Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 30 (1.8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Lehrer an Elementarschulen angestellt. An den höheren Lehranstalten wirken etwa zehn jüdische. Lehrer im fremdsprachlichen Unterricht, weil es nur wenige'Bulgaren gibt, die eine fremde Sprache beherrschen. An der Universität Sofia gibt es seit 189$ keinen jüdischen Professor inehr.. In der Verwaltung steht es noch schlimmer. Bis jetzt hat es noch nie einen, jüdischen Richter gegeben. Während der 35 Jahreseitdem Bulgarien eine Verfassung besitzt, hat es zwei jüdische Abgeordnete gegeben. Ausnahmegesetze gegen die Inden gibt es nicht. Aber Fremde dürfen in den Dörfern keinen Boden erwerben. Dieses Gesetz ist gegen die Juden gerichtet. Gesellschaftlicher Antisemitismus ist in ganz Bulgarien verbreitet, nur ist er nicht offiziell. Deshalb wird man überall getäuscht und glaubt allgemein, Bulgarien sei ein Paradies für die Juden. Eine-feste und zweckentsprechende Organisation der jüdischen Gemeinden des Königreichs wäre dringend notwendig. Der Idealismus der Dabbinen der talmndifchen Zeit . (Fortsetzung.) Die Stadt, in der er lebte und wirkte, gehörte zwar nicht zu den größten und reichsten Städtendes Landes, nichtsdestoweniger war sie berühmt und zwar der zahlreichen Gelehrten wegen, die in ihrer Mitte lebten. Einmal unternahm R. Jose eine Reise nach der größten volksreichsten Stadt des Landes. Als der Parnes, der mächtigste und einflußreichste Mann -dieser Stadt, erfuhr, daß R. Jose b. Kisma daselbst angelangt sei, fand er es für angemessen — was sonst nicht seine Gewohnheit war — dem berühmten Rabbi seine Aufwartung zu machen, und begrüßte ihn in ehrerbietigster Weise. Bei dieser Gelegenheit stellte er an den Rabbi die Frage: „Messe mokom atto? Von welchem Orte bist du? Was ist das fiir ein Ort, wo du wohnst? Wie kommt es, daß du, ein so berühmter Gelehrter, der der größten Gemeinde in Israel zur Zierde gereichen würde, in einem so unbedeutenden mokom Orte wirkst?" „Du irrst gewaltig", entgegnete der Rabbi/ „wenn du glaubst, daß ich in einem unbedeutenden Orte wohne; rneir gedolah sehel ehachomim wesoferim ani, ich bin vielmehr aus einer Stadt, und -zwar aus einer großen Stad t, die deshalb zu den angesehensten Städten des Landes gezählt wird, weil fast die meisten Gemeindemitglieder einen solch hohen Grad von Intelligenz besitzen, daß sie die Thora und die Träger der- ' selben besonders zu schätzen und zu würdigen verstehen." — «Aber was nützt das alles", erwiderte der Parnes, „von Idealen kann man doch nicht leben und deine Gemeinde kann beim besten Willen dir doch nicht bieten, was du zu beanspruchen berechtigt wärest. Ein Mann deinesgleichen muß vor allem Vermögen besitzen, gut situiert sein, um standesgemäß leben, ein. vornehmes Hans führen zu können. Nur als reichbegnteter Mann wirst du allen imponieren und eine segensreiche Tätigkeit entfalten können. Wenn du also geneigt wärest, in unserer Gemeinde deinen Wohnsitz aufznschlagen, so würde ich allein — weani eten loch— dir tausende und abermals tausende von Denarien an Gold und Silber usw. mit, Vergnügen zur Verfügung stellen." - Im atto nosen li. Wenn du alle i n es bist —- entgegnete der Rabbi — derfür die Förderung des Studiums der Thora und für die Erhaltung der religiösen Institutionen dieser Gemeinde Sorge tragen muß, während die anderen zahlreichen Mitglieder sich um die Lehre und Ehre-des Judentums nicht im entferntesten kümmern, kann ich mich, selbst wenn du mir alles Gold und Silber Und alle Kostbarkeiten der Welt bieten würdest,, durchaus nicht entschließen, meine für die heiligsten Güter der Religion im höchsten Maße begeisterte Gemeinde zu. verlassen und d e i n e ui Rufe Folge zu leisten. Ich' stehe im Dienste der Religion, Und nicht des Parn es, mein Lebenszweck ist nicht die Erwerbung irdischer Güter, die doch alle nichtig und flüchtig sind, sondern die Förderung der Wissenschaft des Judentums, die Verbreitung der Kenntnis der Thora, der allein. Israel seine vieltausendjährige Existenz zu verdanken hat." -„Die/ Thora ist ein Baum des Lebens/allen, die sich für sie begeisterm und die/sie'emporhülten, die sind die Glücklichem" Trotz seiner niigewohirlioh großenreligiösen Begeisteruiitz.! war R. Jose b.