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Die Wahrheit · 1913-09-12 · Heft 36 (12.9.1913) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 36 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 36 Die Wahrheit Sette 7. Mesolutiou, in der es heißt: „Der XI. Zionisteitkongreß hebt ''die politische, volkstümliche Grundlage des Zionismus hervor, die Gegenwartsarbeit wird betont, und dem engeren Aktionskomitee das Vertrauen ausgesprochen." Dann gelangte, mit minutenlangem Beifall begrüßt, Generalredner Dr. T s ch e l n o w zum Wort. Er begann damit, 'daß er . seine uneingeschränkte Zufriedenheit mit den Leistungen der gegenwärtigen Leitung zum Ausdrucke brachte. Sie habe -Ersprießliches geleistet und alle in sie gesetzten Erwartungen .glänzend erfüllt. Der frühere Präsident der zionistischen Organisation, David W o l f f s o h u, führte unter teilweise heftigem Widerspruch, .-anderseits Beifallskundgebungen ans: Es fällt mir außerordentlich schwer, hier an meinen Nachfolgern Kritik zu üben, and ich hätte es nicht getan, wenn ich nicht durch die Forderung, der Leitung die Bank in die Hand zu geben, hiezu gezwungen worden wäre. Im Moment, wo die gegenwärtige Leitung an die Spitze der Organisation trat, durfte sie nicht Männer wie N o r d a u und Marmore! verhindern, am Kongresse zu erscheinen. Redner führt ans, wie schwer es -gewesen sei, die zionistischen Bankinstitute ins Leben zu rufen, und welche unendliche Mühe es gekostet habe, ihnen das Ver- -tranen des Publikums zu verschaffen. Dieses Vertrauen basierte -darauf, daß die Banken bankmäßig geleitet würden. Die ^Leitung verlange die Aendern n g in der Zusammensetzung -des Anfsichtsrates der Bank nicht etwa aus geschäftlichen -Gründen, sondern ausschließlich ans P a r t e i r ü ck s i ch t e n. -^Großer Lärm. Widerspruch und Schlnßrnfe.) Eine nach parteimäßigen Grundsätzen geleitete Bank verliere aber sofort das Vertrauen aller Geldgeber, und wir warnen daher dringend den Anträgen der Leitung stattzngeben. (Lärm und Beifall.) Die Leitung sei gegenwärtig bereits hinreichend in den Bankworständen vertreten, und es sei nicht nur übersiüssig, eine Aendernng eintreten zu lassen, sondern eine Gefahr für die Banken und die Bewegung. Er jedenfalls und seine Freunde könnten und würden eine derartige Politik mitmachen. Der Hamburger Kongreß sei ein Friedenskongreß geworden, weil man sich auf der jetzigen Grundlage geeinigt hat. Der Wiener K o n g r e ß würde ein U n f r i e d e u s k o n g r e ß werden, wenn man den Anträgen der Leitung entspräche-und er ersuche, sie samt und sonders, abzulehuen. Unter der großen Erregung, die die Rede Wolffsohns -nnslöste, wurde die Sitzung geschlossen. * * * An den K a i s e r wurde zu Beginn der Sitzung unter stürmischem Beifall der Versammlung folgendes Huldigungsielegramm gesandt: „Der in diesen Tagen in Eurer Majestät Meichshaupt- und Residenzstadt Wien tagende Elfte Zionistenkongreß, an welchem-über 500 Delegierte der zionistischen -Organisationen aus allen Weltteilen teilnehmen, bringt Eurer Majestät feine ehrfurchtsvollste Huldigung dar. Wir denken dabei dankbar des väterlichen Wohlwollens, das Eure Majestät wie allen anderen Nationalitäten auch den jüdischen Untertanen Eurer Majestät stets entgegeugebracht hat." Darauf war an den Kongreß folgende Antwortdepesche eingelangt: „Se. k. k. Apostolische Majestät danken allerguädigst für 'die im Namen des Elften Zionistenkongresses dargebrachte .Huldigung". F r e i t a g, d e u 5. September. Zunächst ergriff Delegierter Zer er aus Aegypten das Wort. Er überbrachte die Grüße der ägyptischen Zionisten und führte ans, daß die Bewegung in der letzten Zeit in Aegypten dank der von Palästina ausgehenden Wirkung große Fortschritte -gl zeitigt habe. Er empfiehlt der Leitung, Aegypten besondere Aufmerksamkeit zu schenken, da dieses Land durch die neuen Dichtungen der arabischen Politik von besonderer Bedeutung für die zionistische Bewegung sei. (Beifall.) Die Delegierten Julius Simon und Dr. Emil Marg ul i es unterbreiteten dem Kongreß den Antrag, der Leitung für die geleistete erfolgreiche Arbeit Dank und uneingeschränktes Vertrauen