, die würdigen Hilfsbedürftigen, nämlich den Lewi (den Kullusbeamten), den Fremden, das Waisenkind und die betrübte verlassene Witwe die Festfreude milgenießen zu lassen, wird das fuße Bewußtsein, dir unverwüstliche Verdienste um die Menschheit erworben zu haben, deine Freude eine höhere, erhabene und ungetrübte sein und bleiben wehojiso ach. someach und so wirst du dich dann ganz der Freude hingeben können. Gabriel Uießer in der Frankfurter UatioualVersammInng;ngnnsten der Gleichberechtigung der Inden. (Schluß.) Können Sie die volkswirtschaftlichen Uebel, die auf einigermaßen zweifelhafte staatsökonomische Fragen sich beziehen, nicht an der Wurzel angreifen und die Uebel selbst nicht heilen, so werden Sie nicht wohl daran tun, die Lücken staalswirtschaftlicher Erkenntnis durch fanatische und intolerante Vorschriften ergänzen zu wollen. Erklären Sie das eine oder das andere für nnznlässlg, so müssen Sie es allen verbieten, denn sonst rufen Sie Unredlichkeit hervor, denn daß die Ungleichheit des Rechts Unredlichkeit auf beiden Seiten hervorgeufen hat. ist z. B. von der Rheinprovinz ans. als es sich um Abschaffung jener kaiserlichen Dekrete handelte, von so vielen unparteiischen Beurteilern behauptet worden, daß Sie es als gewiß annehmen können. Ein zweites Beispiel betrifft die Ausnahmegesetze, welche Preußen in den Kreisen Paderborn und Höxter auf kurze Zeit hat eiutreten lassen. Der westfälischeLandtag hat zu einer Zeit, wo er sich noch nicht zu dem Prinzip allgemeiner Rechtsgleichheit erhoben hatte, anerkannt, daß solche Ausnahmegesetze nur dazu dienen, dem Wucher der Christen Vorschub zu leisten. Hiernach sind jene Bestimmungen aufgehoben worden. Diese Wirkung, wie in .diesen Fällen, hat sich überall bei unbefangener Betrachtung' gezeigt. So wenig Sie die eine bevorzugte- Volksklasse über die andere werden urteilen lassen, so wenig Sie in dem Haß und der Verachtung bevorzugter. Stände gegen die niederen einen Grund finden würden, ein Unrecht gegen die niederen Stände fortdanern zu lassen: so wenig dürfen Sie hier das Urteil einer durch vergangene Jahrhunderte hindurch und hier und da vielleicht noch jetzt von Haß und Verachtung erfüllten Majorität zum Nachteil der Minorität bürgerlich zur Vollziehung bringen. Ich weiß, daß ich hier Partei bin, allein ich will es gern sein auf feiten der Unrecht Leidenden nnd Unterdrückten. Ich könnte noch Tausende von unparteiischen Urteilen gegen die Schilderungen des Redners vor mir anführen, wenn ich es für nötig hielte. Meine Herren! Werfen Sie einen Blick auf die einzelnen Gesetzgebungen in Deutschland. In Preußen haben alle verehrten Kämpfer für die Freiheit, zuerst ans den Proviuziallandtageu und dann auf dem vereinigten Landtage, für vollkommene Gewissensnnd Religionsfreiheit, für Gleichstellung der Juden mit den Christen gekämpft. Sämtliche Stämme Preußens haben in dieser Richtung petitioniert und es geschah infolge der einstimmigen öffentlichen Meinung, daß in Preußen zugleich mit dem Segen der Volksfreiheit die Gleichstellung der Juden ausgesprochen wurde. Meinen Sie, meine Herren, was eine Bevölkerung von 16 Millionen gewollt hat, würde so leicht rückgängig werden; glauben Sie. daß es eine moralische Möglichkeit für diese Versammlung ist, ■ einen Rückschritt auf der Bahn des Rechts und der Freiheit eiutreten zu lassen? In Bayern hat der Landtag in einer Adresse einstimmig den Wunsch ausgesprochen, daß das Judengefetz auf dem Prinzip der vollen Rechtsgleichheit beruhen.möge, und so in der großen Mehrheit^ der deutschen Staaten. Ich frage demnach, ob denn die Volksstimme so einig für die Meinung des Vorredners, ob sie denn wirklich nicht dafür ist, daß die Ausnahmegesetze aufgehoben werden? Der Vorredner will uns politische Rechte zuerkennen, aber