-Kismä tolerant und milde mid verurteiktn : jeden übermäßigen Fanatismus wie jedes nutzlose' Martyrium^ Bekanntlich soll der Weise Eunomos-aus Gadra dein Feinden Israels zugernfen haben: „Wenn ihr die Juden ver- : nichten wollt, so müsset ihr vor allem ihre Schuten zerstören/ ■ denn solange ihre Kinder in denselben in der Religion gründlich . ünterriäuel werden/'ist keine Macht auf Erden imstande-sie zü erschüttern". (Midr. rab. 1/M. Absch. 65). Diesen Wink haben, daher' die Barbaren stets besonders beachtet und gewürdigt/ Wie einst der grausame Äntiochus Epiphaues, ebenso haben später Hadrian und seine Nachfolger den Juden das Stndiunrder Thora-, die Abhaltung gottesdienstlicher Vorträge, wie dis /Beobachtung religiöser Vorschriften und Satzungen bei Todes-- strafe verboten. Nun kann man sich denken, welche Aufregung in Israel, besonders in den jüdischen Gelehrtenkreisen herrschte.' Viele der hervorragendsten Lehrer beachteten nicht im entferntestem . dieses strenge Verbot, hielten nach wie vor öffentlich gottes-- dienstliche Vorträge und schmückten sich mit der Krone des' ’ Märtyrertums. R. Chanina b. Tradian, R. Elieser b. Schamua,. R. Jeschebab, R. Chanina b. Chakina, Jehuda b. Damu, R/' ■ Akiba, R. Chnzpith und R. Jehuda b. Baba wurden ihrer Glanbenstrene wegen in grausamer Weise hingerichtet. Die hier genannten acht Tanaiten, die nach dem Falle Betars zum Tode verurteilt wurden, nebst ‘ den zwei Tanaiten R. Simon b. Gamliel I. und Jsmael Hakohen, die während der Zerstörung Jerusalems umkameu, bilden die „^sore Ilaruge Malchnt^ „zehn Märtyrer." Es kann aber nicht geleugnet werden, daß es damals auch unter den hervorragenden Lehrern auch solche gab, die trotzihrer hohen Begeisterung sür die Thora das Vorgehen dieser Märtyrer, wie überhaupt deren zwecklose Anfopfernug mißbilligten und ihnen rieten - sich zu mäßigen, ihr Leben zu schonen und<; ihre Kräfte aufzusparen für bessere Zeiten, wo sie für das Judentum Großes leisten würden. Zu diesen Friedensfreunden gehörte , auch R. Jose b. Kisma. Als dieser einmal leidend war, besuchteihn R. Chanina 'b. Tradjan, dem er bei dieser Gelegenheit^ Vorwürfe darüber machte, daß er trotz des strengen Verbotes, sich nicht enthalten können, öffentlich Vorträge zu halten. „Eswürde mich nicht wnndern, wenn sie dich samt dem heiligem Buche dem Feuertode preisgeben würden. (Ab. Soro ibid.). Einige Zeit vor der Zerstörung des zweiten Tempels" standen sich innerhalb Jerusalems zwei Parteien schroff gegenüber; währenddie eine, Sikarier genannt, bereit war, den- Krieg gegen die Römer bis aufs äußerste zu führen — es war dies nämlich die nationale Partei, der die Religion bloß Neben-' sache war — sehnte sich die andere um den Frieden, unn wenigstens die religiösen Anstalten erhalten zu können. Zu derletzteren gehörte auch R. Jochanan b. Saeeai, der sich, gleich- Esra, das größte Verdienst um die Wissenschaft des Judenlnmserworben hatte. Einst ließ er den Führer der fanatischen Nationalpartei — die inan deshalb Sikarier nannte, weil sie kurze- Dolche (Sika) unter den Gewändern trugen — namens Ben Batiach. mit dem er verwandt war, zu sich kommen, um ihn auf die vergeblichen Anstrengungen und unnützen Bemühungem seiner Parteigenossen-aufmerksam zu machen. „Hab doch Mitleid-, mit dem Tempel und dem Wenigen, was vom Hungertode ver-' schont.geblieben ist", rief der fromme, gottbegeisterte Rabbi ihm. zu. „Ich sehe wohl ein", entgegnete ihm Ben Batiach, „daß/ - unsere Anstrengungen nicht nur vergeblich und nutzlos, sondern auch töricht und verderblich seien, allein, ich besitze nicht die Kraft und die Macht, diese Zeloten zu beschwichtigen und zu be- -; sänftigen". R/Jochanan faßte daher mit Einverständnis B.Batiachs den Entschluß, Jerusalem heimlich zu verlassen, sich ins feind-/ liche Lager zu verfügen, um wenigstens Vespasian persönlich unn -Schonung und Nachsicht bitten zu können?//-Wie aber hinüberkommen, wenn die wütendernSikarier-stren'ge Wache halten rief R. Jochanan:aus. - - : ' -- '- /- (Schluß folgt») ' , ..:.i