Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 28 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. . . ' Die Wahrheit ' . ..". Nr. 28. In Butschowitz war Herr Landau vier Jahre und erfreute sich einer solchen! Beliebtheit, daß bei seinem Scheiden die gesamte Gemeinde beim Bahnhof war und- Tränen vergosz.- T)as Abgangszetlguis der Gemeinde Bntschowitz enthält folgenden Passus: Sein ersprießliches Wirken in allen Fächern, die er vollko mmen beherrscht, sein religiös-sittlicher Lebenswandel rufen das allgemeine Bedauern sämtlicher Gemeinde- Mitglieder über sein Scheiden hervor, denn b l o ß der Umstand, daß in seiner neuen Gemeinde eine. M i t t e l s ch u l e - ist, für deren Frequenz er seine zwei Knaben bestimmt, hat ihn bewogen, unsere Gemeinde zu verlassen. Ende Juni 1893 wurde Herr Lan d au zu einem Probevortrage nach Wiener--Neustadt berufen und sofort akzeptiert; von allen weiteren Berufungen wurde abgesehen. Am 1. August 1898 sollte er sein neues Amt antreten, aber in Buischowitz konnte man keinen passenden Nachfolger finden, so mußte Herr Landan mit Erlaubnis der Gemeinde Neustadt in Bntschowitz bis Ende August verbleiben, während er von beiden Gemeinden bezahlt wurde. Bei Gelegenheit seines Scheidens von Bntschowitz, wo er ein wahrer Seeleuhirte war und noch heute geliebt und verehrt wird, erhielt er zahlreiche Ehrengeschenke und wurde zum Ehrenmitglied der „Chewra Kadischa" und aller Vereine, die er gegründet, ernannt. In Wiener-Neustadt erhielt Herr Landau nach der ersten Funktion an den hohen Feiertagen ein Ehrengeschenk von zehn Dukaten in einem Etui. Volle zwanzig Jahre, unter vier Kultnsvorstehern, wirkt nun Herr Landan in einer sprichwörtlichen Pflichttreue in derselben Gemeinde als Vorbeter, Religionslehrer und. Sekretär. Mit dem Schuljahre 1912/13 hat Herr Landau auch den Unterricht an sämtlichen Mittelschulen übernommen, zu dem er infolge seines reichen Wissens vollkommen befähigt ist. Der Religionsinspektor, Dr. A. Taub eles schreibt über Herrn Landau folgendes: „Er besitzt die Befähigung in vollkommener Weise an allen Lehranstalten, auch an den oberen Klassen des Gymnasiums, ersprießlichen Religionsunterricht zu erteilen und erbauende Vorträge in einer Synagoge zu halten. Sein ansgebreitetes und vertieftes talmndisches Wissen und sein gediegener Charakter geben bei seiner bewährten Erfahrung auf dem religiös-pädagogischen Gebiet die zuversichtliche Gewähr dafür, daß die Jugend durch ihn in wahrhaft religiösem und humanitärem Geiste erzogen und ansgebildet werden kann." Auch Herr Banrat Stiaßny spricht von Herrn Landau in einem Briefe als von einem „tim die Wissenschaft und das Uttterrichtsweseu wohlverdienten Mann". Herr Landau erfreut sich an allen Schulen einer seltenen Beliebtheit und hat es als einer der wenigsten verstanden, durch seine musterhafte Disziplin, durch seine Ruhe und Bescheidenheit, sowie durch sein festbegründetes theologisches und profanes Wissen die Freundschaft des gesamten christlichen Lehrkörpers, auch der Geistlichkeit, zu erwerben. Herr Landau hat wiederholt Anerkennungen von der Gemeinde, dem Landesschulrate und den Inspektoren und Direkloren erhalten. Von seinen zahlreichen Schülern, denen er stets ein väterlicher Berater ist, wird er mit wahrer Innigkeit geliebt. Charakteristisch ist