Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 28 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit Seite 5. Nr. . 28. Soldaten vorhanden sein. „Die Befreiung einer Klasse von Staatsangehörigen vom Militärdienst", sagte Rodischew weiter, „führt znm Verfall. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Juden tapfere Soldaten ' sind und alle staatsbürgerlichen Pflichten ebenso.'gewissenhaft• erfüllen wie die übrigen Bürger. Nicht die Inden , haben Rußland zur Niederlage von Tsuschima geführt. Dagegen war der General, der für Rußland die zentralasiatischen Provinzen eroberte, ein Jude von Geburt. In England, Italien, Frankreich. dienen eine Unmenge Juden, sie geben zu keiner Klage Alllaß. Gebt den Juden Rechte, ihr könnt ihnen alsdann noch: mehr-Pflichten auferlegen. Betretet den Weg des Rechts und der Gerechtigkeit; das ist der Weg, ein starkes und mächtiges Rußland, eine starke und mächtige Armee zu schaffen." (Langanhaltender Beifall.) So weit der christliche Dumaabgeordnete Roditschew. Einige der ausgezeichneten Soldaten, deren Namen in den militärischen Annalen Frankreichs verzeichnet stehen, waren Inden oder jüdischer Abstammung — die Marschälle Sonlt, Ney, Massena und andere. Ney hatte sich den Namen „1s brave des braves“ und Massena denjenigen des „enfant de la viotoire“, erworben, Titel, die sie wohl verdienten. Auch in Frankreich liefern heute die Juden verhältnismäßig eine größere Anzahl von Angehörigen znr Armee, als die Christen. . Während der Dreyfus-Affaire ereignete sich in Paris folgender Vorfall: Eine Menge von Antisemiten hielten eine Versammlung unter freiem Himmel ab, als sie einen General und einen Oberst gewahr wurden, die auf sie zukamen. „Vive l’armee!“ schreien und die beiden Offiziere erfassen, auf die Schultern heben und im Triumph bis ans Ende der Allee tragen/war schnell geschehen. Doch plötzlich wurde der General von einigen Antisemiten erkannt, es war der General Liebermanm Er und der Oberst waren Juden. Statt des „Vive l’armee!“ ertönte sofort: bas Iss Juifs!“ In Italien ist einer der beliebtesten Heerführer, der General Ottolenghi jüdischer Herkunft/, und die italienische Armee besitzt außerdem viele andere Inden, welche .dem Vaterlande vorzügliche Dienste geleistet haben.- , . In Deutschland haben 5417 Kombattanten an dem Kriege von 1870/74 teilgenommen, von denen bekanntlich ein recht beträchtlicher Prozentsatz mit dem eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde. Die deutschen Juden erfüllen ihre militärischen Pflichten mit derselben biederen und loyalen Treue und Hingabe, welche den Geist des ganzen deutschen Volkes charakterisiert. In Oesterreich-Ungarn dienen verhältnismäßig zweimal so viel Juden als Christen im Heere. Auch in der Flotte, obgleich sie klein ist,, dienen viele Israeliten. Der Sultan Abdul Hamid hat den Ausspruch getan, „daß er auf alle seine jüdischen Untertanen in Kriegszeiten bestimmt rechnen könne. Als der Krieg mit Krieg mit Griechenland 1897 ausbrach, stellten sich aus allen Teilen der Türkei Juden freiwillig dem Heere, genau wie es 1877 im Kriege gegen Rußland der Fall war. Bei Domokos stand nur eine ans Juden gebildete größere Abteilung den griechischen und italienischen „Freiwilligen" gegenüber. Letzere wurden geschlagen. Nach Beendigung des Krieges wurden 42 Juden vom Sultan mit der .nur spärlich-verliehenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Die Juden sindstets mit Achtung, ja sogar mit Gunst und Gewogenheit von den Türken behandelt worden, hauptsächlich auch ihrer Bereitwilligkeit wegen, ihre Dienste bei Kriegszeiten dem Sultan anzubieten; sonst sind sie, da nur Mohammedaner znr Armee genommen werden, von der Wehrpflicht befreit. In den Vereinigten Staaten von Amerika wurde während des Krieges -mit Spanien die gleiche Opferwilligkeit und Hingabe bewiesen.! Der erste Freiwilliges welcher sich meldete, war ein Jude imb der erste Amerikaner, welcher auf dem Felde der Ehre fiel, wcMein Jude. Es muß bemerkt werden, daß die amerikanischen Generäle über den Mangel an Drill und Disziplin sehr beunruhigt waren, der den Tausenden von Freiwilligen leider anhaftete. Nur