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Die Wahrheit · 1913-08-22 · Heft 33 (22.8.1913) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 33 (22.8.1913)
Date
1913-08-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit ...■.. ......Nr. 33. Kölns jüdische Vergangenheit*). Von S. Grünsfeld, Köln. . (Schluß.) Der 24. August des Jahres 1424 war abermals ein Unglückstag für die Kölner Juden. Ohne Erbarmen fiel man über die Wehrlosen her, vertrieb sie unter den unerhörtesten, grausamsten Mißhandlungen aus der Stadt. —, — So mußte der Rest der ältesten deutschen Judengemeinde die Stadt verlassen, die ihre Vorfahren zu der Zeit bewohnten, als hier noch das Heidentum in vollster Blüte stand.-— Der Rat ließ im folgenden Jahre die auf der Westseite des-Rathausplatzes gelegene Judenschule, die Synagoge, niederreißen und an ihrer Stelle eine Kapelle erbauen, welche am 8. September 1426 eingeweiht wurde. Die ans Köln vertriebenen Juden fanden in Deutz, Nenß, Bonn, Linz, Remagen und Ahrweiler unter dem Schutze des Erzbischofs, dem sie das herkömmliche Schntzgeld entrichten mußten, Aufnahme. Nur mit besonderer Erlaubnis dursten die Juden die Stadt Köln betreten. Sie waren stets im Innern der Stadt von einem Stadtsöllner begleitet, wofür sie eine bestimmte Schutzsteuer zu bezahlen hatten. Ueber Nacht durfte aber kein Jude in Köln verweilen. Es bedurfte eines förmlichen Ratsbeschlusses, den Juden da- Geleit in der Stadl zu bewilligen. Dieses Gesetz bestand, bis die Stadt Köln der französischen Republik einverleibt wurde. Nach der Vertreibung aus Köln fuhren die Deutzer Juden fort, ihre Verstorbenen auf^dem uralten jüdischen Gottesacker in Köln (Judenbüchel oder, „tobte Jud" genannt) zu beerdigen. Um die weitere Benutzung desselben zu verleiden, ließ der Rat auf dem Platze einen Galgen errichten. Die Juden erhielten später einen neuen Friedhof in Deutz, der jetzt noch benützt wird. Die französische Revolution löste erst den schweren Bann, welcher ans den Inden lastete. Am 6. Oktober 1794 hielt der französische General Chainpionet seinen feierlichen Einzug in Köln. In einem Aufruf des Regierungskommisfars Rudler vom 21. Frimaire des Jahres VI (1798) heißt es: „Alles, was nach Sklaverei schmeckt, ist aufgehoben. Nur Gott allein werdet Ihr von Euren Glanbensmeinungen Rechenschaft zu geben haben und Eure bürgerlichen Rechte werden von diesen nicht abhäugen; jene Meinungen mögen sein, wie sie wollen, so werden sie ohne Unterschied geduldet werden und gleichen Schutz genießen." Auf diese Kundgebung erfolgte ein Gesuch von Josef Isaak Stern ans Mühlheim am Rhein um Aufnahme als Bürger, welche ihm auch sofort gewährt wurde. — Die Urenkel derjenigen, welche vor fast 400 Jahren aus Köln vertrieben wurden, waren die Ersten, welche sich daselbst wieder ansiedelten. Noch einmal bedrohte ein trüber Vorfall die kleine wiedererstandene Gemeinde im Jahre 1808. — Jenes alberne Märchen, welches vom Mittelalter bis in die Gegenwart unzähligen Inden das Leben gekostet hat, jenes blödsinnige Blutmärchen wurde von boshaften Menschen wieder aufgefrischt,. doch der Allgütige hat, nachdem sich durch den Obergerichtshof' in Aachen dieses Lügengewebe als solches aufgeklärt har, die kleine Kölner Gemeinde vor weiterem Unheil bewahrt. Unbedeutend blieb die Judengemeinde Köln bis zur Einverleibung der Rheinprovinz mit Preußen im Jahre 1815. Im Jahre 1825'bestand die Gemeinde aus 30 Familien; 1843 nicht mehr als aus 46 Familienhäupteu und heute zählt Köln ca. 15.000 jüdische Seelen. IV. ' . Wir haben aus einem kleinen Teile der jüdischen Leidensgeschichte, aus „Kölns jüdischer Vergangenheit" gesehen, daß wenn unsere Feinde all ihre Bosheit, Feindseligkeit und Gehässigkeit angewendet haben, unsere großen Vorfahren vom - *) Unter Benützung der GeschichtsqueLen ans der „Geschichte der Inden in Köln und Umgebung von Karl Brisch". Judentum abzubringen, diese mit Freuden bereit waren, ihr' ultima ratio, ihr Blut, hinzugeben 1 —; Dieser historische Boden, auf dem unsere Vorfahren trotz", aller Mühseligkeiten und Verfolgungen j ü d i s ch gelebt und als man sie von diesem jüdischen Leben abbringen wollte, sich freudig hingeopfert haben, dieser vom Blute unserer Väter , getränkte Boden soll brach liegen