Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 30 (1.8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 9. Nr. 30 Die Wahrheit Oesterr -Ungar Kantareu-Uereiu. Die geehrten Mitglieder werden ersucht, die restlichen Vereins- und Pflichtbeiträge umgehend einsendeü zu wollen. Anmeldungen und sonstige Znschriften sind-an den Präsidenten Dberlantor I. Bauer/ Wien II/l; zu richten. . Die vom Vizepräsidenten, Obertautor M. Schorr, dem Witwen- und Waisenfonds des Kantoren-Vereines gewidmeten L0 Exemplare seiner Kompositionen sind gegen Einsendung des Betrages von L 2.50 durch den Vorstand, Wien II/l, zu beziehen. , Verschiedene Nachrichten. Wien. Der Kaiser hat dem Oberpolizeirat der Wiener Polizei- 'bireftioit Regierungsrat Moritz Stuckart den Hofratstitel verliehen. 'Diese neuerliche kaiserliche Auszeichnung gilt dem hervorragenden Polizeiffunktionär, der als Chef des Sicherheitsbureaus, oft in Fällen von ganz -außerordentlicher Komplikation, seine Ueberlegenheit erwiesen hat. Hofrat Stuckart, einer der lnarkantesten Erscheinungen des öffentlichen Lebens, sind gelegentlich der abermaligen Würdigung seines Wirkens die Sympathien der weitesten Kreise sicher. Ztvittau (Ein hebräisches Gedichtdes Kardinals B au e r.) AusZwittau wird uns geschrieben: Der Rabbiner der hiesigen israelitischen Knltusgemeinde, Dr. Felix Kanter, erhielt vor einigen Tagen vom Kardinal-Erzbischof Dr. Bauer ein in Form eines Akrosti- -chous in klassisch hebräischer Sprache verfaßtes Gedicht als Dank für die -Gratulation des Rabbiners anläßlich des goldenen Priesterjubilänms des .Kirchenfürsten. Das Glückwunschschreiben schloß mit einem Zitat aus den Psalmen für das fernere Wohlergehen des Kardinals und deffen segensreiches Wirken zum Heile aller Konfessionen. Das hebräische Gedicht des .Kardinals an den Rabbiner Dr. Kanter schließt mit einem Segen für diesen und seine Familie. ~. Meran. Das „Genesungsheim" des Vereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten, Meran" wird mit 1. Oktober 1913 für die Herbstsaison wieder eröffnet. Mittellose israelitische Bewerber wollen sich brieflich wegen der ausführlichen Anfnahmsbedingungen an die Kanzlei des Verbines wenden unter der Adresse: „Asyl für mittellose kranke Israeliten, Meran" (Tirol) und ihre Gesuche um Ausnahme möglichst bis Ende August einreichen. - Chrzanow. Am 17. Juli fand hier . die Hochzeit der Tochter unseres Vorstehers der hiesigen israelitischen Gemeinde statt, welches Fest die ganze Gemeinde mitfeierte, da sich Vorsteher Berl Berger allgemeiner Achtung erfreut. Der als Gast hier weilende Schwiegersohn des 'Aestgebers, Oberkantor G i b l i ch m a n n vom neuen Kaiser-Jnbiläums- Tempel (vormals Fugbachtempel), hielt am darauffolgenden Samstag im Tempel einen Vortrag, welcher von Seite des zahlreich erschienenen Publikums mit großem Beifall und Enthusiasmus ausgenommen wurde. Budapest. Wie „Pestj Hirlap" meldet, sollen an Stelle der jüngst verstorbenen Magnatenhausmitglieder jetzt Hofrat S z e k e l y und Dr. M. M e z e y vom König dazu ernannt werden. Sie werden zwar als 'Balkankapazitäten für diese Auszeichnung favorisiert; aber jeder fühlt es, daß hier die exponierten Männer des neologen Judentums eine Beförderung erfahren sollen. Berlin. Wie der „Hilssverein der Deutschen Inden" mitteilt, sind durch den neuen Krieg unter den Balkanverbündeten auch zahlreiche jüdische Gemeinden des Balkans, insbesondere die Gemeinden Jstip, Strumitza, ferner die Gemeinden Serres, Doiran, Drama, Kavalla wieder, in schwere Mitleidenschaft gezogen worden. Die Union des Associations Israelites, zu der alle größeren jüdischen Hilfsgesellschasteu gehören, haben durch die Komitees, die die Delegierten der Union,'die Herren Dr. Paul Nathan, Berlin, Elkan Adler, London und Dr. Bernhard Kahn, Berlin, auf ihrer Reise durch das Kriegsgebiet eingesetzt haben, und deren .Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit sich, gerade jetzt wieder erweist, überall, wo die Verhältnisse es bereits erlauben, den Bedrängten die nötige Hilfe .zukommen lassen. Für die am schwersten betroffene Gemeinde in Serres mit 1600 Inden, wo beim Rückzug der Bulgaren fast vier Fünftel der Stadt eingeäschert wurde, darunter der ganze Markt und 117 jüdische äuser mit Synagoge und Schule, sind durch das in Saloniki eingesetzte omitee Nahrungsmittel» Kleidung und Decken geliefert worden, wofür die Union vorerst 10.000 Franken zur Verfügung gestellt hat. So schwer der materielle Schaden ist, -den unsere Glaubensgenoffen hier wiederum erlitten haben, so ist es doch ein Trost, daß das Leben der Juden, soweit bisher bekannt ist, geschont worden ist. Unter Mitwirkung der griechischen Behörden werden auf Veranlassung der Union Kommissionen aus Saloniki Lie Stätten der neuen Kriegsgreuel besuchen und das Hilfswerk organisieren. Basel. Die gegen die jüdischen Studierenden aus Rußland gerichtete Bewegung nimmt leider auch in der Schweiz greifbare Formen äst. Am schwarzen Brett der .Basler Universität ist jetzt folgender Anschlag zü. lesen: „Denjenigen Herren Studierenden der Medizin, welche hier prvmovieren wollen, ohne das schweizerische Staatsexamen gemacht zu hüben, wird hiermit angezeigt, daß vom 1. Januar 1914 an die PröMotions-Anforüerungen wesentlich höher sein werden, als bisher, und zwar sowohl die Zulaffungsbedingungen zur Promotion, als das Examen selbst. Diejenigen Herren, welche gegenwärtig schon zwei oder mehr Semester in Basel immatrikuliert haben, können bis Ende 1914 daS Examen nach den jetzigen Bestimmungen machen. Im Aufträge der medizinischen Fakultät Basel: Der Dekan." Saloniki. Da nunmehr wohl feststeht, daß Saloniki griechisch bleibt, und weite Kreise der hiesigen jüdischen Bewohnerschaft zu dem neuen Herrn der Stadt kein Vertrauen fassen können, haben zahlreiche jüdische'Familien, nameutlich aus dem Kausmannsstande, beschlossen, nach Konstantinopel, Smyrna, Kleinasien und Palästina ausznwanderu. Ueber 200 jüdische Familien haben sich bereits nach Konstautinopel begeben. Der Auszug' so vieler, wohlhabender.Bewohner bedeutet eine schwere Schädigung für das Wirtschaftsleben der Stadt. Petersburg. Das Schächtverbot in Finnland ist durch kaiserliche Verordnung aufgehoben worden. Die Verordnung hat folgenden Wort-r laut: 1. In Finnland wohnende Inden und Mohammedaner dürfen Haustiere nach jüdischem und mohammedanischem Ritus schächten, mit der Bedingung, daß nachstehende Vorschriften beobachtet werden. 2. Das Schächten soll ausgeführt werden von einer hiesür speziell ausgebildeten, von der zuständigen Behörde anerkannten Person, die zugegen sein muß, bevor das Tier gebunden wird. 3. Das Tier soll mit weichen nicht zu schmalen Riemen oder Stricken gebunden werden und muß unmittelbar möglichst vermittels der Anwendung eines für diesen Zweck konstruierten Apparates auf eine weiche Unterlage nmgeworsen werden. Das Umwerfen muß schonend Vorgehen, so daß der Kopf nicht am Boden anschlägt und dem Tiere kein Schaden zugefügt wird. 4. Der Halsfchnitt soll sofort