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Die Wahrheit · 1913-09-19 · Heft 37 (19.9.1913) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 37 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 37. mehr gewirkt als die schönsten Leistungen der anderen Kandidaten. Sie werden vielleicht darüber lachen, aber es ist doch so; denn wie Herr GersonKralowitzky in der Gemeindestnbe, so führt Frau Ester Kralowitzky das Regiment im Hause. So sehr sich der Herr Präses Ansehen und Respekt in der Gemeinde zu verschaffen versteht, so klein und machtlos steht er seiner Herrin gegenüber. Es unterliegt daher gar keinem Zweifel, daß lein anderer als I. Sch. unser religiöses Oberhaupt sein wirdi Dieser gute Mann glaubt, die Hauptaufgabe des Rabbiners der modernen Zeit bestehe darin, daß er unausgesetzt das moderne Judentum samt und sonders verurteile, ohne zu bedenken, daß auch das Judentum früherer Zeiten nebst seinen Lichtauch Schattenseiten hatte. Aber was nützt das alles, der Manu hat einen mächtigen Protektor gefunden und dagegen läßt sich nichts macken. Ich bin fest überzeugt, daß alle Ihre Bemühungen und Anstrengungen — besäßen Sie auch die Gelehrsamkeit eines Moses, die Rednergabe eines Jesaias und das Dichtertalent eines Psalmisten — fruchtlos bleiben würden. Meiner nnmaßgebenden Ansicht nach würden Sie klug handeln, wenn Sie noch heute dem Präses mündlich oder schriftlich anzeigen möchten, daß Sie sich entschlossen haben, Ihr Kompetenzgesnch znrückznziehen und mit dem nächsten Zuge abznreisen. Sie würden sich ans diese Weise ehrenvoll aus der Affaire ziehen, ohne sich vom Vorstände bekörben zu lassen, sondern umgekehrt. — Diesen wohlmeinenden Rat erteile ich Ihnen im- Vertrauen. und zwar in Ihrem Interesse." „Ich danke Ihnen herzlichst." erwiderte Dr. Felsenstein, „für Ihren gewiß gutmeinenden Rat, von dem ich insofern Notiz nehmen will, daß ich auf diesen Posten überhaupt nicht mehr reflektieren werde, allein vor Samstag unternehme ich in dieser Angelegenheit keinen Schritt mehr. Wenn der Präses der hiesigen Gemeinde glaubt, sich aus mir einen guten Tag machen zu können, täuscht er sich sehr. — Ich bleibe über Schabbos hier, werde meinen Probevortrag abhallen und in demselben zugleich dem Auditorium zu verstehen geben, daß ich aus sehr triftigen Gründen mich veranlaßt sehe, mein Kompetenzgesuch zurückzuziehen und mit Sabbathansgang meine Rückreise anzntreten. Dies teile ich Ihnen im Vertrauen mit. Ich werde Sie nicht verraten und Sie doch gewiß mich auch nicht." Am nächsten Samstag (12's) hielt Dr. Felsenstein beim Musfaphgottesdienste seinen Probevortrag in Gegenwart der ganzen Gemeinde. Alles war sehr gespannt aus diese Predigt, obwohl es ein offenes Geheimnis war, daß kein anderer als der Protegee des Präses den Rabbinatssitz in de. einnehmen werde. Der Inhalt dieser Rede war folgender: (Fortsetzung folgt.) Uerschiedene Uachrichleu Wien. (I s r a e l i t i sich er Tempel- und Sch u lvereru Wien. YL, Stumpergasse Nr. 42.) Sonntag, den 21. September d. I. nana u öV 6 Uhr abends, wird Herr Rabbiner Moritz F t e s ch in unserem Bereinsbechause seine Antrittsrede halten. Wie». Am Dienstag, den 23. September l. I.