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Die Wahrheit · 1913-10-03 · Heft 39 (3.10.1913) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 39 (3.10.1913)
Date
1913-10-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 39 Die Wahrheit Seite 9. Aar denken und lebendig; fühlen, und ein deutliches Bewußtsein /ihrer Lage haben, können Sie diese, wie jede Masse beurteilen einer Klasse, die keine Nationalität haben will, die ihnen von ihren Feinden anfgebürdet wird. die deutsch denkt nnd -fühlt, mit. Mißhandlungen entgegentreteu, und zu ihrem Nachteil Ausnahtnegesetze bestehen lassen, während Sie andererseits alle 'Ausnahmegesetze vernichten und dem gleichen Recht, dem gleichen -Gesetz anheimstellen, alle Schäden der Gesellschaft zu heilen? : Allerdings mußte eine Religion, welcher ein intolerantes bürgerliches Gesetz, indem es den religiösen Vorurteilen auf -Heiden Seiten Vorschub leistete, die gemischten Ehen versagt hat, -im Lause der Jahrhunderte die alte Stammestrennnng beibe- Halten; und auch die Gesetze der neueren Zeit, die die gemischten -Ehen erlauben, aber die intolerante Bedingung beifügen, daß die ans diesen Ehen hervorgehenden Kinder Christen werden, konnten an der Einheit des jüdischen Volksstammes nichts ändern. 'Aber eine Folge unseres neueren Rechtes wird das sein, daß die Ehen gemischt werden und die Religion nicht mehr eine bleibende und unüberwindliche Scheidewand der Stammeseinignng ist, zumal wenn Sie die ausdrückliche Bestimmung beifügen, daß die Verschiedenheit der Religion kein Ehehindernis ieiu darf: und daun wird die Stammestrennnng anfhören. Man hat von der Beschäftigung der unteren Volksklassen der Inden geredet, man hat dies in einer gehässigen Weise getan, deren Beurteilung ich Ihnen anheimgeben will, denn ich will nicht den Schein haben, die eigene Sache mit Parteilichkeit zu -führen. Aber die letzte Einwendung, die der Herr Vorredner so leicht, behandelt hat, ist hingegen eine, siegreiche. Sie müssen 'diesem Uebelstande mit gleichem Gesetze begegnen, oder Sie werden den alten Schlund des Unrechts, nnd der Ungleichheit von neuem öffnen. Die Handlungen, die dem Inden verboten werden, müssen auch dem Christen verboten sein. Was volksverderblich und volkswirtschaftlich nachteilig sein soll, müssen Sie in ein Gesetz bringen, das von dem religiösen Bekenntnis -rinabhängig ist. Sie .müssen den Trödelhandel nnd die Geschäfte mit dem Landmann die Sie für nachteilig halten, verbieten wder eigentlich den Landmann für unmündig erklären. Sie werden nicht darum, weil der Jude das Christentum annimmt «der auf eine andere.Weise seine Religion ablegt — was übrigens, wenn sich, der Staat von der Religion getrennt haben wird, -ein so leichtes Mittel sein dürfte,-daß der gewissenloseste Jude, am leichtesten dazu greifen wird —, ihm eine bessere Rechts- -ftellnng anweisen können; Sie dürfen darum auch nicht zu -seinem Nachteil allein Ausnahmegesetze bestehen lassen, wenn -Sie durch die allgemeine Gesetzgebung die betreffenden Nachteile im Staalsleben nicht verhüten oder treffen können. Einige Tatsachen will ich beispielsweise herausheben. Ich berufe mich gerade ans das Beispiel von .Württemberg. Dort hat man 1828 -den Inden einzelne Geschäftszweige, z. B. den Güterhandel verboten, weil man von der Ansicht ausging, daß die Zerstückelung Hon Gütern volkswirtschaftlich nachteilig sei. Ich berufe mich -aber auf diejenigen, die an den württembergischen Ständever- Handlungen .im Jahre 1836 teilgenommen haben, und frage Sie, ob damals nicht von vielen und ehrenwerten Seiten verfi.chert, worden ist, es sei mit dem Güterhandel noch nicht um -ein Haar besser geworden, vielmehr werde jetzt der Güterhandel von den Christen ans rücksichtslosere nnd schändlichere Weise Getrieben. ' (Schluß folgt.) Die Sonne sinkt . . . ' - Wie ein Eden liegt nun das herrlich-schöne Franzeusbad, prunkt in seinem spätsommerlichen Kleide gleichsam einer Braut, welche zum reifen Weibe gedieh und durch der Schönheit Macht zu herrschen berufen ist, die farbensatten Blumen der -sorgsam gepflegten Gärten schlingen sich zärtlich ineinander, liebkosen sich wie in der jungen Liebe Tage nnd verbreiten Pracht und Glanz um sich. Man ergötzt sich an ihrem Anblick. Ach, ich mag den Gedanken nicht trauen, daß des Reifes listige Metze bald Verderben und'Sterben .