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Die Wahrheit · 1913-09-26 · Heft 38 (26.9.1913) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 38 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Die Wahrheit Seite A. Nr. 38 Als wir Hochzeit halte». Märchen von Oberkantor Armin Wilkowitsch, Eger. Bim, bim, bim! tönt von den Bergen her das Glocken- .geläute. In friedlicher Rnh liegt das Tal. Es ist Sommer. Im Goldglanze liegt die schöne Welt. Die Erde in grünem ^Kleide schmückt sich mit tausenderlei farbenprächtigen Blumen. Die stolzen Aehren ans dem Kornfelde wiegen bedächtig ihre schweren Häupter, denn Zephyr raunt ihnen ein wundersames 'Märlein ins Ohr, ein Märlein von ihren Vorfahren, die ebendaselbst vom ewigen Glücke träumten, bis der unbarmherzige Sensenmann kam und ihren Träumen ein Ziel setzte . . . Die blauen Kornblumen dazwischen aber, sie trauen dem losen Schwätzer nicht; ruhig, unbeugsam stehen sie da und lugen mit weltfremden Blicken in die schöne, freie Welt hinaus, -fie lauschen -lieber den lieblichen Liedern der gefiederten Sänger und der süße Sang ergötzt ihre kleinen Seelchen. Von den fernen Bergen zieht ein Glockenläuten her: Bim, bim, bim! Leise, ganz leise — man weiß nicht: Sind es wirklich verhallende Glockenklänge, oder nur deren Echo? — -Gleichsam schönen Melodien erfüllen die zarten Glockentöne das Tal. Immer leiser, immer sanfter wird ihr Klang. Bim . . . bim . . . bim! ... . Samuel und Tirza hatten nun den hochstämmigen Urwald -erreicht. Ein harziger Duft und eine labende Kühle bereiteten ihnen einen liebreichen Empfang, und sie lassen sich auf einen bemoosten Hügel nieder. Sie sind sehr müde von dem weiten -Gange und sie müssen tüchtig Rast halten, bis ihr Pnlsschlag den gewohnten Gang wieder erreicht. Ach, der Jahre Last! Wie hat sie ihren Rücken gekrümmt! . . . Und ihre Kinder sind längst in der Seligkeit Reich eiugezogen, ihnen folgten allmählig auch die Sprossen, alle, alle -ruhen bereits auf dem guten Ort. . . . Doch das alte Ehepärchen ilebt noch immer! War es nicht in die himmlischen Matriken -eingetragen? — Vergaß man es wieder heimzurufen? . . . Samuel ltiib. Tirza harren schon die längste Zeit der Erlösung wvn den irdischen Qualen. Der Tod aber kam nicht! Und nun denken die zwei Leutchen schon nicht mehr daran, daß auch sie sterben müssen. Sie sind wieder zu Kindern geworden. Sie denken und handeln, spielen, hupfen und lallen unbeholfenen .Kindern gleich. Seht, jetzt erheben sie sich, klatschen in ihre rnnzligeu. Hohlen Hände, jauchzen auf, gleichsam Kindern und eilen , davon, um sich zu verstecken. „Jetzt! Jetzt!" —quietscht es aus irgend einen Gebüsche her und einer hastet sich ab, den anderen anf- .znfinden. Sie sind betrübt, wenn einer den anderen entbehren soll und jubeln wieder ans, wenn sie sich wiederfinden. Der Versteckte nickt zuweilen in - seinem Schlupfwinkel ein und der Kinder mnß ihn wachrütteln. Heute spielen sie wieder „Hochzeit". Tirza bindet dem Samuel ein weißes Tuch um den Hals — das soll die weiße Bräntigamswüsche markieren — und er steckt ihr eine Weidenrute ins Haar, die die Myrte darstellen sollte. Und sie wechseln ihre Ringel, küssen einander, wie einst, einst — vor vielen, vielen Jahrzehnten, piepen mit zahnlosem Mnnde das Hi addir — das Hochzeitslied — nach einer uralten Weise, dann schreiten sie Arm in Arm durch die bemoosten Waldstege, stolz, feierlich... Die Musik machen die gefiederten Sänger im Walde. Sie haben auch wahrlich die besten und heitersten Lieder heute angestimmt. Und wie sie den Waldsteg entlang lustwandelten, rast eine prunkvolle, vierspännige Eqnipäge vorüber. Der mit Goldtressen geschmückte Kutscher knallte mit der langen Peitsche, daß die Lüfte erzittern; die stolzen, schmucken Rosse bäumen sich und wiehern laut. Ei, wie gefällt dies dem greisen Ehepärchen! Samuel schnalzt mit der Zunge und frägt seine Gefährtin, ob er nicht das Peitschenknallen fein uachahmen könne? Sie bejaht wohlwollend seine Frage. Der hochvermögende Wageninsasse befiehlt dem Kutscher, Halt zu machen, öffnete die Wagentür und grüßte mit einer freundlichen