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Die Wahrheit · 1913-07-11 · Heft 27 (11.7.1913) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 27 (11.7.1913)
Date
1913-07-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Leite 7. Nr. 27. Die Wahrheit Ler salomonischen-Zeit, da man Steine doch niemals importiert Hat. Oder sie gehörten zn den Steinen, mit welchen der nichtswürdige Simei den König David bewarf, als dieser vor ^Äbsalom flüchtete und mit seinem Gefolge weinend dnrch die ^Talschlucht Kidrou wanderte. Und der hartgeprüfte, vornehm gesinnte König verbot mit unvergleichlicher Demut seinen Leuten, den Bösewicht zn züchtigen, da er überzeugt war, daß sein ^Unglück eine göttliche Fügung sei und die Erwartung hegte, daß er, sobald er dessen würdig wird, zu seiner früheren Herrlichkeit znrückkehren würde. Vielleicht war diese Situation vorbildlich für das aus .Jerusalem verdrängte und seitdem von niederträchtigen Feinden 7mit Steinen und Kot beworfene Israel. Es kann ebenfalls mit vornehmer Gesinnung mtb starkem Vertrauen auf die Zukunft -alle Insulten ertragen. Es kann wie der Psalmist sagen: Wenn es -Bott gefallen wird, dann werden die Verfolger ihre Meinung -andern. „Dann wird man unter den Nationen sprechen: Großes hat der Herr an diesen getan!" rb» oy nwb *n XU. Rückkehr üb er Neapel und Rom. — Epilog: A n s p r a ch e a n d i e st u d i e r e n d e Inge u d. Der Dampfer der französischen „Messageries maritimes“, -Der sonst am Mittwoch, von Beirut kommend, bei Jaffa Passagiere anfuimmt, ist diesmal wegen des überaus stürmischen Wetters, das eine Einschiffung von Jaffa ans ganz unmöglich -machte, in der Nähe der Küste ohne Aufenthalt vorbeigefahren. Der Anschluß nach Port Said — von wo ans mau regelmäßige und sichere Verbindungen nach Europa hat — war nur noch durch den am Donnerstag fälligen „Russen" möglich; sonst wäre, noch mehrere Tage auf den Oesterreichischen Lloyd zn warten gewesen. Das russische Schiff konnte glücklicherweise, da die See sich ein wenig beruhigt hatte. Personen aufnehmen. 'Die Barkenfahrt dnrch die Klippen über berghohe Wellen war diesmal wirklich lebensgefährlich. An Bord erwies sich der 'Dampfer als ein unsäglich schmntziger alter Kasten. Dabei führte er den stolzen Namen „Zar". Die Fahrt gestaltete sich sehr -ungemütlich. Dafür konnie ich von Port Said ab den prachtvollen, mit allem Komfort.ansgestatteten Dampfer „Scharnhorst" des Norddeutschen Lloyd benützen, der, von Australien kommend, -direkt nach Neapel ging. Obwohl er bereits drei Wochen unterwegs war, war alles blitzblank, von peinlicher Sauberkeit, der 'Aufenthalt in den Salons wie ans Deck ein Vergnügen — das nur durch die ungünstige Witterung beschränkt wurde. Ich fuhr nun — von Jerusalem nach Italien — auf demselben Wege, auf welchem einst die unglücklichen Kriegsgefangenen -ans Jerusalem und die Kostbarkeiten des Tempels nebst der Thorarolle von Titus für seinen Trinmphzng nach Rom geführt -wurden. Hin und wieder waren in der Ferne Kriegsschiffe zn sehen,' die nach ottomanischen Küsten Verderben trugen, ebenso wie .in früheren Jahrhunderten ottomanische Eroberer auf ihren Galeeren nach Morea und der adriatischen Küste gezogen waren. Radiotelegramme meldeten, daß nun Saloniki in der Hand der Griechen, das bulgarische Heer nicht weit von Konstantinopel sei. 'Die Meereswellen erinnerten mit ihrem gleichmäßigen Rauschen und Toben an den Rhythmus der Völkerkämpfe, Invasionen, Grobernngen, Rückströmnngeu, Siege und Niederlagen von Elam -bis Byzanz, von den Mongolen bis zu den gegenwärtigen 'Balkanslaven. „Da du andere ertränkt hast, wurdest auch du -ein Opfer der Gewalt." Der aramäische Spruch Hillels ist mbrigens selbst rhythmisch,; ein ganz korrekter Hexameter: AI d’atepht atiphuch, wessöph metiphajck jetuphun. Mittwoch, 6. November nachmittags war die kalabrische Hüfte in Sicht; nachts fuhren wir durch die enge Straße von 'Messina. Einen schönen Anblick boten die zu beiden Seiten die 'duükle Meeresfläche begrenzenden langen Lichterreihen der Städte 'Messina auf der sizilianischen und Reggio auf'der kalabrischen Seite. Donnerstag vormittags waren wir in Neapel. Ich habe lange suchen müssen, bis ich das entlegene kleine Gäßchen Via 'Oappella Vecchia faitb, wo sich in einem altertümlichen