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Die Wahrheit · 1913-10-03 · Heft 39 (3.10.1913) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 39 (3.10.1913)
Date
1913-10-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10. - . . . - Die Wahrheit Nr. 39. sasssi ,c3v(,®n MW ■arm mto nmb Den geehrten Lesern, Mitarbeitern u. Freunden Unseres Blattes entbietet die herzlichsten Glückwünsche zuuruenen Jahre die Redaktion. Verschiedene Nachrichten. " Wie«. (M i lit ä r g o tt e s d i en st). Der k. u. k. Militär- und 'Landwehrkommandobefehl vom 12. September 1913 enthält folgende -Verlautbarung: „Auf Ansuchen der israelitischen Kultusgemeinde in Wien bewilligt das Korpskommando, daß die Mannschaft israelitischen Glaubens der in Wien dislozierten Truppen und Anstalten nach Zulässigkeit des Dienstes folgendem Gottesdienste beiwohne: Fe i e r d e s N em j ahrsfestes: Mittwoch, den 1. und Donnerstag, den 2. Oktober 1913 von 4 Uhr 30 bis 8 Uhr 30 abends, sowie Donnerstag, den 2. und Freitag, den 3. Oktober 1913 von 6—12 Uhr vormittags. Feier des Verso h int ugsfestes: Freitag, den 10? Oktober von 4 bis 8 Uhr 30 abends und Samstag, den,11. Oktober 1913 von 6 Uhr vormittags bis 8 Uhr übenden. Der Militärgottesdienst für die israelitischen Heeresangehörigen der Garnison Wien wird im Sofieusaale, HI., Marxergasse 13, abgehalten werden. Die Einjährig-Freiwilligen israelitischen Glaubens sind an den Tagen des Bersöhuuugsfestes am 10. und 11. Oktober I. I. tunlichst von jedem Dienste zu entheben.' Die betreffende . Mannschaft ist jedesmal geschloffen znm obgenannten Lokal zu führen. Den Herren Offizieren und Militärbeamten des Aktiv- und des Ruhestandes werden über schriftliches oder persönliches Verlangen vom Vorstande der israel. Kultnstzemeinde Betsitze, für die feierlichen Gottesdienste zur Verfügung gestellt." Wien. Die feierliche Einweihung des nenerbanten eigenen Heims für das vom Verein zur Ansspeisuug armer israelitischer Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk, erhaltenen Knaben- und Mädcheuhort, XVI., Wurlitzergaffe 11, fand Sonntag, den 28. September, vormittags, im Beisein zahlreicher offizieller Persönlichkeiten statt. lieber den Einweihuugsakt, sowie über die überaus zweckmäßige Anlage des Heims werden wir in nächster Nummer berichten. Wien. Herr Rabbiner Dr. M. Nose.n.mann hat durch den Heimgang seines Schwiegervaters, Herrn Leo Sznapik, der am 25.. September in Lemberg verstorben ist, einen tiefschmerzlichen Verlust erlitten. Wien. Am 21. September fand im Kultustempel 'in der Seitenstettengaffe eine festliche Trauung statt. Herr und Frau Jakob Weinreb, beide Eheleute aus hochachtbaren Familien stammend, führten ihre Kinder Grete und Felix zum Traualtar. Herr Felix L u st i g. aus Holleschau in Mähren, einNeffe der Brauteltern, ist Beamter im Bankhause „Merkur". Herr Jakob Weinreb,, gleichfalls aus der altehrwürdigen Gemeinde Holleschan, ist der Sohn des heute noch im lebhaften Angedenken bekannten und berühmten Baal Tokea Reb Falk W e i n r e b. Dieser war ein gottesfürchtiger, wahrhafter Schoferbläser und so gerade wie seine Tekios war auch sein Charakter und sein Lebenslauf. Der Bräutigam ist der würdige Nameusträger seiner Ahnen Reb Falk; sowie die Braut die allerbeste Erziehung im Hause des Vaters, dem Sohne des Reb Falk, genossen. Die Bräntmutter entstammt einer jüdischen Patrizierfaunlie in Budapest. Herr Rabbiner Dr. Bach hat meisterhaft all die Tugenden der Ahnen geschildert und regte das Brautpaar an, gleiche Pfade zu wandeln. Hrrr Oberkantor Fuchs gab dieser schönen, von einem sehr zahlreichen Publikum besuchten Trauung durch seinen melodischen Gesang die schönste Weihe. Zahlreich sind all die Verwandten aus Holleschau erschienen, sich nlitzufreuen an dieser würdigen Hochzeit. Der Vater des Bräutigams, Herr Leopold Lnsti g, ist ein würdiges Mitglied im Vorstande der Jsraelitengemeinde Holleschau. Bei dieser