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Die Wahrheit · 1913-07-25 · Heft 29 (25.7.1913) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 29 (25.7.1913)
Date
1913-07-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite L. Bulgarien ist sefardischen Ursprungs, nur etwa 2000 bis 2600 lind Aschkenasim. Letztere wohnen hauptsächlich in Sofia und Rustschuck, wo sie ihre eigenen von der Regierung anerkannten i' Gemeinden haben. Einige andere bilden einen Teil der sefgr- ' dischen Gemeinden derjenigen Orte, in welchen sie wohnen. Beide [ Gruppen leben in voller Eintracht miteinander. Streitigkeiteil flnd noch nie vorgekommen. Zur gegenseitigen Verständigung bedienen sie sich der bulgarischen Sprache. Innerhalb der Ge-; meinde sind alle Inden, einheimische und ausländische, ganz -gleich. Sie haben alle dieselben Rechte und dieselben Pflichteni: hinsichtlich der gemeindlichen Institutionen^ Alle außer den; Armen bezahlen Steuern. Diese Lage der Dinge trägt eben viel zur Harmonie in der Gemeindeverwaltung bei. Die höchste Behörde des bulgarischen Judentums ist das Konsistorium, welches in Sofia seinen Sitz hat. Es wird gewählt von dem Kongreß der Gemeindedelegierten und bestätigt von der Regierung. Der Kongreß ernennt auch ans Lebenszeit einen -Großrabbiner, dessen Ernennung durch die Regierung bestätigt werden muß. Der Großrabbiner, welcher das bulgarische Judentum im Verkehr mit den Behörden vertritt, ist der Vorsitzende -des Konsistoriums. Jede Gemeinde hat, wie oben erwähnt, eine Synagogenkoulmission und eine Schulkommisston, die beide von den Geinnndemitgliedern gewählt und von der Regierung bestätigt werden. Diese Art der Organisation hat gute Erfolge gezeitigt. Sie bewirkt beständig ihre Selbstverbesserung dank der andauernden Tätigkeit dev jüngeren Generation, die an allen Zweigen des Gemeindelebens regen Anteil nimmt. Das Interesse der jungen Leute konzentriert sich hauptsächlich auf die Schulen. Vor der Entstehung des Zionismus standen fast alle Schulen des Landes mit geringen Ausnahmen unter der Leitung der Alliance Jsraelite Universelle in Paris. Die Lehrbücher wurden in der französischen Hauptstadt bezogen und den Schulleitern und Lehrern, die zum größten Teil Ausländer waren und an der Ecole Normale der Alliance in Paris studiert hatten, übermittelt. Das Französische war die allerorten gebrauchte Unterrichtsprache. Hebräisch wurde als Gebetsprache gelehrt, Bulgarisch nur nebenbei als nebensächliche Sprache. So waren diese Schulen lange Jahre hindurch Ausgangspunkte von französischem Einfluß und propagandistische Zentren der französischen Sprache. Dann kam der Zionismus. Viele junge Leute wurden von den nationalistischen Ideen hingerissen. Andere besuchten die bulgarischen Mittelschulen, wo sie eine neue Sprache lernten und nene Ideen schöpften, und Alle, die ersteren wie die letzteren, erkannten, daß die jüdischen Schulen nicht das seien, was sie sein sollten; sie Alle verlangten daher radikale Reformen, z. B. den Gebrauch der bulgarischen Sprache statt der französischen und die Nationalisierung der Schulen. Die Alliance weigerte sich, diesen Forderungen Rechnung zu tragen und dadurch entstand ein Streit zwischen ihr und ihren Vertretern aus der einen und den jungen Nationalisten ans der anderen Seite. Dieser Streit nahm eine solche Heftigkeit au, daß er in der ganzen Welt einen Widerhall fand. Jetzt ist derselbe erledigt uns dem einfachen Grunde, weil die Alliance fast.