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Die Wahrheit · 1913-10-03 · Heft 39 (3.10.1913) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 39 (3.10.1913)
Date
1913-10-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Lctic 4. Die Abonnements-Einladung. Are geehrten Kerren Abonnenten Werden UM umgehende ßrneuernng des Abonnements für das um 1. Hktover 1913 begonnene 4. Auartat ersucht, damit die regelmäßige Hrpedition des Mattes Keine Anterbrechnng erleide. Abonnements-Bedingungen: Kanzjährig Kr. 14.— Kalbzährig Kr 7.—, vierteljährig Kr. 3.50. K. k. Poftsparkassen-Konto 11)0.918. Vrobenummern gratis zur Verfügung. Gfta. der Schriftgelehrte. (E ine N e n j a h r s b e l r a ch t u u g.) , Bon Dr. M. H. Frredländer. Als einst Israel, nachdem es aus-dem babylonischen Exil befreit wurde, sich anschickle. in der alten teuren Heimat das Fest der wiedererrnngeuen Freiheit zu feiern, da versammelte sich das ganze Volk, so erzählt uns die heilige Schrift, am ersten Tage des siebenten Monates zn einem feierlichen Gottesdienste, um seinem tiefgefühlten Dank im Gebete Ausdruck zu verleihen. „Nachdem das Volk Gott, den Herrn, gepriesen hatte, bestieg Esra, der Schriftgelehrte, in Begleitung noch anderer Schriftkundiger eine für sie errichtete Tribüne, um eine Vorlesung aus der Thora zu halten. Vom frühen Morgen bis zur Mittagsstunde lauschte das gauze Volk mit gespanntester Aufmerksamkeit dem Vorträge des hochverehrten Lehrers, welcher geschah meforoscli wesom seoliol „deutlich mit Erklärung des Sinnes und Erläuterung der Schriftverfe." Dieser Vortrag, oder richtiger, diese Vorlesung hatte auf das Auditorium einen solch tiefen Eindruck gemacht, daß das ganze Volk in Tränen ansbrach. Infolgedessen sahen sich Esra und Nehemia veranlaßt, demselben tröstend, und besänftigend zuznrufen: „Jammert nicht und klaget nicht, seid nicht betrübt und niedergeschlagen, denn die Freude in Gott ist eure Schutzwehr oked^as Adonai mousekem.“ (Nehemia 8., 11.). Warum aber brach das Volk in Tränen ans, als es die Worte der Thora verlesen und erklären hörte? Sind überhaupt die herrlichen Lehren der Thora geeignet, auf den Menschen einen betrübenden Eindruck zn machen? heißt es nicht vielmehrToratk Adonai tenümo, die Lehre des Ewigen ist vollkommen, sie erfreut das Herz, erquickt die Seele, labt den Geist,, erfrischt das Gemüt?" Ruft nicht der Psalmist aus: „Wäre nicht deine Tbora mein Trost gewesen, wahrlich, ich wäre in meinem Elend, in meiner Verzweiflung zngrundegegaugen?" War.es nicht die Thora, die unseren Ahnen sowohl im grauen Altertum, wie im flüsteren Mittelalter Kraft und'Mut verliehen hatte, um allen an sie heraubrausenden Stürmen trotzen, alle ihre Peiniger und Folterer überdauern und ihre gefährlichen Pläne vereiteln zu können? Warum also brach das Volk in Tränen ans, als es die Worte der Thora verlesen hörte? Diese Frage zu lösen, soll die Aufgabe dieser Betrachtung sein. Esra, der Schristgelehrte — von dem es im Talmud (Sanhedr. 21.) heißt: „er wäre würdig gewesen, die Thora von Gott zn empfangen, wenn sie nicht Moses schon erhalten halte", ferner: als die Kenntnis der Thora aus Israel geschwunden, kam Esra ans Babel und gründete sie wieder" (Sota 20) — war, wie einst Moses vonder Ueberzeugnng durchdrungen, daß der jüdische Staat nur dann gedeihen, blühen und fortbestehen könnte, wenn Israel sich seiner hohen Aufgabe als „Reich von Priestern" auf die glänzendste Weise entledigen, jede Assimilationssucht entschieden perhorreszieren, die Thora hochachten, für die Verbreitung der Kenntnis derselben bereitwilligst die größten Opfer bringen nnd alle ihre Vorschriften, Satzungen und Zeremonien mit religiöser Begeisterung beobachten würde, denn ein „jüdischer Staat" ohne Thora hat keine Existenzberechtigung. Alle anderen Religionen sind aus dem Schoße entwickelter Nationen hervorgegangeii, Israels Wahrheit. Nr. 39. Religion aber ist. nicht ans der Na t i o n. s o n d e r n die N ä l.i v n a u s d^e r N e l i g i o n entstanden. Nicht Israel hat sich seinen Gott, sondern Gott .hat sich Israel