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Die Wahrheit · 1913-08-22 · Heft 33 (22.8.1913) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 33 (22.8.1913)
Date
1913-08-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Teile 4. Die Wahrheit Nr. 33. und kein Leid sein Lebenlaug. Sie streckt ihre Hand nach dem Rocken und ihre Fmger fassen die Spindel. Ihr Schmuckist, daß sie reinlich und fleißig ist. Sie tut ihren Mund auf mit Weisheit und auf i h r e r Z u n g e ist h oldfee l i g e Lehre. Ihre Söhne kommen auf und Preisen sie, ihr Mann lobet sie. Lieblich und schön sein ist nichts; ein Weib, das den Herrn fürchtet, soll man loben." Ein feminines Volk freilich waren die alten Inden nicht, sie waren Männer. Heute, wo die Männer zu Weibern werden, müssen die Weiber eben trachten, sich zu vermännlichen. Ich könnte noch so vieles aus dem Buch der Bücher anführeu. wie die liebliche Idylle vom Eheleben des Stammvaters Abraham mit seiner Sara, die noch lieblichere Idylle des Buches Ruth, die Prophetin Deborah, die Heldin Judith, doch wozu? Gilt es doch nur, der Geschichtsfälschung und Verlenmditng der Arbeiterzeitung entgegenzntreten. Und hervorragende Frauen hatten andere Nationen wohl auch. Nur über das Gebet, das die litnrgieknudigen, getansten Judenmänner zitiert haben, sei noch erwähnt, daß auch der göttliche Plato einen ähnlichen Gedanken ausspricht. Religion und Philosophie stimmen darin überein, daß die Natur der Frau die größere Last von Mühen aufgelegt hat, aber auch der einfache Menschenverstand. Gehässige Folgerungen daraus zu ziehen, vermögen nur böser Wille und die Arbeiterzeitung. Nun zum „Deutschen Volksblatt"! In seinem Feuilleton „Nnnenhäuser" versteigt es sich zu folgender Exklamation: „Zu wiederholten Malen wurde an dieser Stelle darauf hingewiesen, wie die neueren und neuesten Forschungen vorurteilsfreier echt deutscher Männer der Wissenschaft uns immer überzeugender darznlegen wissen, auf welch' hoher Kulturstufe die alten Germanen gestanden haben mußten, als in Athen das perikleische Zeitalter blühte. Lange genug hat es gedauert, bis sich diese Erkenntnis Bahn brach, selbst unser Schiller glaubte, daß die Germanen, als sie mit den Römern . in Berührung traten, noch ein mildes Naturvolk waren, und ein deutscher Gelehrter. Johann Christoph Adelung, gab im Jahre 1806 eine Abhandlung heraus unter dem Titel . „Aelteste Geschichte der Deutschen", deren Tendenz sich am ' deutlichsten in dem Satze spiegelt: ,^Der Germane ist das Raubtier, das schläft, wenn es nicht jagt oder frißt." Ja, noch 1894 erdreistete sich der Universitätsprofessor Seeck in einem Aufsatze in den „Preußischen Jahrbüchern", die alten Germanen als wilde Barbaren, rohe Wilde, Diebe. Räuber, , Mordgeseüen, Trunken- und Raufbolde von wüster Völlerei, kleinmütige, durch Gold künsiiche Feiglinge ohne jede Spur von Charakterfestigkeit zu schildern! Solche und ähnliche Scheiugelehrsamkeik. gepaart mit dem Mangel jeglichen völkischen Empfindens kann man übrigens heutzutage noch von mancher Lehrkanzel der deutschen Universitäten verkünden . hören l Wahrlich, angesichts derartiger Verdrehungen und Ent- . stellungeu der Wahrheit versteht man es, wenn der große Philosoph Engen Dühring zornig ausrnft: „Sogar das Wort Antiwissenschaft wäre heute am Platze, wo es gilt, die von uns vertretene Unterscheidung und Scheidung von der prostituierten Dirne Wissenschaft vorzunehmeu und drastisch zu bezeichnen!" Als in Athen das perikleische Zeitalter blühte, also die Kulmination der griechischen Kultur; ausgerechnet grad in dem Zeitpunkt läßt das „Volksblatt" auch in den germanischen Sümpfen und Wäldern eine hohe Kultur erstehen. Worin bestand die von Fröschen umquackte und von Maikäfern und Hirschkäfern nmsnmmste Kultur eigentlich? Darüber höre man billig das Blatt selbst: ..Betrachten wir uns einmal die Runenzeichen, also jene Schrift, der sich die alten Germanen ursprünglich bedienten, bevor sie mit dem Eindringen der römischen Kultur die lateinischen Buchstaben annahmeu, aus der sich dann die deutsche Fraktnrschrift entwickelte, die in ihren eckigen Formen unverkennbare Runenzeichen zeigt. (Daß die Runen