- um 8 Uhr abends, - findet im Saale des Jüdischen Schulvereines Favoriten, X., Hasengasse 7, der IL Vortragsabend statt. Thema: Wir jüdischen Turner nach dem XL Ziouistenkongreß. Referent: Herr med. Adolf Taglicht. Eintritt frei. Gäste herzlich willkommen! Wien. (Priv. R e l i g i o u s s ch u l e der Adaß I i s r o e l.) Der Unterricht au nnserer Lehranstalt für Knaben und Mädchen beginnt am 21. September, 8 Uhr früh. Die Einschreibungen finden statt : Sonntag von 8 Uhr früh bis 1 Uhr mittags, Mittwoch von 2—6 Uhr nachmittags. Die Schule befindet sich im Gebäude der Talmud Thora, IL, Malzgasfe 16. Im Jnterssse der Schüler und des Unterrichtes ersuchen wir um rechtzeitige Anmeldung. Prag. Herr Professor Dr. Samuel Stein herz wurde zum Dekan der philosophischen Fakultät der deutschen Universität in Prag gewählt. Prag. Am 5. d. M. starb hier, 72 Jahre alt, Profesior Dr. Nathan Grün und wurde am 7.unter zahlreicher Beteiligung zu Grabe getragen. Grün, der auch außerhalb Prags in wissenschaftlichen Kreisen bekannt war, ist zu Ansdorf im Zipfer Komitat geboren worden. Er lernte auf verschiedenen Jeschibas, zuletzt in Preßburg, wo er auch die Gymnasialstudien machte. Er bezog dann die Wiener Universität und erwarb an der Universität Rostok das Doktordiplom. Hierauf wurde er als Leiter der jüdischeil Volksschule in Lipto St. Miklosch (Ungarn), an welcher auch der nachmalige bekannte Prediger in Lemberg, Löwenstei u, gewirkt hatte. berufen. Von dort kam-er im Jahre 1872, pls Religionslehrer nach Prag-- wo er an mehreren Lehranstalten nuterrichtete und zugleich Bibliothekar' der israelitischen Gemeiudebibliöthel ° war.' Zülveilen predigte er auch in verschiedenen Synagogen und hielt fast'jedes'Jahr einen Vortrag int Verein „Afike Jehuda"^ Seine in diesemj Vereine gehaltenen Vorträge waren gewöhnlich sehr gut besucht und erfreuten sich, da ihr gediegener' Inhalt auch mit. humorvollen Bemerkungen gewürzt war, großen Bei-^- falles. Sie hatten meist Geschichtliches ans der altehrwürdigen Präger Judeügrmeinde zum Gegenstände. Auf diesem Gebiete verfaßte er äucheinige Schriften und überdies auch ein in Böhmen vielverbreitetes Lehrbuch für israelitische Religion an Volks- und Bürgerschulen. Grün . war in Prag trotz seiner Offenheit und Geradheit, seiner Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit, die keine Heuchelei und Schmeichelei kannte, sehr populär' und geachtet. Die Zahl seiner Schüler und Schülerinnen geht, iii dir Tausende, da er durch mehr als 40 Jahre tätig war und wahrscheinlich auchin dem beginnenden Schuljahre noch weiter unterrichtet hätte, Hätte nicht der Tod mit eiuemmale dem unermüdlichen, verdienstvollen Schnlmanne ein „Halt!" zugerufen. Herr Oberrabbmer Dr. H. Brodi und Grüns- Nachfolger als Neligionslehrer am Allstädter Realgymnasium, Professor'. Dr. Hugo Lieben, hielten ihm wohlverdiente Nachrufe: Jedenfalls bedeutet sein Heimgang einen schweren Verlust für die Prager Gemeinde^ da Grün unbestritten in der vordersten Reihe der nicht großen Schar' jüdischer Gelehrter in Prag stand. ,-,'2'2£'3'n St.. , Szenitz. (Lehr e r j u b i l ä n ui.) Im festlich dekorierten großen. Hofranme der israelitischen Volksschule zu Szenicze hat am 7. d. M. nachmittags 3 Uhr die vom Schulstuhle veranstaltete Jnbilänmsfeier anläßlichder 25jährigen verdienstvollen Wirksamkeit des Direktors Moritz Deutschunter ungemein großer Beteiligung stattgefunden. Zu dieser Feier haben sich die gewesenen Schüler und Schülerinnen zahlreich eingefunden und begabensich