Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 26 (4.7.1913)
- Date
- 1913-07-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Dre Wahrheit Nr. 25. Errichtung und Erhaltung dieser Institution verdient gemacht haben, den Dank der Schüler und des Lehrkörpers abstattete. Mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser fand diese Rede und auch die schöne Feier einen würdigen Abschluß. Wien. (B ethausv erein am Vo lkert.) Der Verkauf der Betsitze für den neuerbauten uud im September zu eröffnenden Kaiser Franz Joses I.-Huldigungsrempel, H., Pazmaniteng a s s e 6, findet vom Sonntag, den 29. Jnni an, täglich von 10—12 Uhr vormittags, mit Ausnahme Saorstag, im Tempelgeböude statt. Wie«. (Jüdischer Turnverein Favorite n.) Bei der Sonntag, den 8. Juni 1912 stattgehabten Generalversamnilung sind nachfolgende Herren in den Turnrat gewählt worden: Samuel I n s e l, Obmann. Wilhelm Wein berge r, Obmannstellvertreter. Siegfried Heller, I. Schriftführer, techn. Josef F i s ch e r, II. Schriftführer, ras«!. Adolf T a g l i ch t, Turnleiter. Herbert Hoch st i m m, L Kassier, exp. Heinrich Singe r, II. Kassier. jur. Robert E i s e n b e r g, Geräteverwalter. S. Medlinger, I. Beisitzer. Heinrich Weiß, II. Beisitzer. Max B e r n a t, HI. Beisitzer. Nad Pyrawarth in Niederösterreich, eines der ältesten natürlichen Eiseubäder, nimmt seit einigen Jahren unter der Leitung eines tüchtigen Wiener Frauenarztes eine» bemerkenswerten Aufschwung. Der Umbau und die moderne Einrichttmg des alten Kurhauses und der eben vollendete Neubau einer mit allem Komfort aus gestatteten Dependance befriedigen bei mäßigen Preisen auch ein verwöhntes Kurpublikum. Die günstige Lage des Kurortes an einer Nebenbahn der Nordbahn (Landesbahn Gänserudorf- Mlstelbach) ermöglicht deffen leichte Erreichbarkeit auch aus den an Niederösterreich angrenzenden Krouländern und bewirkt, daß es gerne als Ersatz für Franzensbad aufgesucht wird. Unsere Glaubeusgenoffen dürfte es auch interessieren, zu erfahren, daß die rührige Direktion sich bemüht, den in anderen Kurorten mehr oder minder versteckt anftauchenden Antisemitismus von Bad Pyrawarth fernzuhalten. Für rituelle Küche ist durch den Verkauf von Koscherfleisch gesorgt. Karlsbad. Der hiesige Glasfabrikant, kaiserl: Rat Herr Ludwig Moser, feierte am 18. Juni d. I. in körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. Was dieser seltene Mann während seiner vierzigjährigen Tätigkeit für seine Gemeinde und im weiteren Sinne für die ganze Judenheit geleistet, ist so allbekannt, daß seine weitere Erwähnung überflüssig ist. Das eine möge besonders bemerkt werden, daß er sich unsterbliche Verdienste um Gründung und Erhaltung des „Kaiser Franz- I o s es-Jubilänms-H o sp iz" für arme Israeliten erworben hat. Ans allen Teilen Europas kommen die kranken und knrbedürftigen Juden herbei, um daselbst Genesung oder doch Linderung ihrer Leiden zu finden. Es geschieht das auf eine Weise, daß niemand etwas Entwürdigendes im Aufenthalte daselbst empfindet, wo er doch unentgeltlich sehr anständig wohnt und verpflegt wird uud die aufmerksamste ärztliche Behandlung findet. Dies verdankt man zumeist dem kaifer! Rat, Herrn Ludwig Moser. Aus Anlaß deffen 80. Geburtstages sprach auch unter den vielen anderen Gratulanten eine sechsgliedrige Deputation bei dem Jubilar vor, um im Namen der im Hospiz weilenden Patienten die herzlichsten Glückwünsche auszusprechen. Sie wurden sehr freundlich empfangen und der Jubilar versprach auch mit bewegten Worten, ferner diesem wohltätigen Institute seine vollste Sorgfalt angedeihen zu laffen. Möge das humane Wirken dieses großen Wohltäters belohnt werden und ihm noch eine lange Reihe froher Jahre beschiedeu sein zu seinem Glücke uud zum Segen der leidenden hilfsbereiten Menschheit, besonders des Judentums! Budapest. Der am 30. Jnni in Nauheim