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Die Wahrheit · 1913-09-12 · Heft 36 (12.9.1913) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 36 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Serie 8. . . .. . Die Wahrheit . ... ...... Nr. 36. wurde einstimmig angenommen. Das Resultat dieser Abstimmung, das ein überraschendes war, wurde mit stürmischem, minutenlangem Beifall ausgenommen. In der Nachmittagssitzung erstattete Justizrat Doktor Bodenhe i m e r (Köln) den Tätigkeitsbericht des jüdischen Nationalfouds. Er führte aus: Auch in der letzten Kongreßperiode ist der Nationalfouds wiederum gewachsen. Der gegenwärtige Stand des Vermögens beträgt vier Millionen Kronen. Wenn der Nationalfonds aber seinen großen Aufgaben einigermaßen gerecht werden will, müssen die Einnahmen verdoppelt werden. Zum Zwecke der Vermehrung der ständigen Spenden habe man sich insbesondere den Ausbau der Sammelmittel angelegen sein lassen. Nach den bestehenden türkischen Gesetzen ist der Nationalfonds wohl in der Lage, durch Vermittlung vertrauenswürdiger Personen sich Rechte zu schaffen, die für den Besitz des käuflich erworbenen Bodens für die Zukunft einigermaßen Gewähr leisten. Ein gesetzliches Eigentumsrecht auf den Grund und Boden besitzt der Nationalfonds aber nicht. Daraus erklärt es sich, daß in den verflossenen Perioden der Nationalfonds sich nicht mit der Kolonisation im großen Stil befaßt hat. Wir haben uns mit dem Ausbau einiger Farmen in Ben-Schemen und Hulda der Arbeitergenossenschaft in Dagania, der Siedlungsgenostenschaft in Merchawja usw. gewidmet. Ferner haben wir die Erbauung von Arbeiterheimstätten in die Hand genommen. Das Direktorium des Nationalfonds hat für die zwei ersten Sitzungen einen Betrag von 10.000 Francs für die Errichtung von Jemenitenhäusern zur Verfügung gestellt. Redner schloß unter lebhaftem Beifall mit einem energischen Appell an alle Zionisten, in ihrer Sammeltätigkeit nicht zu erlahmen und mit der größten Opserwilligkeit die Organisation anszubauen, die dazu führen soll, Palästina zu einem blühenden Garten für das jüdische Volk zu machen. Samstag, den 6. September. Während des Tages hielt der Kongreß keine Sitzungen ab und' ein großer Teil der Kongreßbesucher nahm an den Gottesdiensten teil, die in den Wiener Tempeln und Bethänsern mit besonderer Solennität abgehalten wurden. Um die rückständigen Arbeiten zu bewältigen, wurde eine Nachtsitznug abgehalten. Als erster Redner sprach Dr. Ruppin (Jaffa), der Vorsitzende des Zionistischen Palästiuaamtes. In seinem Referat setzte er. die Grnndzüge der zionistischerrTPalästinaarbeit auseinander. Er betonte,-aß es bei der kolonisatorischen Arbeit der Zionisten in Palästina keineswegs daraus ankomme, schnelle Erfolge zu erzielen. Die Arbeit dürfe nicht nach dem Begriff der Rentabilität, sondern nach ihrem Ewigkeitswerte hin beurteilt werden. Nur unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, erhalte, die zionistische Palästinaarbeit ihre richtige Bedeutung. In der Debatte sprach zuerst Davis Tri et sch (Berlin). Er betonte den ausgezeichneten Eindruck des Referates Doktor Ruppins, wie auch des Tätigkeitsberichtes. Was die jetzige Leitung heute in Palästina mache, sei einwandfrei. Lebhaft b.edauern aber müßte er. daß viel zu wenig geschehe. Das Palästinaamt habe sich ein Monopol auf die Palästinaarbeit verschafft und dadurch würden eine Unmenge der besten Projekte nicht ansgeführt, weil das Amt selbst auf die Fülle dieser Aufgaben nicht vorbereitet sei. - Der nächste Redner I. H. Kann (Haag), einer der schärfsten Kritiker der zionistischen Palästinaarbeit innerhalb des zionistischen Lagers selbst, wandte sich gegen die Behauptung, daß er und seine Freunde Gegner der praktischen Palästinaarbeit seien. Sie wünschen diese Arbeit, aber sie sind mit den Methoden der jetzigen Arbeitsführuug nicht einverstanden. Redner sieht das prinzipiell Verkehrte' dieser Arbeitsweise in der Neigung znr Unterstützung, zum allzuschnellen Zngreifen, zur Vielgründung. Die Gelder des Nationalfond e