Handbewegungdas Pärchen, welches er minutenlang mit staunenden Blicken vom Köpft, bis zu den Füßen musterte.; Bald aber schließt jer die Tür. wieder, um weiterfahren zu können, bemerk: aber nicht, daß eine Schatulle währenddessen von seinem Sitze aus die Erde hiuausglitt. Kaum ist der Wagen sortgeeilt, bemerkten Samuel und Tirzedie Schatulle. Sie heben sie auf und wollendem Wagen nach- - jagen, allein sie erkennen bald, daß sie ein solches Wettrennen ohne jeglichen Erfolg unternehmen würden und lassen bald davon ab. Als sie nun die Schatulle öffnen, blendet sie der Glanz der vielem vielen blanken Dukaten. Sie schließen schleunigst das Kästchen wieder. Dann nehmen sie es mit sich fort, verbergen es in einen Holunderstrauch und lassen sich auf einen Hügel nieder, um einen Imbiß einznnehmen nnd ausznruhen. Der Edelmann entdeckte zu Hause erst den Verlust des bedeutenden Vermögens. Er läßt ausgerastete Pferde vor den Wagen spannen und fährt zurück, um nach der abhanden gekommenen Schatulle zu suchen. Noch saß das greise Pärchen unfern vom schmalen Waldpfade. Als er hier vorbeifährt, läßt er den Wagen halten und fragt, ob sie nicht ein mit Dukaten gefülltes Kästchen am Wege gefunden hätten? „Ja, ja!" ruft gleichzeitig das Pärchen. „Und wann denn? ' frägt der Herr. „Wann?" — gibt das Pärchen zurück, „als wir Hochzeit hatten!" Der Herr — es war gewiß ein Prinz — lachte hell auf, die lauge Peitsche knallt und bald ist er verschwunden. Langsam gehen Samuel und Tlrze nach Hause. Sie denken gar nicht mehr an den Schatz, der noch immer unter, dem Holunderstrauche versteckt liegt . . . Bis wieder ein ewigjunges Pärchen kommt und ihn hebt. Verzeichnis der HUerüarßeirerr vom 14. bis inklusive 20. September 1913. Isidor Oskar Zitier, Varietedicektor, 60 I. Eleonore Rappaport, Magazineurskind. 3 Monate. Rosa Spitzer. Privatbeamtin, 33 I. Dr.jur. Julius Perlis, Advokaturskandidat 33 I. Bertha Arnold geb. Hornstein, Kaufmannsgattin. 41 I. Eisenhammer. Vertreterskind, 4 Tage. Emil Beer, Börsensensal, 44% I- Leopold Spitzer, gew. Kaufmann, 73 I. Heinrich Hermann, Kaufmann. 60 I. Feiwel Leibrieger, Kiud, 15 I. Martin Defflis, Pflegling, 81 I. Heinrich Schüller, Kassier, 59 I. Bertha Rattner, Ber» schleißerstochrer, 2 I. Harry Schwarz, Herrenschneiderssohn, 3 Wochen. Josefine Marchseld geb. Schnller, Näherin. 60 I. Samuel Altmann, Privatier, 69 I. Salomon Seiner. Branntweinschenker, 40% I. Ludmilla Krall, Geschäftsführersgattin, 35 I. Anna Hilf, Partikuliers, 24 I. Moriz Wasmann, Kaufmann, 70 I. Samuel Etzinger, Handelsangestellrer, 24 I. Moses Rapaport, Privat 80% I. Moses Kruh. Buchhalter, 47 I. Karoline Steinhaus geb. Nosenzwerg. Privat, 84 I. Hermann Kreilsheim, Privatbeamter, 68 I. Margit Roth, Privatbeamtenskiud, 1% I. Bertha Weiß geb. Spitzer, Private, 61% I. Elise Schnhmann geb. Löbel, Kaufmanns» witwe. 62 I. Heinrich Wohlmutb, Händler, 67 I. Leopold Schwarz, Disponent, 70 I. Ester Biene Ropichntz, Schneidermeisterswitwe 69 I. Dr. Siegmund Herzberg-Fränkel. Universitätsprofeffor, 56 I. Simon Oesterreicher. Dienstmann, 37 I. Philipp Bratter, Pflegling. 84% I. Emma Hacker, Private, 57 I. Anstritte ans dem Indentnm. Bayer Gertrude, Private, geb. 6. Juni 1834 in Czernowitz. Wien, VI., Mariahilferstraße 91. Klinger Salomea, Schneiderin, geb. 30. September 1882 in Krakau. Wien, VI., Brückengaffe 9. Schiller Anna. Private, geb. 21. Oktober 1882 in Wien. U., Prater» straße 27. G r ü n feld Alfred, geb. 8. Jänner 1883 in Wien. X., Fernkornzaffe 58. Schönthal Karl, Bürqerschüler. geb. 20. Juni 1899 in Wien. X., Siccardsburggaffe 42. Oesterreich Anton. Privatbeamter, geb. 12. Februar 1875 in Preß» bürg. Wien, IL, Kur^bauergaffe 1. Oesterreich Kurt, geb. 28. Oktober 1906 in Wien. II., Kurzbanerg. 1. Oesterreich Rosa. Privatbeamtensgaliin, geb. 23. Mai 1875 in Lemberg. Wien. II., Kurzbauergaffe 1. Bajda Julia, Opernsäugeriu, geb. 21. Februar 1888 in Wien. VX, Gnmpendorferstraße 34. Aspis Ludwig. Oberrevident der k. k. österr. Staatsbahnen, geb. 25. Mai. 1851 in Czernowitz. Wien .VI., Esterhazygaffe 18 a.

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