über'die lieblichen, tausendfärbigen Floraskinder bringen sollen! — Hub die Gärtner durch« streifen die Alleen, entfernen die gelbgewordenen Blätter, wie eine junge Frau die ersten Silbersäden aus ihren Locken entfernt. Allein wie lange wird es noch währen? ... Immer öder wirds umher, von Tag zn Tag nnd von Stunde zn Stunde verlassen diejenigen, welche Stärkung und Heilung hier suchten nnd größtenteils auch fanden, das liebe Franzensbad; das Menschengewühle in der eleganten Kaiserstraße oder in der vornehmen Elisabeth-Promenade ist nun verrauscht — erstorben. Nur spärlich noch bewegen sich die letzten Kurgäste durch die Straßen, träge, schläfrig ziehen sie umher — es geht eben zur Neige! ... Bald werden die flirrenden und blitzenden Geschästsauslagen geschlossen nnd mit Brettern verschlagen nnd ein langer Sabbath wird sich über den schönen Fleck Erde lagern, alle verderblichen Bazillen werden erstarren und mit ihnen alle falschen Lieb es sch wäre, die aus dem Moorboden geleistet wurden . . . bis der nächste Lenz in seine Posaune stößt und zu neuem Leben und Lieben weckt. Umwoben von dergleichen Betrachtungen nnd Gesühlswallnngen schleuderte ich, versehen mit meinem Becher Salzquelle, die meinen Stimmbändern stets Spannkraft verleiht, über den Elisabeth-Denkmal-Platz, grüße im Gedanken die in Stein gehauenen Züge der edlen Kaiserin, die gar oft von den Kurgästen mit Blnmenstränßen bedacht wird und begebe mich zur Natalieqnelle. Bald jedoch lockte mich ein wunderlicher Gesang, der ans einem nahegelegenen Gebüsche hervorqnillt, an, ein Gesang voll Schwermut nnd Leid, der mehr dem Weinen, denn dem Singen gleicht. . . . Ich folge dem Echo und bald offenbart sich meinem Auge ein seltsames Bild: Ans der vom Gesandten von Pilgram Balazzi im verflossenen Frühjahr gespendeten Bank sitzen vier in Kaftans säuberlich gekleidete Männer, ihre Schläfenlöckchen wackeln her nnd hin nnd der jüngste unter ihnen, ein etwa 18 jähriger Mensch mit ausfallend blassem Gesichte, dirigiert mit dem rechten Daumen die kleine Schar . . . und nun vernehme ich ganz genau der melancholischen Weise Text: Mi jichje umi jomus? — Wer darf weiter leben und wer muß sterben? Unzähligemale hörte ich diese Worte wiederholen. . . . Und als der Gesang beendet wurde, näherte ich mich den Sängern und rief ihnen ein ^Isjascherhoach^ zn, sie aber antworteten kaum, sie waren zu sehr ergriffen von dem Gesäuge, ,/s is awade a gerechte Schajle" — Mi jichje umi jomus? — „wenn me a krank Harz hot" sagte zn mir der den Gesang dirigierte. Ich aber tröstete ihn: Das Wasser von Franzeusbad ist Majim ehajim, — ein Quell des Lebens — es wird Eller Herz stärken; gewiß hat der himmlische Vater Euern Weg hergesührt, daß Euch ein langes nnd gesundes Leben zuteil wird. — Sie dankten für den Wunsch imd ehe ich von ihnen schied, stimmten sie ein in Dur gehaltenes Gebetstück an, das die Worte: „Heute schreibe uns ein znm Leben!" als Finale hatte. Armin Wilro witsch. jDuMifeotioncn lies ül-utfg. Hautoceti-Deceines. In der Donnerstag, den 18. September unter dem Vorsitz des Präsidenten I. Bauer stattgehabten Vorstandssitzung wurde über verschiedene aus Kollegenkreisen gemeldete Vorfälle Bericht erstattet und beschlossen, daß der Vorstand in den einzelnen Fällen intervenieren solle. Der vom Kassier erstattete Kassabericht ergab die Tatsache, daß in den Sommermonaten die Einzahlung der Mitgliedsbeiträge sehr unpünktlich erfolgte; Der Vorstand nimmt an^ daß dies den allgemeinen Sommerferien znznschreiben sei und erwartet, daß von nun ab die Einzahlungen statutengemäß geleistet werden. Zuschriften an den Verein sind an den Präsidenten Oberkantor I. Bauer. IL, Novaragasse 27, Geldsendungen an den Vereinskassier I. Cantor S. Jurberger, IL, Tempelgasse 3, zn richten. Der B e r e i n s v o r ft a ri d.

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