Hause der Betsaäl der sehr kleinen neapolitanischen jüdischen Gemeinde ülnd zugleich' die Wohnung des Rabbiners Laidi Tedesco befindet. Es war mir von einem Freunde auch angegeben worden, daß Piazza della Borsa ein jüdisches Restaurant bestehe — was mir, da ich bereits mehrere Tage nichts Warmes gegessen hatte, nach der langen Seereise (diesmal auch ohne Konserven) besonders erwünscht' gewesen wäre. Leider ergab sich nach mühevollen Recherchen, daß sich in einem Hause des erwähnten Platzes nur die „Fondazione de Rothschild“ (eine winzige Schule, in der einige jüdische Knaben und Mädchen Religion lernen) befindet und ein Funktionär wohnt, der auf Bestellung bereit war, eventuell am folgenden Tag für ein Mittagessen zn sorgen. Man kann nicht sagen, daß das Judentum in dieser Weltstadt würdig vertreten sei, wenn man auch der Familie Rothschild dafür dankbar sein muß, daß dnrch ihre Liberalität wenigstens eine Spur jüdischen Lebens erhalten wird. Die Inden haben in Neapel im sechsten Jahrhundert in der Vorderreihe der Bürger gestanden. Sie haben jur Zeit des Kaisers Jnstinian. wie der zeitgenössische Historiker Prokopius berichtet, die Stadt am tapfersten gegen Belifar verteidigt. In Neapel hat Jakob Anatoli auf Veranlassung des Hohenstaufen-Kaisers Friedrich H. wissenschaftliche Werke aus dem Arabischen übersetzt. Hier hat auch Don Jsak Abrabanel nach der Vertreibung aus Spanien gelebt und seinen hebräischen Kommentar zum Buche der Könige verfaßt. Jetzt ist hier weniger Judentum als in einer kleinen böhmischen Landgemeinde. Ich bin noch am selben Abend nach Rom weitergereist, wo ich in der Nacht eintraf. Eine herrliche Stadt, in der mau von Staunen und Bewunderung nicht herauskommt; in der man zu gleicher Zeit Ueberreste der Bauten des Angustus und der slavischen Kaiser — Colosseum, Triumphbogen des Titus, Forum Trajannm, — die unvergleichlichen Kirchenbauten und und Knnstschätze des Mittelalters und die großstädtische Pracht einer modernen königlichen Residenz in märchenhaften Nebeneinander sieht. Für einen Inden ist es tröstlich, daß in der Städte wo sich die grandiose Peterskirche als Monument der Weltherrschaft des Katholizismus erhebt, wo das Judentum zur Zeit der päpstlichen Regierung der tiefsten Verachtung preisgegeben war, das Ghetto mm bocf) verschwunden ist, ein Jude als Bürgermeister fungiert und andere hervorragende Juden als Minister an der Leitung des italienischen Staates teilnehmen. Nicht weit vom Pantheon, vom Forum Romannm, wo schon Cicero in seiner Rede „Pro Flaeco“ mir einer demagogischen Geste auf die in Rom wohnenden Juden hinwies; nicht weit vom Colosseum, wo die heldenhaften jüdischen Kriegsgefangenen zum Gaudium der vornehmen römischen Damen in der Arena von Bestien zerfleischt wurden; vom Arco di Tito, durch welchen das dankbare Rom den Triumph über den Gott der Juden und das geknechtete Judäa für ewige Zeiten in Stein ausdrücken wollte, — befindet sich jetzt ein neuer, sehr schöner jüdischer Tempel (am Quai Lungo Tevere Cenci), wo regelmäßig Gottesdienst stattfindet und die hebräischen Gesänge in würdiger Weise erschallen. Als Präsident der Gemeinde sowie der jüngst znstandegekommeuen Vereinigung aller jüdischen Gemeinden Italiens wirkt der angesehene Advokat Cav. Angelo Sereni, den ich Freitag abends beim Gottesdienste kennen zn lernen das Vergnügen hatte. Im Restaurant Teglio, Via Campo Marzio, (unweit der Piazza Colonna) hat man Gelegenheit, Inden aus aller Herren Länder kennen zu lernen; jüdische Juristen und Mediziner aus Rußland, die sich zn Stndieuzwecken in Rom anshalten, streng religiöse Kaufleute ans Frankfurt a. M.. Vergnügungsreisende aus verschiedenen Gegenden. In jüngster Zeit hat sich ein Zirkel zur Pflege der hebräischen Sprache und Literatur gebildet. Ich konnte mich leider nur kurz in der „ewigen Stadt" aufhalten. Ich eilte über Florenz, wo ich die Freude hatte, das gastfreie Haus des Oberrabbiners Dr. S. H. Margnlies kennen zn lernen und über Bologna nach Wien zurück. In verschiedenen Vorträgen (im Verbände der israelitischen Religionslehrer, im zionistischen Frauenverbande) hatte ich Gelegenheit, die frischen Eindrücke von dem in Palästina Gesehenen und Gehörten wiederzugeben. Als Epilog zur ganzer!

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