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Die Wahrheit · 1913-10-03 · Heft 39 (3.10.1913) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 39 (3.10.1913)
Date
1913-10-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. - , ~ / Die Wahrheit -Nr. 39. ermüdliche Tätigkeit hervorgehoben und gerühmt werden muß, -Den Dank abstatte. Ich möchte,sogar sagen/daß ich nicht ohne -Neid auf diesen Erfolg blicke, wenn ich mir gegenwärtig halte, daß es mir trotz vieljähriger Bestrebungen noch immer nicht gelungen ist, in der inneren Stadt den unserer Gemeinde würdigen Zentraltempel zu schaffen. Allerdings gebe ich infolge neuerlich Durchgeführter Transäktionen der Hoffnung Raum, daß mir mit Gottes Beistand dieses'Werk noch gelingen werde. Durch die Gnade Seiner-Majestät wird über die unterlertänigste Bitte des Vereines, welche auch von der Knltnsgemcinde wärmstensunterstützt wurde, dieses Gotteshaus für alle Zeiten als „Kai ser-Ju b i lä u m stemp e l" genannt Der gemeinsamen Bitte des Vereines und der Gemeinde liegt die Tendenz zugrunde, das Erhabenste, das Heiligste, düs Gotteshaus, mit dem Namen unseres edlen, gütigen, weisen Monarchen zu verknüpfen. „Ehrsürchte Gott, mein Sohn und den König!" ^2'.n rin so lautet einer der Weisheitssprüche Salomos, dem in diesem steinernen Denkmal Ausdruck gegeben wird, in dem Baue dieses Gotteshauses, welches-mit dem denkwürdigen Ereignisse des Jubiläums unseres erhabenen Monarchen verknüpft ist und dies für ewige Zeiten festhalten wird. So möge denn dieses Hans eine Stätte der wahren Gottesverehrnng. eine Stätte des Friedens sein für alle Zeiten, möge in diesem Hause gepflegt werden die unwandelbare, durch keinerlei Verlockungen zu erschütternde Treue an unserem Glauben, die Treue zu unserem Väterlande. „Es möge 'in meinem Hanse", wie es gestern in allen unseren Gebethänsern gebetet wurde, „gebetet werden für alle Völker!" Es möge gepflegt werden die Treue zu unserem edlen, weisen, gütigen, heißgeliebten Kaiser *f?öi ^2 'n na „Mein Sohn, ehrfürchte Gott und den König!" Mit diesem Segenssprnch schließe -ich." Nach dem Präsidenten der Kultnsgemeinde ergriff Herr Bezirks Vorsteher B l a s e l das Wort: „Verehrte Gemeinde! Gestalten Sie, daß ich Ihnen im Namen des Bezirkes und als Vorsteher desselben die herzlichsten Glückwünsche zur 'Vollendung dieses herrlichen Gotteshauses darbringe. Mil Stolz tönnen Sie ans dasselbe blicken, ist es doch dem einzigen, geistigen Gotte gewidmet, den Ihre Vorfahren schon vor vielen tausend Jahren als den richtigen erkannt haben, zu-einer Zeit, wo die ganze übrige Menschheit noch die Naturgötter aubetete und in jedem Windhauch und in jedem Flnßlauf eine andere Gottheit sah. Aber auch ein Markstein in der Geschichte Ihres Volkes ist jeder neue Ternpel; denn Ihre Religion ist zugleich die Geschichte Ihres Volkes und Ihre Festtage sind zugleich die Gedenktage desselben. Wenn Sie jetzt zu den großen Feiertagen den Raum dieses Tempels betreten, werden Sie nicht nur Erbauung, sondern auch Stärkung hier stndeu: jene Stärkung, die Ihre Glaubensbrüder so notwendig brauchen; liegt doch eine beinahe zweitansendjährige furchtbare Bedrückung hinter Ihnen und ruhen die Verfolgungen bis in unsere Tage nicht. Möge der Geist Gottes, der diesen Raum erfüllt, seinen Segen über Sie ansgießen und aus diesen Räumen Glück und Wohlergehen für alle Angehörigen dieser Gemeinde ausströmen." Nach Vortrag des Psalmes 24 „Seu scheorim, rösche* ehern“ sprach Oberrabbiner Dr. Güdema n n. Er forderte mit begeisternden Worten die Festgäste auf, sich zum ersten Gebete zu vereinen, das dem Kaiser zu gelten habe. „Möge der Kaiser, das Muster von Pflichttreue, zu dem jeder voll Bewunderung emporblicke, noch lauge, lange Jahre erhalten bleiben zum Wohle des Vaterlandes!" Brausende Hochrufe nahmen den Segenssprnch auf, während das gesamte Auditorium die Volkshymne sang. Mit dieser Kundgebung schloß mittags die Feier. Statthalter Freiherr von Bienerth beglückwünschte noch den Vorsteher des Belhanses Herrn Schrame k, der ihm die Mitglieder des Vorstandes vorstellte. * * * An den Kaiser wurde folgendes Hnldignngstelegramm