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Die Wahrheit · 1913-09-12 · Heft 36 (12.9.1913) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 36 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 36. finanziellen Verhältnisse des Komitees und kam hiebei zu einem günstigen Schlüsse. (Lebhafter Beifall.) - Präsident Wo lffso h n brachte hierauf den Einlauf zur Verlesung, u. a. ein Telegramm von Nord au, in welchem erden Kongreß herzlichst begrüßt, aber die Leitung der Organisation tadelt, die s i ch v o n d e u I d e e n Herzls immer mehr entfern e. Das Telegramm erregte überaus heftige Kontroversen und. es erhoben sich Stimmen sowohl für als auch gegen die Absendung einer 'Antwortdepesche. Schließlich einigte man sich zu folgender Antwortdepesche: Dr. Max N o r d a u, Cottage du Mar par Annecy Haute Savoye. Der XI. Zionisteukougreß spricht dem Altmeister Doktor Nordau seinen Dank für die au ihn gerichtete Begrüßung aus und hofft zuversichtlich, den Mitbegründer der zionistischen Organisation noch ans vielen Kongressen in seiner Mitte zu haben. Delegierter Adolf Böhm (Wien) sprach seine freudige Zustimmung zu der von der Leitung geleisteten Arbeit aus und wünschte die Schaffung einer wissenschaftlichen Revue. Julius S i m o n (Heidelberg) dankte ebenfalls dem Aktionskomitee für seine Arbeit und wünschte, daß die finanziellen Machtmittel der Bewegung in einen engeren Zusammenhang mit ihr gebracht würden. In der Nachmittagssitzung, die um 4 Uhr begann, erstattete zunächst der Legitimationsausschuß den Bericht über die Prüfung der Mandate, die mit wenigen Ausnahmen anerkannt wurden. Insgesamt sind' 550 Delegierte ans 23 Ländern erschienen. In der Fortführung der Debatte über den Bericht des Aktionskomitees bestritt der Vorsitzende des Direktoriums. der jüdischen Kolonialbank, Dr. Katzelensohn (Liban) die Notwendigkeit der vom Aktionskomitee geforderten engen Vereinigung der Fiuanzinstitnle der Bewegung mit der Parteileitung. Die Annahme eines solchen Beschlusses wäre das größte Unglück für die Bank und für die Leitung. Es habe niemals Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Aufsichtsrate und dem Aktionskomitee gegeben. Differenzen sind nur bei Geldfordernngen entstanden. Mau. brauche dieser Leitung nicht mehr zu geben, als man seinerzeit Herzl anvertraut habe. — Es sprachen U s s i s ch k i n und S. R o s e n b a u m (Minsk) und der Vertreter des zionistischsozialistischen Verbandes Poale-Zion, Dr. R o s e n f e l d. Dieser sieht eine Gefahr in der seiner Meinung nach ungerechtfertigten Identifizierung von hebräischer Bewegung mit Zionismus. Der offizielle Zionismus betrachte die Lage des jüdischen Volkes von einem ganz bestimmten, einseitigen, bürgerlichen Standpunkte und auch die Palästinaarbeit sei von dieser Beeinflussung Nicht frei geblieben. Er und seine Fraktion sehen auch in den Forderungen des Aktionskomitees etwas prinzipiell Berechtigtes, sie müssen aber ihre endgiltige Entscheidung wie auch die Dechargeerteiluug abhängig machen von dem Berichte über die Palästinaarbeit, der noch erstattet werden wird. Dr. M e l am e t h (London) kritisiert in scharfer Weise die Haltung des Kongresses, stieß aber auf lebhaften Widerstand in der Versammlung. Zum Schluffe seiner Ausführungen protestierte er gegen Dr. Nordau und Marmorek, welch letzterer öffentliche Reden gegen. die nunmehrige Vorstehung des Aktionskomitees richteten. Redner führte aus, daß niemand, auch nicht ein Doktor Nordau, öffentlich gegen seine Organisation auftreten dürfe. Donnerstag, den 7. September. In Fortsetzung der Debatte über den Tätigkeitsbericht sprach als erster Redner der Vertreter der zionistischen Arbeiterpartei, Cha sanowi tsch, und führte n. a. aus: Ich beantrage, dem Aktionskomitee das Vertrauensvotum erst dann zu erteilen, wenn wir die Berichte über die Tätigkeit des jüdischen Nationalfonds und der Bank angehört haben. Die neue Leitung hat mehr mit der Stimmung in Palästina gerechnet und mit den realen Bedürfnissen des jüdischen Volkes. Wir haben aber Klage über die Verwendung des Nationalfonds zu führen. So sehr wir die Schaffung von Tel Awiw begrüßen, sind wir doch der Meinung, daß die Gründung eines Stadtviertels der Privatinitiative hätte