Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 26 (4.7.1913)
- Date
- 1913-07-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26. Die Wahrheit Seite 3. Urne und alte Sqnagagen-Mnstk ' IV. Mit meiner heutigen Besprechung verlasse ich zunächst Deutschland und begebe mich in das Gebiet jenseits der .schwarzgelben Grenzpfähle, wo durch lauge Zeit die Synagogenmusik- Werke, wie Pilze nach ergiebigem Regen, aus dem Boden schossen; ich hatte mir die Muhe nicht verdrießen lassen, all' diese größeren und kleineren, mehr, minder oder gar nicht interessanten österreichisch-ungarischen Werke durchzusehen und erhielt den betrübendsten Eindruck von jenen Arbeiten, deren Autoren, rein musikalisch genommen, zweifellos viel Können bewiesen, in ihren Formen und Ansdrncksweisen aber so an der Snlzer'schen Schablone hängen, daß. sie anscheinend sich selbst anfgaben, um eine fremde Kunst zu adoptieren. Es kommen dabei nicht etwa Snlzer-Kopien heraus, sondern Zwittergebilde von mißverstandener Harmonie und Melodie, alles verzerrt, Verkürzt oder verlängert, wie durch den Vexierspiegel gesehen. Viele bauen auf alter Form ein scheinbar neues Gerüst, der Schacht ihres eigenen Könnens ist aber nicht s o tief, daß ein Durchblitzen der alten, längst bekannten Fassung vermieden werden könnte. Die Unzulänglichkeit der älteren formalistischen Richtung, deren Einwirkung viele dieser Autoren sich nicht entziehen konnten, tritt uns entgegen, Können und Wollen stehen im grellen Mißverhältnis; viele sind dieser Richtung auch gar tiicht gewachsen, ihr eigenes Erfindungsvermögen verließ sie gänzlich, und sie nahmen Zuflucht zu einer kompilatorischen Verwendung längst dageweseuer Floskeln oder Phrasen, und das -einzig „charakteristische" an diesen Arbeiten bleibt — „Charakterlosigkeit." — Die Nach-Sulzer'sche Periode bringt jedoch, in allen Teilen der Monarchie auch Komponisten, die für ihre Gedanken neue Formen schufen oder die vorhandenen für ihre Zwecke oder Eigenart gänzlich nmgestalteten; nicht der Trieb „auch" komponieren zu müssen, drückte ihnen die Feder in die Hand, sondern die Notwendigkeit, ans diesem Gebiete etwas Neues und Selbständiges zu schaffen. Ans früherer Zeit steht hier Rubin -Prag an erster Stelle; 'in all' seinen zahlreichen Gesängen dokumentiert er solch außerordentliche Eigenschaften, daß sein Name unter den Synagogen-Musikern stets in Ehren genannt werden muß; mag auch hie und da einiges aus Stoff und Geist von Sulzer abzuleiten sein, so ist doch dergleichen bei Rubin zu verinnerlichtem Eigentum verarbeitet worden und feine persönliche Eigenart zeigt ein frisches Idiom, das -nur einer tief musikalischen Natur entspringen iomite; vornehmer, empfindungsvoller Ausdruck im Einzelnen, kunstgerechte Ausgestaltung fein ziselierter Melodien und formenstrenger Piecen,Streben nach Wortmalereikennzeichnen NubinsStil. Auch G r ü u z w e i g - Arad gehört zn den besten Meistern jener Zeit; sein starkes, persönliches Können tritt überall mit solcher Bestimmtheit in den Vordergrund, daß es öftere, scheinbare Annäherungen au Sulzer, besonders in der Motivverwendnng, verdeckt. Ein Musiker von bedeutendem Wissen ist Ferdinand Singer -Pest; seine Freitag-Abendgesänge bergen eine ganz außergewöhnlich kunstvolle polyphone Fassung; was auch hier oft wie Virtnosenarbeit oder bravouröse Mache aussieht, steht bei genauerem Hinhorchen im Dienste einer hochpoetischen Stimmnngsknnst. Neben dem vortrefflichen Werke von Heller-Brünn, wurden noch G o l d st e i n -Steinamanger und Neubauer- Temesvar oft gewürdigt. Anrecht auf besonderes Interesse hat das sephardische Musikwerk "na^n in»,,. von Bauer - Löwit- Wien. Trotz ihrer eigentlich geringen technischen Schwierigkeiten, haben diese Gesänge nur für jene vorgerückten Musiker Wert, die auch diesen fremden, für die Wissenschaft doch wichtigen spagniolischen Chasonus Interesse entgegenbringen. Der mit 'voller Bestimmtheit allen Gesängen ausgeprägte exotische Charakter, ist überall so treffend festgehalten, daß man in