ans den lateinischen Buchstaben entstanden seien, ist ein von einer gewissen Afterwissenschaft der Urteilslosigkeit, der Massen immer wieder vorgekauter Unsinu.) Die Runen bestehen aus geraden, einander winkelig schneidenden und treffenden Strichen, nur wenige dieser Buchstaben zeigen auch kreisförmige Linien. Dann wende man die Blicke auf ein solches * altes Riegelfachhaus und wird sofort die Wahrnehmung machen, daß das Holzwerk in seinem Gefüge vollständig den Charakter der Runenschrift trägt, um die Lehm- oder Steinsnllung dadurch besser zu stützen! Man kommt mit dem Verfasser sozilsagen von selbst zu der Schlußfolgerung, daß mit der eigentümlichen Stellung. des Gebälkes Runenheilsprüche in die Häuser hineingeheimnißt wurden, eine Annahme, die um io weniger.von der Hand zu weisen ist, als man ja weiß, von welcher tiefen. Religiösität die alten Germanen erfüllt waren. So befestigten sie. was wir bestimmt wissen, an den Giebeln ihrer Häuser Pferdeschädel, „als ein sinudentliches immerwähreubes Opfer, das Wnotan dargebracht wurde, damit.er mit seinem Segen über dem Hanse weilte". (Pferde wurden bekanntlich dem Obersten der Götter geopfert.) Also sie besaßen ein Alphabet, die Runen, die sie, wie Tazitns berichtet, in Weidenstäben einkerbten und sie geheimnißten, wie der nationale Schriftsteller Philipp Stauff entdeckt haben will, diese Runen in ihre Häuser hinein. Die alten Griechen geheimnisten und verheimlichten gar nichts und schrieben den Papyrus voll mit philosophischen, und poetischen Meisterwerken, ergo war die germanische Kultur die höhere. Die Griechen erbanten das Parthenon und die Akropolis, Phidias modellierte die' berühmte Zensstatne, was will das aber bedeuten gegenüber der hochentwickelten Baukunst der Bärenhäuter, der Germanen? Die Anordnung des Gebälkes war n n s y m m e t r i s ch. Man findet oft halbkreisförmig gebogene Balken. Mußte dies nicht große Schwierigkeiten bereiten?" So frägt das „Deutsche Volksblatt" selbst. Ja freilich, eine Baukunst, deren Prinzip die. Unsymmetrie war, haben weder die Griechen und Römer gekannt, noch kennt mau sie jetzt. Nein, war das eine Kultur! Sie stellen sich auf den Kopf, schlagen Purzelbäume und schneiden Gesichter wie Zirkusklowns und glauben mit.solchen Argumenten bewiesen zu haben, daß die moderne Welt nickt bei Inden, Griechen und Römern in die Schule gegangen ist und daß es unnötig sei, noch weiter gu ihnen in die Schule zu gehen; besonders bei den verhaßten Inden. Denn diese leben noch und müßten also-totgeschlagen werden, während Griechen und Römer; glücklicherweise von selbst gestorben- und. tot sind. Dies steht zwar nirgends ausdrücklich, jedoch der Eingeweihte und Kundige sieht zwischen jeder Zeile grinsende Dämonenfratzeu, die dies nur zu deutlich verraten. Das „Deutsche Volksblatt" überläßt es seinen Lesern, nach Sokratischer Methode die Folgerungen selbst zu ziehen. Ob es diesem nobeln Zeitungsbrüderpaar gelingen werde, die Köpfe eines großen Teiles der WienerBevölkerung nnheilbar zu verwirren und die Herrschaft des Aberwitzes in Permanenz zu erklären? Ich fürchte beinahe, ja! S. Vineta. David Gans. Ein Gedenkblatt zu seinem 300. Todestage. Von Dr. Josef Hoff, Rabbiner in Bisenz. Die berufenen Pfleger der jüdischen Geschichte werden an dem 25. August dieses Jahres nicht vorübergehen können, ohne des ersten d euts ch en jüdischen Historikers — David Gans, des Westphalen — rühmlichst zu gedenken, der vor 300 Jahren im Alter von 72 Jahren sein arbeitsreiches Leben beendet hat.- Zu Lippstadt im Jahre 1541 geboren, erhielt er von seinem Vater Salomo den ersten grundlegenden Unterricht. Doch der damaligen schönen Sitte folgend, nicht einem einzigen Lehrer sein Wissen zu verdanken, verließ er als Jüngling sein Elternhaus, um in Frankfurt am Main die dortige tulmudische Hochschule zu besuchen. Nur kurz war die Zeit seines dortigen Aufenthaltes, denn gewaltsam zog es ihn nach Krakau, wo damals der gefeierte. R. Moses Jsserles lehrte. Jsferles, der auch gern«' historischen und astronomischen Studien oblag — verfaßte er doch ein Kommentar zu Frohbachs astronomischen Werke

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