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Die Wahrheit · 1913-09-12 · Heft 36 (12.9.1913) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 36 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Serie 9. Nr. 36. Die Wahrheit worden und seit zehn Jahren aktionsfähig. Sie hat ihren Weg nur Unter großen Schwierigkeiten machen können, denn sie ist die einzig wirkliche Volksbank der Welt und hat mehr als 150.000 Aktionäre. Ihre Hanptgrnndnng ist die Angko Palestina Company, die Zionistische Palästinabank, die an der gesunden Entwicklung des jüdischen Elements Palästinas den größten Anteil hat und heute einen der größten wirtschaftlichen Machtfäktoren des Landes ist. Außerdem hat sie die Anglo Levantiue Banking Co. in Konstantinopel eingerichtet. Die Indische Kolonialbank ist das wichtigste Kreditinstitut der zionistischen Institutionen geworden. Die Bank mit ihren Töchlerinstimteu hat über.10 Millionen Depositen. Das arbeitende Kapital der Bank verzinst sich mit 8.1 Prozent, natürlich leidet die Entwicklung des Mntterinstitutes darunter, daß der weitaus größere Teil ihres Kapitals zur Errichtnng ihres Tochterinstituts gegeben wurde, das seit Jahren' 372 bis 43/4 Prozent Dividende verteile. Wenn auch die Fortschritte der Jüdischen Kolonialbank nur langsam vönstatten gehen,' so kann mau doch eine andauernde Entwicklung nach vorwärts konstatieren. Insbesondere wird die Anglo Palestine Land Cy. immer mehr der Träger der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas und einer der Hauptfaktoreu zionistischer Palästinapolitik. Durch ihre Förderungen der Genossenschaften ans Gegenseitigkeit hat sie sich ein außerordentliches Verdienst um die wirtschaftliche Hebung des Landes erworben und dabei bisher säst keine Verluste gehabt. Unter Beifall verkündete Präsident D. W o l s f s o h n, daß für die jüdische Unversität in Palästina, trotzdem noch nicht einmal noch Vorbereitungen für die Agitation zu derselben eingeleitet wurden, 400.000 .Francs gezeichnet wurden. » * Spät nachts wurde der Kongreß geschlossen. Im Anschluß an die Bankdebatte stellte Boris Goldberg namens der Palästiuakommission eine Reihe von Anträgen, insbesondere die Forderung an die wirtschaftlich gut gestellten Zionisten, Palästina ans eigener Anschauung kennen zu lernen, und die U e b e r s i e d l n n g n a ch P a l ä st i n a ins' Auge zu fassen, sowie den Ausbau' der bestehenden Palästina-Jnformationsbnreanx zu überwachen. Die Anträge wurden der Leitung zur Berücksichtigung und Durchführung empfohlen. Ehrenreich (Newyor!) ist gegen die Errichtung einer Universität, weil die Aufgabe so groß wäre, daß sie die ganzen Kräfte der Bewegung in Anspruch nehmen würde, desgleichen A h r o n o w i t s ch, weil die dort ansgebildeten Studenten keine Möglichkeit hätten, sich in Palästina zu betätigen. Dr. Heinrich Löwe (Berlin). spricht in warmen Worten für die russische Jagend,' der die Bildungsmöglichkeiten immer mehr gesperrt werden und der die Möglichkeit zur Ansbildltng gegeben werden solle. Es sei falsch, zu glauben, daß eine Universität die Kolonisationsarbeit in Palästina gewissermaßen als Dach krönen müßte, sie wäre vielmehr der Grundstein. Eine Universität in Jerusalem würde nicht nur für Palästina, sondern für das gesamte Jndentnm der Diaspora außerordentlich viel bedeuten. Die Befürchtungen, daß die Unterrichtssprache an der Universität große Schwierigkeiten bereiten würde, seien grundlos. Nach kurzer Zeit würde die hebräische Sprache eingeführt sein, und von den durch die Universität ausgebildeten Studenten würde eine Hebräisierung des Golnsjndentnms ansgehen. Redner bittet dann in warmen Worten, die Jüdische Nationalbibliothek in Jerusalem, die der Universität große Dienste leisten würde, tatkräftig zu fördern. Hierauf wurde folgender Antrag angenommen: „Der Kongreß beschließt, das engere Aktionskomitee anfzufordern, eine Kommission einznsetzen znm Zwecke der Vorbereitung der Gründung einer U n i v e r s i t ä t in I e r u s a l e m. Nach Erledigung mehrerer formaler Angelegenheiten schritt dann Präsident D. Wolffsohn (Köln) znm Schluß des Kongresses. Ec würdigte die Ergebnisse der Tagung und dankte allen. Faktoren, die an dem schönen Gelingen des Kongresses beteiligt gewesen. Der Wiener Kongreß habe die zionistische Bewegung tun ein gutes Stück nach vorwärts gebracht. Mit einem Hoch auf den Zionismus schloß ' der Präsident den Kongreß. ______ Indischer Patriotismus. Bon dem ersten jüdischen Soldaten, der in der österreichischen Armee gedient, wird folgendes, nicht uninteressantes Histörchen (W. Mitteil. 