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Die Wahrheit · 1913-09-26 · Heft 38 (26.9.1913) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 38 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 38. Vien. (Verein „T e f i l a s H a n e o r i nt.) An den kommenden hohen Feiertagen finden Gottesdienste für die reifere Jugend an folgenden Andachtsorten statt I.. Seitenstettengasie 2, H. Stock (Religionsschule) für Praktikanten und Handelsschüler. JL, Tempelgasse 3 (Bibelschule) für Bürger- und'Mittelschüler. H., Ferdinandsstraße 23 (Betha-Midrafch) für Mädchen. D., Malzgafie 16 (Schule) für Bürger- und Mittelschüler. JL, Untere Angartenstraße 85 (Mädcheuhort) für Mädchen. . HL. Nelkengafie 4 (Goldner) für Handelsangestellte. DL, Seegasse 16 (Bibelfchule) für Knaben und Mädchen. XVDL, Schopenhauerstraße 39 (kleiner Tempel) für Knaben. XU., Probnsgafie 2 (Waisenhaus) für Knaben und Mädchen. XL, Othmargaffe 46 (Mädchenhort) für Bürger- und Mittelschüler. Die Eintrittskarten werden unentgeltlich am Sonntag, den 28. September l. I., 2—3 Uhr nachmittags in den obgenannten Lokalen verteilt. Der Gottesdienst beginnt abends wie in den Gemeindetempeln, morgens um 8 Uhr. Zum Gottesdienste sind Gebetbücher initzubringen. Wien. Die Einschreibungen für den Unterricht an der Bibel- und Talmudfchule, DL, Tempelgaffe 3 und Ferdinandstraße 23 finden Sonntag, den 28. September von 11—12 Uhr, Montag, den 29. September von 5—6 Uhr und Sonntag, den 5. Oktober l. I. von 11—12 Uhr im Berhamidraschlokale D., Ferdinandstraße 23 statt. Wien. (Bibelfchule. Prater II., Ansstellnngsstraße 53.) Die Einschreibung an der „Lese- und Bibelschule" des Vereines „Tefilath Jeschurun" II., Äusstellnngssiraße 53, findet Sonntag, den 28. d. M. von 9—11 und Dienstag, den 30. d. M. von 5—7 Uhr statt. Wien. An den Mitarbeiter unseres Blattes, Herrn Kantor Josef Grob, ist ein schmeichelhaftes schreiben des Bürgermeisteramtes Franzensbad eingelangt in welchem demselben Dank für den vor kurzem in diesem Blatte veröffentlichten Artikel über Franzensbad allsgesprochen wird. Wien. Der bekannte, durch seine hnmanitären Bestrebungen gewürdigte .Arzt, Herr Dr. Isidor L. Brau n, hat einen schweren Verlust erlitten. Sein Vater, weiland Herr I. M. Braun, ist nach schweren Leiden am 20. d. in Chemnitz (Sachsen) gestorben. Der Verblichene erfreute sich ob seines biederen Charakters allgemeiner Wertschätzung. Jglau. (Installierung des Rabbiners.) Am Freitag, den 19. September, um 6 Uhr abelld, fand in der hiesigen festlich geschmückten Synagoge die Installierung des uengewählten Rabbiners Dr. Friedrich Weiß statt. Schon lange vor der Feier war der Tempel bis ans das letzte Plätzchen gefüllt. Der Rabbiner wurde von den beiden Tempelvorstchern. den Herren Max, W n r m s o h n und Heinrich W e i ß e n st e i n, von seiner Wohnung abgeholt und in der. Vorhalle des Tempels von dem Vorstände, an der Spitze kaiserlicher Rat Adolf Lieblich, empfangen. Der (Vorstand) Vorsteher der Kultnsgemeinde Herr kais. Rat Lieblich, richtete an den Herrn Rabbiner eine Ansprache, worauf derselbe zu seinem Platze geleitet wurde. Ein vom hiesigen Oberkautor Weiß komponierter „Lormoll Dabo“, der auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck machte, leitete die Feierlichkeit ein; S u l z e r s „Hajatun teamzenu“ beschloß diesen Einleitungsgefang. Nach dem Minchagebet wurde Psalm 133 „Wie schön und lieblich ist's, wenn Brüder stets in Eintracht leben", vom Oberkantor und dem