s seien über die zulässige Grenze hinaus in Palästina investi-ert, so, daß wenn wirklich einmal eine große Gelegenheit zum Bodenkauf sich e-rgebe, der Nationalfouds nicht'daran schreiten könne. Die Leitung versuche, das Unerfreuliche dieses Zustandes zu verschleiern und, das sei unrecht. Dr. Schnarja Lev in (Haifa), einer der Propagandisten , der palästinensischen Arbeit antwortete diesem Redner. Wenn das jüdische Volk in Palästina Einfluß gewinnen wolle, so müsse es rückhaltlos und ohne erst in lange eingehende Berechnungen einzntreten, alle sich bietenden Gelegenheiten ergreifen. Hierauf wurde znr Wahl der Pa l ü st i n a k o m m i s s i o n, die aus ungefähr 40 Mitgliedern besteht,' geschritten. Die Sitzung wurde spät nachts abgebrochen und auf . Montag vertagt. * * ■ * Der Son n t a g war mehreren festlichen Veranstaltungen gewidmet. Vormittags besuchten die Kongreßteilnehmer das Grab Dr., Theodor Herzls am Döblinger Friedhof. Ungefähr 10.000 Personen haben sich an dem Gang beteiligt. Der Aufmarsch erfolgte in Dreierreihen nitb währte über 1^ Stunden. ' Nachmittags fand auf dem Sportplatz „Hohe Warte" ein großes, zionistisches Turnfest statt, das einen glänzenden Verlauf nahm. Abends fand ein Konzert statt. Montag, den 8. September. Die P a l ästiu a d e b a tt e währte den ganzen Tag und gestaltete sich ffehr lebhaft. Nach fast zwölfstündiger Dauersitzung hielt Referent Dr. Ruppin das Schlußwort, woraus namens der Palästinäkommission Dr. H alpern folgenden Antrag einbrachte: „Der Kongreß billigt die. vom engeren Aktionskomitee, dem Nationalfouds und dem Palästinaamte geleistete Kolomsationsarbeit und fordert deren Fortsetzung und Ausbreitung - auf Grundlage der bisherigen Prinzipien." Die Sitzung wurde hierauf auf 1% Stunden unterbrochen. ' Nach Wiederaufnahme der Sitznug sprach Professor Dr. W e i z m.ii ii n (Manchester) über die Gründung einer jüdischen Universität in Palästina. Es sei an der-'Zeit, ernste Vorbereitungen zu treffen, und dann, wenn die'Frage geklärt sei, mit der Agitation und der Sammlung von-Fonds zu beginnen. Die Beratungen währten bis in die Morgenstunden. . r - Dienstag, den 9. September. Dr. Bendersky (Kiew), einer der Initiatoren der Universität, gab einen Ueberblick über die Budgets der Universitäten iii' den .verschiedensten Ländern und kam-'auf Grund derselben zu dem Schluß, daß die Gründung einer Universität in ^Jerusalem unbedingt notwendig sei. Eine Reihe bedeutender jüdischer Gelehrter, mit denen er Rnckiprache genommen habe, hätten sich zur Förderung der Sache schon zur Verfügung gestellt. Für das Zustandekommen der Universität müssen auch alle diejenigen eintreten, dse die wachsende Tanfbewegnng> insbesondere in Rußland,, mit Unruhe verfolgen. Die Errichtung einer Hochschule .in. Palästina sei. nicht nur praktisch von höchstem Bedentnng, sondern auch ein politischer Akt von größter Notwendigkeit. Rabbiner Reines (Ciffa) übt Kritik an dem hebräischen Gymnasium in Jaffa und insbesondere an dem dort gepflegten^ System der Koedukation, die er als dem jüdischen Geiste wider? sprechend bezeichnet. (Widerspruch.) Dr. Klausner (Berlin) betonte, daß alle großen Bewegungen und Gedanken durch Studenten verbreitet werden und daß die Gründung einer. Universität in Jerusalem" daher für die Ausbreitung des nationalen Gedankens durch die an ihr äusgebildeten Studenten außerordentlich viel leisten könnte. Auch die ökonomischen Vorteile, die der Bevölkerung Jerusalems durch das Zustandekommen der Universilät erwachsen würden, seien nicht zu unterschätzen, wenn man bedenke, was in dieser Hinsicht durch das hebräische Gymnasium in Jaffa , erzielt worden sei. Erst wenn jüdische Gelehrte an einer jüdischen Universität lehren würden, würde die Welt erfahren, welche Ewigkeitswerte die jüdische Kultur hervorgebrachl habe. Der Präsident der Jüdischen Kolonialbank. Herr Doktor N Katzenelsohn (Liban) erstattete sodann den Baukbericht. Die Jüdische Kolonialbauk ist vor fünfzehn Jahren gegründet

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