Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1913-08-22 · Heft 33 (22.8.1913) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 33 (22.8.1913)
Date
1913-08-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3062972-3063674-3063707--08626-3075809
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

, Redaktion und Administration: Wien,- H/, Novaragasse 27 Delevhon: Viedaktion 5509/IV. ^»abhängige Aerifchrift für jütische iAerngspeet»: tUiuijiiibYiii.K 1*.— Halbiiibiig.7.— Administration -4938/11, ft.!. üsterr. Postsvarkasta- 6c6ecC«ftoiito Nr. 100.918. Andereren. Für KiillilSbriiiute: 'MoiiUiiörivl.K 10. - Jn Jerate:' Dir viermal geivaltenr Nonvareille-Zeiie 25 Heller. Erscheint jeden Ar ei tag. jyiir AuSlund: SlbonnemenlS- und Jnsertions- . .! >S»„,iavri,>.8 Mnrk betröge nnd in Wien 'zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 6 »!iit>n »der >»5 S*C9. Ar. 33 Wien. 22. Angnst Inhalt: Geschichtsjälschmigen und -Erschleichungen. — David Gans. — Erhaltet den jüdischen Gottesdienst. — Rabbiner-Jubiläum. — Eine Bemerkung. — Tempelweihe. — Kölns jüdische Vergangenheit. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. Gejchichtsfiilschnngei» und Erschleichungen. , Als man einst dem Freiheitssänger Herwegh herausfordernd und mit nobel sein wollender Geste zurief: (Es geschah dies in einem Gedicht) „Ich stehe auf einer höheren Warte als auf den Zinnen der Partei", da lautete seine poetische Erwiderung: „Ichhabe gewählt, ich habe mich entschieden und meinen Lorbeer siechte die Partei." Es ist dies schließlich auch richtig: irgend einer Partei muß man wohl angehören; jeder Mensch ist ein Mensch und nichts menschliches ist ihm fremd. Ein vollständig objektives Wesen, sine ira et studio, Recht und Unrecht genau gegen einander abwägend, kann nur Gott selbst sein. Die Götter des Epiknräismns, wie sie sich Lukrez vorstellte, gehören nicht hierher, denn sie kümmern sich bekanntlich herzlich wenig um die Geschicke der Menschen, sie thronen in stolzer Teilnahmslosigkeit in olympischen Höhen und vergnügen sich feinschmeckerisch an Nektar und Ambrosia. Nun ja, man begreift es, daß. seitdem es eine Geschichte gibt, konträre wilde Rufe erschallen: Hie Welf, hie Waiblingen! Auf der einen Seite die Weißen, die Freiheits- und Menschenfreunde, auf der anderen die schwarze Garde, die sich aus Tyrannen, Anarchisten, Judenfressern und ähnlichem Gelichter rekrutiert, Diese beiden Lager, in die sich die Menschheit spaltet, befinden sich natürlich in stetigem Kampfe und haben einander Uhrfehde geschworen. Wie ungleich aber ist dieser Krieg! Der in die Schranken reitende Ritter, der für das Wahre, Gute und Schöne ficht, hält sich an den Ehrenkodex, greift niemals zu Mitteln-, die ihn in seinen eigenen, sowie fremden Augen disqualifizieren würden, während fein schwarzer Gegenparl sich nicht scheut, schmachvolle Kniffe und Tücken anzuwenden. Es ist wie eine Schachpartie, in der der eine dem anderen einen Offizier und mehr vorgibt; welch Wunder, daß das Böse über das Gute obsiegt, daß Unrecht und Lüge triumphieren. Die Preffe ist die sechste Großmacht genannt worden und mit Recht. Durch ihre gewählte Sprache — wenigstens soll sie es sein. — mit den respektgebietenden Typen Guttenbergs imponiert sie den Massen, übt eine gewaltige Suggestion auf sie aus und hat überhaupt bedeutendsten Einfluß, Der primitivste Sinn für Anstand aber müßte eine Zeitung davor zurnckfchrecken lassen, sich cm den ehrwürdigen Blättern der Weltbistorie zu. vergreifen und Wahrheit und Recht zu fälschen, wie ein rabnlistischerj rechtsverdrehender Advokat. Auf dieses Moment hin habe ich mir vergangene Woche zwei Wiener Zeitungen genauer angesehen. Das „Deutsche B o l k s b l a t t" und die „Ar b e it e r z e i tu ng". Bei der ersten ist dies schließlich kein solches Wunder, darum nehmen wir zuvörderst die sich wohl höher dünkende Führerin des Proletariats vor. Da heißt es in einem Artikel über Bebel: „Der über die Frau schrieb" : „Gelobt seist du Gott, unser Herr und Herr aller Welt, der mich-zu keinem Weibe gemacht hat," So sprachen die Judeumänner in ihrem täglichen Morgeugebete zu ihrem Gotte und was am Toten Meere recht war, das ist in der hentigen Gesellschaft nur billig. Aller Anfkläricht der bürgerlichliberalen Blütezeit har in dieser das Weib als Geschlechtswesen herabsetzenden Empfindungsweise nicht Wandel schaffen können. Der Mann vertritt die Welt und die englische und die französische Sprache haben heute noch für die beiden Begriffe Mann und Mensch ein und dasselbe Wort. Das „Er soll dein Herr sein!" des alten Testaments haben die geeichten Vertreter nnd Erklärer des Neuen wortwörtlich und dem Sinne nach übernommen und die Frau ist heute, wie ehemals in.den Zeiten des Vaterrechtes, sozial wie geschlechtlich das minderwertige Menschenwesen." Die „Judenmänner"! Welch niedliches Wörtchen, wie entzückend die Prägung! Das Tote Meer, die einzig hervorzuhebende Oertlichkeit im gelobten Lande! Eine herrliche Topik der Redeweise und Landschaften. Der See Genezareth, der Jordan, der Kidron, das schneebedeckte Haupt des Libanon, sind aus der Geographie einfach gestrichen. Die getauften Judenmänner der Arbeiterzeitung wollen den Schein Hervorrufen, als wäre die inferiore Stellung der Frau auf die hebräischen Männer, die Ahnen der getauften Jndenmänner, zurückznführen. Das ist aber eine eklatante Geschichtslüge. Allerdings — das Wahlrecht haben die alten Hebräer den Weibern nicht verleihen können, weil sie es selbst nicht gehabt und gekannt haben, allein wo haben die Frauen im Altertum eine geachtetere Stellung eingenommen als in Palästina? Ehre Vater und Mutter, heißt es im Dekalog» während der pater familias unumschränkter Gebieter innerhalb seiner vier Pfühle war, über Tod und Leben von Frau und Kindern gebot. Es ist ferners eine genugsam bekannte Tatsache, daß in Griechenland die Frau nichts war als eine zurückgesetzte, vernachlässigte, der Bildungslosigkeit überantwortete Helotin. Mau würdige dagegen einige Sätze ans den Sprüchen Salomons Kap. 31: „Wem ein tugendsam Weib bescheert ist, die ist viel edler als köstliche Perlen, sie tut dem Manne Liebes

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.