abgesendet: An Seine kaiserliche und königliche Apostolische Majestät. Schönbrunn. „Die feierliche Einweihung des Kaiser Franz Josef \L Hnldignngstempels, welche nach religiöser Sitte im Beisein des Vertreters Euerer Majestät, sowie. mehrerer staatlicher' und autonomer Behörden' und' unter der größten ' Teilnahme der Bevölkerung stattfand/ gestaltete sich zu' einem'' bedeutendest Huldignngsakte für Euere Majestät. Geruhe--Euere Majestät diesen tiefgefühlten Ausdruck der Patriotischen und loyalen- Gefühle der kaisertreuen - Jndenschaft huldvollst entgegen/ zunehmem" Für den Vorstand der Obmanitt Schrämet. - Durch die kaiserliche Kabinetskanzlei ist folgende Äntwoich aus das Hnldignngstelegramm eingelangt: '' / ' Wvhlgeboren Herrn Obmann S ch r a me k, Wien, (Kaiser Franz Joseph Hnldignngstempel). Wien (Schönbrnnn) 28. September 1913, 8 Uhr 30 Minuten abends, f Seine kaiserliche und königliche Apostolische Majestät geruhten die von den bei der feierlichen Einweihung des den. Allerhöchsten Namen führenden israelitischen Hnldiguugstempels- Versammelten zum Ausdrucke gebrachten Patriotischen Gefühle hnldvollst zur Allerhöchsten Kenntnis zu nehmen und danken allergnädigst für die dargebrachie Huldigung. Kabinets-Kanzlei.. Gabriel Metzer in der Krankfnrter Ualionalnerfammlung zugunsten der Gleichberechtignttg der Inden. Das soeben im Verlag der Buchhandlung des National-- Vereins für das liberale Deutschland in München erschienene, von Georg I. Plo tke heransgegebene 38. Heft der Sammlung „Vorkämpfer deutscher Freiheit", beffen Lektüre wir tmseren Lesern aufs wärmste empfehlen können, enthält Reden Gabriel. Ri eßers, des großen deutschen Patrioten und.unerschrocken?». Anwalts der Rechte seiner Glaubensgenossen, die er im Jahre- 1848 als Mitglied des deutschen Reichsparlaments in der Frankfurter Panlskirche gehalten hat. - Eine dieser Reden,. die sich gegen den Antrag des Abgeordneten Mohl, die jüdischen Volksgenossen imter Gewährleistung des aktiven und-passivem Wahlrechtes znm Gegenstände besonderer Gesetzgebung zu machen, richtete, und die in der Geschichte der Emanzipation, der Indem einen bedeutenden Platz entnimmt, lassen wir im Wortlant folgend „Meine Herren! Es hat in einer früheren Diskussion, woes sich um bevorzugte Städte handelte, ein geehrter Redner' mit voller Befugnis das Recht in Anspruch genommen,- vor Ihnen im Namen des bevorzugten Standes, dem er angehört, zu reden und denselben zu verteidigen. Ich nehme das Recht, in Anspruch, vor Ihnen anfzntreten im Namen einer seit Jaht> tansenden unterdrückten Klasse, der ich angehöre durch die Geburh und der ich — denn die persönliche Ueberzengnng gehört nicht hierher — ferner angetiöre durch das Prinzip der Ehre, das es mich hat verschmähen lassen, durch einen Religionswechsel schnöde versagte Rechte zn erwerben. Im Namen dieser unter-- drückten Volksklasse gegen gehässige Schmähungen vor Ihnen, das Wort zu ergreifen, dieses Recht nehme ich in Anspruchs Der geehrte Vorredner hat seinen Antrag in einer Unwahrheit gefaßt. Er will nämlich den israelitischen .Volksstamm, durch. Ausnahmegesetze von dem für alle gleichen Rechte ausgeschlossen haben. Sie haben nun durch einen feierlichen Beschluß den nichtdeutsch redenden Volksstämmeii, die in Deutschland leben, Gleich-- heit vor dem Gesetz, Gleichheit der Rechte, Gleichheit allesdessen, was den Deutschen Deutschland teuer macht, zngesichert^ Sollen wir Inden es für unser Unglück erachten, daß wir deutsch reden? Sollen wir darum schlechter behandelt, soll uns die Freiheit vorenthalten werden dürfen, weil wir nicht .in die, Kategorie nicht deutsch redender Volksstämme gehören? Soll die Geschichte von Ihnen sagen, daß Sie mächtige Volksstämme, die zerstörend in die Geschichte Deutschlands eiligreifen könnten, die gewaffnet und gerüstet vor Ihnen stehen, durch- Verleihung gleicher Rechte haben versöhnen wollen, daß-Sie für die drohende Gewalt nur milde Worte hatten, einer schwachen Religionspartei dagegen, die in bürgerlicher Hinsicht nichts will als in Deutschland aufgehen;— denn nur nach denjenigen, die

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