Gesangsvereiu „Schir Zion" erhebend vorgetrageu. Hierauf bestieg der Rabbiner die Kanzel, wo er in einer formvollendeten und begeisterten Rede die Zuhörer vom Anfänge bis zum Ende zu fesseln verstand. Im ersten Teile derselben gedachte er seines Vorgängers des verewigten Rabbiners Dr. I. U n g e r, der in der hiesigen Gemeinde als erster Rabbiner an heiliger Stätte gewirkt hat, der zweite Teil war dem 50jährigen Bestände des Gotteshauses gewidmet — die Rabbiner Doktor Adolf I e l l i n e k> Wien, und Dr. I. U n g e r hielten seinerzeit die Einweihungsreden—wobei auch der unermüdlichen Tätigkeit der Führer der Gemeinde und des derzeitigen Präsidenten, des Herrn kaiserlichen Rat Lieblich, gedacht wurde. Den Schluß bildete eine Huldigung aus unfern greisen Monarchen. Hierauf wurde bei geöffneter Buudeslade das Kaiserlied gesungen.. So endete diese schöne Feier, die sicherlich, den Anwesenden lange Zeit in Erinnerung bleiben wird. Auch der Gesangsverein „Schir Zion" Hat durch seine klangvollen Gesäuge viel zur Hebung dieser Feier beigetragen. — m — Wiedereröffnung. Dieser Tage ist die Selchwaren-Niederlage Armin Biel, Wien,.!.,Schottenring 14, Telephon5181/Vl (Hauptdepot der Wurstsabrik I. T h e u m a n n). vollständig neu renoviert wiedereröffnet worden. Der gegenwärtige Besitzer des Etablissements hat weder Mühe noch Kosten gescheut, um dasselbe mit allem Komfort auszststatten und feinen Gästen nach jeder Richtung Erstklassiges zu bieten. Auch der verwöhnteste Gaumen wird durch Darreichung der diversen schmackhaften Mnrstsorten und der als besondere Spezialität geltenden feinsten Aufschnitte befriedigt werden. Pilsner Urquell wird vom Faß geschenkt. Indische Bühne. Direktion M. Siegler. „Hotel Stefanie", II., Taborstraße 12. Täglich Schlager der Saison: Die A m e r ika u eri n oder Das M ä d e l v o n der West, Komische Operette in 4 Auszüge» von A. S ch o r r. Sonntag, den 26. September nachmittags halb 4 Uhr bei halben Preisen: H e r z a l e Mejiche s, von A. R i ch t e r. In Studium: Borg mir dein W eich. In Vorbereitung: I. L. P e r e tz' „Die d r e i M a t u n e s". Musik von Ch. W o l s s t h a I. Literatur. Lebensbilder von Horrors de Balzae. Aus deim Französischen übersetzt von Dr. Schiff. Mit einer Geschichte' des Werkes und einer Biographie Hermann Schiffs, herausgegeben von Friedrich Hirth. Drei Teile in zwei Bänden^ München, Georg Müller, 1913. Ein sehr interessantes Werk, das einen jüdischen Schriftsteller behandelt, ist in diesen Tagen erschienen. Friedrich Hirth,. ein junger Wiener Literar-Historiker, hat mit einer wertvollen Biographie des ersten deutschen -Ghetto-Geschichtenerzählers-' Hermann Schiff eines seiner wichtigsten Werke, die nach Balzacs Vorbilde verfaßten.Lebensbilder, neu heransgegeben. Wir lernen nach Hirths Darstellung in Hermann Schiff einen vielseitig be-- gabten Antor kennen, dem nur leider niemals das wichtigste im Leben zuteil' war — Glück. Zwar erfreute er sich bei allen seinen dichterischen Zeitgenossen größter Anerkennung. Willibald Alexis und namentlich Heinrich Heine, sein Stiefvetter, verherrlichten ihn und empfahlen immer wieder seine Werke. Dennoch, gelangte Schiff nie ans einen grünen Zweig, verbrachte sein Leben im Elende und war bald nach seinem Tode rasch-vergessen. Jetzt ist er zur verdienten Auferstehung gelangt und man darf sich dieser wertvollen literarischen Gabe herzlich freuen/ bitr namentlich in jüdischen Kreisen dankbar begrüßt werden muß.