den Autoren fast 'Vollblut-Spagniolen vermuten könnte; da sie es aber nicht sind, scheint ihr Verdienst, sich in diese Materie so eingelebt zu haben, ein umso größeres und bewunderungswerteres. Eine eigentümliche, anfänglich vielleicht befremdende, bald aber doppelt anziehende Wirkung übt jener würdige Ernst ans, der all' diesen Gesängen innewohnt, selbst da. wo die Melodie nach einer tändelnden Weise geformt scheint; überall klingt jenes geheimnisschwere Weh durch, daß die Glaubensbrüder in diesen fremden Ländern ertrugen. Die bedeutendste Nen-Erscheinung der Snlzer-Richtung ist das Werk spr» na na des ausgezeichneten ungarischen Kollegen K'a r t s ch m a r 0 f f-Kanizsa. Der Komponist stempelt sich im Vorworte seines Opus selbst zum „Sulzerianer"; zweifellos besitzt er jene liebliche Gemütstiefe der vormärzlichen Wiener Meister, wie Würfel, Küßmayer, R a n d h a r t i n g e r, die einst am Snlzer'schen na mitarbeiteten, und doch ist Kartschmaroff keinesfalls Eklektiker, weil er seine persönliche Note nirgends durch bloße Nachtreterei erdrücken ließ. Der „chasanische" Kern im Naturell Kartschmaroff's scheint niemals verhüllt, überall kommt die eigene Kraft sieghaft zum Durchbruch. Das stupende Beherrschen kantoraler Wissenschaft schuf ein Meisterwerk, dessen Wert noch durch geistige Tiefe und kunstvolle Form gehoben wird. Oberkantor Singer -Kattowitz. (Fortsetzung folgt.) Oesterr-Ungar. Kantoren-Uerei». Wir ersuchen die geehrten Mitglieder alle Vereinsbeiträge während der Urlanbszeit des Vereinskassiers, d. i. vom 1. bis 31. Juli, an den Vorstand des „Oefterr.-nngar. Kautoren-Vereines", Wien, IX/t, senden zn wollen. Der V e r e i n s v 0 r st a n d. * * 0 b erhaii tor M. Sch 0r r. I. Vizepräsident des Vereines, hat 50 Exemplare seiner Kompositionen „Unesane Tokefu, „TPwescliofer godol“, „Weehol boe olom^ zugunsten des Witwen- und Waisenfondes des „Oesterr.-ungar. Kautoren-Vereines" gewidmet. Dieselben sind gegen Einsendung von K 2.50 durch die k. k. Hofnntsikalienhandlnug Guttmann, Wien, I., Opernhaus, oder beim Vereinsvorstande. H., Novaragasse, zu beziehen. Kiteratnr. Der Orient. Unter diesem Titel veranstaltet die „A l l g e m e i 11 e Jüdische K 0 l 0 u i s ati 0 ns - Org anis a t i 0 u" (A. I. K. O.) die Herausgabe eines eigene« Pnblikatiousorgans. Die Zeitschrift will dazu beitragen, darzntnn. was derOrientsürdisJuden und was die Juden für den Orient werden können. Die vorliegende Nummer für den Monat Juni enthält — unter den Rubriken „Die Jüdische Kolonisation", „Die Inden und die Orieutkolonisation", „Wirtschaftliche Erschließung des Orients" und „Kommerzieller Levanteführer" — verschiedene Aussätze, die ein interessantes und wissenswertes Tatsachenmaterial über die wirtschaftliche und sozialpolitische Entwicklung des Orients bringen. Besondere Berücksichtigung findet in diesen Berichten, der Ausgabe der A. I. K. O. entsprechend, das jüdische Kolonisationswert; das Blatt ist denn auch in erster Linie für die Mitglieder der A. I. K. O. bestinunt, denen es unentgeltlich zngestellt wird. Außerdem soll „Der Orient" an allen bedeutenden Plätzen der Levante, vornehmlich in den jüdischen Kolonien Palästinas Verbreitung finden. Austritte ans dem Indentnm. Fabian Georg, Opernsänger, geb. 26. Dezember 1878 in Preußen. Wien, VI., Mariahilserstraße 121. 33 t a u ft e i n Ernestine, Fanny, Private, geb. 31. Dezember 1890 in Wien. H.. Patzmanitengasse 2. Brumlik Karl. geb. 12. August 1887 in Böhmen. IE., Taborstraße, Hotel National. Lederer Antonia, geb. 15. August 1870 in Böhmen. XHL, Sechshauserstraße 85. B enzion Daniel, Buchdruckergehilfe, geb. 8. Juli 1887 in Ungarin XX.. Standingergaffe 4. K l a b e r Valerie, Schneiderin, geb. 8. November 1890 in Wien. XX., ' Dresdnerstraße 51. Elster Natan, Vertreter, geb. 12. Juli 1884 in Lemberg. I.. Wollzeile 21. Ueberreich geb. Jner Frida Anna Leontine, Privat, geb. 13. Jänner 1888 in Wien. V.. Margarethenplatz 5. Rabl Kamilla, Modistin, geb. 4. September 1885 in Neuhaus. IV., Wohllebeugasse 5.