nach Uinwerfung des Tieres und mit einem möglichst scharfen Messer ausgeführt werden. Den Kops des Tieres soll man gestreckt halten, bis der Tod eintritt. London. Großen Unwillen erregt in der hiesigen jüdischen Gesellschaft das Vorgehen des jüdischen Parlamentsmitgliedes Sir Philipp Sassoon und einer dem Vorstande der Anglo-Jewish Association angehörenden Dame, Mrs. Bischoffsheim, die der Einladung des russischen Botschafters Gras Benkendorff zu einem Diner in der Botschaft Folge geleistet haben. Während der Oberrabbiner von England erst vor kurzem ans dem Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels eine heftige Anklagerede gegen die russische Regierung wegen ihrer barbarischen judenfeindlichen Politik gerichtet hat, während die englische Presse tagtäglich über neue" grausame Judenverfolgungen im Zarenreiche berichtet und das vereinigte Komitee der jüdischen Gemeinde und der Wohltätigkeitsverbände wegen der Zurücksetzung englischer Juden in Rußland wiederholt bei der Regierung vorstellig geworden ist, scheuten sich diese gesellschaftlich hochgestellten Vertreter des Judentums nicht, als Gäste des russischen Botschafters an seiner Tafel zu speiseu! Der „Jewish Chronicle" und andere englisch-jüdische Zeitungen wenden sich in schärfster Weise gegen diese empörende Takt- und Würdelosigkeit, die geeignet sei, das Ansehen der jüdischen Gesamtheit aufs schwerste zu schädigen nnd dem Rechtskampf um die Gleichstellung der Inden in Rußland alle Sympathien aufrechter Christen zu entziehen. Verzeichnis der Werüorbenen vom 20. bis inklusive 26. Juli 1913. Bertha Reiß, Direktorswitwe 51 I. Rosa Hirsch, ohne Berns 44 I. Julius Hirsch, Privat 32 I. Klara Natansky geb. Deutsch. Private 72 I. Etel Seidmann, ohne Beruf 33 I. Esterke Silberstein, Kind 7 Monate. Aron Frendmann. Schächter 63 I. Bertha Fehl geb. Taufstein, Bauinspektocswitwe 39 I. Heinrich Röder, Fabriksbesitzer 69 I. Edith Ovlat, ohne Beruf 15 I. Johanna Brakl, Kanfmannswitwe 96 I. Max Böhm, Privatbeamter 50'/, I. Charlotte Bäum!, Private 58'/, I. Henriette Groner. Branntweinschänkersgattin 53'/, I. Regine Jokl, Private 78 I. Adolf Slöckler, Spengler 27 I. Samnel Leib Rapaport, Arbeiter 42 I. Robert Eberl, Mechanikerlehrlmg 17 I. Karl Birnbaum. Reisender 57 I. Moritz Friedmann, Privatier 57 I. Emanuel Hiller, Bäckermeister 50 I. Tanbe Schwimmer, Musikersgatrin 55 I. Anna Reiß geb. Berl, Unterbeamtenswitwe 69 I. Chaje Eisenberg geb. Kaplowicz, Kaufmannsgattin 25 I. Ignaz Löw, ohne Berus 61 I. Lea Demmer, ohne Beruf 18 I. Erna Ladiner, Kanfmaunstochter 15*/, I. Wilhelm Drucker. Tischlergehilfenskind 7 Wochen. Bertha Jellinek, Expeditorskind 4 Wochen. Zäzilie Fraenkel. Kaufmannswitwe 58 I. Anna Korsower geb. Korsower, ohne - Beruf 68 I. Moritz Heiß, Hausierer 66 I. Austritte ans dem Judentum. Färber Gisela, Psaidlerin, geb. 16. Juli 1867 in Wien. BL, Bethmanngasse 24. Lemberger Otto, Zivilingenieur, geb. 23. August 1873 in Wien. TEL, Schottenseldgasse 46. Sion Friederike, geb. 24. Oktober 1879 in der Rheinprovinz. Wien, XUL, Hütteldorferstraße 114. Zoref Beata, Private geb. 20. März 1392 iu Wien. L, Fleischmarkt 14. Zoref Hermann, Autohändler, geb. 14. April 1888 in Wien. I., Fleischmarkt 14. B u m i n Bernhard, Agent, geb. 4. Februar 1863 in Krakau. II., Miesbachgaffe 12. _ Hecht Charlotte, Kontoristin, geb. 13. Oktober 1880 in Troppau. V111., Schönborngaffe 6. I o l o w i tz Anna. geb. 15. April 1893 in Wien. Schatz Markus, geb. 3. Juni 1874 in Lemberg. YI., Linke Wienzeile 94.