überlassen bleiben müssen. Der Chefredakteur des .Zentralorganes „Die. Welt",. Richard L i ch t h e i m, wendet sich dann gegen die -von mehreren Seiten vorgebrachte Kritik gegen die Haltung dieses Blattes Dr. Max Nordau gegenüber. Niemand habe die Absicht gehabt, Dr. Max Nordau geringschätzig zu behandeln. (Dazu stehe Nordau zu hoch. (Beifall.) In diesem Falle wäre man vielmehr ausschließlich von politischen Gesichtspunkten ansgegangen, da es eine Unmöglichkeit gewesen wäre, sich mit der antitürkischen, Haltung von Dr. Nordau zu identifizieren. Weiter führte Redner aus: Nur gegen eine Richtung des Judeutumes müsse man sich mit aller Energie wehren. Das ist die neue Idee des sogenannten „Alljndeutumes", eine Idee, die in höchst verwaschener und verschwommener Weise von unzähligen verschiedenen „Judentümern" spricht und einen ganz unberechtigten Kultus des Ostjudentnmes propagiert. Gegen diese Richtung kämpfen wir, denn sie ist gefährlich. Nicht wegen ihrer Bedeutung, sondern weil sie eine Verwässerung des zionistischen Ideals proklamiert. Dr. Leon Reich spricht namens der galizischen Landsmannschaft der jetzigen Leitung volles Vertrauen ans. Insbesondere das System der politischen Arbeit der jetzigen Leitung mit ihrer intensiven Palästinaarbeit habe sehr befriedigt. Die jetzige Leitung habe in jedem Zionisten das Gefühl erweckt, daß er nicht nur Objekt, snndern tätiges Subjekt der politischen Idee sei. Das macht uns nicht blind gegen die Fehler der Leitung, aber diese sind allzu geringfügig im Verhältnis zu dem Großen, was siegeleisiet hat. (Beifall.) Dann sprach Jean F i s ch er (Antwerpen), einer der oppositionellen Wortführer. Bon einem Teile der Versammlung wurde er lebhaft akklamiert, bei einem anderen, größeren Teil, stieß er auf Widerspruch. Er sagte: Ich spreche hier nicht im Namen einer Landsmannschaft oder im Namen einer organisierten Opposition, sondern nur im eigenen Namen. Sie werfen mir und meinen Freunden vor, daß wir nichts gelernt und nichts vergessen hätten. Wir haben tatsächlich nichts vergessen, wir stehen noch heute auf dem alten Herzlichen Standpunkt und sind für die volle Verwirklichung des Baseler Programms, d. h. die völlige Befreiung des Inden vom Golns. Das muß aber auf einem anderen Wege geschehen, als den, den die jetzige Majorität einschlagt. Der. Redner schließt unter lebhaftem Beifall mit der Aufforderung an die Leitung, sie möge, so wie Herzl sechs Millionen für die Kolonialbank gesammelt habe, gleichfalls sechs Millionen für eine nach ihren Anschauungen zu leitende Bank — etwa eine Agrarbank — sich verschaffen, und der Kongreß würde ihr mit Freuden die volle Kontrolle hierüber zngestehen. Es entspann sich dann eine Geschäftsordnungsdebatte über die Wahl von Generalrednern, da noch etwa 60 Redner auf der Tagesordnung standen. Es wurden sechs 'Generalredner gewählt. Als erster erhielt der Vizepräsident des Kongresses, Oberrabbiner Dr. Ga st er (London), das Wort. Er sagte: Wir müssen jetzt eine vollständige Klärung in unserem Zionismus vornehmen. Hie politisch, hie praktisch. Die „politischen" Zionisten sagten, sie seien die wahren Nachfolger Herzls. Nun, Herzl war nicht fossil, er wäre nicht stehen geblieben und hätte die Hände nicht in den Schoß gelegt. Wir müssen die Emigration der türkischen Untertanen auf dem Balkan nicht nach dem Westen einsetzen lassen, sondern nach dem Osten. So bringen wir türkische Untertanen in das Land unserer Väter. (Beifall.) In der Nachlnittagssitzung sprach zunächst der Vertreter der palästinensischen Arbeiterpartei, Hapoel H a z a i r. Er betonte, daß engherzige kaufmännische Gesichtspunkte dort unangebracht sind, wo es sich um Wiedergewinnung des nationalen Bodens handelt. Der Zweck der Palästinaarbeit ist nur daun gesichert, wenn die Organisation als solche die Arbeit leistet. Er fordert das Aktionskomitee auf,, in Zukunft erst dann die Leitung, zu übernehmenwenn ihm gleichzeitig die finanziellen Machtmittel der Organisation überantwortet werden. (Beifall.) B r u tz k o w stellte im Namen der russischen Delegierten den Antrag, dem Aktionskomitee den nötigen Einfluß auf die Finanzinstitutionen einzuränmen. Dr. Dyrkin (Kiew) .beantragt eine

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