überall nachgeben mußte. Sie änderte weder ihr Programm noch ihr System, sie tat mehr, sie überließ die Schnlfrage den Gemeinden selbst. Befreit von ihrer fremden Bevormundung entwickelten sich nunmehr die Schulen in normaler Weise, und die Schulkommissiouen sind überall bestrebt, die ihnen anvertrauten Anstalten in Pflegestätten bulgarischer Bürgertreue und jüdischen Nationalismus zu verwandeln. Diesem Umstande ist es zu verdanken,- daß die hebräischen und jüdischen Fächer besser gelehrt und die bulgarische Sprache besser verstanden wird. Die noch von allen sefardischen Inden in Bulgarien gesprochene Sprache ist ein spanisches Jargon, das weder eine Grammatik, noch eine Literatur besitzt. Dieser Dialekt verschwindet allmählich infolge der Ausbreitung der bulgarischen Sprache unter den jungen Juden des Landes. Vom jüdisch-literarischen Gesichtspunkte haben die Juden nichts aufzuweisen.' Sie besitzen drei oder vier Wochenblätter, dieihr publizistisches Material -Nr. 29. "nsgesamt vonausländischen Zeitungen erhalten.. Das kommt: hauptsächlich von der Minderwertigkeit ihrer Muttersprache her- .Es wird .sicherlich .eine Besserung eintreten, wennsie Bulgarische oder Hebräisch als ihre Umgangssprache annehmen. ■ (Schluß folgth . - ' ' Verschiedene Nachrichten Wien. Dienstag, 22. d. beging Herr Alexander S t e i n e r mit seiner Gattin Marie im engsten Familienkreise das Fest der silbernen Hochzeit. Aus diesem Anlasse erhielten die Jnbilare/ die sich allgemeiner" Sympathien erfreuen, Beweise der aufrichtigsten Verehrung. Fra» Marie Steiner, eine Dame von besonderer Herzensgüte, betätigt sich nebst ihreiihäuslichen Pflichten in reger Weise ans dem Gebiete der Nächstenliebe und - kein Armer verläßt nnbeschenkt ihr. Haus. Sie bekleidet auch seit mehreren Zähren die Funktion einer Schristführerin im Jubiläums-Frauen-Vereine im U. Bezirke. : Gr. Znaim, Am 20, d. M. fand hier die Trauung des Herrn Alfred Deut s ch, Sohn des Herrn S, Deut s ch. Ritter des Franz Josefs-' Ordens mit Fräulein Elisabeth W e i n b e r g e r, Tochter des-bekannten Fabrikanten Herrn Alfred Weinberger statt. Ans diesem Anlässe war der in.allen Räumen überfüllte Tempel mit Blumen und Teppichen dekoriert. Unter den zahlreichen Festgästen bemerkte man den Bürgermeister" Dr- H o m m a samt Gemahlin, den gewesenen Abgeordneten O b e rw i m me r, Notar F i a l l a, den Kultnsvorsteher Wotzilka samt Vorstandsmitgliedern, den Vorstand des Frauenvereines und der Chewra- Kadischo. Die Trauungsgesänge wurden vom verstärkten Chor mit Orgel-- und Orchesterdegleitung in ausgezeichneter Weise ansgeführt. Den - Trauungsakt vollzog Se. Ehrwürden Rabbiner Professor Dr. K a h a n> welcher aii das Brautpaar eine zu Herzen gehende Ansprache, hielt. Die kantorale Funktion versah in erhebender Weise Oberkantor Hau dgrisf- Um'das Arrangement hat sich Frau Professor Dr. Kahan besonders verdient gemacht und fand diese überaus schön veranstaltete Trauung ungeteilte Anerkennung. Der Brautvater, dessen Wohltätigkeitssinn allgemein bekannt ist, hat ans diesem Anläße namhafte Spenden für die Armen der Stadt, sowie für verschiedene. Institutionen der Kultnsgemeinde gemacht. Köln. Die Einnahmen des Jüdischen