erkoren, ihm durch Moses seine Thora verliehen. Diese Behauptung findet in der Thora. ihre Begründung. „Wenn ihr meiner Stimme gehorchen nnd meinen Bund halten werdet, sollt ihr mein besonderes Eigentum unter allen Nationen sein.' denn mein ist die ganze Erde. Ihr aber sollt mir ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk sein, dessen Aufgabe sei, die Lehren dieser Thora zn verbreiten. Ein „nationales Judentum" ohne Thora wäre eine Anomalie. So heißt es;ja ausdrücklich: „Moses und die Priester ans dem Stamme Letvi sprachen zu ganz Israel: Am heutige n Tage — da diese Thora dir verliehen wurde — „bist du eine Nat i o n geworden, dem Ewigen, deinem Gotte (5. M. 27. 9.). In bezlig auf den Vers: Es ward Abend nnd es ward Morgen, her sechste Tag (I. M. I. 31.) bemerken unsere Weisen- (Sabb. 88): „Die Religion Israels — die von Beginn au bestimmt war, Gemeingut der Gesamtmenschheit zn werden — ist älter als die Schöpfung. Gleich bei der Schöpfung hat Gott mit Himuiel nnd Erde also gesprochen: Ihr seid von mir nur bedingungsweise geschaffen worden. Die Bedingung, von der euer Fort-, bestand abhängt, ist, daß Israel die Thora annimmt, verweigert, es aber die Annahme derselben, so fallet ihr in Trümmer und das „Toku wawoku“, das vor euch da war, tritt an eure Stelle." Ja, ohne die Thora würde die sittliche Weltordnung ihre kräftigsten .und mächtigsten Trag- und Stützpfeiler entbehren und ihrem Verfall entgegen gehen. „Wenn ihr nach meinen Gesetzen wandelt, meine Gebote beobachtet und sie durch die Tat im Leben verwirklicht, so werdet ihr euch des blühendsten Wohlstandes erfreuen und sicher in „e u r e m L an d e" wohnen usw. Wenn ihr aber ungehorsam sein und alle meine Gebote verschmähen werdet, so werde ich euch meine rettende und schützende Hand entziehen, das L a n d wird seinem Verfalle und ihr eurem Untergange entgegengehen." (III. M. 26.) Nur durch die Thora kann die sittliche Weltordnung erhalten werden, denn ihre Lehren, Vorschriften und Satzungen allein sind/ geeignet, die Gerechtigkeit in der Welt zn fördern. Die Gerechtigkeit bildet das Fundament des Staates; an ihr kann man auch den Knltnrgrad des Volkes bemessen. Zedoko teromein G-oj. Ein Volk, das kein Unrecht duldet, jedeil unschuldigen Menschen, der durch lügenhafte Verleumdungen und Verdächtigungen ins Unglück gestürzt wurde, nicht nur Freiheit, sondern ihm auch Genugtuung verschafft nnd seine Widersacher verurteilt, steht auf der Höhe der Zeit und verdient als Kulturvolk anerkannt und gewürdigt zu werden j weckesed leumim ckattos, jene Nationen aber, die die Gerechtigkeit, die sie ansüben, als einen G n a d e n a k t betrachten, beweisen, daß sie auf niedriger Stufe der Kultur nnd Bildung stehen, ihr Vorgehen i st s ü u d h a f t. „ Moses rief daher in seiner letzten Rede Israel zn: „Siehe! ich habe euch Gesetze und Rechte gelehrt, wie. mir der Ewige, mein Gott, befohlen, damit ihr sie ansübet in dem Lande, d a h i n i h r k o m m. t, e s i n B es itz z u n e h m e n. n m dort als s e l b st ä n d i g e Nation gl ü ck l i ch leben zn können. Ich rate euch daher usckmartem, beherziget und befolget die herrlichen, heilbringenden Lehren, aber nicht bloß durch leere Worte und Formen, sondern •weasisem, suchet sie auch d n r,ch die Tat im Leben z u verwirkliche n. ki. ki ckockmasckem uwinasckem leene koamim, wenn ihr den Völkern der Erde imponieren und als große, weise, mächtige nnd u n b e s i e tzbare Nation anerkannt und gewürdigt werden wollt. Denn wo gibt es ein Volk, mag es noch so groß sein, asoksv io Okukim umisckpotim Zaddikim keckol katora kasos, daß solch herrliche, die G e r ch t i g k e i t fördernde Gesetze nnd Verordnungen hätte, als diese Lehre hier. Nur . hüte dich, nimm dich wohl in Acht, daß du sie n i ch t vergessest und daß sie dir dein Lebenlang nicht ans deinem Herzen schwindet" uswl Auch Esra war von der Idee durchdrungen, daß dem jüdischen Staate, der eben damals hätte restauriert, werden sollen, nur dann eine lange Dauer prognostiziert werden könnte,

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