diese Bewilligung .gehört erst der neuesten Zeit an. J'ch> selbst habe unter den Verhältnissen der tiefstell Bedrückung gelebt, und ich hätte bis vor kurzem in meiner Vaterstadt nichtdas Amt eines Nachtwächters erhalten können. Ich darf es als ein Werk, ich möchte sagen, als ein Wunder des Rechts unh der Freiheit betrachten, daß ich befugt bin, hier die Sache der Gerechtigkeit und der Gleichheit zu verteidigen, ohne zum Christentum übergegangen zu sein. Und so lebe ich denn dar festen Zuversicht, daß die gute- Sache bereits gesiegl hat, ungeachtet der letzten Aufwallungendes bösen Willens von wenigen Seiten her. Ich glaube nicht, daß es möglich ist, gleiche Rechte zu geben für aktive undpassive Wählbarkeit, für das hohe Werk der Gesetzgebung, solange noch die verletzenden Ausnahmegesetze in den niederen Sphären bestehen. Durch die Ausnahmegesetze würde das höchste politische Recht geschändet, werden, das Sie zum Gemeingut aller Deutschen machen wollen, ohne allen Unterschied der Konfession. Wenn aber nach der Ansicht des Vorredners der Unterschied des Rechts fortan nicht im Glauben, fonbern in der Volkstümlichkeit ruhen soll, nun so geben Sie doch den Or^ an,, auf dem es möglich ist, sich diese Volkstümlichkeit auzn« eignen, ohne ein Religionsbekenntnis abzulegen. Wenn der Judesagt: „Ich weiß nichts von einem besonderen Volkstum", wäsfnr einen Weg wollen Sie ihm denn anweisen? Was haben diejenigen, welche dieses Tranmgebilde von Nationalität seit vielen Jahren von sich wiesen, denn für ein Mittel, zum deutschen Volksstamm überzngehen, als das, zum Christeutum überzugehen? Auf diesem Wege gelangen Sie glücklich dazu, Volkstum und Religion mit einem Schlage zur Lügezu machen. Wenn man so gern einen Unterschied macht zwischen Gebildeten und Mindergebildeteu unter den Juden, von denn es sich noch fragt, ob er nicht in gleicher Weise unter anderen Klaffen sich finde, so will ich Sie daran erinnern, daß, als man früher in Preußen aus Liebhaberei den Inden gewisse nationale Vorrechte geben wollte, die gesamte jüdische Bevölkerung ohne Unterschieb dieselben abgelehnt hat; es sollte ihnen namentlich die Exemption vom Kriegsdienste durch eine Majestätsgrille gewährt werden*), und sie haben sie einstimmig zurückgewiesen. Ich kann zngeben, daß die Inden in der bisherigen Bedrückung das Höchste) den vaterländischen Geist, noch nicht erreicht habeiw Aber auch Deutschland hat es noch nicht erreicht. Die Inden, werden immer begeistertere und patriotischere Anhänger Deutschlands unter einem gerechten Gesetze werden. Vertrauen Sie der Macht des Rechts, der Macht des einheitlichen Gesetzes und dem großen Schicksale Deutschlands. Glauben Sie nicht, daß sich Ausnahmegesetze machen lassen, ohne daß das ganze System der Freiheit einen verderblichen Riß erhalte, ohne daß der Keim des Verderbens in dasselbe gelegt würde. Es ist Ihnen vorgeschlagen, einen Teil des deutschen Volkes der Intoleranz, dem Hasse als Opfer hinzuwerfen, das werden Sie aber nimmermehr tun, meine Herren!" Rassonschnnffeleieu. Es ist ein alter, freilich sehr plumper Trick der Antisemiten, jeden Publizisten, der nicht auf das antisemitische Dogma von der totalen Verjndung unserer Zustände eingeschworen ist, selbst zum Juden zu stempeln. Geradezu zu einer Virtuosität, auf diesem Gebiet hat es Herr Pb. Stauff gebracht, der in feiner als zweite Denkschrift des „Deutsch-völkiscben Schriftsteller- Verbandes" erschienenen Broschüre „Voltaire über die Inden" es fertig bringt, David Fr. Strauß, Ernst Renan, Jean Jacques R o u s s e a u und von neuern Publizisten den langjährigen Feuilletonleiter der „Kölnischen Zeitung" Baron von *) Durch Friedrich Wilhelm IV. kurz nach seiner Thronbesteigung^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.