Ncttionalfoilds während des. ersten Halbjahres 1913 betrugen Mk. 344.217-18 (gegenüber Mk. 241-045-26im ersten Halbjahr 1912). Hiervon entfielen auf Rußland: Mark 112.408-52 (i. V. Mk. 59.766-76), N o r dam e r i k a: Mk. 60.345-41 (i. B. Mk. 37.294-18), Oesterreich: Mk. 60.241-06 (i. V. Mark 59.791-50), Deutsch l a n d : Mk. 43.272-18 (i. V. Mk. 25.705-09) der Rest verteilt sich aus Südafrika, Kanada. England, Rumänien Ungarn, Holland, Türkei, Belgien, Südslavische Länder, Argentinien, Ostasien. Griechenland, Frankreich. Australien, Schweiz, Bulgarien, Italien, Brasilien,. Aegypten, Schweden, Dänemark, Serbien und Portugal, wobei die Länder nach der Höhe ihrer Abgaben an den NF geordnet sind. Die letzte Wocheneinnahme des NF betrug Mk. 27.632-27. Berlin. (P a l ä st i n a f a h r t d e r j ü d i s ch e n Ingen d.). Durch die Erfolge der letzten Palastinafahrt der jüdischen Turner und Studenten veranlaßt, hat sich aus Vertretern der Jüdischen Turnerschaft, des Bundes Jüdischer Korporationen und des Kartells Zionistischer Berbinduiigen ein m Berlin ständiges Komitee zur Veranstaltung von Palästinafahrten gebildet. Dasselbe hat es sich zur Ausgabe gemacht, die.Erfahrungen der letzten Palästinafahrt nutzbar zu machen, um die nötigen Vorbereitungen für jährlich nene Palästinafahrten zn treffen. Zunächst ist von den oben genannten Organisationen eine Palästinafahrt für das Frühjahr 1914iii Aussicht genommen. Das Komitee ist mit den Vorbereitungen bereits beschäftigt und steht allen Interessenten mit jeder Auskunft gern zur Verfügung. Alle Zuschriften sind an das Büro 'Berlin W. 15, Bleibtreustr. 25zu richten. - Bukarest. In der letzten Sitzung: des Senats richtete Senator L a h o v a r y an die R e g i e r u u g die Anfrage, welche Behandlung den jüdischen Soldaten zuteil werden sollte, welche für die Vergrößerung Rumäniens ins Feld gezogen seien, trotzdem sie keine Rechte, im Landgenießen, und ob diese Soldaten daun als wirkliche Kinder Rumättiens anerkannt werden würden. Im Namen der Regierung gab Finanzininister M a r g h i l o m a n die Erklärung ab, daß "alle diejenigen Soldaten jüdischer Konfession, die jetzt zu den Fahnen gerufen werden, so weit sie tatsächlich in Rumänien geboren sind, 'mit außerördentiicher .Schnelligkeit, und. mit allen tunlichen Erleichterungen die rumänische Staatsangehörigkeit und somit die gleichen Rechte wie alle anderen-rumänischen Staatsbürger erlangen werden. (Lebhafter Beifall.) Wie dys. „Advernl" bemerkt, dürfte, es sich um 15.000 Soldaten jüdischen Glaubens handeln, die nunmehr hie rumänische Staatsangehörigkeit zuerkannt erhalten werden. Kiteratm-. Neue Blätter. (Dritte Folge Nr. 1 n. 2, Buberheft, Preis Mk. 1.50. . Verlag der „Neuen Blätter, Hellerau bei'Dresden. '.■'} Das vorzüglich ausgestattete Buberheft enthält folgende Aufsätze", des tiefsinnigen jüdischen Mystikers: Das Neden des Ekstatikers, Von der ' Lehre, Das verborgene Leben, .Das Judentum und die.Mmschen,"Der" Sinn der chasidischen Lehre, Kultur und Religiosität, Buddha, Dre Legenden vom Baälschem: 1. Die Himmelwanderung, 2. Der Widerfacher 3. Das Rufen. Ein feinfühliger und umfassender -Aufsatz des jüdischen Schriftstellers 'Gustav Landauer über Martin Bub er schließt daZüberans geistvolle Heft. ' Die Wahrheit

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