die kleine reguläre Armee war imstande, sofort/ins Feld zu rücken. Von'den jüdischen Freiwilligen jedoch wurde .sogleich ein Regiment Kavallerie'und ein Regiment Infanterie gebildet, und zwar von solchen Leuten, die in Rußland und Deutschland gedient und eine vortreffliche soldatische Schulung erhalten hatten. Die meisten von ihnen befanden sich in eigenem Besitz und ausreichender Vermögenslage, als ihr Adoptivvaterland ihre guten Dienste begehrte. Der Oberst (später Präsident Roosevelt) hat in Ausdrücken höchsten Lobes von den Juden gesprochen, die in seinem Regiment „Rauhe Reiter" standen. Er erwähnt namentlich einen jüdischen Sergeanten, der ihm bei einem Gefecht das Leben gerettet hatte, aber leider bei dieser Gelegenheit getötet wurde. Mehrere hundert Inden befanden sich unter dem Besatznngskorps ans den Philippinen, wo sie sich in vielen Gefechten und Scharmützel brav benommen haben. Britische Juden haben in nicht geringer Zahl an dem Kriege gegen die Buren teilgenommen. Sie waren in nicht weniger als fünfundzwanzig Regimentern (die Hochländer und. die Garden mit eingeschlossen) vertreten. In einem Berichte des Oberst Harris, der die Kimberley Ristes befehligte, heißt es: „Die in meinem Regiment befindlichen Inden sind in ihrem Kern und Wesen milltärisch veranlagt, sie sind gehorsam und tapfer. Ihre Schlauheit und Gewandtheit macht sie zu Führern und Patrouillen sehr geeignet. In dem Feldzuge an der indischafghanischen Grenze sind zwei jüdische Offiziere gefallen, deren Mut gerühmt ward. Von der jüdischen Gemeinde in Bombay werden viele junge Leitte Soldaten tmb ein starker Teil von ihnen avanciert zu Offizieren. Und wir müssen ferner erwähnen, daß das mächtigste Bergvolk Afghanistans an der Nordwestgrenze von Britisch- Jndien, die Afridis, welche über 6000 waffenfähige Männer ins Feld stellen, mit Stolz ihre Abstammung von den Hebräern rühmen, eine Abstammung, die nicht nur durch ihre streng markierten jüdischen Gesichtszüge, sondern auch durch andere Zeugnisse und Augenscheiulichkeiten zweifellos bewiesen ist. Die stämmigen, handfesten jüdischen Bergbewohner von Daghestan und Kaukasien machen die Waffeuhandhabung zu ihrer Hauptbeschäftigung und sind so gefürchtet von ihren Feinden, daß diese sie gern in Ruhe lassen und es mag noch gesagt werden, daß ein Stamm von Juden unter den ungestüm kämpfenden Volke des Atlasgebirges die herrschende Rasse bildet. Alles bisher Gesagte gibt nur eine schwache, aber allgemeine Idee von dem Anteil, den die Inden jetzt in der Welt als Kämpfer und Krieger nehmen; aber wäre es unsere Aufgabe, ihre Laufbahn von den Tagen ihres Gesetzgebers Moses an zu schildern, so würde sich die Tatsache ergeben, daß sie niemals und in keinem Zeitalter sich unwürdig gezeigt haben ihres großen Kriegers und Helden, des Königs David. Die Kage -der Inden in Rnmiinien. Angesichts des aktiven Eingreifens Rumäniens in die kriegerischen Ereignisse auf dem Balkan dürften die in dem soeben ausgegebenen Berichte der Pariser „Alliance Jsraelite Universelle" enthaltenen Mitteilungen über die Lage der rumänischen Juden im abgelanfenen Jahre von besonderem Interesse sein: Während des Jahres 1912 sind hintereinander zwei Ministerien am Ruder gewesen: ein konservatives unter der Präsidentschaft Carps, ein konservativ-demokratisches mit Herrn Titu Majocesco an der Spitze. Von dem ersten hatten die Israeliten eine Besserung ihrer politischen Lage erhofft, denn sein Vorsitzender hatte ihnen stets Wohlwollen bewiesen. Aber wenn mau eine Bilanz seiner Betätigung zieht, bleibt nur das eine Amendement znm Jndustriegesetz übrig, das den jüdischen Arbeitern das Recht auf Arbeit zugesteht. Man darf auch ansühren, daß die vom Parlament, bewilligten Naturalisationen etwas weniger sparsam ausgefallen waren. Allzu optimistische Schlüsse darf mau aus den Zahlen allerdings nicht ziehen. Zehn Naturalisationen waren vom Senat und sechsnnddreißig von der Depntiertenkammer genehmigt worden, ihre Geltung aber erhalten sie erst, wenn sie von beiden gesetzgebenden Körperschaften gemeinsam bewilligt werden, und auf dem Wege von einer zur anderen pflegen die individuellen Gesuche stets