es, daß bereits erwachsene ehemalige Schüler ' ausdrücklich verlangen, daß Herr Landan sie, wie einst in der Schule, mit „Du" anspreche. Herr Landau ist vielfach schriftstellerisch tätig gewesen und fesselt auch in diesen Blättern durch seine packenden Schilderungen die Aufmerksamkeit unserer Leser. Ein schwerer Schicksalsschlag, der Verlust eines erwachsenen Sohnes in der Blüte feines Lebens, hat den einst lebensfrohen und witzreichen Mann völlig gebrochen und seit der Zeit lebt er in Stille nnd Zurückgezogenheit nur seinem Berufe und findet in dem nur zu oft undankbaren Weltgetriebe seinen einzigen Trost in der Liede und Verehrung seiner vielen Schüler und Schülerinnen, von denen er bereits zwei Generationen in der göttlichen Lehre unterweiset und volles Gewicht auf die Einprägungen der Liebe zum Judentum legt. Liebevoll steht ihm seine Gattin zur Seite und von den beiden Kindern ist die Tochter an den Arzt Dr. Oskar Wilder in Wiener-Neustadt verheiratet, während der Sohn, Unseren/ lieben Lesern Wohlbekannt, dem-' nächst das Doktorat, an zwei Fakultäten erwerben wird: Wir rufen dem Jubilar, der seinen Ehrentag in aller Stille beging/ eiii aufrichtiges Maseltow zu.? Verschiedene Nachrichten Wien. (S t i f t u u g tre s W i e u e r Kolo u i s a t i o n s-- D e r eine s.) Der Jüdische Koloniiatiousverein inWien hat vor wenigen Tagen dem Hanptbnrean des Jüdischen Nationalfouds die Summe von Frs. 10.000 überwiesen mit der Maßgabe, für diesen Betrag 10 A e m en i t e n h a ns er in einer der palästineusischen Kolonien erbauen zu lassen nnd diese Gruppe von Hausern Nach Herrn Bäurat Wilhelm Straß n y> s. A. zu benenneu. In dieser Zuwendung darf nicht nur-ein Zeichen der Sympathie mit der Hilfaktion des NF für die in Palästina einwandernden Jemeniten, sondern auch eine Anerkennung der Tätigkeit des NF überhaupt und ein Zeichen des Vertrauens zu der Verwaltung dieses Fonds erblickt werden. Wenn man'beobachtet, daß in letzter Zeit verschiedenegrößere Stiftungen den Zwecken des'NF von Nichrzioiilsten zugewendet worden sind, so ist wohl die Hoffnung-berechtigt, daß in absehbarer Zeit alle diejenigen, denen die soziale nnd wirtschaftliche Stärkung des jüdischen -Volkselements in Palästina am Herzen liegt, den NF. auf das tatkräftigste fördern werden. - : Wien. Am 10. d. M.- verschied hier nach langem Leiden der zugroßen Hoffiiuiigeu berechtigte 24 jährige Llebmnnd (Elieser) B r u n n e r, Sohn des bekannten jüdischen Literaten Samuel Brunner s. A. Die ans Stampfen stammende trauernde'Familie' ließ es sich nicht nehmen, ihren langjährigen Berater und Freund', den Stampsener Rabbiner Moritz- Herzog, telegrafisch an den Sarg : diesesMn der schönsten Blüteseines Lebens verschiedenen jungen Mannes zu bitten, der seinem ehemaligen Lieblingsschüler, bei dem unter zahlreicher Teilnahme von Verwandten nnd Freunden stattgehabten Leichenbegängnisse einen überaus ergreifenden Nachruf hielt. Ausgehend von den Worten des lausenden Wochen-Abschnittes: Inas vrnttK '."INI - mö 'V22 nön schilderte Redner den kurzen aber mnsterhasten Lebenslauf des so früh Heimgegangenen, seinen, tiefreligiösen Sinn, seinen großen Wissensdrang und sein ernstes Streben,, selbst unter Verzicht ans die Annehmlichkeiten- und Freuden des menschlichen Daseins, strenge nach den Geboten unserer heiligen Religion zu leben. Er, der als ältester Sohn die Stütze seiner vielgeprüften Mutter- Witwe hätte sein sollen, möge nun am himmlischen Throne ein Fürsprecher für sie und seine Geschwister sein! 0. M. Wien. Letzten Sonntag fand in' der „Schiffschul" die Trauung des Herrn Kantor M. Eibelischütz ans Ungar.