- Jft doch durch diese Ausgabe ein wertvoller Schriftsteller dauerndvor dem Vergessenwerden bewahrt und sein Lebenswerk in genauer^ biographisch treuer Darstellung endlich, nachdem sich jahrzehnte-- lang nur immer wieder Falsches über ihn fortgeschleppt hatte/ festgehalten. Hermann Schiff ist als Erzähler von Novellen ausdem jüdischen Leben eine der wertvollsten Erscheinnngen. Er hat für Auerbach Und Kompert und so viele andere den Boden geebnet, auf dem diese große Triumphe erlebten, die Schiff un-- verdientermaßen niemals beschieden waren. Und doch wäre er ihrer würdiger gewesen als mancher andere, der zu den ge-° feiertesten Dichtern gezählt wird. Er ist ein Meister realistischer- Vortragskunst, ein Erzähler von blendendster Eigenart, ein tief--' schürfender Psychologe, der nur ein Ziel kennt: die Wahrheit / um jeden Preis zu sagen. Seine vielen Erzählungen aus dem Ghetto verschleiern nicht und beschönigen nicht, sondern schildern/ in krassester Realistik. Das ist ein Vorzug, den sie mit keinem anderen Buche, das ans demselben Milien schöpft, gemein haben. Deshalb verdient es auch Schiff, wie selten ein anderer Autor,, gelesen zu werden und man wünscht sehnlich, daß uns Hirth auch eine der Ghettogeschichten Schiffs in einem bequem zugänglichen Neudrucke beschere, wie er uns jetzt die Lebensbildergeschenkt hat. Aus der Biographie, die diesen Lebensbildern vorausgeschickt ist, ergeben sich die wertvollsten Einblicke in das Leben und Schaffen eines sehrinteressanten Schriftstellers, dembisherdieSonneliterarhistorischer Gunst nicht leuchtete. Hirth vollzieht damit eine Ehrenrettung, für die man ihm aufs höchste dankbar sein muß. Er" entrollt ein Stück deutschen Geisteslebens, das in jeder Hinsicht interessant und anregend genannt werden muß. Diese zwei Bände sollten in der Bibliothek keines jüdischen Hanfes fehlen; sie werden jedem zur schönsten Zierde gereichen. / Armin Redab^ Brandeis israelitischer Volkskalendei./ dessen 33. Jahrgang vor kurzem erschien, enthält einen warmempfnndenen Nachruf für den verstorbenen Gründer und langjährigen Verfasser des Kalenders, Jakob B. Brande is, dessen Lebensarbeit, die stets/dem Wvhle. der Menschen gewidmet war, eingehend gewürdigt wird. Ein Gedicht und Sentenzen aus dem literarischen Nachlasse des Verblichenen. finden sichim „Salon für Unterhaltendes- und Belehrendes", der /außerdem einen Nachruf für den verblichenen bekannten Rechtsanwalt und Vertreter des- Jndentums, Dr. Ludwig B e n die n -e r, eine Biographie des derzeitigeil. Prager Oberrabbiuers. Dr. Heinrich Br o d y, sowie eine, interessante Geschichte „V e r g e ch e n tut d v er ge s s e n" von Babette F r i e d und eine Erzählung „D a s f iiii f t'e G e b o t" von Oskar S t e i n enthält. Ans dem Inhalte des Jahrbuches seien ferner hervorgehoben^ der Geschäftskalender, der den Spielplau der neuen österreichischem K l a s s e n lott e r i e enthält, der reichhaltige Synagogenkalender mitden Konfirmationstabellen, das Verzeichnis der Messen und Jahrmärkte, der Händelsteil, ein Verzeichnis jüdischer Hotels und Restaurants von Oesterreich, Ungarn, Deutschland, Italien, der Schweiz nsw, Dem Kalender sind die B i l duisse des Prager Oberrabiners Dr. Brody und Doktor Bendieners, sowie als Titelbild das Porträt Jakob Brandeis beigegeben. So darf mit Recht vorausgesetzt.werden, daß der weitverbreitete und beliebte „Brandeis-Kalender" sich auch in diesem Jahre neue Freunde erwerben wird.

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