dieselben korporativ auf den Festplatz, woselbst schon die Gemeiudemitglieder mit dem Präses Hermann Deutsch, die Ortsvorstehnug mit dem Richter M a t s ch e k, die Lehrkörper der verschiedenen Staats- und konfessionellen Schulen und sehr zahlreiche Honoratioren unserer Stadt versammelt waren. Punkt 3 Uhr begrüßte der Schulpräses Schlesinger' Arthur die Festgäste und designierte die Deputation, bestehend ans den Damen Fran Dr. Grüufeld S. n. Frau Dr. K e n e d i und den Herren Dr. K e n e d i. C. u. Dr. G e r b e r Adolf zur Abholung des Jubilars. Mit dem Absingen der „Hymne" begann die Feier, worauf' namens der Knltnsgemeiude Herr Rabbiner Marmor stein den Jubilar begrüßte und in'beredten Worten sein Wirken in anerkennendster" Weise schilderte. Hierauf erfolgte die Begrüßung des Schulpräjes Arthur Schlesinger, der im Laufe seines Gespräches die herabgelaugten Anerkennungs- und Begrüßungsschreiben des Komitats-Schulinspektors Herrn Dr. von Lörinczy ultd des Israelitischen Landelehrervereiues verlesen ließ und schließlich dem Jubilar das Geschenk seiner Verehrer und gewesenen Schüler, bestehend ans einem Sparkassabuche über X 1000 und einer 100-Kronenreute, überreichte. Dann sprachen im Namen der gewesenen Schüler in recht herzlichen Worten Herr Professor Doktor A. M a r m o r st e i n aus London, Herr Dr. K e n e d i Coruel und Frau Dr> M. Roth aus Miava und für die gegenwärtigen. Schüler Mariska- Schlesinger. Namens des israelititischen Frauenvereines sprach Frau Dr. G r ü n f e l d Siegmuudi Herr Dechantpfarrer Josef von Balazsy» begrüßte auch den Jubilar mit einer inniger Ansprache. Der Jubilar dankte für die vielen Ehrenbezugungeu und versprach, auch fürder in demselben Geiste zur Ehre unserer Religion, des Vaterlandes und der Jugenderziehung wirken zu wollen. Nach Äbsiugung des „Szozät" und Begrüßung der anwesenden Körperschaften schloß die schöne Feier und erhielt der Jubilar noch viele wertvolle Geschenke. Jüdische Bühne. Direktion M.-Siegler. „Hotel Stefanie" II., Taborstraße 12. Ab Freitag, den 19. September täglich: D i e Weiber, Operette in 4 Aufzügen von A. S ch o r r. Sonntag, den 21. September nachmittags halb 4 Uhr bei halben Preisen: Der' ©e)erte irr, Operette von I. L a t a i n e r. Ab Dienstag, den 23. September Novität: Das M ä d e l v o n d e r W e st oder Die Amerikanerin, Komische Operette von A. Scharr. In Vorbereitung: J.L.- P e r e tz's „D i e d r e i M a tu u e s". Musik von Ch. W o l s s t h a l Allabendlich Herr Ch. W o l f s t h a l am Violincello: Kol Nidre. Gratulationen anläßlich des ttf&O - Festes zugunsten des Oesterr.-ungar. Kantören-Bereines. "Wir laden unsere geehrten Abonnenten und Leser ein, ihre Nenjahrsgratnlationen durch eine Anzeige in der „Wahrheit" au Stelle der direkten Gratulationen per Post erftattem zu wollen und mit der Erfüllung einer Formalität gleichzeilig, ein gutes Werk zu fördern. Die Einschaltung der Nenjahrsgratnlationen erfolgt in der dem L,v8o1i-1r8.8ollairS'1i-Feste vorhergehenden Nummer unseres- Blattes vom 26. September l. I. g e g e n E i n s e n d n n g. e i n e r S p e n d e v o n m i n d e st e il s L 3.— z u g il n st e n de s Wi tw e nlt-n d Waisenfo n des des.Öesterr.-ungar.- Kantoren-Vereines. Letzter Termin für die Einsendung der An-- zeigen: 23. September 1913.

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