emem Herzleiden erlegene Baron Josef Harva ny-Deut sch gehörte zu den hervorragendsten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Ungarn. Als eines der Häupter der Firma Jg. Deutsch & Söhne, deren Seniorchef er nach dem jüngst erfolgten Tode seines Vetters und Schwagers Baron Alexander Hatva ny-Deut sch wurde, hat er mit diesem an der Schaffung der ungarischen Zuckeriudustrie, die zu einem großen Aufschwung des Wirtschaftslebens führte, hervorragend teilgenommen. Zäh und unverdrossen arbeitete der Verstorbene mit großer Energie an dem Zustandekommen der Bedingungen des Aufblühens dieses Industriezweiges. Er genoß auch in wirtschaftlichen und politischen Kreisen Ungarns wegen seiner hervorragenden Tätigkeit das größte Ansehen und . es wurde ihm von der ungarischen Regierung die Aufgabe übertragen, sich den Delegierten der ungarischen Regierung bei der Brüsseler Zuckerkonferenz als Beirat für die Fragen der Zuckersteuer uud des Zuckerzolles auzuschließen. Ihm ist es zu verdanken, daß Ungarn in dieser Konferenz für sich so große Vorteile errungen hat. Er legte auch Zeugnis modernen sozialpolitischen Denkens ab, indem er in seinem Unternehmen für ausgezeichnete Wohlfahrtsinstitutionen sorgte. Der Verstorbene gehörte zu den ersten Philanthropen des Landes und stand der ungarischen Filiale der Israelitischen Allianz als Präsident vor. Baron Josef Ha tvany-Dentsch war im Jahre 1858 geboren und hatte schon von früher Jugend an nach Absolvierung des Studiums an der Leittuig der Firma Jg. Deutsch & Söhne teilgenommen. Besonders tat er sich auf dem Gebiete der ungarischen Znckerfabrikation hervor. Wegen seiner Verdienste auf industriellem Gebiete wurde er ins Magnatenhaus berufen und durch die Verleihung des Komturkreuzes des Franz Josefs-Ordens mir dem Stern und der Eisernen Krone dritter Klaffe ausgezeichnet. An seiner Bahre trauern die Gattin Fa uni geborene Latzko, die Söhne Andor und Berthold, die Töchter Lilly und Antonie, die Brüder Bela und Karl. Am 8. Jnni fuhr der Verstorbene nach Nauheim zur Kur und leitete von dort die Angelegenheiten seiner Unternehmungen. Der Tod erfolgte plötzlich. Seine Gattin liegt krank im Herczelschen Sanatorium, wo sie sich vor einigen Tagen einer schlveren Operation unterziehen mußte. Der Leichnam wird nach Budapest gebracht und in der Familiengruft beigesetzt werden. Aufruf zur Kründung einer jüdischen Kerlagsgeseüfchaft auf genossenschaftlicher Aasts. Und es, verwundet durch u n s e r e Vergehen, gedrückt' durch unsere Sünden, — dennoch unseres Friedens Einignngsband ans ihm und in seiner Gemeinschaft wird uns Heilung werden. Jesaja 53, 6. Juden! Es ist eine ernste, dringende und heilige Sache, in welcher wir uns heute an Euch wenden. Es gilt, unseren enormen Geistesschatz, unsere einzig dastehende jüdische Literatur vor sicherem Untergange zu bewahren. Während jedes Volk sein geistiges Eigentum hütet nnd pflegt,, während jede menschliche Organisation die Erzeugniffe ihres psychischen Schaffens allen ihren Mitgliedern zugänglich zu machen strebt, laffen wir unser hehres jüdisches Schrifttum, das viele Tausende von hervorragenden, erlesenen Werken umfaßt, vergilben und zugrunde gehen, laffen wir das Lebenswerk unserer Größten unbarmherzig der Vergessenheit nnd Verschollenheit anheimfalleii. Gehet nur einmal in eine der größeren jüdischen Bibliotheken und haltet dort Umschau auf diesen Friedhöfen unserer jüdischen Literatur. Ihr werdet dann das schmerzliche Wunder erleben, zu. sehen, wie die im Golus mühsam gesammelten Schätze versinken nnd in Staub zerfallen, während draußen der Abfall graffierc, während unsere Jugend täglich mehr und mehr dem Judentum entfremdet wird — weil, sie es nicht kennt. , Diesen Zuständen zu steuern, haben wir uns die Erhaltung nnd Verbreitung unseres jüdischen Schrifttums zur Aufgabe gesetzt. Unserer