Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 33 (22.8.1913)
- Date
- 1913-08-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7. Nr. 33 Die Wahrheit iiiiib interessant, zu machenso. daß auch Kinder, die zu Hanse nichts vom Judentum hören, von einer solchen Erzählung .ergriffen werden und mit den Inden sympathisieren müssen, die alles stehen um d tiefen ließen und in das Unge- -wisse hinanszogeu, um nur das ägyptische Joch abznschütteln. Ich möchte mir aber erlauben, zu behaupten, daß es kaum einen Religionslehrer gibt, der es wagen würde, seinen Schülern zu erzählen, daß unsere Ahnen einst in Aegypten, nachdem, sie ans der Knechtschaft durch wunderbare Begebencheiten erlöst wurden, „alles stehen und liegen ließen", denn, wie leicht könnte irgend ein Schüler, der zufällig die Thora im Urtexte gelernt hat. sich erlauben, den Herrn Religiouslehrer -auf II. B. M. 12. 35 und 36 „Die Kinder Israels aber haben auch getan, wie Moses gesprochen, sie borgten von den Aegyptern Silber- und Goldgeschirr und Kleidungsstücke" — als Lohn für die schweren Arbeiten, die sie verrichten mußten — „und der Ewige gab dem Volke Gunst in den Augen der Aegypler, so daß sie ihnen liehen; also leerten sie noch Mizjr'ajim ans" aufmerksam zu machen? So unvorsichtig wird doch kein Lehrer sein, daß er sich der Gefahr anssetzen wird, von seinen eigenen Schülern blamiert zn werden. Ein Lehrer. Tempelweihe. St. Pölten, 18. August. Unter zahlreicher Beteiligung eines nahezu tausendköpfigen Publikums fand am 17. August, anläßlich des 83. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers die Einweihung der neuen -Synagoge statt. Besonders hervorgehoben sei das Erscheinen folgender Gäste: Herr k. k. Statthaltereirat Heinrich W a n i e k Ritter v. D o m y s l o v mit dem Beamtenkörper der :t. f. Bezirkshanptmannichaft. Kreisgerichtspräsident Hofrat Müller mit mehreren Beamten, Oberstaatsanwalt Dr. Lob, sowie viele Herren der übrigen k. k. Aemter und in Vertretung der k. k. Bezirkshanpunannschaft Lilienfeld, Herr Dr. Kurt Frieberger u. s. w. Ferner Herr Oberst Dietrich und viele Offiziere des L k. Landwehriufanterieregimentes St. Pölten "Nr. 21 und Herr Oberstleutnant Fied l sch nster des k. n. k. Infanterieregimentes Freiherr v. Heß Nr. 49. In Verlremng des auf einer Reise befindlichen Herrn Bürgermeisters Otto Eybner erschien Herr Vizebürgermeister Eugen Baron A i ch e l b u r g mit vielen Herren der Gemeindevertretung. Der Präsident der Wiener Knltnsgemeinde, Dr. Alfred Stern und J. Sekretär kais. Rat Dr. Theodor Lieben. Die Sparkassa St. Pölten entsandte Herrn Vorstand Dr. Karl Heitzler, Direktor August Hassak und Kanzleidirektor Hans Vogl. In Vertretung der Schulen erschienen die Herren Bezirksschulinspektor R am eis, Direktor Weber und Professor Einz i n g er. Auch der evangelische Pfarrer Herr Dr. I a q n e m a r beehrte uns mit mehreren Herren des Presbyteriums, wie auch .Herr Landtagsabgeordneter Franz Pittner. Von den anwesenden Damen seien bemerkt Frau Statthaltereirat v. W a n i e k, 'Frau Bürgermeister E y b n e r. Frau Oberstleutnant Fiedlschuster, sowie viele Damen der anwesenden Herren Beamten und Offiziere. Ebenso waren Abordnungen der Knltusgemeinden Linz, Steyr, Wiener-Neustadt, Baden, Krems, Mödling, Ober- .Hollabrunn und Mistelbach erschienen, und außerdem sind zahlreiche Glückwunschschreiben und Telegramme eingelanien. Nach dem feierlichen Einzüge der Thorarollen erfolgte die Uebergabe des Schlüssels zur Bnndeslade an den Vorsteher Albert Leicht durch den Architekten Herrn Theodor S ch rei er, welcher in einer Ansprache hervvrhob, daß es im Vereine mit beit ausführenden Baumeistern (Wiedem a mt, Prickle r nnd Jäger) vollkommen gelang, ein der Würde eines Gotteshauses entsprechendes Bauwerk zu schaffen. Auch gedachte derselbe der Verdienste, welche sich der Vorsteher Herr Albert Leicht um das Gelingen erworben hat. Diese-Ansprache in 'kurzen, schlichten, znni