-Osträ (Mähren) 'mit Fräulein Hella Off er ans Mähr. Weißkirchen statt. Die Trauungszeremonie wurde unter gottesfreiem Himmel vorgenommen, indem an den Orann hakaudesch. angrenzenden Tempelhofe, wo der Baldachim bei jeder Witterung ausgestellt wird. Der Bräutigam zog vor der Kopulation den weißen Jom-Kippnr-Kittel an, die Braut wurde mit denn goldenen Decktnch bedeckt. Herr Rabbiner F ü r st hielt keine Ansprache und beschränkte sich nach streng jüdischer Sitte ans die Rezitation der. Segenssprüche und Vorlesung der Kesube. Erhöht wurde die Feierlichkeit .durch den weihevollen Gesang des Herrn Oberkantor Müller. Nach den Trauung war eine gemütvolle Gratulation im Restaurant Pinkas. Mißlitz. Zn Ehren unseres nach Wien berufenen Oberkautors-' H. M a y j e r o w i t s ch fand Samstag, den 12. d.-M. im Hotel Bader ein.. Abschiedsbankett statt, welches einen glänzenden Verlauf nahm. Die unge-- wöhnlich rege Teilnahme gab Zeugnis. für die Beliebtheit und Hoch-- schätznng, deren sich der Scheidende in-allen Kreisen erfreute,-Zn Beginn, der Feier sang der hiesige israel. Gesangverein unter der Leitung des- Oberlehrers Leo H e rsch einen Abschiedschor, nach welchem Herr Hermann Steiner in einer launigen Ansprache die Anwesenden begrüßte. Hieraus hielt Oberlehrer He rsch die Abschiedsrede, in welcher er den Scheidenden als Kantor und Inden, wie auch als Menschen feierte^ Hieran schloß sich ein Liedervortrag des Fräulein Hilde F i s ch e r, von Fräulein Frida Hauser exaktest begleitet, ferner ein Melodrama, das „Hexenlied" von W i l d e n b r u ch,- vorgetrageu von Herrn Franz. P o l l e n z, mit Fräulein Anna S chm i e d l am Klavier. Es sprachen dann der Knltnsvorsteher-Stellvertreter Herr Adolf G rün b aum und Herr Simon Jensky, Obmann des jüdischen Gesangsvereines, dessen. Chormeister der Scheidende war, Worte der Anerkennung, woraus dem Herrn Oberkantor zur bleibenden Erinnerung ein sinniges Geschenk über- ■ reicht wurde. Herr Mayerowitsch dankte tief gerührt für all die ehrenden Beweise der Sympathie. Unsere besten Wünsche begleiten Herrn Oberkantor M a y e r o w i t s ch in seinen .neuen Wirkungskreis. L. H. New-Aork In San Franzisco (Kalifornien) wurde dieser Tage das Testament der reichen Kanfniannswitwe Frau Karoline Neustädter eröffnet. In diesem Testamente verfügt die hochherzige Frau, daß ihr Sx/2 Millionen Dollar betragendes. Bei mögen, das sind nahezu 17 Millionen Kronen, fast zur Gänze jüdischen wohltätigen Zwecken zngeführt werde. Eine Million Dollar ist zur Errichtung von Sommerwohnungen für Arme, welche der frischen Luft und Ruhe bedürfen, bestimmt. Das Newyorker Har-Sinai-Hospital erhielt 100.000 Dollar umd je ebensoviel die jüdischen Vereinigten Wohltätigkeitsberbände und' das Newyorker jüdische Waisenhaus. Ebenso erhielten verschiedene allgemeine und jüdische Wohlfahrtsanstalten in Newyork und San Franzisco Beträge zwischen 10 uub 25.000^ Dollar. Auch Zeit ihres Lebens hat.diese edle Frau in großem Maß stabe Wohltätigkeit geübt.