Verbindung könnte man sagen: Wajelech isch. mibas Levi wajikacb es bass Levi. _ Wien. Am ersten Neujahrstage begeht Herr Alois K u l k a sein 30jähriges Jubiläum als funktionierender Oberkantor bei den von der Wiener Kultusgemeiude alljährlich im großen Musikvereiussaale veranstalteten Gottesdiensten zu. deu hohen Feiertagen. Die Persönlichkeit des Jubilars ist unseren Lesern genügend bekannt, aber folgende Reminiszenz' dürfte für viele von Jntereffe sein: In den Jahren 1872—1874 fungierte Oberkantor Kulka als Vertreter der damaligen Oberkantoren Professor S. 5 u l zer und Josef G o l d st e i n s. A. rc. Der seinerzeit berühmte Musikprofessor der „Neuen Freien Presse", Universitätsprofeffor Dr. Eduard H a ii s li ck, der später Gelegenheit hatte, den Jubilar zu hören, schrieb ihm wortwörtlich: „Ihre schöne, durch Kraft und Wohllaut sofort einuehmende Stimme. Ihre ungewöhnliche Kehlengeläufigkeit und Ihr warmer, echt musikalischer Vortrag haben mich in hohem Grade erfreut. Besonders die gottesdienstlichen Tempelgesänge machten mir durch Ihren kunstvollen, als fromm-begeisterten Vortrag tiefen Eindruck. Seit Meister Sulzers gutcnZeiten habe ich die Tcmpelgesänge nicht wieder so gehört." Wieuer-Neustadt Ende vorigen Monates hat die Familie . W e i s kop f unsere Stadt, in. der sie über 19 Jahre gelebt hat, verlassen. Mit Herr» Fabriksdirektor Friedrich Weis köpf verliert die jüdische Gemeinde eiw werktätiges Mitglied, das überall zu finden war, wo es galt, mit offenen Händen zu geben«.Erttvar,vor einigen Jahren Vizepräses der Kultusgemeiude und gehört feit einer Reihe von Jahren als Obmann- Stellvertreter dem. Vorstande unserer Ehewra-Kadischa an, in . welches Eigenschaft er stets hilfsbereit am Platze war und die Friedhofsver--- waltung musterhaft führte. Herr Weiskopf ist.einer jener wenigen, die mit echtem Judentum nicht falsche Orthodoxie^ sondern ein warmes Herz, verbinden.-In diesem Sinne strebte er auch mannhaft nach einer Reform und einer Renaissance in der Gemeinde. Seine edle Gattin war als, lang-" jährige Präsidentin des Fraüen-Vereines eine wahre Wohltäterin und der Verein hat ihr Wirken durch einstimmige Wahl znm Ehrenmitgliede vollauf gewürdigt. Die Familie, die nun in Wien Aufenthalt-nimmt, begleiten die-Segenswünsche aller aufrichtigen Freunde. - —'93ei der am 25. September stattgefnndenen Generalversammlung, des Frauen- und Mädchen-Wohltätigkeitsvereines wurde Frau Dr. Karoline Karpfen, Gattin des Knltusrätes Dr. S. Karpfen, zur Präsidentin^ Frau Hedwig Mayer, .Gattin des Obmannes der Chewra-Kadischast Herrn Ad. Mayer seu., zur Vizepräsidentin neu-- und die Dameir Sophie Stern; Hermine Gold, Rosa Mayer in-den. Vorstand wiedergewählt. Eger. (Erlau.) Im Nahmen großer, herzerhebender Festlichkeiten: wurde unser neuerbauter, monumentaler Tempel am Sonntag, den 21. September l. I. seiner heiligen Bestimmung übergeben. Die Erlane? israelitische Knltnsgemeinde konstituierte sich im Jahre 1840, drei Jahr?' später erbaute sie die Synagoge, die 70 Jahre lang als Andachtsstätte' diente. In den letzten Jahrzehnten nahm die Gemeinde einen großen Anf-- schwuug; immer lauter wurde der Wunsch, immer dringender das Bedürfnis,' ein größeres, würdigeres Gotteshaus zn errichten. Vor fünf Jahren trat' an die Spitze der Gemeinde der Generaldirektor Desider v. Kanitz, der' es sich zur Aufgabe stellte, den Tenipelban durchzuführen und seiner großen Energie, und Umsicht gelang es, den Plan aufs herrlichste zu realisierest^ Der Ban dauerte — durch das strenge Einhalten des Sabbaths und der Feiertage verzögert — zwei Jahre und wurde nach den Planen des berühmten Synagogenarchitekten Leopold B a n m h o r n ausgeführt.;; Di? Kosten dieses monumentalen Tempels belamen sich aus zirka L 300.000.