bleiben. Müßten da nicht alle, die den Ehrennamen „Jehndi", dieses Adelsprädikat führen/ wenigstens schon ans Pietät für ihre Väter atyss ■naöttr n rianp bv die ihr Leben für die Heiligung des göttlichen Namens hingegeben, bestrebt sein, ein gottgefälliges Leben zu führen?! -- ’!2V2'i svtv'i In Leiden hat sich das - jüdische -Voll meist großartig bewährt; allein Glück hat es selten ertragen können. In den Zeiten des Golnth war Gott gut und nütze. Allein in Freiheit und Glück, auf eigene Füße gestellt, ist das Vertrauen auf Ihn und die Ihm zu zollende Treue eiiv antiquierter, über lv undener Standpunkt geworden und — wie Rabbiner Hirsch trefflich sagt — der? „a l t v ä t e r l i ch e G l a u b e" hat das Seinige getan, der „altväterliche Glaube" — — kann gehen! Mit dem Emporblühen des sozialen Wohlstandes in Köln wurde auch der „altväterliche G l a u b e" in Gnaden entlassen! Nur eine verschwindend kleine Minorität war es, die nach der Emanzipation der Inden an das überlieferte Judentum festhielt und Gott sei Dank, die von die von dieser kleinen Schar gestreute Saat fängt' an, die schönsten Früchte zw tragen. „Alles Heilige und Jüdische stammt aus Licht und Leben,, und ob es auch in seiner Laufbahn Mitte, mit Nacht und Tod zu kämpfen hat, aus Nacht und Tod ringt es sich doch wieder zu Licht und Leben und das aus Morgen und Frühling.' Geborene, endet im Morgen ztim Frühling verjüngt!" (Hirsch zn 2. B. Moses Kap. 12 Vers 2.) "n! Die jüdische Geschichte hat es bisher so gelehrt! Verschiedene Nachrichten. Wien. (Konferenz der jüdischen Berlagsgesellschuft.) Anfangs September findet in Wien eine Konferenz der jüdischen- Verlagsgesellschaft statt und wird Ort und Zeit noch.rechtzeitig bekannt-- gegeben werden. Diejenigen Personen, die gewillt sind, an der Konferenz, teilznnehmen, wollen ihre Adresse an das vorbereitende Komitee zu Händen deö Herrn Red. Max Hickl, Brünn, Adlergaffe, richten. Wien. Der Schriftsteller Theodor Steinherz ist vom Präsidenten der französischen Republik durch die Verleihung des Ritterkreuzes der Ehrenlegion ausgezeichnet, worden. Herr Steinherz ist ein geborner Wiener, der bereits seit 30 Jahren journalistisch und schriftstellerisch in Paris wirkt und sich dort in weitesten Kreisen der lebhaftesten Sympathien erfreute Seit mehreren Jahren fungierte er auch als Präsident des Verbandesder auswärtigen Presie in Paris. Herr Steinherz entfaltete in der letzten. Zeit iu Frankreich eine rührige Propaganda für Oesterreich, indem er in-. Vereinen und geographischen Gesellschaften Vorträge über die Naturschönheiten seines Vaterlandes hielt. Mödling. Vorigen Dienstag wurde aus dem hiesigen israelitischen, Friedhose Herr Wilhelm W o d a k, Oberinspektor der k. k. priv. Südbahn i. R., unter starker Beteiligung der Verwandten und Bekannten aus der Residenz und Hinterbrühl zu Grabe getragen. Nach ergreifendem Vortrage des „losaüe^ bsssssser" durch Oberkantor Falk hielt Herr. Rabbiner B a r d o w i c zdem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, dessen Tüchtigkeit und' Tugenden besonders hervorhebend. Mödling. Der verdienstvolle Vorsteher der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Herr Ignaz Bslas, veranstaltete am 17. August d. I.,' 11 Uhr vormittags, anläßlich des Geburtstages unseres vielgeliebten Kaisers im hiesigen Tempel einen feierlichen Festgottesdienst, der unter Beteiligung, des k. k. Bezirkshauptmann Statthaltereirates Fuchs, und weiterer Vertreter der Behörden, sowie eines zahlreich erschienenen, distinguierten Publikums einen glänzenden Verlauf nahm. Die ganze gesangliche Aus-, führung dieser Feier lag in den bewahrten Händen des Oberkantors Ignaz. Falk, der mit seinem kantoralen Vortrage nnd dem von ihm wohleinstudierten Chore, bestehend aus den Damen: Frau Obering. Malva, F i s ch e r, Frl. 'Jrma K n e l l e r, Cilli Schön seid, Mela Klug, Olgcr Groß, Hedwig Priszner, Betti Singer, Elsa Fanto, Herma Felbert, .Regine Singer, Frieda. Kueller, Jda Klug, Rosa? S t u r m, Frieda S t u r m, Grete L i ch t e r. Viktoria Po l l a c z e k und-, Irma Kraus erbauende Stimmung hervoxrief. FrauObering. Malva Fischer, entzückte das andächtige. Auditorium mit ihren in künstlerischer Vollendung-

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