1859) erzählt: Es gab eine Zeit i» Oesterreich, in der eine große Frage alle Gemüter bewegte, die Frage war die Emanzipation der Inden. Kaiser Joses H. hatte für die Protestanten Ungarns ein Toleranzpatent erlassen. Der Monarch, der eine so schwerwiegende Tatsache vollbracht, konnte, das fühlte man allgemein, die Jndenfrage nicht vertagen, mit jedem Tage erwartete man eine allerhöchste Entscheidung. Jeder glaubte, den Gedanken des Kaisers erraten zu können, daher debattierte man allenthalben über diese Angelegenheit. Am hitzigsten wurde die Frage im „Hügelmanischen Kaffeehause" nächst der Schlagbrücke in der Leopoldstadt erörtert, woselbst viele Juden znsammenznkommen pflegten. Das „Wienerische Diarium", ein Zeiinngsblalt, das dazumal zweimal in der Woche erschien, wurde daselbst vorgeleseu und der Freimut, mit welchem es die Toleranzsrage erörterte, machte dort einen angenehmen Eindruck. Es war kein Geheimnis, daß Herr von Sonnenfels, ein erlauchter Staatsmann, der von jüdischen Eltern abstammte,, ins „Diarium" schrieb, und man glaubte allgemein, daß dieser ausgezeichnete Rechtslehrer an der Wiener Fakultät, der mit der Abfassung des Jnden-Toleranzgesetzes betraut war, dem Publikum in diesem Blatte Andeutungen über den Geist des zu erwartenden Patentes machen wolle. Eines Tages befand sich in der Gesellschaft beim Hngelmann ein Herr, der sich dem Wettstreit sehr lebhaft anschloß und als wahrer Verteidiger der Juden sich zu erkennen gab. Dieser Herr war allen Anwesenden fremd, doch hatten ihn diese bald liebgewonneu, denn derselbe sprach mit Ueberzeugung, Wärme und Einfachheit und hatte ein sehr gutmütiges, edles Aenßeres. „Sie sollte der Kaiser reden hören," sagte ein Gast zu dem Fremden, „er würde eine Freude an ihnen haben. Sie sind so gescheit, daß Sie Minister sein könnten." Der fremde Herr lächelte ltitb ließ sich nicht stören. Da trat ein alter Jude mit schneeweißem Bart ans den Redner zu und fragte ihn, ob er ihm nicht behilflich sein könne, beim Kaiser eine Audienz zn erlangen. „Das ist sehr leicht", erwiderte der Fremde. „Sie brauchen nur in den Kontrollorgang zn gehen, woselbst der Kaiser täglich Audienzen erteilt. Sie werden bei ihm sicherlich ein geneigtes Ohr finden." „Möchten Sie mich nicht dahin begleiten?" fragte der Jude, „ich zahle Ihnen fünf Gulden. Ich kann nicht gnt die Worte stellen, kvnme leicht in Verlegenheit, wohingegen Sie der Rede mächtig sind." Der fremde Herr zeigte sich bereit, dem Juden diesen Liebesdienst zn erweisen, unter der Voraussetzung, daß dieser ihm zuvor von der Sache die geeignete Mitteilung mache. Der Jude war natürlich sofort bereit nnd erzählte seine Geschichte: „Ich heiße Schimon und lebe in Brandeis bei Prag. Gott hat mich gesegnet mit Allem, ich bin reich und im Gesetze bewandert, nur einen Wunsch versagte mir Gott, meine Frau, die ich liebe, gab mir keine Erben. Da tat ich das Gelübde zu Gott, daß, wenn er mir männliche Erben schenken würde, ich meinen ältesten Sohn, wie einst der Patriarch Abraham, ihm weihen wollte. Gott erhörte mein Gebet, schenkte mir vier Söhne. Al» mein ältester Sohn, den ich Jsak nannte, achtzehn Jahre alt war, da dachte ich daran, mein Versprechen einzulösen. Ich begab mich nach Prag zum Rabbi Ezechiel und brachte ihm mein Anliegen vor. Dieser sprach: Wenn du ein Gelübde getan, so mußt du es auch halten, gehe daher zur Behörde, übergib ihr deinen Sohn, daß sie mit ihm anfaugen solle, was ihr gefällt. Dein Sohn soll Soldat werden." „Hierauf begab ich mich", fuhr der Greis zu erzählen fort, „zum Stadthanptmann und wollte ihm meinen Sohn übergeben, daß er dem Kaiser dienen möge als Soldat, der wies mich aber von sich, da es dem Inden nicht gestattet sei, unter den kaiserlichen Soldaten zu dienen. Das betrübte mich sehr, ich tveinte, betete und flehte zu Gott, er.möge mir das Herz erleichtern. Da erschien mir ein höheres Wesen im Traume nnd sprach zu mir: „Schimon, mach' dich ans und gehe nach Wien, ich werde dich geleiten und werde dir zeigen den Weg,

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