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Die Wahrheit · 1913-10-03 · Heft 39 (3.10.1913) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 39 (3.10.1913)
Date
1913-10-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1 r ■x i E; -■ : h ’! 1: i"; :;; i: I: 1 H i i 4 ^eiite '6.£ Die Wah rheit ,Nr. 39. eistzißen Stimme hüt den AMchlaF gegeben Fud -das Friedenswerk zu Falle -gebracht,! und düs nur deshalb, ilM ben Präsidenten^ -wie-'man sagt,' etwasunter der Nase zu reiben. ' - Diese so 'wichtige Tatsache dürfte vielleicht nur wenigen bekannt und für - 'manchen der. selbst an der Spitze unserer' modernen-Kultur wandelnden Staatsmänner überraschend gewesen sein. Sie zeigt aber klar, welch kleinliche Motive oftmals hinter; den Kulissen des Welttheaters spielen, wie kleine Ursachen oft große Wirkungen zur Folge haben, wie im Privatleben so auch im Staatslebeu und selbst in der Weltgeschichte. Also, die verletzte Eitelkeit der Herren Senatoren hat im Kongresse den ganzen Friedeusvertrag, den schon der alte Prophet Jesaias so herrlich besungen, zu Falle gebracht. Andrew Carnegie spricht aber die Hoffnung ans, daß der neue Präsident der nordamerikanischen Staaten den Fehler gntmachen wird, indem er hoffnungsvoll von ihm sagt: „Ihm mag noch die erhabenste aller Missionen zufallen, die bewegende Kraft zu werden, welche die führenden, zivilisierten Nationen zu einem Friedensvertrag vereinigt." Der moderne Krösus und amerikanische Friedensapostel geht in seiner friedensseligen Ueberschwenglichkeit so weit, daß er von unserer Zeit sogar die Aushebung des Duells und folgerichtig auch die Abschaffung der Kriege erwartet. Er äußert sich zum Schluffe seines Artikels dahin, daß gerade unsere Zeit für die Herrschaft des Friedensgesetzes reis sei, denn die Abschaffung des persönlichen Krieges, des Duells, bereite die künftige Abschaffung nationaler Kriege so sicher vor, wie der strahlende Morgen der dunkeln Nacht folgt. Wer denkt da nicht, wenn er diese friedensseligen und hoffnungsschwangereu Worte liest, an die Worte des Herrn im neuen Testament: „Selig sind die Gläubigen." Er sagt ferner: Alle englischsprechenden Nationen haben das Duell schon abgeschafft. 'Bezüglich der englischen Dnellnerhältnisse wird der geborene Engländer wohl genau insormiert sein und läßt sich an deren Richtigkeit nicht zweifeln. Was aber Deutschland betrifft, so bemerkte er, daß hier die Anzahl der Duelle von 1200 Fällen im Jahre aus 12, also ans 1 Prozent herabgesunken sei. Die Richtigkeit dieser Ziffern zu prüfen, sei kompetenten Organen'überlassen; gewiß eine Arbeit, die gerade mit Rücksicht aus die in der letzten Zeit sowohl in Deutschland wie in Oesterreich-Ungarn vorgekommenen tötlichen Duellfälle interessant wäre. Der Autor des offenen Briefes glaubt, dieses Sinken der Duellfälle ans die Initiative des deutschen Kaisers zurücksühren zu können, namentlich auf seine diesbezüglichen erst im April d. I. an die Armeekommandauten erlassene Verfügung. Er verweist auch auf die jüngste diesbezügliche Abstimmung im deutschen Reichstage, ohne aber bezüglich Form und Inhalt dieser Abstimmung etwas Näheres anzuführen. Aus all diesen Erscheinungen glaubtnun Carnegie dieHoffuung ableiten zu können, daß der Krieg in den zivilisierten Ländern bald unmöglich sein wird. Zum Schluffe bezeichnet er den deutschen Kaiser als Friedenskaiser, der sich bisher dem Kriege gegenüber ablehnend verhielt, und richtet an ihn den Appell, die zivilisierten Mächte zur Beratung bezüglich der Friedenssrage einzuladen. „Niemals hat der deutsche Kaiser", so heißt es weiter, „das, Schwert gegen den Feind gezogen und darum verbeugen wir Pazifizisten uns vor dem Kaiser". Ob dieser Appell, den er bei der Ansprache bei Eröffnung des Friedenspalastes wiederholt hat, verfangen wird, das wird die Zukunft lehren. Carnegie spricht zum Schluffe die Hoffnung aus, daß, wenn auch nicht der russische Kaiser so doch der deutsche Kaiser oder der jetzige Präsident der nordamerikanischen Union, Wilson, das Problem des internationalen Friedens lösen und sich als den Vollsührer seines Gedankens bewähren wird. Es bleibt mm abzuwarten, ob und wie weit sich diese Hoffnung eines edelgesinnten Milliardärs auch bewähren wird. Jedenfalls ist hier die