Herzen dringenden Worten verfehlte ihre Wirkung nicht Und wurde allgemein mit berechtigtem Beifall aufgenommen. Nunmehr erfolgte das Anzünden des ewigen -Lichtes durch Höbrn Rabbilstr Dr. David Feuchtwan g aus Wien, welcher diese heilige Handlung mit einer erhebenden Ansprache emleitete. Daran schloß sich die Weihepredigt des St. Pölmer Rabbiners Herrn Dr. Adolf Schächter, welche ebenfalls die Bewunderung aller Anwesenden erregte. In der hierauf folgenden Ansprache dankte Herr Knltnsvorsteher Albert Leicht allen denen, welche sich sowohl finanziell, wie auch mit Rat und Tat an der Durchführung dieses durchaus gelungenen Werkes beteiligten, wobei besonders der löblichen k. k. politischen Behörde, der löblichen Stadtgemeinde, des Stadbanamtes. der löblichen Sparkasse, des gesamten Vorstandes und der Mitarbeiter, sowie der Herren Architekten Theodor Schreier nnd Viktor Postelberg, der technischen Leiter der Bauausführung gedacht wurde. Einen ganz besonders tiefen Eindruck machte die nun folgende Ansprache des Herrn Skatthaltereirates Heinrich W a n i e k Ritter von Domyslov. welcher im Laufe derselben das Thema „Die Gotteshäuser als Pflegestütten der Sitten nnd Moral" vehandelte und hiebei mt speziellen auf die hiesigen Verhältnisse hinwies. Sodann beglückwünschte Herr Statt» haltereirar den Vorsteher zn dem guten Gelingen des Werkes. Eine ebenso schöne, wie inhaltsvolle Ansprache hielt in Vertretung des auf Reisen befindlichen Bürgermeisters Otto Eybner dessen Stellvertreter, Herr Vizebürgermeister Engen Baron Ai chelbnrg, welcher unter anderem die Glückwünsche der Stadtgemeiude St. Pölten znm Ausdruck brachte. Mit besonders herzlichen und geistvollen Worten übermittelte der Präsident Dr. Alfred Stern die Glückwünsche der Wiener Kultusgemeinde. Mit einem Gebet für Se. Majestät den Kaiser Franz Josef I. anläßlich seines Geburtsfestes und dem Absingen zweier Strophen der Volkshymne nnd des Köuigspsalmes fand die Feier einen würdigen Abschluß. Eine ganz besondere Weihe verliehen der Festlichkeit die kantoralen Leistungen. Eine spezielle Erwähnung gebührt dem erhebenden Gesänge des Oberkantors der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Don Fuchs und des Kantors der Sr. Pölrner Kulrnsgeineinde Ph. W. R a b i n o v i c z, welche im Vereine mit dem Chore der türkisch-israelitischen Gemeinde in Wien unter der Leitung ihres Chordirigenten Isidor- L ö w i t und Kantors der Gemeinde Wien II. Leopold K i s ch n e r eine hervorragende Wirkung erzielten. Die so ansprechend wirkenden Kompositionen stammen teils von Herrn Professor Salomon S u l z e r, teils von Herrn Chordirigenten Isidor L ö w i t. An das kaiserliche Hoflager in Ischl wurde nachstehende Depesche abgesandt, auf welche noch am selben Abend in-unten angeführtem Wortlaute geantwortet wurde. Eure kaiserliche und königliche apostolische Majestät! Allergnädigster Kaiser nnd Herr! Wir Israeliten des Knltussprengels St. Pölten feiern am heutigen Tage die Einweihung unserer neuen Synagoge. Wir verbinden mit patriotischer Begeisterung die Geburtstagsfeier Eurer Majestät, unseres geliebten Kaisers nnd Herrn. In dieser beglückenden Stunde bitten wir, Einer Majestät alleruntertänigst die Versicherung unserer unwandelbaren Treue und Ergebenheit und unbegrenzten Dankbarkeit zn Füßen legen zn dürfen, indem wir gleichzeitig in heißem Flehen znm Throne des Allerhöchsten uns wenden mit der innigsten Bitte: Gott erhalte. Gott beschütze Eure Majestät noch viele, viele Jahre znm Heile nnd Segen der vielenMillionen Schutzbefohlenen, die in nnverbrüchlicher Treue zn ihrem Kaiser und Herrn anfb licken. Albert Leicht, Knltnsvorsteher. q- * * Kultus Vorsteher Albert Leicht St. Pölten. Seine k. n. k. apostolische Majestät danken hnldvollst den Israeliten des Knltussprengels St. Pölten für die anläßlich der Einweihung der neuen Synagoge dargebrachten Glückwünsche zum allerhöchsten Geburtsfeste. Kabinetts-Kanzlei.