—^ Vom herrlichsten Wetter begünstigt strömte die Bevölkerung deu Stadt, ohne Unterschied der Konfeffion, in die den festlich geschmücktem Tempel umgebenden Straßen. Es war nicht nur das Fest der israelitischem Gemeinde, sondern der ganzen Stadt. ■ - st : Um 11 Uhr vormittags begann die Feier mit der Generalversammlung^ die im Prachtsaale des Komitatsgebändes abgehalten wurde. Sämtliche Konfessionen, Behörden, Vereine der Stadt und der Nachbarstädte wären' vertreten. An der Spitze der Komitatsbehörden erschien der Obcrgejpan^. Exzellenz Zoltau v. Kallay, wirkt. Geheimrat, Vizegtspan Viktor von- M a j z i k usw. An der Spitze der Stadtrepräsentanz der Bürgermeister' I a n k o v i t s, das Offizierskorps unter Führung des Obersten L eberer usw. Präsident v. Kanitz erstattete den Rechenschaftsbericht. Nun strömte' die Festversammlung mit der großen Menge des mitfeiernden Publikums?" vom Komitatsgebäude in den alten Tempel. Der Oberkantor Savel. K w a r t i n aus Budapest, der die käutoralen Funktionen versehen, eröffnete. den Abschiedsgottesdienst mit dem herrlichen Psalm 121. Nun betrat- Rabbiner Dr. S ch w e i g e r die Kanzel. Mit tief ergreifenden, herzbewegen-' den Worten schilderte er in kurzen Zügen die Geschichte der Gemeinde: während der vergangenen 70 Jahre. Mit den Worten des Wochenabschnittesr. „Gesegnet seist du in der Stadt" begrüßte et die feiernde Gemeinde und mit den Worten: „Gesegnet seist dn auf dem Felde" gedachte er des; segensreichen Wirkens der verstorbenen Gemeindemitglieder, die ans dem Totenfelde ruhen. Kein Auge blieb tränenleer. Aber es waren auch Tränem der Freude. Rabbiner Dr. Schweiger forderte zum Schluffe den verdienstvollen Präsidenten und die Vorstände auf, die Thorarollen zu übernehmen. . Im Triumphzuge wurden diese unter den Baldachin ^getragen und unter dem erhebenden Gesang des Oberkantors Kwärtist 'und seines wohlst geschulten Chores zog der Festzng durch die mit Blumen und Fahnem festlich geschmückte Straße zum neuen Tempel. An der Pforte übergab- Architekt B a u m h o r n dem Präsidenten v. Kanitz die Schlüssel, di? Tore öffneten sich weit und unter den Na tari-ivu-Klängeu füllte die Meng? den' feenhaft beleuchteten, mit Palmen nnd tropischen Pflanzen geschmückceu Tempel. Nach den gebräuchlichen Umzügen zündete Rabbiner Doktor Schweiger das Ner tumed an und sprach ein tiefempfundenes, ergreifendes Weihegebet. Nachdem die Thorarollen in die Bundeslade gestellt: waren, betrat Dr. Schweig e r die Kanzel und hielt eine zündende^ gedankenreiche Festrede, in welcher er die Bestimmnng des Tempels und" die Aufgabe der Gemeinde im Tempel in beredten Worten zeichnetest Nachdem Minchagebet hielt der Meister des Wortes, Rabbiner Dr. H/evesi. aus Budapest, die Einweihnngsrede. Anknüpfend an die Worte der Hastorcr sprach er über Scbolom und Zedokobuub erklärte das jüdische Glaubens-- bekenntnis, die Einheit Gottes als Grundlage aller Religionen. Das überaus zahlreiche Publikum folgte-aufmerksam-diesen beiden, herrlichen Festreden nnd unter dem unvergeßlichen Eindruck derselben verließ es nach- Absingnng des Olenu und der Hymne den nengeweihten Tempel. Ans den' Weiheäkt folgte ein Festmahl, das viele, schöne Toast? würzten. Es sprachen Obergespan v. K a l l a y, Bizegespan v. M a j z i k^ Bürgermeister von Ege r und G y ö n g y ö s, Oberst Leder e r, die anwesenden Rabbiner und viele Notabilitäteu. Zahlreiche Begrnßnngsschreibeu- und Telegramme wurden verlesen, darunter vom Ministerpräsidenten Grafen Stefan Tiß a, Staatssekretär N av ay, vom Präsidenten der israelitischen Kultusgemeiude Budapest, den Präsidenten der Wiener Kultusgemeiude Dr. Atfred Steril und Dr. Gustav Kohn, die Knltnsgeineinden S z e g e d i n. G y ön g y ö s, H a t v a n, T emes v a r, V a g ü j h e l Leva usw., der Landeskanzlei B ud ap est,-Direktor S terub er g^, Hatvan, Universitätsprofeffor R.a s k a'i, Budapest, Dr. H o s ch i tz, Budapest, Oberst D eu ts ch, Budapest, Dr. B ar d o s, Budapest, Emannel: Fuchs, Vagujhely und viele andere: -' - - -st

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