ausznsprechen. Der Kongreß möge beschließen, in Uebereiustimmnng mit den Forderungen der Leitung ihr über die Finanzinstitnte und den jüdischen Nationalfvnds einen entscheidenden Einfluß einznränmeu. L. Motzkin führte ans: Auch ich stehe auf dem Standpunkt, daß man sich' nicht darauf beschränken darf, unsere jetzige Arbeit in Palästina als die Erreichung unseres Zieles zu bezeichnen. Wir dürfen vielmehr nie vergessen, daß mir die gesamte Jndenheit für unsere Bewegung gewinnen müssen. Unsere Leitung hat es leider nicht verstanden, alle Elemente in der Bewegung znsammenzuhalten. Unsere Mahnung an die Leitung, in ihrer Amtsperiode zu vergessen, daß es zwei Parteien gibt, ist leider nicht befolgt worden. Trotzdem stehe ich auf dem Standpunkte, daß wir unserer Leitung volles Vertrauen ausznsprechen haben. In erster Linie weil sie mit einer Intensität, einer Ergebenheit gearbeitet hat, wie wohl noch niemals eine Leitung zuvor. (Beifall.) Unsere Leitung hat es verstanden, die Organisation so gut ausznbauen. daß sie beinahe zu einem Mechanismus geworden ist, die von selbst funktioniert. Ganz besonders zufrieden müffen wir aber mit der politischen Arbeit unserer Leitung sein. Unsere politische Arbeit ist jetzt besser als vor zwei Jahren. Darüber sollten wir uns alle freuen, anch die. die früher in der Leitung waren. Bedauern müssen wir ititr, daß unsere Leitung, aber anch die frühere, Dr. Nord au für die politische Arbeit nicht stärker herangezogeu hat. Besonders wertvoll ist die geleistete Propagaüdaarbeit, insbesondere die Herstellung eines engen Znsammenschlnffes zwischen den einzelnen Landesverbänden und Organisationen. Eine Leitung darf sich nicht darauf beschränken, die Bureaus zu verwalten, sondern muß auch in der Propaganda führend Vorgehen. (Beifall.) Professor Dr. W ei z m a u u (Manchester) bedauert zunächst, daß man den Eindruck gewinnen konnte, daß der gange Zionismus, auf eine Bank frage znsammengeschrnmpft sei. Niemaitd hat das Recht, die Politik der zionistischen Bewegung zu monopolisieren. Wenn hier behauptet worden sei, daß man den Zionismus zu einem Kolonisations- und Knltnrverein degradiert habe, so sei er der Meinung, daß die politische Bedeutung der Bewegung progressiv mit unserer Arbeit in Palästina wachsen würde. Die Ausbildung jüdischer A r b e i t e r sei m ehr w e r t, als alle ö k o n o m i s ch e n V e r l u st e. Wäre Dr. N o r d a u nicht der große Einsiedler aus Paris, so hätte er sich auch nicht vom Kongreß ausgeschlossen. Daraus könne man der Leitung keinen Vorwurf machen. Er beantragt? schließlich, der Leitung Dank und Vertrauen ausznsprechen. Abraham G o l d b e r g (Newyork) stellt. den Antrag, über das V e r t r a n e n s v o t n m und die von der Leitung gestellten Anträge in der B a n k f r a g e getrennt abznstimmen. Sodann erhielt Berichterstatter Dr. Hantle (Berlin) das Schlußwort. Redner gibt seinem Erstaunen darüber Ausdruck, daß die Generaldebatte einen ganz merkwürdigen Charakter angenommen habe. Die Leitung kämpfe nicht gegen Personen, sondern für ein System, das auf dem vorigen Kongreß verheiligt worden sei und das sich dnrch die Arbeit der letzten zwei Jahre als richtig erwiesen habe. Wenn man hier der Leitung vorgeworfen habe, daß sie von einem merkantilen Geist beseelt sei, so könne Redner nur darauf verweisen, daß er und seine Kollegen sehr für die ideale Seite der Bewegung eingetreten seien. Die Hauptfrage des Kongresses sei, ob derselbe die Fortsetzung der Arbeit in denselben Richtlinien wie bisher wünsche oder nicht. Er könne nicht sagen, daß die Leitung mit dem, was erreicht worden sei, zufrieden wäre. Man müsse aber der Leitung zngestehen, daß sie, was sie tnn konnte, getan habe, um diese Verhältnisse zu bessern. (Lebhafter Beifall.) Es kamen hierauf verschiedene Anträge formaler Natur zur Abstimmung. Unter großer Bewegung wurde sodann die Abstimmung über die Vertrauensfrage vorgenommen. Der Antrag der russischen Landsmannschaft, der Leitung das Absolut ori um zu erteilen und ihr zu danken für ihre Tätigkeit auf ökonomischem, organisatorischem und politischem Gebiet,

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