positive, bisher in der Oeffentlichkeit noch gar nicht gewürdigte Tatsache zu registrieren, daß das österreichische Reichsgesetzblatt am 5. September l. J. eine Reihe von internationalen Verträgen bezüglich der schiedsrichterlichen Tätigkeit des Haager Gerichtshofes publiziert hat, die auch in den anderen europäischen und außereuropäischen teilnehmenden Staaten zur Publikation gelangen werden. Es sind dies zwanzig Verträge, die in der bisherigen Haager Friedenskonferenz beraten und -beschlossen wurden,! mir z.B.'Internationales Uebereinkommen zur ' friedlichen Erledigung vinternationaler Streitfälle/ dann^Behandlung von neutralen Schiffen, ferner! bezüglich! des) Verbotes von Geschossen!mit gistigen^Gasen oder von Geschossen, die sich leicht im menschlichen Körper ansde.hneu rc: rc. . Das sind , allerdings positive Früchte der Friedensbestrebungen,! deren! Wert nicht geleugnet werden kann. Wie mau nun-.auch den Wert i dieser 20 Stück iuteruntionalen Uebereinkommeu eiuschätzen mag, - ob hoch oder niedrig, und wie immer man über die Bestrebungen bezüglich ’ des internationalen Schiedsfriedeusgerichtes, dem Hunderte edel denkende Menschen in allen Staaten, in Oester--! reich namentlich die edle Baronin Marie v.. Snttner, ihre Aufmerksamkeit seit Jahren zugewendet haben, denken mag. so bleibt doch sicherlich das ein tröstlicher Gedanke, daß ein Milliardär in Nordamerika, diesem Staate mit vorwiegend ausgesprochener materieller Lebensanschauung, diesem Ideale große materielleOpfer bringt, ein Gedanke, der gerade.iu unserem als materiell verschrieenen Zeitalter auf jeden Menschenfreund erfreulichwirken muß. Erwähnenswert ist noch, daß die letzte Haager Konferenz mit der Verteilung einer Medaille geschlossen wurde, die auf der Aversseite das Bildnis der Königin der Niederlande, ans der Reversseite den Spruch: „Si vis pacem, cole justitiam“ (Willst du Frieden, so Pflege Gerechtigkeit) trug, ein Spruch, der uns an die frommen Sprüche des Propheten Jesaias erinnert, der in seiner lebhaften Phantasie auch schon den Weltfrieden geahnt und in hellen, unverwüstlichen Farben geschildert, aber Wahrheit und Gerechtigkeit immer als die Grundlage des Friedens, und des.Staatengebildes gepriesen hat. Wir lassen hier nur zwei Bilder ans Jesaias nach einer neuen eben unter der Presse sich befindlichen metrischen deutschen Uebersetznng folgen:*) Kap. 2 bis 4. Er wird die Völker alle friedlich, weise richten Und der Stämme Streitigkeiten rußig schlichten, Daß sie die Schwerter nmgestalten zu Ackerpflügen Und zu Sicheln die Speere und Lanzen aus den Kriegen; Kein Volk wird gegen das andere mehr das Schwert erheben, Ein Kriegshandwerk wird es nimmer für sie geben. Kap. 11 bis 6. Das Lamm wird lagern dem Wolf zur Seite, Das Böcklein geben dem Tiger das Geleite; Das Rind wird mit dem Löwen friedlich weiden, Ein junges Knäblein wird als Hirt sie sicher leiten. Kuh und Bär werden mitsammen aus die Weide gehen Und ihre Jungen ruhig an ihrer Seite stehen. Löw' und Bär werden aus einer Krippe fressen Und am Futtertrog nicht ihren Hunger messen. Au jenem Tage wird in Jsai ein Panier erstehen, Zu dem die Völker zum . Schiedsspruch wallend ziehen. Ihn aufzusuchen und sich bittend seine Gunst erstehen; Dann wird das Friedensreich iu seiner Herrlichkeit erstehen. __ Dr. E—n. Kaiser Kran; Josef I. Haldigmigs tempel im II Kezirke Wien. Die Wiener Judenschaft kann mit Stolz auf. ein prachtvolles neues Gotteshaus blicken, dessen Errichtung dem Bethausvereine „Am Volkert" im II. Bezirke zu danken ist. Der Vorstand dieses Vereines, an dessen Spitze Herr Kultusvorsteher Adolf Schramek steht, hat mit Unterstützung der Wiener Kultusgemeinde und gefördert durch die Opferwilligkeit der Vereinsmitglieder und'hervorragender Wiener Glaubensgenossen eine, monumentale Andachtsstätte geschaffen, die nicht nur einem lange empfundenen Bedürfnisse gerecht wird, sondern auch beredtes Zeugnis dafür ablegt, daß an den jüdischen Gemeinsiun nicht vergebens appelliert wird, wenn es gilt, der Ehre Gottes und der Betätigung unseres hehren Glaubens zu dienen. *) Siehe alttestamentarische Poesien im deutschen metrischen Gewände von-Dr. M. Epstein, Verlag M.Kauffmann in Frankfurt a.M.

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