Heranwachsenden Jugend, welche von einer mächtigen religiösen Bewegung erfaßt ist, die sich mit allen Fibern nach dem verlorenem religiösen Glück zurücksehnt, die den Glauben besitzt, der jedoch die Kunde fehlt, wir wollen ihr den Rückweg zum alten, ewigen Judentum ermöglichen nnd ebnen. Wir werden unser Angenmerl ans zwei Ziele konzentrieren; einmal wollen wir unser jüdisches Schrifttum durch systematische Verbreitung gediegener nnd billiger Volksausgaben dem jüdischen Publikum — soweit es noch für Judentum Interesse bekundet — näher bringen, wollen wir unsere nationale Literatur aus der Diaspora der Bibliotheken' und des privaten Besitzes sammeln, sichten nnd einem möglichst weitem: Kreise vertraut machen; andererseits soll den jüdischen Autoren zu günstigsten Bedingungen Gelegenheit geboten werden, diese nationale Literatur zu - bereichern und zu befruchten. Beide Ziele sind von gleicher Bedentsamkeit, von gleicher ethisch-jüdischer Höhe nnd von zu zwingender Notwendigkeit, als daß derselben das Wort geredet werden müßte. Es handelt sich hier keineswegs darum, die Liste der Verlagsgesellschaiten um eine zu vermehren oder die unübersehbaren Bücherkataloge zu. bereichern, sondern um Sein oder Nichtsein, um Bestand oder Unbestand Eures Judentums. Solange das Ghetto uns umfing, solange seine Mauern auch die Grenzen unserer Gedankenwelt bedeuteten, waren wir vor Entfremdung und Assimilation geschützt. Heute, da uns ein ganz und gar nureligiöses, unjüdisches Leben .umbranst, kann uns nur ein eiserner Wille ein starkes jüdisches Innenleben und Selbstbewußtsein, die Sättigung mit: jüdischem Wissen dem Judentum erhalten. Wenn Ihr nicht wollt, daß die ehrwürdige Reihe der Ahnen, die vor Gott und im Judentum lebten,, gerade bei Euch und durch Euch unterbrochen werde und sich in einer nujüdischen, thorafremden Jugend in das extreme Gegenteil ihrer Lebensbestimmnng nmkehre; wenn Ihr nicht wollt, daß in fünfzig Jahren Eure Tempel als Pagoden der ansgestorbeuen „Frommen" gezeigt werden, daß. Eure Gebetbücher, Eure Tefillin und Meiusoth Euren Kindern nichts mehr als pietätvolle Andenken bedeuten; wenn Ihr nicht wollt, daß Eure Kinder und Enkel gedankenlos das zerstören/ was unser Volk in zwei Jahrtausenden mit seinem Leben anfgebant, mit seinem Herzblut, mit seinen Tränen und Senfzern besiegelt, nnd geheiligt hat; dann dürft Ihr nicht länger teilnahmslos mitansehen, wse unsere Jugend ihrem jüdischen Sinn entwurzelt und um ihr Judentum betrogen.wird, wie sie heranwächst, ohne von demselben eine Ahnung zu haben, ohne hebräisch lesen zu können.. Dann zeigt dieser Jugend, w a s sie mit ihrer Religion verliert, w a s sie mit ihrem Judentum anfgibt und wenn sie es dennoch verschmäht, werdet I h r wenigstens Eure Pflicht erfüllt haben. Deshalb appellieren wir an dieses jüdische Pflichtbewnßtsein, uns in dem Streben, den jüdischen Bevölkerungsschichten, vor allem der jüdischen Jugend, ein tiefes Erfassen nnd Eindringen ins Judentum zu ermöglichen, nach Eurem besten Können zu fördern. Um Großes leisten zu können, brauchen wir Eure finanzielle, und geistige Mithilfe, Eure Ermutigung und Euer stetes Interesse. Wir fordern jeder m a n n zurZeichn lt n g v o n Anteilscheinen der Jüdischen V e r l a g s g e s e l l - sch a f t auf, die int Betrage bo« 40 Kronen ausgegeben we c. d e n und denen eine sehr günstige Verzinsung mit Bestimmtheit vorausgesagt werden darf. Es ist begreiflich, daß unser Werk,_ wenn es vor Störungen bewahrt werden soll, auf solider finanzieller Grundlage fundiert sein muß. Also, nochmals : wir wollen keine Mildtätigkeit, sondern Eure freudige Mitarbeit, kraftvolle Betätigung Eures jüdischen Pflichtgefühls. A n m e l d n n g e n uud V o r s ch l ä g e sind an Zeichner dieses zu richten. .. Für das vorbereitende Komitee: M ax H i ckl, R e d a kte ür, B rünn, Adl er g ass e Nr. 9.